Der Verfassungsschutz in Brandenburg hat Sportvereine aufgefordert, sich stärker mit dem Thema Rechtsextremismus auseinanderzusetzen. Neonazis versuchten, das Vereinsleben zu beeinflussen, sagte Behördenchefin Winfriede Schreiber.

Neonazis lebten nicht im luftleeren Raum. "Sie haben Familie, besuchen die Schule, machen berufliche Abschlüsse, treiben Sport oder sind bei der Freiwilligen Feuerwehr. Viele Neonazis sind heute keineswegs mehr bildungsfern und erfolgreich im Beruf", erklärte Schreiber.

Die Zivilgesellschaft habe nun das Problem, wie sie damit umgehe. In kleinen Orten sei das manchmal besonders schwierig. "Der Sport hat sich lange Zeit sehr schwergetan, weil man sich für unpolitisch gehalten hat", sagte Schreiber. "Mehr und mehr erkennen die Vereine, dass sie sich zur Demokratie bekennen müssen."

"Sie sind Erfolgsträger und werden bewundert"

Viele hätten inzwischen in der Satzung ein klares Bekenntnis verankert. Dies werde jedoch nicht immer konsequent in der Praxis umgesetzt – oft aus wirtschaftlichen Gründen, erläuterte Schreiber.

Beruflich erfolgreiche Neonazis gehörten zu den Sponsoren von Sportklubs oder Veranstaltungen. "Sie sind Erfolgsträger und werden deswegen bewundert", sagte Schreiber. Darüber hinaus hätten sie enge Verbindungen zu Security-Unternehmen. "Diese Verzahnung ist gefährlich, weil sie einschüchtert", erklärte Schreiber.

Zwar kann die NPD in Brandenburg kaum Fuß fassen, dennoch wächst die Neonazi-Szene laut Verfassungsschutz weiter. 2011 hatten die Freien Kräfte – parteiunabhängige, gewaltbereite Neonazis – etwa 410 Mitglieder. Diese Anzahl sei weiter gestiegen, sagte Schreiber.

"Das ist eine besorgniserregende Entwicklung, zumal der harte Kern immer militanter wird", bekannte Schreiber. Auch die Zahl der extremistischen Straftaten sei gestiegen. Gewachsen ist gemäß dem Bundestrend auch der Anteil der Frauen in der Szene. Inzwischen liegt er laut Schreiber bei etwa 20 Prozent.