US-Bürger dürfen keine russischen Waisen mehr adoptieren. Welche Folgen das für behinderte Kinder hat, erlebte Leserin Katharina Tjart bei ihrem Einsatz nahe Pskow.
© Katharina Tjart

Die Sanitäranlagen des Waisenhauses in Belskoe-Ustje bei Pskow
Am 1. Januar 2013 trat in Russland ein Gesetz in Kraft, das es US-Bürgern verbietet, russische Waisenkinder zu adoptieren. "Wir können selbst für unsere Kinder sorgen", begründet Präsident Wladimir Putin den Erlass. Faktisch nimmt er Tausenden Kindern die Chance, Diskriminierung, Hoffnungslosigkeit und Gewalt hinter sich zu lassen. Diese Erfahrung machte ich im Sommer 2012 in Belskoe-Ustje bei Pskow. Dort arbeitete ich als Freiwillige im Sommercamp der Organisation Russian Orphan Opportunity Fund (ROOF) für ein staatliches Waisenhaus.
In der Institution leben 95 Kinder mit neurologischen und psychologischen Behinderungen. Sie sind in zehn Gruppen nach Alter und Geschlecht eingeteilt und werden von 24 Mitarbeitern betreut. Jeder Gruppe steht ein Aufenthalts- und ein Schlafraum zur Verfügung. Die Kinder werden tagsüber von einer Betreuerin oder einem Betreuer pro Gruppe beaufsichtigt.
Waschbecken befinden sich in den Aufenthaltsräumen, türlose Toiletten auf den Fluren. Gewaschen werden die Kinder gruppenweise einmal pro Woche in der Banja, einem saunaähnlichen Dampfbad. Gröbste Beschimpfungen und Lieblosigkeit, wenn nicht gar Gewalt, gehören zum täglichen Umgang, und werden von den Kindern längst als normal hingenommen.
Besonders die Situation der Gruppe der Ein- bis Dreijährigen hat mich schockiert. Diese Altersgruppe adoptierten Amerikaner am häufigsten. Die Kinder werden auf Gymnastikmatten abgelegt und von einer jungen Putzkraft beaufsichtigt. Wer aufstehen kann, darf mit den Fingern an einer Tafel malen. Wer dazu nicht in der Lage ist, bleibt auf den Matten liegen. Dass ein Junge nicht laufen kann, wird damit begründet dass er blind ist. Den Kindern Sprechen beizubringen lohne sich nicht, da sie ohnehin nichts könnten, hörte ich.
ROOF bemüht sich seit neun Jahren, die Zustände in Belskoe-Ustje zu verbessern. Die amerikanische Hilfsorganisation initiiert jedes Jahr ein Sommercamp für Freiwillige. Sie hat mehrfach zwischen dem Waisenhaus, den russischen Behörden und adoptionswilligen Paaren in Amerika erfolgreich vermittelt.
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© BeneA / photocase.com
Durch die geringe gesellschaftliche Akzeptanz von Menschen mit Behinderungen in Russland werden beeinträchtigte Waisenkinder selten für eine Adoption durch Russen in Betracht gezogen. "Und in den Waisenhäusern haben sie kaum eine Chance auf ein Leben in Würde" sagt Georgia Williams, Vorsitzende von ROOF. Die Institution in Belsykoe-Ustje sei nur die Spitze des Eisberges: "In Heimen ganz ohne ausländische Einflüsse ist die Situation noch dramatischer."
US-Amerikaner adoptierten im internationalen Vergleich bislang mit Abstand am häufigsten russische Waisenkinder mit Behinderungen. Durch das neue Adoptionsgesetz wurden diese Kinder zum Spielball der Politik. Auf ihrem Rücken werden Trotz, Ignoranz und eine veraltete Rivalität ausgetragen. Die Chance, dass alle Waisenkinder ein Zuhause bekommen, ist deutlich geringer geworden. Für behinderte Waisenkinder gibt es sie kaum noch.
- Datum 30.01.2013 - 17:12 Uhr
- Quelle Leserartikel
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Kinder werden und wurden schon immer von Machtmenschen zu Werbezwecken missbraucht. Selbst Hitler liebte es, mit Kindern auf dem Arm gefilmt zu werden. Wenn Politiker "zum Volk gehen" dann gerne auch zu Kindern, denen sie liebevoll über die Haar streichen.
Wie gut kamen die Bilder von Diana an (die für mich eine Ausnahme ist, weil sie sich wirklich um die KInder gesorgt hat). Wer an Diana denkt, denkt an die Kinder, die sie besuchte.
Herrn Putin traue ich nicht zu, daß er das Interesse der Kinder im Blick hat, wenn er Adoptionen nach Amerika vebietet. Er will nur keine negative Presse.
Auf jeden Fall - leidtragende sind die Kinder.
Und jeder, der versucht das Leid zu verringern hat meinen Respekt und meine Hochachtung.
"Hören Sie auf solche Falschaussagen zu verbreiten."
Wenn Sie mich der Falschaussagen beschuldigen, bitte ich Sie
a) um eine Stellungnahme zu dem BBC-Bericht (den Sie sich hoffentlich in voller Länge angesehen haben)
b) um eine Stellungnahme zu den weiteren von mir aufgelisteten Tatsachen (Vergewaltungsfälle - Informationen dazu gibt es in russischsprachigen Quellen zuhauf, Fotoberichte von Freiwilligen, die in diesen Kinderheimen aushelfen)
c) Beleg Ihrer eigenen Aussagen mit Fakten
"Demographische Entwicklung (...) wird von der Regierung inzwischen seit ein paar Jahren ernst genommen und massiv finanziell unterstützt. Statistiken zeigen bereits die ersten Erfolge."
Fakten bitte:
a) Was genau wird unterstützt? Wie hoch sind die finanziellen Mittel pro Kind/Familie/Kinderheim etc.? Welche Hürden muss man überwinden, um an diese Mittel zu kommen? Wie sieht die Realität vs. Gesetz aus?
b) Welche Statistiken? Zahlen und Quellenangaben bitte.
"Die richtungsweisenden Gesetze gibt es schon und Fördermittel sind im Etat eingeplant."
Wie hoch sind diese Fördermittel pro Kind/Familie/Kinderheim? Die Erhöhung, von der ich Kenntnis habe, ist lächerlich, und wurde auch überhaupt erst nach diesem Gesetz beschlossen, das wiederum ausschließlich politisch und nicht sozial motiviert ist (Stichword Magnitzki-Dokument, das hat mit sozialer Fürsorge gegenüber den betroffenen Kindern nichts zu tun).
"Warum denken viele hier, dass sie klüger als die Russen sind?"
Es gab gerade in Russland zahlreiche Veranstaltungen, Unterschriftensammlungen etc. gegen dieses Gesetz, gerade auch von denen, die sich um diese Kinder kümmern.
"Den Vorschlag der Staat soll seine Kinder in die ganze Welt verscherbeln empfinde ich als Hohn."
Den Vorschlag, diejenigen wenigen Kindern, die eine Chance auf eine normale Zukunft in den USA hätten, in russischen Kinderheimen vergewaltigen oder verrecken zu lassen, oder den extrem hohen Selbstmordraten und der extrem hohen Kriminalitätsrate von Kinderheimabgängern zum Opfer fallen zu lassen, empfinde ich als Hohn. Ebenso Ihre Rhetorik vom "verscherbeln".
Zu meinen oben getätigten Aussagen gibt es nur wenige deutsche Quellen (ich lese die Originalquellen in Russisch, aber hier ist eine:
"Julia Latynina führte in ihren Berechnungen auch an, von russischen Waisenhauszöglingen würden zwei Drittel vergewaltigt, die Hälfte sei drogenabhängig, ein Drittel kriminell, und ein Zehntel begehe Selbstmord."
Und diese Statistik schließt auch nicht-behinderte Kinder ein. Unter behinderten Kindern ist die Situation noch viel schlimmer. Empfinden Sie es nicht als Hohn, Kindern so etwas zuzumuten?
http://www.faz.net/aktuel... (ich empfehle den gesamten Artikel zu lesen)
"Es ist die Arroganz der reichen Laender, bestimmen zu wollen, was fuer den Menschen, was fuer ein Kind, das "Beste" ist."
Es ist die Arroganz derer, denen es im sozialen Deutschland gut geht, bestimmen zu wollen, dass es russische Waisenkinder gefälligst besser finden sollen, vergewaltigt, verprügelt, vernachlässigt zu werden, als eine Chance auf ein normales Leben im Ausland zu bekommen.
"diese "Kinder", die heute erwachsen sind, leiden darunter keine eigenstaendige Kulturbasis zu haben. Sie werden denunziert weil sie fremd aussehen, sie werden ermahnt gefaelligst "Dankbar" zu sein, sie tauchen ein in eine letztlich doch kuehle Schattenwelt.Sie sind entwurzelt und tragen schwere Identitaetskonflikte in sich.
Sie haben nie die Chance ihre leibliche Familie kennen zulernen"
Meinen Sie im Ernst, zu verhungern und im Massengrab neben dem Waisenheim beerdigt zu werden (von mir angeführte Fotostrecke) sei besser? Oder immer wieder vergewaltigt zu werden? Oder Selbstmord zu begehen? Oder in die Drogenkriminalität abzusteigen? Ist das alles vergleichbar mit Identitätskonflikten im Ausland?
Ach was reden Sie denn da fuer einen aufgebauschten Quark. Sobald jemand am Egomaentelchen angeblich sozialer Menschen wackelt, entsteht ein Geschrei, dass die Zahnfaeule der edlen Antriebe als die wahren Ursache zu Vorschein kommt: Es geht ihnen gar nicht um die Kinder, es geht darum sich selber zu beweisen wie gut und edel man doch ist udn sich an die Brust klopft: ich habe Menschen aus der Gosse geholt (ohne zu fragen ob diese Menschen ueberhaupt in der Gosse sind!)
Das sind sehr, sehr egoistische Gruende, die nicht das geringste mit dem Interesse der Kinder zu tun haben.Sonst wuerden sie diese quaelende Identitaetssuche dieser aus ihrem Kulturkreis herausgerissener Menschen nicht verhoehnen.
Ach was reden Sie denn da fuer einen aufgebauschten Quark. Sobald jemand am Egomaentelchen angeblich sozialer Menschen wackelt, entsteht ein Geschrei, dass die Zahnfaeule der edlen Antriebe als die wahren Ursache zu Vorschein kommt: Es geht ihnen gar nicht um die Kinder, es geht darum sich selber zu beweisen wie gut und edel man doch ist udn sich an die Brust klopft: ich habe Menschen aus der Gosse geholt (ohne zu fragen ob diese Menschen ueberhaupt in der Gosse sind!)
Das sind sehr, sehr egoistische Gruende, die nicht das geringste mit dem Interesse der Kinder zu tun haben.Sonst wuerden sie diese quaelende Identitaetssuche dieser aus ihrem Kulturkreis herausgerissener Menschen nicht verhoehnen.
"Es gibt auch bei Waisen neben Vater und Mutter oft auch noch Geschwister, Onkels, Tanten"
Wenn diese Verwandten an den Kindern Interesse hätten, würden sie die Kinder nicht in Waisenheime stecken. Besonders behinderte Heimbewohner sind meist "Sozialwaisen", die gleich nach der Geburt weggegeben wurden. Sollten die Eltern hierbei übrigens nicht unterschrieben haben, dass sie sich von jeglichen Pflichten und Rechten gegenüber dem Kind lossagen, darf das Kind gar nicht von anderen Menschen adoptiert werden. Folglich geht es hier gar nicht um Kinder, die potentiell die Chance hätten, ihre Verwandtschaft kennenzulernen.
"Diese Grundproblematik wird hier im Beitrag dezent ausgeblendte, damit die im Herzen einsame weise aber reiche Frau ein kleines Kindlein unterm Gabentisch findet.
Es ist hochinteressant die Motive solcher Adoptionseltern zu untersuchen."
Es ist hochinteressant, die Motive derer zu untersuchen, die in diesem Forum Vergewaltigung, Vernachlässigung, Selbstmord besser finden als eventuelle Identitätskonflikte.
Das ist Quark. Ihre Banalisierung der Identitaetsfindung zeugt nur davon, dass sie die Tragik dieser Kinder nicht sehen wollen. Gehen Sie doch mal in Adoptionsforen und lesen Sie mal wie solche Kinder leiden.
Da gibt es z.B. eine Frau aus Chile, die sehr darunter leidet von Deutschen adoptiert worden zu sein und jetzt ihre chilenische Familie nd existiert und wollen die Frau aufnehmen.
Also reden sie lieber von Dingen die Sie verstehen.
Ach was reden Sie denn da fuer einen aufgebauschten Quark. Sobald jemand am Egomaentelchen angeblich sozialer Menschen wackelt, entsteht ein Geschrei, dass die Zahnfaeule der edlen Antriebe als die wahren Ursache zu Vorschein kommt: Es geht ihnen gar nicht um die Kinder, es geht darum sich selber zu beweisen wie gut und edel man doch ist udn sich an die Brust klopft: ich habe Menschen aus der Gosse geholt (ohne zu fragen ob diese Menschen ueberhaupt in der Gosse sind!)
Das sind sehr, sehr egoistische Gruende, die nicht das geringste mit dem Interesse der Kinder zu tun haben.Sonst wuerden sie diese quaelende Identitaetssuche dieser aus ihrem Kulturkreis herausgerissener Menschen nicht verhoehnen.
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