Presserecht"Vor der Tür zehn Polizisten. Ich stand in Unterhose im Flur"

Die Polizei hat die Wohnungen mehrerer Fotografen in Deutschland durchsucht. Einer von ihnen ist Christian Mang. Er sieht darin einen Angriff auf seine Rechte. von 

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main hat am Mittwoch mehrere Wohnungen von freien Fotografen in Deutschland durchsucht. Die Ermittler suchten Beweismaterial gegen die unbekannten Angreifer, die bei einer Demonstration am 31. März 2012 in Frankfurt einen Polizisten attackiert hatten. Einer der Fotografen war Christian Mang, der unter anderem für die taz arbeitet.

ZEIT ONLINE: Herr Mang, gestern stand die Polizei mit einem Durchsuchungsbeschluss vor ihrer Haustür. Waren Sie überrascht?

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Christian Mang: Ja, schon. Es war kurz nach sechs Uhr morgens, als es plötzlich an meine Tür klopfte: "Hier ist die Polizei, lassen Sie uns sofort rein." Es waren mehr als zehn Beamte. Ich stand in Unterhose im Flur. Sie haben mich auf den Flur zurückgedrängt und mir den Durchsuchungsbeschluss ausgehändigt. Ich habe gefragt, ob ich mir erst mal eine Hose anziehen und den Hund wegsperren darf.

ZEIT ONLINE: Durften Sie?

Mang: Ja. Sie haben mir noch geraten, einen Zeugen dazu zu ziehen, der nicht in der Wohnung wohnt. Ich wollte auch meinen Anwalt anrufen. Aber das hat die Polizei übernommen. Ich durfte nur sprechen, nicht wählen. Damit ich keinen vorwarne.

ZEIT ONLINE: Haben Sie denen nicht gleich gesagt, dass Sie Journalist sind – und in der Aktion einen Angriff auf die Pressefreiheit sehen?

Mang: Doch, natürlich. Ich habe gleich Widerspruch eingelegt. Ich werde auch weiter dagegen vorgehen und versuchen, den Einsatz im Nachhinein als rechtswidrig feststellen zu lassen und die Löschung der beschlagnahmten Bilder durchzusetzen.

ZEIT ONLINE: Auf das Argument mit der Pressefreiheit sind die Beamten nicht eingegangen?

Mang: Ach, es war ziemlich absurd. Mir wurde gesagt, dass der Schutz für journalistisches Material nur für Bilder gilt, die veröffentlicht worden sind, nicht für unveröffentlichte.

ZEIT ONLINE: Was haben die Polizisten genau gesucht?

Mang: Im Untersuchungsbeschluss stand, dass ich Zeuge einer schweren Körperverletzung sei. Und dass Fotos von einer Demo gegen Kapitalismus aus Frankfurt vom 31. März gesucht werden, auf denen Straftäter zu sehen sind. Tatsächlich aber habe ich von dem Vorfall, um den es geht, gar nichts mitbekommen.

Leserkommentare
    • naja8
    • 08. Februar 2013 8:02 Uhr

    "Die Aktion war nur rechtmäßig, wenn bei der Abwägung die Durchsuchung im Hinblick auf die Schwere der Straftat die Durchbrechung der Pressefreiheit rechtfertigt.

    Lediglich eine Attacke auf einen Polizeibeamten reicht da nicht aus. Dieser müsste dabei erhebliche Verletzungen davongetragen haben, damit eine solche Maßnahme gerechtfertigt war."

    Die Verniedlichung der Straftat durch Herrn Mang und Ihre Aussage zeigen Unkenntnis im Hinblick auf das StGB.
    Schwere Körperverletzung (§226 StBG) bedeutet nämlich genau das: bleibende körperliche oder geistige Schäden, Verlust des Augenlichtes, Gehöres, Sprechvermögens oder eines wichtigen Körpergliedes, dauerhafte Entstellung etc.
    (nicht abschließend aufgezählt, einfach mal lesen!)

    Ich denke, damit hätte sich Ihre Aussage relativiert.

    Herr Mang sollte das als Journalist wissen. Aber im Interview zeigt sich ja schon, wessen Geistes Kind er ist und was er von Polizisten und der Justiz im Allgemeinen hält. Hat ja NUR einen Polizisten erwischt.
    Eigenartig, dass dann Straftaten plötzlich weniger schlimm sein sollen! Was für ein Weltbild!

    Herr Mang sollte sich einmal über die gesellschaftliche Verantwortung seiner Zunft Gedanken machen und von seinem hohen Ross absteigen. Pressefreiheit bedeutet nicht, stets neben oder über dem Gesetz stehen zu können.
    Er wird sich keinen Zacken aus der Krone brechen, wenn er an der Aufklärung eines Verbrechens beteiligt ist und der von ihm so verhassten Polizei helfen muss.

    Trauriger Journalismus!

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    • Hickey
    • 08. Februar 2013 8:15 Uhr

    haben ein gewisses Berufsrisiko, das es da mal jemanden erwischt, sollte klar sein.

    Genauso ein Soldat, wer sich für diese Branchen entscheidet, weiß lange VORHER, was auf ihn zukommen haben.

    Das nicht wahrhaben wollen, das es einen selbst treffen kann, ist typisch menschlich, daher hält sich mein Mitleid gegenüber genannten Berufsgruppen in Grenzen.

    Das ist das gleiche wie beim Sport, Bergsteiger die zuviel riskieren.

    So einfach ist die Welt für gefügige Untertanen.

    Schwere Körperverletzung (§226 StBG) bedeutet nämlich genau das: bleibende körperliche oder geistige Schäden, Verlust des Augenlichtes, Gehöres, Sprechvermögens oder eines wichtigen Körpergliedes, dauerhafte Entstellung etc.

    Wurde eigentlich gegen den uniformierten Täter, der "mutmaßlich" dem Demonstranten bei der Stuttgart21-Demo mit seinem Wasserwerfer die Augen ausgeschossen hat, auch so intensiv ermittelt?
    Gab es Durchsuchungen des Polizeireviers, oder von Privathäusern?
    Wurde Beweismaterial gesichert und Zeugen vernommen?
    Wurde der Täter identifiziert und Anklage erhoben?

    Diese Fragen können Sie doch sicher alle im Sinne Ihres Rechtsverständnisses beantworten.

    Trauriger Journalismus!
    Trauriger Untertanen-Defätismus!

    • tom1972
    • 08. Februar 2013 8:09 Uhr

    Es geht nicht um ihn selbst als Zeuge sondern um das, was er (unwissendlich) fotografiert hat. Vielleicht hat man vom Angreifer bereist Bilder, die aber nur einen Arm zeigen. Mit weiteren Bildern, die an diesem Tag gemacht wurden, kann man den Täter möglicherweise identifizieren.

    Er ist korrekt behandelt worden- also nicht wie ein Verbrecher. Ich sehe hier also keinen Skandal. Wie jemand bereits schrieb: Journalisten sollten die selben Rechte haben wie jeder andere auch- aber auch nicht MEHR Rechte als jeder andere.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf ""traumhaftes Land?""
  1. .. ist eine geworfene Flasche gefährlich, und kann schwere Verletzungen verursachen. Ebenso wie ein Wasserwerferstrahl der einen ins Gesicht trifft, wie wir mittlerweile wissen.

    Aber es geht hier wohl eher um die Verhältnissmäßigkeit.
    Wenn sie Opfer einer Straftat wurden, ... sagen wir am Rande einer Veranstaltung, wo auch fotografiert wurde. Glauben sie, die Behörden würden diesen Aufwand auch für einen einfachen Bürger, wie Sie oder mich betreiben?

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    • tobmat
    • 08. Februar 2013 11:05 Uhr

    "sagen wir am Rande einer Veranstaltung, wo auch fotografiert wurde. Glauben sie, die Behörden würden diesen Aufwand auch für einen einfachen Bürger, wie Sie oder mich betreiben?"

    Wenn die wüssten das sie entsprechende Bilder haben würden die das machen.

  2. Da haben Sie bestimmt auch eine ganz tolle positive Erklärung für folgenden Vorfall, in den ich selbst verwickelt war.

    Es ist morens 8.00 Uhr Das Betriebsgelände ist umstellt. Ca. 20 Beamte des Hauptzollamts betreten (überfallartig) den Betrieb. Zuvor hatten Sie die Ausgänge und Fluchtwege gesichert. Ohne Erklärung wurden sämtliche Arbeitnehmer, Kunden!! und zufällig anwesende Familienangehörige "gebeten", sich auf dem Hof, im Freien, zu versammeln. Da standen nun etwa 40 Personen. Mittendrin die 81 Jahre alte Seniorchefin, gehbehindert, ohne Jacke (es war November).
    Die Leiter der Aktion waren vernüftige Leute, aber die zumeist jungen Beamten waren unbarmherzig. Jeder Arbeitnehmer war einfach unter Generalverdacht gestellt und im Hof wie ein Tier zusammengetrieben worden. Als ich mich verbal wehrte, drohte mir gleich eine jugne Beamtin damit, sich über mich kundig zu machen und unterstellte in ihrer "Frage" an mich, daß ich wohl ein Arbeitsloser sei, der hier illegal arbeiten würde.
    Die 81 jährig Frau und eine Kundin konnten erst,nachdem jemand den Ausweis besorgt hatte, ins warme Büro zurück.

    Aber sicher sind wir alle selbst Schuld gewesen.
    Ich dachte bei mir, so ähnlich muß es den Juden zumute gewesen sein, als sie zusammengetrieben und verladen wurden ...

    Wie gesagt, die Leiter der Aktion entschuldigten sich für die Übergriffe. Aber einige der schwarzgekleideten Vollstreckungsbeamte hätten ungeschminkt bei "Schindlers Liste" mitspielen können.

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Rekapitulation"
    • Hickey
    • 08. Februar 2013 8:15 Uhr

    haben ein gewisses Berufsrisiko, das es da mal jemanden erwischt, sollte klar sein.

    Genauso ein Soldat, wer sich für diese Branchen entscheidet, weiß lange VORHER, was auf ihn zukommen haben.

    Das nicht wahrhaben wollen, das es einen selbst treffen kann, ist typisch menschlich, daher hält sich mein Mitleid gegenüber genannten Berufsgruppen in Grenzen.

    Das ist das gleiche wie beim Sport, Bergsteiger die zuviel riskieren.

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    • tom1972
    • 08. Februar 2013 8:35 Uhr

    Das Sie Mitglied in einem demokratischen Rechtsstaat sind ist auch nur purer Zufall.

    • tom1972
    • 08. Februar 2013 8:35 Uhr

    Das Sie Mitglied in einem demokratischen Rechtsstaat sind ist auch nur purer Zufall.

    Antwort auf "Polizisten"
  3. Ich finde es mehr als schade, wenn die Zeit ihrem Kollegen mit den letzten 2 Fragen in den Rücken fällt anstatt Solidarität zu bekennen. Das finde ich für so eine große Zeitung mehr als schwach.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"
  4. Das hier ein Zeuge einer schweren Straftat nicht "Hilfspolizist" spielen will

    Wer sagt eigentlich, dass der betroffene Journalist Zeuge dieser angeblichen Straftat war?
    Ach so, es steht im Untersuchungsbeschluß!

    Dann muß es ja stimmen, denn wie jeder gute Unterthan in der Tradition des Diederich Heßling weiß, hat der Staat(sanwalt) immer Recht und jeder Verdächtigte ist alleine schon deswegen als schuldig überführt, weil er überhaupt verdächtigt wird.

    Recht ist, was dem Staat nützt, und was Recht ist ist richtig.
    So ist's brav, Herr/Frau Heßling!

    Eigentlich hatte Herr Mang noch Glück, denn Bürger sehen nach einem Kontakt mit der Staatsgewalt auch gerne mal so aus
    http://www.sueddeutsche.d...
    und bekommen noch eine Verurteilung wegen Beleidigung und Widerstand dazu.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Rekapitulation"
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    • tobmat
    • 08. Februar 2013 11:13 Uhr

    "Wer sagt eigentlich, dass der betroffene Journalist Zeuge dieser angeblichen Straftat war?"

    Das sagt niemand außerhalb des ZO-Kommentarbereichs. Die Fotos die aber bereits vor der Durchsuchung vorlagen (bei der Agentur bzw. auf Nachfrage an die Staatsanwaltschaft geschickt) legen das nahe.
    Weiterhin ist anzunehmen, das ein Journalist der einen Tumult mitbekommt davon Fotos macht und dabei auch zufällig und unbewusst den Täter fotografieren konnte. Dabei muss nichtmal auf den Fotos direkt erkennbar sein das der Täter fotografiert wurde.

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  • Schlagworte Agentur | Aufklärung | Demokratie | Demonstration | Internet | Kapitalismus
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