Fotografie : Gesichter Afghanistans

Seit 2006 berichtet der Fotograf John D McHugh aus Afghanistan. Er befürchtet nach dem Abzug der ausländischen Truppen einen Bürgerkrieg. Wir zeigen seine Porträts.

"Dem Krieg ein afghanisches Gesicht geben" – diesen Ausdruck hat John D McHugh dem US-Militär entnommen. Die Amerikaner schreiben demnach viele ihrer eigenen Erfolge öffentlich den Afghanen zu, um Stabilität und Selbstverantwortung zu suggerieren. Der irische Fotograf sieht darin jedoch eine Täuschung aller Beteiligten.

McHugh hält einen Bürgerkrieg nach dem Abzug ausländischer Soldaten bis 2014 für realistisch. Für seine Reihe "Putting an Afghan face on the war" hat er Afghanen in Schwarz-Weiß-Aufnahmen porträtiert.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Bürgerkrieg gleich oder später

"McHugh hält einen Bürgerkrieg nach dem Abzug ausländischer Soldaten bis 2014 für realistisch."

Klar, wäre man früher abgezogen hätte es den Bürgerkrieg eben früher gegeben.

Zieht man jetzt ab gibt es den Bürgerkrieg eben gleich.

Zieht man erst in zehn Jahren ab dann gibt es den Bürgerkrieg eben später.

Der einzige Unterschied ist wie viel Geld man dort versenken möchte und wie viele eigenen Opfer man bereit ist für etwas zu tragen was an sich keinen Unterschied macht.

Weniger zum vielleicht drohenden Bürgerkrieg,

dafür mehr zu den Fotos möchte ich sagen:

Mir scheint hier das Stilmittel der extrem unscharfen Oberkörper überspannt worden zu sein.
Die eigentlichen Portraits (der Ausdruck der Gesichter) gefallen mir.
Weniger unscharfe Oberkörper wären besser gewesen.
Vielleicht auch ein engerer Schnitt.
Die unscharfen und unwirklichen Bereiche des Fotos drängen sich dem Betrachter zu sehr ins Auge.

Gruß Max Stockhaus

Ich finde den Versuch von John McHugh grossartig....

.....als Zeitaufnahme in einem warscheinlich kleinen
Zeitfenster, in dem so etwas in Afghanistan moeglich
ist.
Seiner Vermutung ueber die Zukunft dieses Landes
kann man warscheinlich nur zustimmen: immerhin hat
es in den letzten 150 Jahren in diesem Land, das eig-
entlich nie ein Staat im westlichen Sinne war, nur etwa
30 Jahre (40er bis 60er Jahre) einen wackligen internen
Frieden gegeben, bis der letzte Koenig, Mohamed Zahir
Shah, von seinem eigenen Cousin gestuerzt wurde.

Die Tatsache, dass ein Pashtune, als Mitglied der groes-
sten Volksgruppe, Praesident von Amerikas Gnaden spiel-
an darf, aendert daran nichts. Der wird sich nach Abzug
der ISAF-Truppen wieder dorthin verfluechtigen, woher
er gekommen ist - zusammen mit seinen ergaunerten Mil-
lionen...........in die USA oder einem Land, von dem er nicht
ausgeliefert werden kann.

Fuer uns, als US-Satrapen, duerfte nichts bleiben, als die
Erkenntnis, dass es unmoeglich ist, die Gegenwart zu be-
greifen, ohne die Vergangenheit zu kennen/wuerdigen!

P.s. auch wenn man hier nur ein foto sieht, koennte....

....ich mir es als faszinierend vorstellen, den Fotos von
Afghanen (m/w) in Afghanistan solchen von Afghanen
(m/w) gegenueber zu stellen, die schon laengere Zeit
im z.B. westlichen Exil leben.
(Haeben die auch diesen unedlich traurigen Blick in
ihren Augen?)