HomosexualitätDer lange Weg zur Gleichheit in Europa

Frankreichs Lesben und Schwule dürfen ab Dienstag heiraten und Kinder adoptieren. Auch anderswo in Europa kämpfen Homosexuelle für gleiche Rechte – nicht überall mit Erfolg. von Robert Schmidt

Homosexuelle Glechstellung Frankreich Europa

Französische Demonstranten bei einem Protestmarsch zur Gleichberechtigung homosexueller Paare  |  © Etienne Laurent/DPA

Das französische Parlament unter François Hollande hat entschieden: Frankreichs Lesben und Schwule dürfen heiraten und Kinder adoptieren. Das Gesetz soll am Dienstag beschlossen werden. Auch die britische Regierung unter David Cameron könnte bald ein allgemeines Recht auf Ehe einführen – in mittlerweile sechs EU-Ländern gibt es das schon, ebenso in Island und Norwegen.

Andere Länder sind davon noch weit entfernt. Der italienische Premier Mario Monti sagt, eine Familie müsse aus einem Mann und einer Frau bestehen. Die ungarische Regierung hat sogar Homosexualität wieder ins Strafgesetzbuch aufgenommen. Der Weg zu gleichen Rechten für Europas Lesben und Schwule ist also noch lang.

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In den meisten EU-Ländern wurde Homosexualität erst mit Beginn der 1980er Jahre entkriminalisiert. Seit der Jahrtausendwende kamen dann in vielen Staaten sukzessive Rechte hinzu. Europas Homosexuelle entwickelten in dieser Zeit ein Selbstverständnis, das sie auch zu Sprechern von Bisexuellen und Transgendern machte. Vor einem Jahr wurde die erste Transsexuelle Abgeordnete im polnischen Parlament.

Die grüne EU-Abgeordnete Ska Keller sagt: "Die Antidiskriminierungspolitik der EU hat in vielen Ländern zur Verbesserung der Rechte von Lesben und Schwulen geführt". Laut einer Grundsatzentscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem vergangenen Herbst beispielsweise dürfen Asylsuchende in der EU nicht mehr pauschal abgelehnt werden, wenn sie wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden. Diskriminierung "aus Gründen der sexuellen Ausrichtung" ist laut Artikel 21 der EU-Charta der Grundrechte seit Ende 2006 verboten. Praktisch eingeklagt werden können daraus abgeleitete Rechte aber bisher nur, wenn sie den Arbeitsplatz und das Erbrecht betreffen.

Die EU würde durchaus weiter gehen, sagt Kellers grüne Parlamentskollegin Franziska Brantner: "Ein neues EU-Gesetz, das auch Schutz vor Diskriminierung in den Bereichen Bildung, Zugang zu Waren und Dienstleistungen und in der sozialen Sicherheit bringen sollte, ist im Rat blockiert – unter anderem von der deutschen Bundesregierung." Tatsächlich hinkt Deutschland in der Angleichung der Rechte Homosexueller hinter vielen westeuropäischen Ländern hinterher.

Leserkommentare
  1. @Robert Schmidt: Können Sie eine Quelle nennen für die Behauptung, Ungarn habe Homosexualität ins Strafgesetzbuch aufgenommen? Eine kurze Recherche meinerseits hat lediglich ergeben, dass Ungarn seit Juni 2012 Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Identität unter Strafe stellt, also eine eher positive Entwicklung - unabhängig von dem eigentlichen gesellschaftlichen Klima.

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  2. Warum ist es homosexuellen Paaren so wichtig, ein fremdes Kind zu adoptieren? Denken die Erwachsenen da nicht zu sehr an sich und ihre ganz persönlichen Wünsche? Wer fragt das Kind bei einer so bedeutsamen Entscheidung? Und nein, es geht nicht immer völlig problemlos ab, wenn ein Junge erklären soll oder auch muss, dass er zwei Väter hat.

    Kinder entstehen aus Mann und Frau und ich finde nach wie vor, dass sie zu Mutter und Vater gehören. So hat es die Natur bestimmt, oder nicht?

    Anmerkung: Diesen Kommentar haben wir wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/ds

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    Ich glaube das Kind ist erst einmal glücklich bei Menschen zu wohnen, die dafür gekämpft haben, ein Kind zu versorgen und aufzuziehen. Allemal besser als im Waisenhaus unter möglicherweise katastrophalen Zustände aufzuwachen.

    Das Scheinargument "Wohle des Kinds" scheint sehr heuchlerisch zu sein: was ist mit sozial benachteiligten Kindern, die ungepflegt und mit allen Klamotten in die Schule gehen? Werden diese nicht gemobbt? Sollten also auch arme oder sozial benachteiligte Paare keine Kinder aufziehen dürfen? So lange Homosexualität bei uns im Alltag 'fern' gehalten wird, kann nie eine vollständige Akzeptanz entstehen. Homosexualität ist als eine Spielart der Sexualität _normal_ und sollte rechtlich nicht aus scheinbarer 'Angst vor Diskriminerung' benachteiligt werden.

    "Kinder entstehen aus Mann und Frau und ich finde nach wie vor, dass sie zu Mutter und Vater gehören. So hat es die Natur bestimmt, oder nicht?"

    Scheinbar war sich die Natur nicht ganz sicher, bei dem was sie tat. Schließlich gibt es Homosexualität - auch im Tierreich.

    in der Möglichkeit, Nachwuchs zu bekommen. Das geht nur mit Mann und Frau. Das ist und bleibt die Natur und lässt sich ausnahmsweise mal nicht wegargumentieren. Und für mich ist die Frage nach dem Wohl des Kindes kein Scheinargument und auch nicht heuchlerisch, sondern schlicht wichtig. Und das Selbstbestimmungsrecht eines Kindes bei einer solchen Frage ebenso.

    Haben bisexuelle Menschen auch Kinder?

    Ja.
    Es wird immer nur von heterosexuellen -Eltern und homosexuellen Eltern gesprochen , gerade auch beim Thema "Adoption" . Aber dabei gibt es auch schon viele bisexuelle Eltern und manche Kinder wissen auch , dass Ihre Eltern bisexuell sind und auch auf das eigene Geschlecht stehen z.B. bei einer M+W-Familie , wo beide Partner bisexuell sind .

    Manche Menschen machen sich darüber sorgen , ob ein Kind bei homosexuellen Eltern "homosexuell" werden könnte. Dabei vergessen diese Menschen gerne , dass es auch bisexuelle Eltern gibt .Ja .Ein Kind könnte auch bisexuell werden und dann?

    Heterosexualität/Bisexualität/Homosexualität sind legal und alleine deshalb darf ein Kind auch ruhig bisexuell/homosexuell/heterosexuell werden.

    wer bezahlt sie eigentlich dafür, diese irrelevanten mittelalterlichen Meinungen auf die Menschen des 21. Jahrhunderts loszulassen?

    (und nur so am rande, die natur hat auch keine kaiserschnitte, impfungen, und gipsbeine für diese kinder vorgesehn. sollen wir das dann lieber lassen?)

  3. Europa hat andere sorgen. Diese "linke" Politik kann man vielleicht in guten Jahren durchsetzen, aber in schlechten sollte man vielleicht davon lassen?

    Die Proteste in Frankreich wollen wir nicht vergessen auch die Berichterstattung nach dem Muster "das darf nicht sein". Die Pro Proteste waren so klein das es der Journalie fast peinlich war darüber zu berichten, deswegen wurden die weit unten angesiedelt.

    "Die EU würde durchaus weiter gehen, sagt Kellers grüne Parlamentskollegin Franziska Brantner: "Eine neues EU-Gesetz, das auch Schutz vor Diskriminierung in den Bereichen Bildung, Zugang zu Waren und Dienstleistungen und in der sozialen Sicherheit bringen sollte, ist im Rat blockiert – unter anderem von der deutschen Bundesregierung." Tatsächlich hinkt Deutschland in der Angleichung der Rechte Homosexueller hinter vielen westeuropäischen Ländern hinterher."

    Europa wird weltweit immer unwichtiger, die "Toleranten" sterben sowieso aus oder bringen zu wenig Kinder auf die Welt.

    Ja Ja wenn die Stimmung bzw. Mehrheit mal kippt dann werdet ihr wissen was ihr an der katholischen Kirche hattet...

    in diesem Sinne

    Allahu Akbar

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    Entfernt. Die Redaktion/kvk

    Zum Glück richten sich Menschenrechte nicht nach der politschen-,wirtschaflichen oder gesellschaftlichen "Wetterlage"! Wir haben noch einen weiten Weg vor uns und gerade Deutschland sollte endlich anfangen diesen Weg zu beschreiten und ein Vorbild zu werden.

    Warum Skandinavien immer ein oder zwei Schritte weiter bei allem ist (Siehe Kindererziehung, Vereinbarkeit von Beruf und Kind...) sollte man wirklich mal erforschen!

    ...ist die größte Bedrohung der Existenz der Menschheit.Wie sehe es jetzt aber aus , wenn etwas passieren würde und nur noch ein Mann+Frau auf der Erde nach einer Katastrophe übrig blieben? Die beiden kennen sich nicht , lieben sich nicht und sind nicht verheiratet . 

    Einige Religionen empfinden Sex vor der Ehe oder Sex mit jemand den man nicht kennt oder liebt als Sünde.

    Also der Mann und die Frau könnten sich jetzt in so einer Situation nicht fortpflanzen und keine neue Menschheit erschaffen , da beide sich nicht kennen /mögen/lieben oder miteinander verheiratet sind.

    Meine Meinung ist , dass sich beide trotzdem fortpflanzen würden , um eine neue Menschheit zu erschaffen. 

    Alleine auf der Erde zu sein oder abgeschottet vom Rest der Menschheit wäre für die beiden vermutlich sehr schwer! Auch das Überleben wäre schwieriger , als mit mit einer Menge an Menschen. 

    Okay. Geschlechtskrankheiten. Aber selbt wenn man wüsste , dass der andere eine Geschlechtskrankheit haben könnte , würde man sich vermutlich fortpflanzen. Vielleicht werden die Kinder nicht infiziert oder man versucht es halt , da es eben kaum was zu verlieren gibt . 

    In so einer Situation würde man vielleicht alles probieren! 
    Auch wenn es eine Notsituation ist , so kann man feststellen , dass es nicht immer schlecht ist 
    Sex und Liebe und Liebe und Fortpflanzung zu trennen. 

    Man weiß eben nie was in der Zukunft passieren kann ! Niemand weiß das.

     

  4. Entfernt. Die Redaktion/kvk

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    Entfernt. Die Redaktion/kvk

  5. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wer fragt das Kind?"
  6. <em>"Scheinbar war sich die Natur nicht ganz sicher, bei dem was sie tat. Schließlich gibt es Homosexualität - auch im Tierreich."</em>

    Die Natur war sich sehr sicher, denn einige der Arten, bei denen Homosexualität verbreitet ist, sind sehr erfolgreich bei der Aufzucht von Nachwuchs. Homosexuelle Tierpaare pflanzen sich z.B. zwar außerhalb der Partnerschaft fort, ziehen die Jungen aber gemeinsam auf. Oder sie adoptieren Waisenkinder.

    Ein Beleg dafür, daß für in der Evolution Art der Partnerschaft und Fortpflanzung nicht zwangsläufig ein- und dasselbe sein müssen, um als Spezies erfolgreich zu sein.

    10 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wer fragt das Kind?"
  7. Begründung der Ehe gefallen ist -
    mit welcher Begründung kann dann vorgeschrieben werden, daß das Rechtskonstrukt namens "Ehe" ausgerechnet von ZWEI Personen einzugehen ist?
    Ich wette drauf, das Ende der Fahnestange ist noch nicht erreicht.

    10 Leserempfehlungen
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    Die gibt es nicht...

    "Rechtskonstrukt namens "Ehe" ausgerechnet von ZWEI Personen einzugehen ist?"
    Naja, kann bei mehr als zwei Personen noch von einer gleichberechtigten Beziehung sprechen???

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