Hells AngelsHaarsträubende Geschichten helfen Rockern vor Gericht

Zwei Frankfurter Hells-Angels-Klubs wehren sich vor Gericht gegen ein Verbot. Ein früherer Polizei-Informant bringt derweil die Behörden in Bedrängnis. von Helmuth Vensky

Es sollte eine Heldengeschichte werden für Boris Rhein: Hessens Innenminister verbietet zwei der mächtigsten Rockergruppen der Republik. Jetzt muss Rhein zittern, ob seine Verfügung von 2011 Bestand hat; am Donnerstag begann die Verhandlung vor dem Verwaltungsgerichtshof. Und seit Wochen kommen Interna aus den Ermittlungen gegen die Hells Angels ans Licht, die sich wie eine wilde Räuberpistole lesen.

Rhein hatte die Charter (Ortsvereine) Frankfurt und Westend am 30. September 2011 als kriminelle Vereinigungen eingestuft. Kurz darauf rief die damalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth ihren CDU-Parteifreund zum Kandidaten für ihre Nachfolge aus – und einen Tag später marschierte die Polizei zur Großrazzia bei den Hells Angels auf.

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Die Rocker werfen Rhein vor, er habe sich im Wahlkampf auf ihre Kosten als Law-and-order-Mann profilieren wollen. Der Anwalt der Hells Angels, Michael Karthal, sprach zum Verhandlungsauftakt von "politisch motiviertem Verbotsaktivismus". Seit 2010 haben die Behörden in fünf Bundesländern insgesamt sieben Charter geschlossen.

Nach den Ermittlungen der Polizei sind auch die Frankfurter Vereine in Waffen-, Drogen- und Menschenhandel verwickelt. Das Charter Westend gilt als eines der reichsten in Deutschland und residiert in einer edlen Villa. Sein Präsident Walter B. ("Schnitzel-Walter") dürfte der zweitwichtigste Rocker-Führer nach Frank Hanebuth sein, der das inzwischen aufgelöste Charter Hannover befehligte.

Rocker waren vor Razzia gewarnt worden

Rheins Verbotsverfügung rechnet den beiden Vereinen mehrere Dutzend schwere Straftaten zu, für die ihre Mitglieder verurteilt wurden. Darunter sind Totschlag, schwere Vergewaltigung, Raub und Körperverletzung, Drogendelikte. Schleswig-Holstein hatte 2010 auf ähnliche Weise das Hells-Angels-Charter Flensburg verboten; das Bundesverwaltungsgericht bestätigte die Verfügung vor wenigen Tagen.

Allerdings hatte der Kieler Innenminister auch nicht die Probleme, mit denen sich Rhein herumschlagen muss. So fanden Polizisten bei einer Razzia nur einen Zettel: "Tür ist offen, bitte erschießt meinen Hund nicht, sonst alles Gute." Die Rocker waren gewarnt worden. Gegen fünf Polizisten wurden Ermittlungen geführt.

Ein Informant aus Rockerkreisen, der dabei eine Rolle spielte, bereitet Rhein nun weiter Ärger. Die Frankfurter Neue Presse gibt seinen Behauptungen fast täglich viel Platz, dazu zitiert die Zeitung ausführlich aus internen Polizeipapieren. Wieder einmal sucht die Staatsanwaltschaft Frankfurt undichte Stellen bei den Behörden. Vorwurf: Geheimnisverrat.

Leserkommentare
  1. Das ließt sich ja ähnlich wie Berichte aus Kiel, oder Hannover, oder Bremen.
    Politiker haben sich aufgeschwungen den Kampf gegen das organisierte Verbrechen aufzunehmen. Festnahmen im Dutzend, Einsätze von Spezialeinheiten inklusive Abseilen aus Hubschraubern; und Erschießen von Hunden.
    In Kiel wurde eine ganze Lagerhalle abgebaut und der Boden wurde feinsäuberlich gesiebt.

    Geblieben ist nicht viel, in Haft ist keiner mehr, das Grundstück der Lagerhalle ist nun gesiebt, mehr aber auch nicht. Lediglich ein unbeteiligter Mensch hat sich das Leben genommen, da die Räuberpistole, erschaffen von einem „Zeugen“ vor dem das Kieler Innenministerium aus Sachsen- Anhalt gewarnt worden ist, ihm die Lebensgrundlage und den guten Ruf geraubt hat. Aber laut eines Polizisten am Rande einer Pressekonferenz war das ja nicht so schlimm, er hatte ja eh Krebs.

    Jetzt auch in Frankfurt, und das alles nach etlichen Jahren der Ermittlung. Da stellt sich schon die Frage, ob es nicht eher eine Profilierung von Politikern ist. Die Hells Angels sind ein Begriff, sie haben einen Ruf und wer sich deren Zerschlagung auf die Fahnen schreiben kann, kann im Eilmarsch die politische Karriereleiter hinaufpreschen.
    Aber machen sich nun die Bürger Gedanken, dass Recht und Gesetz von Behörden gedehnt werden? Nein, sie gruselt es lediglich etwas und den Hells Angels werden die skurrilsten Verbindungen angedichtet um den Verlauf zu erklären ohne auch nur einen Schatten auf den anständigen Behörden zu dulden.

    5 Leserempfehlungen
  2. wenn es Ortsvereine sind, dann benennen Sie die bitte auch als Ortsvereine - und nicht als Charter.
    Das dürfte dann für jeden verständlich sein - und das moderne
    'Neu-Deutsch', sprich die Amerikanisierung unserer Sprache, die sowieso schon weit fortgeschritten ist, muß nicht noch unterstützt werden, vor allem dann, wenn es entsprechende gute Begriffe im Deutschen gibt.

    7 Leserempfehlungen
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    Die Bezeichnung Chapter ist unter Motorradgangs die übliche Terminologie kann also ohne der Deutschen Sprache zu schaden angewendet werden um zu verdeutlichen um was es geht.

    dann wüsste ich doch gerne wie Sie das Gerät, mit dem Sie den Kommentar schrieben nennen. ;-)

  3. "Ein Mitglied behauptete am Telefon, der Minister habe die Hells Angels geholfen...[...]."
    Böser Fehler, der so nicht passieren darf.

  4. Die Bezeichnung Chapter ist unter Motorradgangs die übliche Terminologie kann also ohne der Deutschen Sprache zu schaden angewendet werden um zu verdeutlichen um was es geht.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Liebe Zeit-Redaktion,"
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    Da da Motorrad in Deutschland erfunden wurde, benennen sie es auch als Motorrad anstatt den Anglizismus Bike zu benutzen. Warum sollte man nun selektiv innerhalb der Terminologie ins Englische wechseln und den Ortsverein als Chapter bezeichnen? Das ist selektiv und völlig überflüssig. Anglizismen sollten doch bitte nur benutzt werden, wenn es kein entsprechendes Wort im Deutschen gibt. Die ZEIT schreibt ja schließlich auf Deutsch und sieht sich als deutsche Zeitung, sonst könnten wir die Sprache ja gleich als "Denglisch" angeben.
    Manche Leute verzweifeln, wenn sie sich beim "shoppen" an den "Servicepoint" wenden wollen, weil sie die seltsamen überflüssigen Anglizismen nicht mehr verstehen, während beim einkaufen der Gang an die Information ein Kinderspiel gewesen wäre.
    Sprache transportiert Information und durch den ständigen überflüssigen Gebrauch von Anglizismen sinkt dieser erheblich. Für mich zeigt dieser ständige Anglizismengebrauch eine wachsende sprachliche Armut, und möglicherweise auch einfach die Faulheit mancher Autoren gute vorhanden Worte zu benutzen.
    Diese anglophilen Ex-Austauschschüler können aufgrund ihrer unkritischen Verehrung für den angelsächsischen Raum nicht automatisch davon ausgehen, dass der Rest der Bevölkerung ihre Begeisterung teilt und sich ständig mit unverständlichen Sprachkreationen rumschlagen möchte. Würde man ständig spanische, türkische oder polnische Begriffe einstreuen, die keiner versteht, wäre der Aufschrei nicht mehr zu überhören.

  5. dann wüsste ich doch gerne wie Sie das Gerät, mit dem Sie den Kommentar schrieben nennen. ;-)

    Antwort auf "Liebe Zeit-Redaktion,"
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    War das jetzt soooo schwierig?

    Personalrechner ist die deutsche Entsprechung dessen,

    • Filosov
    • 22. Februar 2013 10:53 Uhr

    ... und wenn sie mal wieder hängt "Dreckskiste" :)
    Das Wort "Personal" ist mir viel zu ausländisch.

    Dass manche Leute allergisch auf Neues reagieren ist nix Neues. Sollte man nicht zu ernst nehmen, sonst gibt es keinen Fortschritt, und bei "Höllenengel" wären wir bei der Kirche, nicht auf der Straße.

  6. War das jetzt soooo schwierig?

    Eine Leserempfehlung
  7. Haarsträubende Historien helfen Hartgesottenen Heavy-Metallern hinblicklich Hohengerichtes?

    Dann wäre es wenigstens ein echter Limerick!

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    "Haarsträubende Historien helfen Hartgesottenen Heavy-Metallern hinblicklich Hohengerichtes?"

    <== Weil der Autor intelligenter ist als Du und "Heavy-Metaller" nicht in die gleiche Schublade mit Hells und Co steckt und ihnen damit einen falschen Stempel aufdrückt.

    Wegen Leuten wie Dir, denken immer noch viel zu viele, daß Leute, die Heavy Metal, Hard Rock und ähnliches hören, auf jeden fall auch kriminelle Rocker und/oder Nazis sind.

  8. ich meinte natürlich Zungenbrecher. Habe das Wort verwechselt!

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    Für alle die es nicht raffen. Charter ist ein fester Begriff bei den hells angels. Es kommt halt im rockerbereich aus dem amerikanischen. Charter heißt es bei den bandidos eine andere rockergruppe. Das sind nunmal feste Begriffe, aber hier scheinen nur ahnungslose dummschwätzer einzumischen. Die zeit hat hier ordentlich recherchiert und die richtigen Begriffe benutzt, weil die zeit halt guten Journalismus betreibt und nicht bild Niveau.

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