Presserecht : "Vor der Tür zehn Polizisten. Ich stand in Unterhose im Flur"
Seite 2/2:

Ich will als Journalist nicht Hilfspolizist spielen

ZEIT ONLINE: Wie viele Bilder haben die Polizisten mitgenommen?

Mang: Etwa 30 Bilderdateien und eine verschlüsselte Container-Datei von meinem Rechner. Die waren aber alle auch schon bei den Agenturen veröffentlicht worden. Da hätten die Polizisten auch im Internet nachschauen können.

ZEIT ONLINE: Was spricht eigentlich dagegen, die Bilder rauszugeben? Wollen Sie der Polizei nicht helfen?

Mang: Ich will als Journalist nicht Hilfspolizist spielen. Das gestern könnte durchaus Signalwirkung haben. Es ging der Polizei "lediglich" um einen Fall von schwerer Körperverletzung. Darunter kann schon jede geworfene Flasche auf einer Demonstration zählen. Wenn das der Polizei bereits das Recht gibt, bei Journalisten anzurücken, Bilder und Recherchematerial zu beschlagnahmen, halte ich das für sehr problematisch. Und es gefährdet meine Arbeit: Als neutraler Fotograf genieße ich ein gewisses Vertrauensverhältnis, anders als wenn ich im Verdacht stehe, auch für die Polizei zu arbeiten.

ZEIT ONLINE: Aber wenn man so Verbrechen aufklären kann …?

Mang: Ich formuliere es mal etwas hochtrabend: Die Unabhängigkeit der Presse ist in der Demokratie höher anzusehen als die Aufklärung von Straftaten. Nicht zu Unrecht gibt es einen besonderen gesetzlichen Schutz für Journalisten.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

128 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Polizisten

haben ein gewisses Berufsrisiko, das es da mal jemanden erwischt, sollte klar sein.

Genauso ein Soldat, wer sich für diese Branchen entscheidet, weiß lange VORHER, was auf ihn zukommen haben.

Das nicht wahrhaben wollen, das es einen selbst treffen kann, ist typisch menschlich, daher hält sich mein Mitleid gegenüber genannten Berufsgruppen in Grenzen.

Das ist das gleiche wie beim Sport, Bergsteiger die zuviel riskieren.