DDR-DiktaturInteresse an Stasi-Akten steigt

Die Neugier der Deutschen auf ihre Stasi-Akten ist groß. Fast 85.000 wollten 2012 in ihre Niederschriften schauen. Der Trend könnte sich wegen einer Neuerung fortsetzen.

Die Zahl der Anträge auf Einsicht in die Stasi-Akten ist 2012 größer gewesen als im Vorjahr. Bereits bis Ende November hätten 84.743 Bürger entsprechende Anträge gestellt, berichtete die Berliner Zeitung unter Berufung auf die Stasi-Unterlagen-Behörde (BStU). 2011 waren es demnach 80.611 Anträge gewesen.

Auch die Zahl der Stasi-Überprüfungen von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes ging deutlich nach oben. Hier gab es dem Bericht zufolge bis November 311 Auskunftsersuchen, im Gesamtjahr 2011 dagegen nur 210. Die Möglichkeit zu Stasi-Überprüfungen im öffentlichen Dienst war Ende vergangenen Jahres kurz vor deren Auslaufen um noch einmal acht Jahre bis Ende 2019 verlängert worden.

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Der Vorsitzende des Vereins DDR-Opfer-Hilfe, Ronald Lässig, forderte als Reaktion auf die neuen Zahlen eine personelle und finanzielle Aufstockung der BStU. "Die Aufarbeitung der SED-Diktatur ist alles andere als abgeschlossen", sagte Lässig. Die Zunahme bei den Anfragen begründete er auch damit, dass seit 2012 Angehörige von Verstorbenen leichter Akteneinsicht nehmen können.

111 Kilometer Aktenmaterial

Die Stasi-Unterlagen-Behörde bewahrt in ihren Archiven die 1990 sichergestellten Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR auf. Dabei handelt es sich um mehr als 111 Kilometer Aktenmaterial und mehr als 1,4 Millionen Fotos. Die Behörde stellt sie nach den Vorschriften des Stasi-Unterlagen-Gesetzes Privatpersonen, Institutionen und der Öffentlichkeit zur Verfügung.

Erster Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen war von 1990-2000 der jetzige Bundespräsident Joachim Gauck, der zu DDR-Zeiten als Pastor und Bürgerrechtler gegen das SED-Regime kämpfte. Seit vergangenem Jahr ist der Journalist und Bürgerrechtler Roland Jahn Bundesbeauftragter.

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Leserkommentare
  1. Stasiakten von Frau Merkel und Herrn Gauck besonders. Vielleicht könnte man die mal der Öffentlichkeit zugänglich machen.

    12 Leserempfehlungen
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    So weit geht die gepredigte Transparenz dann doch nicht.

    Was, wenn mich ihre Stasi-Akten interessieren? Darf ich die dann auch lesen?

  2. So weit geht die gepredigte Transparenz dann doch nicht.

    5 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

  3. ist dies kein Trend um sich Anregungen zu hohlen.

    Aber etwas mehr Deutschreflektiert zu berichten, wie es sonst so in Medien üblich ist und mit Ausnahme von Phoenix eher nicht stattfindet, wäre schon mal angebracht.

  4. 4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/mak

  5. Liebe Redaktion und wer das sonst noch ließt, bei -ref- reagiert bei euch wohl was auch ohne markierung als Tag.

  6. Josef Foschepoth - Überwachtes Deutschland, Vandenhoeck & Ruprecht

    3 Leserempfehlungen
  7. Meine kleine Stasiakte umfasste eine Seite, in der lediglich die Festsetzung dokumentiert war. Das bietet keine Rückschlüsse insgesamt. Aber es würde mich schon interessieren, wieviele der Stasiakten auch solche einblättrigen Aktenordner sind. Wieviel Aktenkilometer mit relativ sinnfreiem Material gefüllt sind, Material das bar derjenigen Unterlagen sind, die echte und nachhaltige Observierung, Beeinträchtigung, Denunziation usw. bedeutet. Also Quantität versus 'Qualität'.
    Ein Rechenbeispiel: die Gesamtbevölkerung der DDR betrug zum Schluss 16,7 Millionen Menschen. Wenn man z.B. 3 Millionen Kinder ansetzt, wären ca. 13,7 Mill. Menschen altersbedingt observierungswürdig gewesen. Alle wurden nicht in Akten geführt. Aber das lasse ich aus der Rechnung raus. Als Durchschnitt für eine jährliche Akteneinsicht habe ich 20000 für die letzten 24 Jahre pro Jahr angesetzt. Demnach hätte jeder 28. dieser 13,7 M. Menschen sich bisher seine Akte angesehen.
    Oder, was in der Statistik hier nicht aufgeführt ist - Doppelt- und Mehrfacheinsichten in ein- und dieselbe Akte.

    Eine Leserempfehlung
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    • Tiroler
    • 01. Januar 2013 14:26 Uhr

    Die Stasi hat nicht nur DDR-Bürger observiert (und über sie dicke Aktenordner angelegt), sondern auch Bürger aus dem nicht sozialistischen Ausland (NSA), ganz besonders jene, die eine Aufenthaltsgenehmigung für die DDR hatten. Dies müsste bei der Rechnung berücksichtigt werden. Ich habe als NSA-Bürger mit DDR-Aufenthaltsgenehmigung meine äußerst umfangreiche Stasi-Akte problemlos erhalten. In die in den NSA-Ländern über mich angelegten Akten erhalte ich aber keine Einsicht. Das finde ich ungerecht.

  8. Was, wenn mich ihre Stasi-Akten interessieren? Darf ich die dann auch lesen?

    4 Leserempfehlungen
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    dürften jeweils im Gegenzug auch gern meine Stasiakte lesen.

    ich keine. Einerseits weil ich im Westen aufgewachsen bin und andererseits weil ich dreizehn Jahre alt war als die Mauer fiel. Wahrscheinlich hätten Sie sich beim Studium meiner Akten eh gelangweilt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Joachim Gauck | Archiv | Behörde | Bundespräsident | Stasi | Zeitung
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