VergewaltigungKardinal Meisner hält Pille danach in Ausnahmen für vertretbar

Kölns Erzbischof rückt von der harten Linie der katholischen Kirche ab: Eine Schwangerschaft zu verhindern, sei zulässig – unter Bedingungen.

Katholische Krankenhäuser im Erzbistum Köln dürfen vergewaltigen Frauen in bestimmten Fällen jetzt doch die Pille danach verordnen. Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner stellte klar, wenn das Medikament "mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar".

Wenn die nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommene Pille aber verhindere, dass sich bereits befruchtete Eizellen in der Gebärmutter einnisten, sei ihr Einsatz nicht hinnehmbar, sagte er in einer Erklärung des Erzbistums.

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Meisner hat auch nichts mehr dagegen einzuwenden, dass Ärzte vergewaltigte Frauen über Methoden aufklären, die eine Schwangerschaft verhindern, "die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind". Zudem dürften sie ihnen den Zugang dazu erläutern. Die Mediziner müssten aber, "ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern".

Die Ärzte zweier katholischer Krankenhäuser hatten die Behandlung einer 25-jährigen Frau abgelehnt. Sie wollte Beweise einer Vergewaltigung sichern lassen und außerdem die Pille danach bekommen. Die Krankenhäuser lehnten dies mit der Begründung ab, gynäkologische Untersuchungen zur Beweissicherung seien seit zwei Monaten untersagt, weil damit ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch verbunden sei. Die Krankenhausleitung hatte klargestellt, dass Ärzte, die sich der Regelung widersetzten, mit fristloser Kündigung rechnen müssten.

Erleichterung in den Krankenhäusern

Meisner hatte sich bei der Frau später im Namen der Kirche entschuldigt.

Der Katholische Krankenhausverband Deutschland begrüßte Meisners Erklärung. Der Erzbischof benenne den Stand der medizinischen Erkenntnis und ordne ihn "positiv in die Wirklichkeit unserer Krankenhäuser ein", teilte der Verband mit. Zugleich mache Meisner die katholische Position zur Abtreibung deutlich.

Auch Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) äußerte sich positiv über die "klarstellenden Worte des Erzbischofs". Sie müssten für alle katholischen Kliniken in Nordrhein-Westfalen Signalwirkung haben.

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Leserkommentare
    • raflix
    • 31. Januar 2013 19:01 Uhr

    ... um in einem Krankenhaus, das vom Staat finanziert wird (denn so ist es nun mal trotz Trägerschaft) ein Medikament zu bekommen, das in Deutschland legal ist! Ich möchte auch keine Aufklärung über katholische Moralvorstellungen, danke, die kenn ich selber, deswegen bin ich ausgetreten. Der Bischof soll sich da schlicht und ergreifend raushalten, das ist einzig und allein die Entscheidung der Frau.

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    Trotzdem finde ich das überdenken von festgefahrenen Meinungen sehr gut und würde mir wünschen, dass man sich auch an diskussionen heranwagt wie: In welchen Situationen ist der Mord an einem ungeborenen Lebewesen zulässig?
    Ist ein Leben unwert, weil es durch ein Verbrechen entstanden ist? Wie gehen wir mit der tragischen Situation um, wenn Opferschutz und das moralische Recht auf Leben kollidieren?

    Ich bin nicht prinzipiell gegen Abtreibungen - schon gar nicht gegen das verhüten von Schwangerschaften - aber ich denke, die Deutsche Gesellschaft macht es sich in der Diskussion auch etwas zu leicht. Denn, die Definition bis wann hierzulande abgetrieben werden darf ist durchaus nicht unumstritten.

    Es gibt immer mehr Krankenhäuser, Kindergärten und Schulen, die von beiden Kirchen betrieben werden, weil Kommunen den Betrieb abgeben und ausschreiben. Der Staat bzw. Sozialversicherungen zahlen weiterhin die Kosten. Es gibt jetzt drei Lösungen für die Probleme mit den Tendenzbetrieben.

    Es werden säkulare Betreiber bevorzugt. Bund oder Länder gründen eine Betriebsgesellschaft, um die Kommunen zu entlasten. Oder der Staat muss die Sonderrechte der Tendenzbetriebe einschränken.

    Verdi unterstützt Letzteres mit Klagen vor Arbeitsgerichten, deren Rechtssprechung sich langsam wandelt.

    Die Kommunen könnten bessere Verträge aushandeln. So könnten sie fordern, dass kirchliche Sonderrechte nur auf Priester anzuwenden sind. Staatliches Recht gilt für alle anderen Bediensteten. Kirchenmitglieder dürfen nicht bevorzugt werden (Diskriminierungsverbot). Auch der Leistungsumfang kann festgelegt werden. Keine Einschränkung der Mitarbeiter aufgrund religiöser Dogmen.

    Früher waren 50% der Beschäftigten Priester und Pfarrer. Heute sind es nur etwa 10%. Das wäre Grund genug für Politiker, die Sonderrechte der Tendenzbetriebe zu überarbeiten. Wahrscheinlich werden aber zuerst wie in Königswinter die Kommunalpolitiker aktiv werden und den Betreiber wechseln.

    Es ist auch bedenklich, dass Berufsberater den MuslimInnen nicht empfehlen, Krankenschwester, Altenpfleger oder andere soziale Berufe zu erlernen, weil sie in kirchlichen Betrieben nicht eingestellt würden!

    • raflix
    • 01. Februar 2013 15:27 Uhr

    ... aber nun wirklich nicht. http://de.wikipedia.org/w... "Als Hauptwirkung der Pille danach wird [...] die Verhinderung des Eisprungs (Ovulation) angegeben, also die ovulationshemmende Wirkung. [...]

    Der Eisprung ist die Voraussetzung für eine Befruchtung der Eizelle durch ein Spermium. [...] Ein sprunghafter Anstieg der Konzentration des Luteinisierenden Hormons (LH) im Blut löst ca. 14 bis 16 Tage vor der nächsten Menstruation den Eisprung aus. Hormone aus der Gruppe der Gestagene hemmen die Ausschüttung von LH. Levonorgestrel – der Wirkstoff der Pille danach – ist ein künstlich hergestelltes Gestagen, das gezielt die LH-Ausschüttung und damit den Eisprung verhindert.

    Neben der Wirkung auf den Eisprung wurde experimentell eine Verminderung der Beweglichkeit und Funktionsfähigkeit von Spermien durch die Wirkstoffe festgestellt. Die Gabe von Levonorgestrel führt zu einer verminderten Zahl von Spermien in der Gebärmutter. [...]

    Ob Levonorgestrel die Einnistung (Nidation) befruchteter Eizellen in die Gebärmutterschleimhaut hemmt, ist wissenschaftlich umstritten. Direkte Hinweise für eine solche Nidationshemmung existieren nicht."

  1. Sie machen es sich einfach. Sie vertreten einseitig den Standpunkt der Kirche und lassen dabei eine ganze Reihe Dinge außer acht!

    Bei der Pille danach geht es nicht um Abtreibung. Das hat Meisner ja inzwischen eingeräumt, hätte er machen sollen, BEVOR er Leitlinien rausgibt.
    Sie lassen auch außer acht, dass der Kirche auch eine VersorgungsVERANTWORTUNG nachkommt, wenn sie sich auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung tummelt und erwartet, dafür von der Allgemeinheit finanziert zu werden. Dann muss sie sich auch an Regeln halten.

    Sie mahnen an, dass sich die Kirche nicht dem Dogma ihrer Gegner beugen muss, finden aber völlig selbstverständlich, dass die Gesellschaft sich dem Dogma der Kirche beugen muss.

    Das Argument, dass man ja nicht gezwungen sei, ein katholisches Krankenhaus aufzusuchen, ist keines! Es gibt Regionen in Deutschland, da kommt man gar nicht an der Kirche vorbei und Patientinnen müssten 40, 50 km oder mehr in Kauf nehmen, um überhaupt in Notsituation einen nicht-katholischen Träger zu erreichen! Der auslösende Fall hier spielt in Köln, einer Großstadt - selbst hier das zu Problemen zum Nachteil der Patienten geführt.

    Es bleibt die Devise: Die katholische Kirche betreibt ihr Engagement im Bereich Gesundheitsversorgung FREIWILLIG! Niemand zwingt sie dazu. Deshalb hat sie sich an die Spielregeln zu halten, die für alle Leistungserbringer gelten und darf dort eben NICHT ihre Werte derart ausleben, dass dies zu Einbußen in der Versorgung führt.

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  2. Beschämend ist nach wie vor, dass die "Pille danach" nur an vergewaltigte Frauen abgegeben werden soll.

    Das Thema "Finanzierung katholischer Krankenhäuser" durch die Allgemeinheit ist damit noch nicht vom Tisch, solange sie sich der Abgabe der "Pille danach" in den meisten Fällen verweigern.

    Man sollte dies zum Anlass nehmen, endlich den Bezug über Apotheken möglich zu machen.

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  3. Solange Sie grundsätzlich und in jedem Fall unsachlich von "Mord an ungeborenem Leben" sprechen, machen Sie es sich zu leicht und bewegen sich abseits einer Plattform, von der aus eine angemessene Diskussion möglich ist, die ALLE ethische Fragen in diesem Zusammenhang im Blick hat!

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  4. Nach einer Beratung durch Fachleute hat Kardinal Meisner seine persönliche (!) Sichtweise über die sogen. "Pille danach" geändert. Ihm sei nicht klar gewesen, dass es verschiedene Präparate mit unterschiedlicher Wirkweise gebe...
    "Nach wie vor seien aber jene Pillen ethisch nicht zu vertreten, die eine bereits befruchtete Eizelle an der Einnistung in der Gebärmutter hindern und dieser die Lebensgrundlage entziehen.
    Denn einer befruchteten Eizelle komme der Schutz der Menschenwürde zu..."
    http://www.aerzteblatt.de...

    Der Anspruch auf "Menschenwürde" und "Schutz" der vergewaltigten Frau" wird demnach nach 2-3 Tagen für beendet erklärt!

    So hören sich also die "klarstellenden" Worte an, die die GRÜNE Gesundheitsministerin NRWs auch noch positiv würdigte.

    Eine Schande, dass im 21. Jahrhundert eine angeblich "aufgeklärte mündige" Gesellschaft sich bei einem mittelalterlichen Altmänner-Klerus, der vom realen Frauenleben incl. seiner gynäkologischen und psychologischen Komplexität NULL Ahnung hat meint, sich noch kniefällig dafür bedanken zu müssen, wenn sie in "bestimmten Fällen" die diesen Brüdern willkürlich ("ethisch") genehm ist,
    gegenüber vergewaltigten Frauen barmherzig sein darf!

    Zu bedauern ist nicht minder die arme befruchtete Eizelle, die „Humanae vitae"-gezwungener Maßen im Körper einer nicht mehr schutzwürdigen Frau zu einem fröhlich-katholischen Christenmenschen heranzureifen hat...

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  5. 35. Wertung

    Sachlich korrekter ist übrigens die Feststellung, dass sich die katholische Kirche mit der bisher (in Köln und einigen anderen Regionen, nicht überall!) praktizierten Regelung, Spurensicherung mit dem Argument komplett zu verweigern, SICHER Täterschutz betreibt! SICHER! Ohne wenn und aber.

    Wenn hier von Ethik die Rede ist, darf dieser Gesichtspunkt schlicht nicht außer acht gelassen werden.

    Jede zeitliche Verzögerung in diesem Fall spielt dem Täter in die Hände. Kirche kann ja den Standpunkt vertreten, dass Frau doch bitte alles auszuhalten hat, nur um Leben zu schützen. Aber ist es mit dem Wertekanon der Kirche vereinbar, Täter zu schützen? Diese Frage sollte sich Kirche dringend mal nicht nur in diesem Fall stellen.

    6 Leserempfehlungen
  6. "Sie reden auf der Grundlage, dass es der Kirche gar nicht erst zusteht, ihre Werte in der Gesellschaft zu platzieren."
    Nein!

    "Kirche und Glaube ist für Sie reines Privatvergügen."
    Nein!

    "Wenn die Kirche irgenwo mitmachen wolle, gern, aber dann bitte unterordnen und bloss keine eigenen Vorstellungen mit einbringen."

    NEIN!

    Lesen und verstehen! Und versuchen Sie das auf Basis dessen, dass die Kirche NICHT berechtigt ist, in einer säkulare Gesellschaft ihr Wertemodell als Maßstab für alle durchzudrücken!

    Es geht auch nicht umgekehrt darum, das Kirche "irgendwo" mitmachen und sich unterordnen soll!

    Es geht hier um das Gesundheitswesen! Dort gibt es einen Versorgungsauftrag. Leistungserbringer, die sich VERPFLICHTEN, den Versorgungsauftrag wahrzunehmen, bekommen dafür auch etwas vom Staat zurück. Sie verpflichten sich - sie erhalten etwas. Leistungserbringer, die sich nicht verpflichten wollen, aus welchen Gründen auch immer, dürfen das! Nur müssen sie das dann rein aus eigener Kraft erwirtschaften. So einfach ist das.

    Wenn die Kirche in ihren Häusern nur Leistungen unvollständig erbringen will, muss es andere Häuser geben, die diese Leistung erbringen. Nur kann kein Haus davon leben, nur die von der Kirche nicht geliebten Dinge anzubieten. Und der Steuerzahler / Beitragszahler kann es sich nicht leisten, Einrichtungen doppelt vorzuhalten, nur weil jemand ein eigenes Wertegerüst pflegt. Dann muss die Kirche eben gucken, wie sie das finanziert, als Privatklinik!

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  7. wenn die Menschen selber denken würden, anstatt von Päpsten und Kardinälen denken zu lassen! Man stelle sich eine demokratische Kirche vor! Aber nein, so geht das nicht. Man vertraut auf die Interpretation uralter Schriften durch irgendwelche Gelehrte von oben herab! Das hat der Mensch nicht verdient! Seine Schönheit wird Hauptsächlich durch seinen Verstand beschrieben. Er ist es, der ihn einzigartig macht! Habt Mut euch eures eigenen Verstandes zu bedienen!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tst
  • Schlagworte Joachim Meisner | Grüne | Vergewaltigung | Katholische Kirche | Abtreibung | Arzt
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