StaatsbürgerschaftPutin macht Depardieu zum Russen

Russlands Präsident freut sich über einen neuen Mitbürger: Per Dekret hat er den Schauspieler zum Russen ernannt, weil der in Frankreich keine Steuern mehr zahlen will.

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu ist nun Russe. Präsident Wladimir Putin verlieh ihm per Erlass die russische Staatsbürgerschaft, teilte der Kreml mit.

Depardieu hatte sich zuvor über hohe Steuern für Reiche in Frankreich beschwert und seinen Wohnsitz nach Belgien verlegt. Daraufhin bot ihm Putin bei einer großen Pressekonferenz am 20. Dezember halb im Scherz einen russischen Pass an. Auch Regierungschef Dmitri Medwedew lockte den Star mit dem niedrigen russischen Steuersatz von nur 13 Prozent.

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"In Übereinstimmung mit Absatz a des Artikels 89 der Verfassung der Russischen Föderation ist der Antrag auf russische Staatsbürgerschaft von Gérard Xavier Depardieu, geboren 1948 in Frankreich, angenommen worden", lautete der kurze Text, den der Kreml auf seiner Internetseite veröffentlichte.

"Depardieu kennt und liebt Russland"

"Ein Scherz wird Realität", titelte das russische Internetportal newsru.com daraufhin und schrieb: "Präsident Wladimir Putin hat den Russen einen neuen herausragenden Staatsbürger geschenkt."

Depardieu hatte bald nach Putins Angebot gesagt, der Kremlchef habe ihm bereits einen russischen Pass geschickt. Doch Putins Sprecher Dmitri Peskow wies das als Joke zurück.

Der französische Verfassungsrat hatte die auch von Depardieu kritisierte Reichensteuer von jährlich 75 Prozent auf Einkommen von mehr als einer Million Euro noch kurzfristig gestoppt. Dennoch hielt der Schauspieler an seinen Auswanderungsplänen fest. Sobald reiche Europäer mehr über das günstige russische Steuersystem erführen, werde es eine Massenmigration geben, sagte der russische Vizeregierungschef Dmitri Rogosin.

In Russland gab es ein geteiltes Echo auf die Einbürgerung. "Gérard Depardieu kennt und liebt Russland, das immer auf ihn gewartet hat", sagte der Präsident der Internationalen Vereinigung russischer Landsleute, Pjotr Scheremetjew. Der Regisseur Wladimir Meschow hingegen, der mit Depardieu den Film Sawist Bogow (2000, Der Neid der Götter) drehte, sagte: "Das bedeutet nicht, dass er ein russischer Patriot ist."
 

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Leserkommentare
  1. ... mit Familie in Stklasse III an Lohn- oder Einkommensteuer in Deutschland, also was soll es ? Lieber 13 % von viel als 13 % von wenig oder bei Auswanderung gar nichts für den Staat, sollten sich die Parteien für die nächste Bundestagswahl ebenfalls merken.

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    Deutschland gilt auch innerhalb Europas als Steuerparadies. Dies gilt aber nur für Ausländer, die von ihren Kapitalerträgen leben. In D wird es Superreichen extrem einfach gemacht durch Steuertricks so gut wie keine Steuern zu zahlen. Lernt man dann noch den ein oder anderen Politiker auf dem Golfplatz kennen, werden auch schonmal Steuerfahnder von ganz oben abgezogen.

    <em>Laxe Kontrollen und Steuerfreiheit - eine Studie reiht die Bundesrepublik in die Top 10 der Steueroasen ein. Auch die OECD fordert mehr Transparenz.</em>

    http://www.taz.de/!79378/

  2. Es kann einem nur noch Angst und Bange werden, wenn man sich vor Augen führt, dass Herr Putin auf gefährliche rote Knöpfe drücken darf.

    4 Leserempfehlungen
    • Sauzahn
    • 03. Januar 2013 13:05 Uhr

    Danke, ich musste eben laut lachen als ich das las.
    -
    Trotzdem ein Hintergedanke: Damit nimmt er etwas das im Bankenzangengriff stehende Frankreich in die Zange.

    4 Leserempfehlungen
    • Wyt
    • 03. Januar 2013 13:05 Uhr

    Als nicht EU-Bürger müsste er nun für jedes Reiseland in der EU ein Visum beantragen.
    Dies dürfte seine Bewegungsmöglichkeiten stark einschränken.

    Wie es mit der Besteuerung seiner Betriebe in Frankreich aussieht, müssten Experten auf diesem Gebiet erklären. Auch müsste er seinen Hauptwohnsitz wohl nach Russland verlegen.

    Wie viel der niedrigere Steuersatz die Nachteile nicht mehr EU-Bürger zu sein aufwiegt, wäre sicherlich interessant.

    Aber Geld ist nun mal nicht alles. Das werden im die Franzosen wohl übel nehmen. Das könnte seiner Karriere nicht unbedingt förderlich sein.

    7 Leserempfehlungen
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    er nach Belgien ziehen müsse !, hat Depardieu sich auf die Millionen von Steuern bezogen, die er schon gezahlt habe - das läßt also Rückschlüsse auf sein Einkommen zu; das dürfte dann mindestens doppelt so hoch gewesen sein.
    Um Steuern zu vermeiden, ist den Reichen scheints nichts zuviel - Emigration inbegriffen. Da sind allerdings die Deutschen nicht besser als die Franzosen, siehe M. Schuhmacher.
    Wenns um Geld geht, wechselt man mal eben das Land.
    Millionen von normalen Bürgern können sich das nicht leisten - aber Solidarität mit denen, die ihm seine Millionen erwirtschaftet haben, ist für einen Reichen wohl nur ein Fremdwort.

    • mr.blue
    • 03. Januar 2013 14:09 Uhr

    Das Rußland nicht EU-Mitglied ist, hat in der Tat Nachteile. Die niedrigen Steuern hätte der gute Mann auch innerhalb der EU haben können (z.B Bulgarien - 10 %).
    Nun die Coolness von Mr. Putin bliebe dann außen vor.

  3. er nach Belgien ziehen müsse !, hat Depardieu sich auf die Millionen von Steuern bezogen, die er schon gezahlt habe - das läßt also Rückschlüsse auf sein Einkommen zu; das dürfte dann mindestens doppelt so hoch gewesen sein.
    Um Steuern zu vermeiden, ist den Reichen scheints nichts zuviel - Emigration inbegriffen. Da sind allerdings die Deutschen nicht besser als die Franzosen, siehe M. Schuhmacher.
    Wenns um Geld geht, wechselt man mal eben das Land.
    Millionen von normalen Bürgern können sich das nicht leisten - aber Solidarität mit denen, die ihm seine Millionen erwirtschaftet haben, ist für einen Reichen wohl nur ein Fremdwort.

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  4. Deutschland gilt auch innerhalb Europas als Steuerparadies. Dies gilt aber nur für Ausländer, die von ihren Kapitalerträgen leben. In D wird es Superreichen extrem einfach gemacht durch Steuertricks so gut wie keine Steuern zu zahlen. Lernt man dann noch den ein oder anderen Politiker auf dem Golfplatz kennen, werden auch schonmal Steuerfahnder von ganz oben abgezogen.

    <em>Laxe Kontrollen und Steuerfreiheit - eine Studie reiht die Bundesrepublik in die Top 10 der Steueroasen ein. Auch die OECD fordert mehr Transparenz.</em>

    http://www.taz.de/!79378/

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    ...Steuergerechtigkeit ist oder war Detlev Larcher, der ursprünglich SPD-Mitglied war und dann für die Linke werkelte, was soll man davon schon halten ?

    Fest steht, dass das Gesetz in Frankreich zu Recht gekippt wurde, und dass die Reichen in Frankreich genauso gut nach Belgien gehen können, wie nach Russland, und dass es ein warnendes Beispiel für die Franktion der Überbesteuerer auch in Deutschland sein sollte, wenn man die Eliten vertreibt.

    Das Problem in Deutschland ist nicht, dass zuviel oder zu wenig Steuern gezahlt werden - sondern wer diese Steuern zahlt. Während die lohnabhängig Beschäftigten hart geschröpft werden, werden Unternehmen und Kapitaleigner geschont.

    Die Lohnabhängigen zahlen ihre Steuern schön brav automatisch mit der Lohnabrechnung, während der Rest sich über unser hochkompliziertes Steuersystem ein Schlupfloch seiner Wahl aussuchen kann. Gerne dann auch mal besonders gebuttert von Steuervorteilen im Konkurenzkampf der Bundesländer. Dann enstehen so Enklaven der Steuerhinterziehung wie z.B. der Starnberger See, wo man anscheinend nichtmal Steuerbeamte braucht.

    Das ist weder links noch rechts...das ist Murks und zutiefst ungerecht!

  5. ...Steuergerechtigkeit ist oder war Detlev Larcher, der ursprünglich SPD-Mitglied war und dann für die Linke werkelte, was soll man davon schon halten ?

    Fest steht, dass das Gesetz in Frankreich zu Recht gekippt wurde, und dass die Reichen in Frankreich genauso gut nach Belgien gehen können, wie nach Russland, und dass es ein warnendes Beispiel für die Franktion der Überbesteuerer auch in Deutschland sein sollte, wenn man die Eliten vertreibt.

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    Die interessieren sich nur fürs untere Ende der Gesellschaft.

    Alle anderen sind nur auspressbare Steuersubjekte im Eigentum des Staates und sollen deshalb bezahlen.

    Gerade nach Lesart der (zynisch) so genannten "Tax justice" soll ein ein "Steuergefängnis" errichtet werden.

    Bei dieser, politisch einseitigen Organisation findet man kein Wort zu Haushaltsdisziplin oder Sparen. Nur, wie presst man andere aus und wie schaft man die Freiheit ab, dem legal auszuweichen.

    Immer öfter findet man deshalb solche linken "Tarnorganisationen". Personalunion von deren Köpfen in unterschiedlichen Zusammenschlüssen ist keine Seltenheit. So will man den immer gleichen Forderungen den Anschein von mehr Legitimität verleihen, da sie, oberflächlich betrachtet, von unterschiedlichen Seiten erhoben werden.

    und sind deshalb scharf auf diese Tiefststeurspielchen oder einfach Feudalhörig um irgendwann einmal auch etwas von den krümeln der Reichen abzubekommen die ab und zu vom Tisch fallen?

    Nicht die armen sind die Sozialschmarotzer sondern unsere Eliten (und teils auch solche die sich gerne zugeöhrig fühlen) die sich nur in Steueroasen wohlfühlen und dabei keine Scheu haben von der hiesigen Infrastruktur und Rechtssicherheit zu leben...

    Das Attribut Sozialschmarotzer müsste einer breiteren Debatte unterzogen und wohl neu definiert werden um den aktuellen Begriff von Gerechten, Fairen und Gesellschaftsfähigen Steuersystemen durch einen für alle Nachhaltigeren zu ersetzen...

    Die Sozialhilfempfänger, Arbeitslosen und andere Kapitalismusgeschädigte sind es defintiv nicht und schon gar nicht die Mio. von uns die hier jeden Tag ihren Beitrag zur Wohlstandsgenerierung leisten... Arbeit, EInkommen und Steuern...

  6. Immer mehr Deutsche haben das erkannt und führen wenigstens ein Konto in Moskau oder SPB.

    Kein Ärger und keine Unsicherheit bei Geldannahme.
    Abheben kann man am Automaten weltweit.

    O-Ton Bank in Moskau - "Was Ihr in Europa macht, das wird Euch doch von den Amis diktiert - uns interessiert das nicht, wir machen unser Ding."

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    Wie lautet eigentlich die Rechtfertig, dass ein Bürger 50% oder mehr % an den Staat bzw. an die übrigen abgegeben soll. Leztendlich bedeutet dies, ich arbeite zur Hälfte oder mehr für andere. Wir sind hier auf dem Weg zum Staatssklaventum. Die Steuer wird ja immer als Solidarbeitrag definiert, wo ist eigentlich die Solidarität der anderen, die Empfänger sind. Die christliche Soziallehre fordert das Geben, dadurch sind Prozentsätze bis 50% noch vernünftig, aber mehr als 50% bedeutet Ausbeutung durch den Staat !!!!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, zz
  • Schlagworte Wladimir Putin | Dmitri Medwedew | Dmitri Rogosin | Echo | Einbürgerung | Frankreich
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