FrühjahrstagungDeutsche Bischöfe erlauben Pille danach

Um nach Vergewaltigungen ungewollte Schwangerschaften zu verhindern, halten die katholischen Bischöfe die Pille danach für akzeptabel. Sie machen aber eine Ausnahme.

Katholische Krankenhäuser in Deutschland dürfen vergewaltigten Frauen die Pille danach verordnen, wenn sie die Befruchtung der Eizellen verhindert. Nicht zulässig sei das Medikament, wenn es eine bereits befruchtete Eizelle töten würde, beschlossen die deutschen Bischöfe auf ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier. Medikamente, die den Tod des Embryos bewirken, dürften weiterhin nicht angewendet werden. Denn das käme einer Abtreibung gleich.

Mit ihrer Entscheidung folgen die Bischöfe der neuen Linie des Kölner Kardinals Joachim Meisner, der die Pille danach jüngst in seinem Erzbistum erlaubte. Meisner war unter Handlungsdruck, nachdem zwei katholische Krankenhäuser in Köln die Behandlung einer vergewaltigten Frau abgelehnt hatten.

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Der Kurswechsel sei möglich, weil neue Präparate mit anderen Wirkweisen auf den Markt gekommen seien, begründeten die Bischöfe ihren Beschluss.

Kirchenkritiker, aber auch die katholischen Jugendverbände hatten die Bischöfe zuvor aufgefordert, sich für die Pille danach auszusprechen.

Kein Abtreibungsmittel

Der von den Bischöfen beschriebene Fall, dass das Präparat ein Embryo töten könnte, tritt aus Sicht von Frauenärzten gar nicht ein. Der Berufsverband der Frauenärzte stellte in einer Stellungnahme im Januar klar, dass die Pille danach nur den Eisprung verhindern oder verzögern könne. Im Idealfall verzögert der Wirkstoff den Eisprung so lange, bis die eingedrungenen Spermien nicht mehr überlebensfähig sind – was drei bis fünf Tage dauern kann.

Sobald die Eizelle aber bereits Richtung Gebärmutter unterwegs ist, könne das Präparat eine Befruchtung nicht mehr verhindern. Und die Pille löse auch keine künstliche Menstruation aus, die einen bereits in der Gebärmutter eingenisteten Embryo herausspüle. "Dies gilt für beide Arzneimittel, die derzeit als Pille danach in Deutschland zugelassen sind", hieß es, sowohl für das Präparat Levonorgestrel als auch für Ulipristalacetat.

Die Medikamente griffen nicht in das Werden eines bereits gezeugten Menschen ein, hieß es. "Sie sind als Verhütungsmittel einzustufen, nicht als Mittel für einen Schwangerschaftsabbruch."

Nicht mit der Pille danach zu vergleichen ist die Abtreibungspille. Sie bewirkt, das sich der Embryo aus der Gebärmutter herauslöst und innerhalb von 36 bis 48 Stunden stirbt. Dies entspricht einem Schwangerschaftsabbruch, den die Bischöfe nach wie vor ablehnen. Frauen dürfen sie in Deutschland nur bis zur siebten Schwangerschaftswoche einnehmen.

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Leserkommentare
    • Afa81
    • 21. Februar 2013 16:46 Uhr

    ...mit dem säkularen Staat zutun? Merken Sie's?

    Jeder kann machen was er will - es ist halt nicht alles katholisch. Ich verstehe nicht wieso sich Menschen, die sich von der Kriche nichts sagen lassen darüber empören, dass ihnen die Kirche etwas sagt. Das ergibt für mich nur dann einen Sinn, wenn man sich selbst für geistig vollkommener hält als andere.

    Der Papst hat dazu ganz klar gesagt: Er kann das Kondom/die Pille nicht gut heißen, was sein Amt auch von ihm verlangt. Aber jeder Mensch hat doch ein Gewissen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Eine Riege"
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    Die vergewaltigte Frau konnte nicht machen, was sie wollte, weil Ärzte aufgrund rechtsverletzender kirchlicher Dogmen ihrer Pflicht nicht nachkamen.
    DAS hat Kirche mit dem säkularen Staat zu tun. Merken Sie's?

    "Jeder kann machen was er will - es ist halt nicht alles katholisch. Ich verstehe nicht wieso sich Menschen, die sich von der Kriche nichts sagen lassen darüber empören, dass ihnen die Kirche etwas sagt. Das ergibt für mich nur dann einen Sinn, wenn man sich selbst für geistig vollkommener hält als andere."

    Die katholische Kirche kann machen , was sie will und ihre Mitglieder dürfen machen, was sie wollen und sich an alle kirchlichen Dogmen halten, wie sie lustig sein.

    Das Problem ist, wenn eben eine Frau nicht machen kann, was sie will oder nicht die Hilfe kriegt, die sie braucht. Wenn also die Kirche ihre Grundsätze auf Nichtkatholiken ausdehnt. DA hört der Spaß auf und DAS hat in einem säkulären Staat nichts zu suchen.

    Es hat natürlich absolut recht, wer sagt, dass auch katholische Krankenhäuser von allen finanziert werden und damit selbstverständlich auch allen eine Behandlung nach geltendem Recht ermöglichen müssen!
    Trotzdem tuen hier einige wieder so, als ob die Kirchenbeamten mit dieser unzulässigen Einmischung nur für sich selber sprechen/handeln würden. Was nichts als scheinheilig ist. Aber ohne diese salbungsvolle, selbstgerechte („merken Sie´s?“), Scheinheiligkeit ließen sich in unserer aufgeklärt humanistischen Gesellschaft wohl kaum noch derartige Behauptungen aufstellen. Realität und Fakten haben und hatten in der katholischen Kirche noch nie besondere Priorität. Umso wichtiger ist es, den Einfluss der Kirche weiter auf deren eigenen Angelegenheiten einzuschränken!

    • kuhnepz
    • 21. Februar 2013 16:46 Uhr

    Die Überschrift "Deutsche Bischöfe erlauben ..." wäre Ihnen nie eingefallen, wenn es sich um die evangelischen Bischöfe gehandelt hätte. Mit Sicherheit hätte Sie geschrieben: "Deutsche evangelische Bischöfe erlauben ...". Warum?

    Eine Leserempfehlung
  1. Da drängt sich mir spontan die Frage auf:
    fallen Chorknaben und Meßdiener eigentlich unter das Zölibats-Gebot?

    2 Leserempfehlungen
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    Unsere Kinder sind mit Freude Messdiener, sie haben eine tolle Jugendgruppe und nein, sie sind nicht zum Zölibat verpflichtet. Nicht zu allem seinen Senf dazu geben, bitte. An anderer Stelle hätte die Zensur mal wieder "unsachlich" unter einen solchen Kommentar geschrieben, bei der Kirche natürlich nicht...., einmal mehr bemerkenswert.

    • Afa81
    • 21. Februar 2013 17:08 Uhr

    ...vor der Priesterweihe abgelegt werden. Es verlangt dann die Keuschheit, was im christlichen Sinn die Ehe, generelle sexuelle Handlungen und sexuelle Phantasien (also Hingabe im Gedanken) ausschließt.
    Wenn der Priester also beim Anblick eines Meßdieners oder eines Chorknaben geil wird, hat er da wohl nicht aufgepasst.

    Aber was hat das mit der Pille danach zutun? Mir ist nicht ganz klar, wie ein Chorknabe ungewollt schwanger werden kann.

    • ZH1006
    • 21. Februar 2013 18:01 Uhr

    ein eigenständiges Sexualleben pflegen, davon berichten Kirchentexte nichts, davon möchten die zum Zölibat genötigten Funktionäre wahrscheinlich auch lieber nichts wissen.

    • Sauzahn
    • 21. Februar 2013 16:57 Uhr

    Kirche tatsächlich ist.
    Herrn Meixner geht es nur um das Geld und darum auf Sessel kleben bleiben zu dürfen. Herr Ratzinger, noch Benedikt, hat die richtige Endscheidung getroffen. Das betrifft sowohl den Rücktritt als auch die Aussage, dass sich die Kirche wieder spirituell ausrichten soll.

    Antwort auf "Unter Zwang"
  2. Unsere Kinder sind mit Freude Messdiener, sie haben eine tolle Jugendgruppe und nein, sie sind nicht zum Zölibat verpflichtet. Nicht zu allem seinen Senf dazu geben, bitte. An anderer Stelle hätte die Zensur mal wieder "unsachlich" unter einen solchen Kommentar geschrieben, bei der Kirche natürlich nicht...., einmal mehr bemerkenswert.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Zölibat"
    • Afa81
    • 21. Februar 2013 17:08 Uhr

    ...vor der Priesterweihe abgelegt werden. Es verlangt dann die Keuschheit, was im christlichen Sinn die Ehe, generelle sexuelle Handlungen und sexuelle Phantasien (also Hingabe im Gedanken) ausschließt.
    Wenn der Priester also beim Anblick eines Meßdieners oder eines Chorknaben geil wird, hat er da wohl nicht aufgepasst.

    Aber was hat das mit der Pille danach zutun? Mir ist nicht ganz klar, wie ein Chorknabe ungewollt schwanger werden kann.

    Antwort auf "Zölibat"
  3. Es fällt mir äußerst schwer, diese immer noch extrem sexistische und menschenfeindliche neue Regelung als "Erfolg" zu betrachten. Es zeigt nur umso mehr, wie sehr die katholische Kirche Frauen verachtet und rein funktional, wie einen Sachgegenstand ansieht und steht zum krassen Selbstverständnis der Kirche, für Gläube eine Antwort auf die Frage nach glücklicher Lebensführung zu sein. Jedenfalls für Frauen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tst
  • Schlagworte Joachim Meisner | Arzneimittel | Bischof | Embryo | Krankenhaus | Medikament
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