Neonazi-Gegendemo : Ermittlungen wegen Hitlergrußes gegen Autor Tenenbom

Die Polizei ermittelt gegen den israelisch-amerikanischen Künstler Tuvia Tenenbom. Er zeigte als Demonstrant vor Neonazis den Hitlergruß – als Teil einer Performance.
Tuvia Tenenbom © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Das Zeigen des Hitlergrußes steht in Deutschland unter Strafe. Der israelisch-amerikanische Schriftsteller Tuvia Tenenbom hat das verfassungswidrige Kennzeichen bei einer Demo gezeigt, wie der ZEIT-ONLINE-Kolumnist bereits selbst schrieb. Geschehen war das am Rande eines Aufmarsches von Neonazis in Magdeburg. Die örtliche Polizei der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt ermittelt nun wegen des Verdachts des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole.

Am 12. Januar hatten sich dort etwa 900 Neonazis versammelt, was zu zahlreichen Protestkundgebungen und Gegenaktionen geführt hatte. Ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks begleitete Tenenbom. Der Autor schilderte auf Nachfrage, er habe mit verstecktem Mikrofon einen der Neonazis zu einem Interview bewegen wollen, das der Kameramann aus sicherer Entfernung filmen sollte. Es sei generell nicht einfach, Neonazis zu Interviews zu bringen, weil sie die Presse scheuen, sagte Tenenbom. Er habe deshalb provoziert und den Hitlergruß gezeigt, "um für kurze Zeit einer von ihnen zu werden".

Einer der Neonazis habe dann das versteckte Mikrofon erkannt und ihn als Interviewer enttarnt, schilderte Tenenbom. Zudem sei der Neonazi dann zur Polizei gegangen und habe ihn angezeigt.

Theatergründer und Kolumnist

Nach einem kurzen Polizeiverhör durfte Tenenbom wieder gehen. Er sehe die spontane Aktion als "Teil einer Kunstperformance", mit der er auch Solidarität mit den Gegnern der Neonazis zeigen wollte. Ausnahmen für das Verbot des Hitlergrußes gibt es für die Wissenschaft und die Kunst.

Tenenbom ist Gründer des Jewish Theater of New York. Er arbeitet auch als Kolumnist für mehrere Zeitungen. Sein Buch Allein unter Deutschen (im Original: I Sleep in Hitler's Room) schaffte es in die Bestsellerlisten.

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