Vorwürfe gegen BrüderleMinisterin Schröder hält Sexismus-Debatte für notwendig

Viele Frauen leiden unter Sexismus, sagt die Familienministerin. Zu den Vorwürfen gegen FDP-Fraktionschef Brüderle schweigt Schröder aber ebenso wie die Kanzlerin.

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat die jüngste Debatte über Sexismus am Arbeitsplatz begrüßt. Es sei "wichtig, dass das Thema öffentlich diskutiert wird", sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Angestoßen wurde das Thema durch Vorwürfe gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Eine Beurteilung des konkreten Falls wollte die Sprecherin aber nicht abgeben.

Prinzipiell halte es Schröder für richtig, dass Sexismus am Arbeitsplatz "unabhängig von den aktuellen Anlässen als Dauerthema diskutiert" werde, sagte sie. In der Arbeitswelt seien "nicht nur einige wenige Frauen mit Sexismus konfrontiert". Ob die Familienministerin dem FDP-Politiker Brüderle zu einer öffentlichen Stellungnahme rate, sagte die Sprecherin nicht.

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Ausgelöst wurde die Diskussion durch einen im Stern veröffentlichten Beitrag der heute 29-jährigen Journalistin Laura Himmelreich von einer Begegnung mit Brüderle. Dabei soll der FDP-Politiker anzügliche Bemerkungen gemacht und ihre Hand geküsst haben. Auch habe Brüderle ihr auf den Busen geschaut und gesagt: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Merkel für Professionalität zwischen Politikern und Presse

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warb angesichts der Debatte für einen professionellen Umgang zwischen Politikern und Journalisten. "Die Bundeskanzlerin steht selbstverständlich für einen menschlich professionellen und respektvollen Umgang in der Politik wie auch zwischen Politikern und Medienvertretern", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Zu dem Artikel des Magazins wollte sich auch Seibert nicht äußern und verwies auf die Pressefreiheit. Die Bundesregierung arbeite gut mit dem FDP-Fraktionschef zusammen.

Das Familienministerium verwies auf eine Studie aus dem Jahr 2004, derzufolge 58 Prozent der befragten Frauen in Deutschland angegeben hätten, schon einmal sexuell belästigt worden zu sein. 42 Prozent machten solche Erfahrungen demnach am Arbeitsplatz. Dies zeige, dass es sich hier um "kein Spartenthema" handle, sagte die Ministeriumssprecherin.

Zur Frage, ob das Verhalten, das Brüderle vorgeworfen wird, auf sexuelle Belästigung hinauslaufe, verwies die Sprecherin auf die Definition von sexueller Belästigung im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Sie wird dort als "unerwünschtes sexuell bestimmtes Verhalten" definiert. Dazu zählen laut Gesetzestext "unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen".
 

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Leserkommentare
  1. David Backham (frei übersetzt als Hinterschinken) klingt schon wieder richtig hübsch. Aber er heißt immer noch Beckham, der kleine Spice boy.

    Eine Leserempfehlung
    • P229
    • 25. Januar 2013 21:35 Uhr

    "Ministerin Schröder hält Sexismus-Debatte für notwendig"
    Ob der alte Herr vor einem Jahr nachts an der Theke mit einer Journalistin, die sich zu ihm gesellte nicht konstruktiv reden wollte und auf ihre Dirndl-Tauglichkeit hinwies ist ein blödsinniger Aufhänger für eine solche Debatte.

    Wie wär's wenn über Vergewaltigungen diskutiert würde?
    Ich meine, daß ist ein wirkliches Problem in unserer Gesellschaft.

    3 Leserempfehlungen
  2. wenn ein Viertel aller Frauen in Deutschland mindestens eine Erfahrung sexualisierter Gewalt hat und so gut wie jede Frau sexuelle Belästigungen bestens kennt? Wie gesagt, weist auf einigen Realitätsverlust hin.

    Ihr Mitgefühl mit mir ist ganz überflüssig, ich wollte Ihnen nur verdeutlichen, daß ich sehr genau weiß, wovon ich schreibe. Da Sie das (als mutmaßlich Mann) 95% der Frauen hier zum Thema sexuelle Belästigung abzusprechen geruhten. Erneut, Realitätsverlust, gepaart mit einiger Anmaßung.

    Falls es Ihrer Aufmerksamkeit entgangen sein sollte: bei der Causa Brüderle geht es nicht nur um eine für ihn peinlich blöde Szene in einer Bar - die wäre eine Petitesse, die die Journalistin vermutlich für nicht weiter erwähnenswert gehalten hätte, hätte es die FDP, damit der dirndl-kundige Herr Brüderle, nicht gerade mittels geliehener Zweitstimmen der CDU zu unerwartetem Erfolg gebracht. Sondern es geht auch um den Umgang männlicher Politiker mit weiblichen Journalisten, den Umgang männlicher Redakteure mit sexuell belästigten weiblichen Journalisten, grundsätzlich um die 4. Gewalt. Nun noch um das in der Sexismus-Diskussion recht späte Mädchen Kristina Schröder und um die üblich indifferente Kanzlerin. Und vor allem: um die Männerbündelei im Brüderle-Style, in ihrer Mission zur Rettung des Herrenwitzes und der Täter-Opfer-Verschiebung, andernfalls droht der Untergang des Abendlandes - das ist sowas von schräg, chauvinistisch und frauenverachtend und der Skandal am Skandälchen.

    4 Leserempfehlungen
  3. um den Negerkönig.

    Die Argemente lauten dort, warum es nicht reicht, dass sich sehr viele Menschen durch ein Wort herabgesetzt, erniedrigt und beleidigt fühlen müssen, damit es z.B aus allen literarischen Werken entfernt wird, sofern es die Aussage des Werkes nicht entstellt (wie es z.B. bei Mark Twain der Fall wäre).

    Genau so muss sich auch keine Frau nicht dafür rechtfertigen, dass sie nicht ungefragt begrapscht und sich rein gedanklich ohne Unterwäsche in ein Dirndl gesteckt fühlt.

    Und in beiden Fällen müssen sich die Betroffenen für ihr Unbehagen auch noch rechtfertigen und dumm anmachen lassen.

    Ich weiss nicht so recht, was ich davon halten will.

    Dass es Frau Merkel schwer fällt konkret Stellung zu beziehen, ist bei ihr allerdings völlig normal. Wählerstimmen haben bei ihr die höchste Priorität.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Beide?"
  4. 133. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/jp

  5. Nach dieser absurd breiten Definition sind also schon "Bemerkungen sexuellen Inhalts" eine sexuelle Belästigung.
    Wenn ich also an meinem Arbeitsplatz sage, daß ich schwul bin, dann begehe ich damit eine sexuelle Belästigung, da ich ja eine Bemerkung sexuellen Inhalts mache. Ebenso wenig darf ich dann sagen, daß ich Machos nicht besonders attraktiv finde.
    Eigentlich totales Verbot über Sexualität in welcher Form auch immer zu reden. Selbst wenn sich jemand über Sexismus beschwert, dann ist das auch eine Bemerkung sexuellen Inhalts.
    Das geht über amerikanische Prüderie hinaus, damit haben wir 2013 eine Talibanisierung des Diskurses über Sexualität in Deutschland.

    7 Leserempfehlungen
    • drusus
    • 25. Januar 2013 22:03 Uhr

    Ich mache jetzt Feierabend. Diese Diskussion und der Beitrag des STERN sind angesichts der wirklichen Verbrechen an Frauen, ob mit oder ohne sexuelle Gewalt, unerträglich.

    Ich bleibe dabei, der STERN will Kasse machen, das ist alles! Und die junge Journalisten ist tatsächlich Opfer, nämlich das ihres Verlages.

    8 Leserempfehlungen
  6. Hier geht es nicht um Vergewaltigung, hier geht es um Sexismus.
    Bei einer Vergewaltigung wäre es vollkommen plausibel, das Trauma und den Schock und die Entwürdigung als glaubhafte Begründung für die späte Anzeige anzuführen.

    Hier geht es um vorgebliche Empörung. Die hätte man ohne Weiteres "am Morgen danach" in Worte fassen können, einE ReporterIn, einE JournalistIn sind wohl selten sprachlos, zumal auch nicht bei solch einer Story.

    Hier geht es meiner Meinung nach nicht um Empörung, die war anscheinend nicht so groß, als dass es einer story wert gewesen wäre.

    Hier geht es um Diffamierung des politischen Gegners der in herausgehobener Stellung und deshalb vermarktungsfähig geworden ist, auch für die eigene Karriere - und das ist geschmacklos.
    Wäre es am Tag danach nicht gewesen - da wäre es Empörung über eine sexistische Entgleisung gewesen, legitim und vollkommen gerechtfertigt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "das ist das typische "
  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, zz
  • Schlagworte Rainer Brüderle | Angela Merkel | CDU | Bundesregierung | Kristina Schröder | Steffen Seibert
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