MenschenrechtEuropagericht billigt Kreuz-Ketten bei der Arbeit

Dürfen christliche Angestellte am Arbeitsplatz eine Kette mit Kreuz sichtbar tragen? Das Europäische Gericht für Menschenrechte urteilte: Ja, allerdings gelten Ausnahmen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat das Recht christlicher Angestellter anerkannt, am Arbeitsplatz eine Kette mit einem Kreuz sichtbar zu tragen. Allerdings gibt es Einschränkungen beispielsweise bei der Arbeit von Krankenschwestern im Krankenhaus oder im Pflegebereich. Das geht aus einem nun verkündeten Urteil hervor. Die Klage richtete sich gegen Großbritannien.

Im Fall einer Angestellten bei der Fluggesellschaft British Airways stellten die Richter eine Verletzung ihrer Religionsfreiheit fest, weil ihr das offene Tragen des religiösen Symbols nicht erlaubt wurde. Sie sprachen der 61-jährigen Mitarbeiterin des Bodenpersonals eine Entschädigung von 2.000 Euro zu.

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Nicht verletzt worden sei jedoch die Religionsfreiheit einer Krankenschwester, heißt es in dem Urteil. Weil die Schwester alte Menschen pflege, sei der Schutz der Gesundheit der Patienten jedoch vorrangig ebenso wie die Sicherheit im Krankenhaus, befand das Gericht. Die Patienten könnten sich bei unbedachten Bewegungen an der Kette verletzen.

Religiöse Symbole bei der Arbeit durch Menschenrecht geschützt

Deshalb hatte der Arbeitgeber die Krankenschwester aufgefordert, ihr Kettchen unter einem Pullover nicht sichtbar zu tragen. Sie hatte aber ebenso wie die Angestellte bei British Airways darauf bestanden, dass das Kreuz für alle sichtbar ist. Das Recht, religiöse Symbole am Arbeitsplatz zu tragen, sei durch die Menschenrechtskonvention geschützt, allerdings müsse dieses Recht mit den Rechten anderer ausgeglichen werden, heißt es in dem Urteil.

Abgewiesen wurden die Klagen einer Standesbeamtin und eines Sexualtherapeuten. Sie hatten es aus Glaubensgründen abgelehnt, gleichgeschlechtliche Paare zu trauen beziehungsweise zu beraten. Gegen das Urteil kann Berufung beantragt werden.

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Leserkommentare
    • Suryo
    • 15. Januar 2013 13:17 Uhr

    Sehr vernünftige Urteile, bis auf das mit der Krankenschwester - was soll denn das für eine Kette gewesen sein, an der sich Patienten verletzen könnten? Zwei Meter Stacheldraht mit pfundschwerem Kruzifix? Geschehen solche Verletzungen oft und sind sie wirklich schwerwiegend? Bei einem Anhänger wie dem auf dem Photo hielte ich die Verletzungsgefahr jedenfalls für vernachlässigbar.

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    Jeder offen getragene Schmuck birgt ein Verletzungsrisiko, entweder für sich selbst oder den Gegenüber. Ich hatte schon das zweifelhafte Vergnügen dies mitzuerleben ( Ringfinder ab wegen getragenem Ehering am Arbeitsplatz ) Dabei ist es auch völlig irrelevant ob es sich um ein Kreuz, einen Halbmond, einen Totenkopf oder Homer Simpson handelt. Dementsprechend sind diese Urteile in den Fällen zu begrüßen. Sicherheit am Arbeitsplatz geht vor ästhetischen oder religiösen Empfindungen. Ganz nebenbei frage ich mich ob man ein schlechterer Christ ist wenn man kein Kreuz mehr tragen darf und ob man wegen so einer Nichtigkeit vor Gericht ziehen muss.

    • Yuminae
    • 15. Januar 2013 13:26 Uhr

    Eine Kette, so wie ein Ring, sind meist hochverseucht mit Bakterien und deshalb darf Schmuck auch nicht in Krankenhäusern getragen werden oder bei Arzthelfern. Ebenso wenig sind lange Fingernägel erlaubt, da die Hygiene gewährleistet sein muss (ich weiß, ich bin auch immer schockiert wie wenig Leute das ernstnehmen. Allerdings spreche ich auch diese immer darauf an).

    Eine Kette ins Auge zu bekommen kann schonmal sehr gefährlich sein, und wenn ich jemanden lagere, umlagere, dann schwingt es hin und her und je nachdem wo ich mich befinde kann ich ein Auge oder aber auch die offene Wunde berühren. Die Schmerzen einmal dahingestellt, ich persönlich sehe eher die bakterielle Gefahr.

    Im Übrigen dürfen Fußballer auch nicht mit hin und herpendelnen Ketten am Hals spielen. Eben auch aus dem Verletzungsgrund.

    Merkwürdig allerdings auch, dass eine Krankenschwester, die sensibel zu Sterbenden und Kranken sein sollte, darauf besteht, dass sie Andersgläubigen oder Atheisten nochmal vor Augen hält, dass ihr Gott besser ist. Moralisch finde ich das auch etwas bedenklich. Warum offen tragen? Warum nicht unter dem Pulli? Ist das wirklich so schmerzhaft schwer?

    Vielleicht, aber es ist dem Arbeitgeber nicht zuzumuten, für jeden Mitarbeiter eine individuelle Risikoabwägung für den Schmuck zu machen. Von daher halte ich ein Schmuckverbot an solchen Arbeitsplätzen nicht für übertrieben.

    In Pflegeberufen wundert es mich allerdings ein wenig - ich habe das Gefühl, dass insbesondere Altenpflegerinnen stark zu hohem Metallanteil neigen. Da hab ich mich schon gefragt, ob man den Rand des perforierten Ohrs nun vielleicht einfach abtrennen kann. Und was passiert, wenn sich einer der vielen Ringe in einer Braunüle verhakt.

  1. Jeder offen getragene Schmuck birgt ein Verletzungsrisiko, entweder für sich selbst oder den Gegenüber. Ich hatte schon das zweifelhafte Vergnügen dies mitzuerleben ( Ringfinder ab wegen getragenem Ehering am Arbeitsplatz ) Dabei ist es auch völlig irrelevant ob es sich um ein Kreuz, einen Halbmond, einen Totenkopf oder Homer Simpson handelt. Dementsprechend sind diese Urteile in den Fällen zu begrüßen. Sicherheit am Arbeitsplatz geht vor ästhetischen oder religiösen Empfindungen. Ganz nebenbei frage ich mich ob man ein schlechterer Christ ist wenn man kein Kreuz mehr tragen darf und ob man wegen so einer Nichtigkeit vor Gericht ziehen muss.

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    Antwort auf "Vernünftig, aber...."
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    "Ganz nebenbei frage ich mich ob man ein schlechterer Christ ist wenn man kein Kreuz mehr tragen darf und ob man wegen so einer Nichtigkeit vor Gericht ziehen muss."

    Nein, man ist dann natürlich kein schlechter Christ. Aber ich frage mich schon, wo wir hier leben, wenn Fluggesellschaften (!) ihren Angestellten das Tragen persönlicher Schmuckgegenstände verbieten (und wir reden nicht mal von Gesichtspiercings...). Ich finde daher weniger die Klagen lächerlich als die vorausgehenden Verbote der Arbeitgeber. Sind wir denn alle Lohnsklaven, dass wir uns solchen Diktaten beugen müssen?

    Seien Sie mir bitte nicht böse - aber ich kann mir es nicht verkneifen:

    Sie habe vollkommen Recht mit Ihrer Behauptung "Jeder offen getragene Schmuck birgt ein Verletzungsrisiko, entweder für sich selbst oder den Gegenüber.": deswegen werden die Juden in Dänemark dazu aufgerufen, ihre religiöse Symbole (Kippa, Davidstern) nicht in der Öffentlichkeit zu tragen, denn DIESE BERGEN EIN VERLETZUNGSRISIKO http://diepresse.com/home...

    Über Malmö brauchen wir gar nicht reden.

    Ebensolchem Verletzungsrisiko setzt sich jeder Angestellte einer Fluggesellschaft aus, wenn er/sie in Saudi Arabien landet, und ein Kreuz um den Hals bzw. eine Bibel in Besitz hat.

    Aber, "wir sind nun mal tolerant und zeigen nicht, was uns wichtig ist und was wir verabscheuen und wollen jedem Recht machen, besonders denen die am lautesten schreien." ;-))

  2. Als bekennender Atheist: Warum sollte jemand seinen Glauben nicht zeigen dürfen? Ein Kreuz, eine Kette, ein Ohrring ... wen stört das denn? Sind wir so verbiestert, dass wir jedes öffentlich bekundete Überzeugung gleich als Akt der Provokation und Subversion brandmarken?

    Mich stört in meinem Nichtglauben weder ein Kreuz noch ein Kopftuch oder sonst ein diskret getragenes Zeichen einer Anhängerschaft zum Einen oder Anderen.

    Die Sicherheitsfrage ist davon unberührt. Eine offen getragene Kette an einem Handwerker, der an der Drehmaschine steht wäre mehr als unvernünftig. Was uns zu dem Hindu bringt, der in Hamburg gerichtlich durchsetzte auch auf dem Motorrad Turban statt Helm tragen zu dürfen.

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    In Hamburg auch? Ich kenne nur den Fall aus Süddeutschland.

    http://www.suedkurier.de/...

    [...]
    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als beleidigend verstanden werden können. Danke, die Redaktion/jk

  3. 5. Warum?

    Und warum muß eine christliche Stewardess so dringend ihr Kreuz sichtbar tragen? Kommt sie in die Hölle wenn sie während der Arbeit (immerhin im Service) mal keine Werbung für ihren Glauben macht?

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    Nur weil Sie sich daran stören? Den einen ärgert der Brioni-Anzug seines Gegenübers, den anderen dessen Schlapperjeans. Aber kann man daraus einen Anspruch ableiten, dass der andere sich so kleidet, wie ich es gerne haben möchte?

    Wenn Sie das als Werbung betrachten - dann ignorieren Sie das doch einfach.

    Warum um alles in der Welt fühlt man sich von einem Kruzifix gestört und von häßlichen Frisuren nicht?? Man kann nicht jedem, der ein Kreuz trägt vorwerfen dadurch Nichtgläubige missionieren zu wollen! Wenn mir jemand mit einer Glatze entgegenkommt, behaupte ich schließlich auch nicht, er sei ein Nazi der gleich den nächsten Afrikaner umbringen will.

    Freiheit endet dort, wo sie die Freiheit eines anderen einschränkt. Durch das Tragen einer Kette ist es denklogisch gar nicht machbar jemanden damit in seiner Freiheit einzuschränken. Von daher verstehe ich Sie nicht.

    Zitat: "...Und warum muß eine christliche Stewardess so dringend ihr Kreuz sichtbar tragen?..."

    Und warum muss eine Muslima ihr Kopftuch so dringend sichtbar tragen?

    Und warum muss ein Atheist so offenherzig seinen Nichtglauben bewerben?

    Vielleicht kennt sie den technischen Zustand der Flugzeuge ihrer Airline und hofft, daß Beten hilft...

  4. Bei einer Krankenschwester wäre es aus meiner Sicht mehr als wünschenswert, wenn man ihre religiöse Einstellung daran erkennt, wie sie mit ihren Patienten umgeht. Ein Kreuz um den Hals ist nichts weiter als ein zur Schau gestelltes Bekenntnis von dem niemand sagen kann, wieviel Sein im Schein enthalten ist. Ich erinnere da mal an unsere C-Parteien (schreibt man Korruption nicht eigentlich mit K?) und an Prister die Kinder missbrauchen und vorher sicherlich ihr Kruzifix säuberlich an den Bettpfosten gehängt haben.

    Ich selbst versuche einfach nur ein anständiger Mensch zu sein. Das kann man von außen nicht sehen. Ich hoffe, dass man es, frei nach Lessing, an den Taten erkennt.

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  5. "Das Recht, religiöse Symbole am Arbeitsplatz zu tragen, sei durch die Menschenrechtskonvention geschützt, allerdings müsse dieses Recht mit den Rechten anderer ausgeglichen werden, heißt es in dem Urteil."

    Ich hätte mir eine eingehendere Klarstellung gewünscht, was dies z.B. für den Schuldienst bedeutet. Leider hat der EGMR in Hinsicht auf das Zeigen religiöser Symbole im Schuldienst (siehe z.B. Kruzifix- und Kopftuchstreit) bisher höchstgradig inkonsitent - ja nahezu bigott - geurteilt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Recht | Arbeit | Arbeitgeber | Entschädigung | Euro | Gericht
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