NSU-MordserieWeitere Hinterbliebene schlagen Gaucks Einladung aus

Der Bundespräsident will den Angehörigen der NSU-Mordopfer heute Solidarität und Unterstützung zusichern. Doch nicht alle sind an einem Treffen mit ihm interessiert.

Vor dem Treffen von Bundespräsident Joachim Gauck mit Hinterbliebenen der NSU-Mordserie haben weitere Angehörige ihre Teilnahme abgesagt. Das sagte der NSU-Opferanwalt Yavuz Narin dem NDR. In Anwesenheit von etwa 70 anderen Hinterbliebenen hätten seine Mandantinnen keine Möglichkeit, sich mit Gauck detailliert auszutauschen. Narin vertritt nach eigenen Angaben die Angehörigen des ermordeten Griechen Theodorus Boulgarides. Es ist bereits die zweite Absage.

Am Wochenende hatte die Schwester des Hamburger NSU-Opfers Süleymann Tasköprü, Aysen Tasköprü, ein Treffen mit Gauck abgelehnt. Sie wolle nicht ohne ihre Anwältin zu dem Treffen kommen. Das Bundespräsidialamt hatte mitgeteilt, dass man die Angehörigen gebeten habe, von der Begleitung durch Rechtsanwälte als vertraute Personen abzusehen, um die persönliche Atmosphäre zu gewährleisten.

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In einem Brief an Gauck äußerte Tasköprü die Befürchtung, politisch instrumentalisiert zu werden. "Auch Ihnen, Herr Bundespräsident Gauck, ist mein Bruder doch nur wichtig, weil die NSU ein politisches Thema ist", schrieb sie. "Glauben Sie, es hilft mir, wenn Sie betroffen sind?"

Ombudsfrau hält Absagen für nachvollziehbar

Die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der NSU-Morde, Barbara John, hält die Ablehnung des Gauck-Treffens für nachvollziehbar. Nach den Morden seien die Hinterbliebenen allein gelassen worden. Sie erlebten zudem nicht, dass die Behörden an einer lückenlosen Aufklärung interessiert seien. Das sei eine große Enttäuschung, sagte John im ARD-Morgenmagazin.

Den Angehörigen würde es um Hintergründe der Mordserie gehen. Sie erwarteten immer wieder die Antwort auf die Frage "Warum mein Angehöriger? Was war die Logik hinter diesem mörderischen Trio?", sagte die Ombudsfrau.

John sagte, dass Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der offiziellen Gedenkfeier vor knapp einem Jahr noch rückhaltlose Aufklärung zugesagt habe. "Jetzt müssen die Angehörigen der Opfer erleben, wie die Sicherheitsbehörden mauern und versuchen, von ihrem eigenen Versagen abzulenken", sagte die Beauftragte der Bundesregierung. Merkel will im April oder Mai mit den Familienangehörigen zusammentreffen.

Angehörige wurden mehr als ein Jahrzehnt verdächtigt

Die Bundesbeauftragte erinnerte daran, dass die Familien der Mordopfer zum Teil mehr als ein Jahrzehnt lang nicht als die unschuldig Geschädigten angesehen worden seien. "Man hat sie verdächtigt, selbst in diese Morde verwickelt zu sein. Vorhandene Spuren ins rechtsradikale Milieu wurden nicht ernsthaft verfolgt, stattdessen mussten sich die Angehörigen der Opfer rechtfertigen", sagte sie.

Gauck trifft sich am heutigen Vormittag mit den Hinterbliebenen, die seiner Einladung folgen. Durch die vertraulichen Gespräche im Schloss Bellevue will der Bundespräsident den Angehörigen Unterstützung signalisieren und ihnen seine Solidarität zeigen.

Dem Neonazi-Trio NSU werden zehn Morde zwischen den Jahren 2000 und 2007 zugerechnet – an neun türkisch- oder griechischstämmigen Kleinunternehmern sowie an einer Polizistin. Jahrelang war der rechtsterroristische Hintergrund der Morde nicht erkannt worden. Stattdessen war im Umfeld der Opfer nach den Tätern gesucht worden.

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Leserkommentare
  1. Für Joachim Gauck, der Thilo Sarrazin für dessen Veröffentlichung von rassistischen Theorien in seinem Bestseller ” Deutschland schafft sich ab “, Mut attestierte, der keine Gelegenheit auslässt von Überfremdung zu sprechen und einst behauptete es gebe Viertel mit “allzu vielen Zugewanderten und allzu wenigen Altdeutschen", wird der heutige Empfang eine schwierige Mission. 2010 sprach er sich für die Beobachtung der Partei "die Linke" durch den Verfassungsschutz aus. In den Akten der NSU-Untersuchungsausschüsse finden sich Belege, daß der Thüringer Heimatschutz-Chef Tino Brandt Störaktionen gegen die damalige PDS mit dem »Verfassungsschutz« abgesprochen hatte.

    2009 erklärte Gauck im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit:

    "Jene unaufgeklärten Linken, die das bis heute nicht begriffen haben, sind herzlich eingeladen einzukehren bei der politischen Aufklärung und der Suche nach Wahrheit. Ohne Wahrheit gibt es keine Versöhnung. Man kann den Mund halten und schweigen - aber das ist Friedhofruhe und kein innerer Friede."

    Die Wahrheit haben auch die Angehörigen der NSU-Opfer verdient.

    Die mutwillige Behinderung der Arbeit des Untersuchungsausschusses des Bundestages, das Schweigen der Verantwortlichen, die Untätigkeit und die Vertuschungsversuche der Behörden, die verharmlosende Sprachregelung in den Medien, die Aktenvernichtung und das Zurückhalten von Akten zu einer Panne umdefiniert,all dies dient leider nicht der Wahrheitsfindung.

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    der sehr gut das Treffen des Bundespräsidenten mit den Angehörigen der NSU-Opfer mit dem Wirken des ersten Mannes im Staate in einen Gesamtzusammenhang stellt.

    http://www.freitag.de/aut...

    die Augen vor Vierteln, in denen es tatsächlich Überfremdung gibt, vor Grundschulklassen,in der keiner Deutsch als Muttersprache hat. Vor Ghettoisierung.

    Man kann solche Themen in unserer Gesellschaft gar nicht anschneiden,ohne gleich in eine bestimmte Ecke,in die man nicht gehört,gedrängt zu werden.

  2. Sowohl die "Einladung" (wozu eigentlich?) als auch das Ausschlagen haben was Albernes an sich.

    In Anbetracht dessen, dass man einen Menschen verloren hat, ist Schweigen noch wertvoller als Gold....

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    "Sowohl die "Einladung" (wozu eigentlich?) als auch das Ausschlagen haben was Albernes an sich."

    Bei der Einladung haben Sie recht, aber dass Sie nicht verstehen, warum die Angehörigen der Mordopfer keine Lust verspüren auf erneute PR-Betroffenheitsrhetorik vom Repräsentanten des Staates, dem sie so viel vorzuwerfen haben, das will mir nicht in den Kopf.

    "In Anbetracht dessen, dass man einen Menschen verloren hat, ist Schweigen noch wertvoller als Gold...."

    Soso, die Angehörigen der Mordopfer, die nicht nur zehn Jahre auf die Aufklärung des Mordes ihrer Angehörigen warten mussten, sondern zusätzlich vom Staat aufgrund rassistischer Annahmen der ermittelnden Kriminalämter wie Kriminelle behandelt wurden, haben also "die Schnauze zu halten".

    Ich hoffe, man wird ihnen mehr Verständnis beibringen, wenn Sie oder ihre Angehörigen mal Opfer schlimmer Straftaten werden (wo Gott vor sei).

    >>In Anbetracht dessen, dass man einen Menschen verloren hat, ist Schweigen noch wertvoller als Gold....<<

    goldig wäre es gewesen, wenn Sie geschwiegen hätten, statt den angehörigen der opfer des gewalttätigen deutschnationalismus vorzuschreiben, wie sie mit ihrem verlust umzugehen haben.

  3. Gauck hat als Bundespräsident auf ganzer Linie versagt, als er letztes Jahr den Hinterbliebenen zum Jahrestag der Morde eine geschmacklose, arrogante Abfuhr erteilte.

    Man möge von einem solchen Treffen absehen, ließ er verlautbaren. Seine Teilnahme an einem Trauergottesdienst schien ihm nicht"die richtige Form zu sein, um Toter zu gedenken, deren Ermordung schon so lange zurückliegt." [http://www.tagesschau.de/...

    Dieser Mann ist eine grandiose Fehlbesetzung des höchsten Amtes.

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    • arnster
    • 18. Februar 2013 12:26 Uhr

    Wenn sich die öffentliche Meinung wandelt, warum soll er seine Meinung nicht ändern. Das fällt leicht, wenn man es geübt hat.

    Sie ergänzen sich in ihrer Tatenlosigkeit und dem verbreiten von Worthülsen.

    Wenn, sollten beide gehen.

    denn der bleibt sich treu.

    Versagt haben all die Vertreter der Parteien, die sich am 20.02.2012 mit einem "ungewaschenen" Kandidaten auf der Bühne nach bekanntgabe dessen Nomminierung getummelt haben.

  4. der sehr gut das Treffen des Bundespräsidenten mit den Angehörigen der NSU-Opfer mit dem Wirken des ersten Mannes im Staate in einen Gesamtzusammenhang stellt.

    http://www.freitag.de/aut...

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    entspricht in Wortlaut und Inhalt dem was #realpolitik# gepostet hat.
    Entweder ist #realpolitik# identisch mit #Gold Star For Robot Boy# oder wir haben hier einen sowas von Plagiatsfall.
    Jedenfalls sind die weiteren Ausführungen von #Gold Star For Robot Boy# im freitag über den veldensteiner kreis und weiterer Personalunionen für die Darstellung der Funktion Gaucks weniger hilfreich.

    Eher sollte Herr Gauck nochmals auf seine Begründung der bisherigen Absage hin befragt werden und ob der 2-Stunden-Termin der Ausdruck der inneren Absage Herrn Gaucks an das Gespräch darstellt.

    • NiktaM
    • 18. Februar 2013 12:01 Uhr

    Ich sehe nicht einen Staat in schlechter Verfassung! Ich sehe einen Staat, der mit seinen Diensten wirbt, Untergrundorganisationen zusammen stellt und finanziert, gibt Auftrag alles zu machen, um irgendwie Verbindung zur NPD herzustellen! Letztendlich wenn es zu weit geht, vernichtet der Staat nicht nur die Täter aber auch die Spuren, die Verbindung dieses Staates zu den Taten nachweisen. Nein Deutschland ist nicht in Bezug auf Tätigkeit Ihrer Dienste im internationalen Vergleich in schlechter Verfassung! Nun auch die Verfassung der Betroffenen zu diesem Staat ist auch entsprechend vernichtend!

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  5. Das ist KEINE Schadenfreude.

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    • Heiva
    • 18. Februar 2013 12:19 Uhr

    Ich habe nicht den Eindruck,dass hier die Morde wirklich ernsthaft aufgekärt werden sollen,und auch nicht werden,sondern es wird weiter versucht zu verschweigen,irrezuführen und zuverschleppen,wie bisher.Welche Kräfte waren da am Werk,dass die Morde in den vielen Jahren niemals aufgeklärt wurden oder vielleicht nicht nicht werden sollten? Wurden nicht Akten mal so "rein versehentlich" vernichtet? Der Bundespräsident meint es sicher gut,davon gehe ich erst mal aus,aber ich denke,die Hinterbliebenden haben mehr davon,wenn nicht nur die tatsächlichen Täter gefasst und abgeurteilt worden sind,sondern auch das Verhalten der Behörden,die damit befasst waren,aufgeklärt wird.Nach meinem Eindruck "stinkt" es da gewaltig.

    14 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 18. Februar 2013 12:21 Uhr

    Unglaublich das Ganze. Die Hinterbliebenen der Opfer des Kindermörders und Vergewaltigers Dutroux dürften nichts mehr übrig haben für ihren Staat. Schlampereien und mögliche Netzwerke waren an der Tgaesornung sowie nicht aufgeklärt.

    Vielleicht dient das Verhalten aber auch dazu nicht zu vergessen. Auch die Verbände haben jetzt einen Trumpf, den sie ziehen können. Immer wenns Probleme gibt oder zu Konzessionen aufgefordert wird, kann man drauf verweisen wie auf die tausend Jahre alten Kreuzzüge. Instrumentalisiert von einer Opposition.

    Der Budespräsident sollte ein Zeichen setzen, um solche "Spielereien" für die Zukunft zu verhidnern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Joachim Gauck | Angela Merkel | Bundesregierung | CDU | NDR | Aufklärung
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