BundespräsidentGauck sichert Familien der NSU-Opfer Aufklärung zu

Der Bundespräsident hat die Angehörigen der Neonazi-Mordopfer in seinem Amtssitz empfangen. Er zeigte sich beunruhigt über die vielen Fehler in den Ermittlungen.

Bundespräsident Joachim Gauck empfängt Angehörige der NSU-Mordopfer.

Bundespräsident Joachim Gauck empfängt Angehörige der NSU-Mordopfer.  |  © Fabrizio Bensch/Reuters

Bundespräsident Joachim Gauck hat den Angehörigen der Neonazi-Mordopfer umfassende Aufklärung zugesichert. Bei einem Treffen im Schloss Bellevue sagte Gauck, Deutschland dürfe nicht vergessen, was geschehen ist.

Laut Redemanuskript versprach er: "Ich will mithelfen, dass Ihr Leid weiter wahrgenommen und anerkannt wird. Und dass aufgeklärt wird, wo es Fehler und Versäumnisse gegeben hat, dass darüber gesprochen und wenn nötig auch gestritten wird, was wir daraus lernen müssen."

Anzeige

Den Neonazis werden zehn Morde zwischen den Jahren 2000 und 2007 zugerechnet. Gauck erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass sein Vorgänger Christian Wulff bereits im November 2011 Angehörige der Ermordeten ins Schloss Bellevue eingeladen hat.

 Damals war gerade bekannt geworden, dass die Morde und Anschläge an neun türkisch- und griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin auf die Zwickauer Neonazi-Terrorzelle zurückgingen. Viele Jahre lang war der rechtsterroristische Hintergrund nicht aufgedeckt worden.

Verstimmung hatte vor dem Treffen die Absage einer Angehörigen ausgelöst. Die Schwester eines Ermordeten aus Hamburg wollte nur mit Anwältin zu dem Treffen kommen, was das Bundespräsidialamt aber mit Hinweis auf die begrenzte Zahl von Teilnehmern ablehnte. Angeblich gab es vereinzelte weitere Absagen, zum Teil aus Gesundheitsgründen.

Gauck lobte vor den Angehörigen die Arbeit des Bundestagsuntersuchungsausschusses und der Ombudsfrau Barbara John, die bei dem Treffen mit etwa 70 Angehörigen dabei war. John habe allen Hinterbliebenen die Gewissheit und das Gefühl gegeben, nicht allein zu sein.

"Auch ich war erschrocken darüber"

"Der Wille zur Aufklärung ist da", sagte Gauck. Allerdings gebe es weiter Grund, beunruhigt zu sein. "Warum hat es solche Fehler und Fehlentscheidungen in den Ermittlungen gegeben", fragte der Bundespräsident.

Zu Recht warteten die Angehörigen auf Antworten – "mit steigender Ungeduld, weil doch über ein Jahr vergangen ist". Erste Konsequenzen seien gezogen worden, auch für eine bessere Zusammenarbeit von Verfassungsschutz und Polizei, von Bund und Ländern. "Auch ich war erschrocken darüber, welche Fehler in mancher Behörde möglich waren", sagte er.

Alle Menschen in Deutschland müssten darauf bauen können, dass der Staat sie schütze. "Darum brauchen wir einen funktionierenden, einen starken, einen wehrhaften Staat", sagte Gauck weiter. Es wäre aber zu kurz gedacht, nur nach dem Staat zu rufen, auch Reformen allein genügten nicht. "Es geht um die Frage, wie im Alltag verhindert werden kann, dass sich Vorurteile und Ressentiments einnisten. Es geht um andere Haltungen, in unseren Behörden und Institutionen, aber auch bei vielen Bürgern", sagte Gauck.
 

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. darüber, wie und warum offensichtlich niemals eine echte Entnazifizierung des deutschen Geheimdienstes durchgeführt wurde? Darauf freue ich mich sehr!

    26 Leserempfehlungen
  2. 18 Leserempfehlungen
  3. "Bundespräsident Joachim Gauck hat den Angehörigen der Neonazi-Mordopfer umfassende Aufklärung zugesichert."

    Wie will er das versprechen?

    Alles was bis jetzt rauskam, ist, dass nichts rauskommen wird!

    Keiner der Zuständigen Behörden/Untersuchungsbeauftragten hat auf Nachfragen etwas gewusst haben wollen (Kohleffekt)
    Da wo Beweise waren, wurden sie geschreddert.

    Einen Ausschuss (womöglich noch mit den Vertuschern besetzt) hilft da wohl kaum.

    Der EnBW Ausschuss ist da mal ein gutes, aktuelles Beispiel, da wurden vom Vorsitz (Müller) direkt Unterlagen aus dem Ausschuss an den Beschuldigten (Mappus) weitergegeben.

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Er hat weder Weisungsbefugniss noch die notwendigen Informationen. Als Staatspräsident hat er schlicht und einfach andere Aufgaben. Also nur politische Betroffenheitsrethorik.
    Und was ist, wenn ein deutscher Bürger von Ausländern aus politschen Gründen geschädigt oder sogar ermordet wird?

    Es kann nicht nur um Aufklärung gehen. Frei nach dem Motto: Schön, das wir darüber geredet haben.

    Es geht um Verantwortung, um Rechenschaft.

    Wer trägt Verantwortung für den staatlich subventionierten rechten Terror?

    Die Verantwortlichen müssen sich vor einem Gericht verantworten!

    Mit "Heile, heile Gänsje, es is bald wieder gut", kann es nicht getan sein.

    Und so lange die Schredder nicht gestoppt werden und nur lauwarme Wörter gesprochen werden, trägt für mich Merkel die Verantwortung.

    Sie will offensichtlich keine Aufklärung, keine Verantwortung, keine Rechenschaft.

    Schon gar nicht im Wahljahr.

    • elvist.
    • 18. Februar 2013 15:39 Uhr
    4. Nun...

    ...ich lasse mich nicht vergauckeln... ;)

    11 Leserempfehlungen
  4. ... und Worte finden kann er auch. Das wissen wir. Gauck scheint in den letzten Tagen immerhin Zeitung und Briefe gewisser Angehöriger gelesen zu haben.

    Nur kommen die Worte, seine Taten zu spät - und sein Versprechen ist derzeit wenig glaubwürdig. Zu "ungeschickt" hat er sich in dieser Angelegenheit selbst verhalten und es wäre zu wünschen gewesen, dass er dazu auch ein Wort gefunden hätte.

    So sollte man sich diese Worte auf Wiedervorlage legen für den 18.02.2013. Bis dahin sollte es nicht nur auf Ermittlerseite nennenswerte Fortschritte geben, sondern Gauck persönlich sollte sich messen lassen, welche Taten er hat folgen lassen, von jenen, die er mit schönen Worten angekündigt hat.

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zu sehr hätte ich mir wohl gewünscht, dass wir in der Aufklärung weiter wären ;-)

    Wiedervorlage am 18.02.2014

  5. Zu sehr hätte ich mir wohl gewünscht, dass wir in der Aufklärung weiter wären ;-)

    Wiedervorlage am 18.02.2014

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Zuhören kann er ja..."
  6. ... unseres Bundespräsidenten hoffe ich, daß er die Angehörigen der Opfer am Ende seiner Predigt auch noch gesegnet hat.
    Sorry, aber immer wenn ich Herrn Gauck reden höre, wähne ich mich in einer Art medialem Gottesdienst.

    15 Leserempfehlungen
    • Coolie
    • 18. Februar 2013 15:46 Uhr

    ....hat doch schon Frau Merkel während des Trauergottesdienstes für die Opfer versprochen. Wir sehen ja, was dieses Versprechen bisher ist....eben ein Versprechen.

    16 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, zz
  • Schlagworte Joachim Gauck | Aufklärung | Bundespräsident | Christian Wulff | Alltag | Anschlag
Service