Hochqualifiziert kam Leserin Nataliya O. Penning aus der Ukraine nach Deutschland. Aber um ihre Fähigkeiten hier anwenden zu können, musste sie ganz unten anfangen.
"Eher wirst Du vom Blitz erschlagen als, dass Du als 50-jährige Ausländerin noch einen qualifizierten Job findest." So drastisch formulierte es mein Mann. Freunde sagten mir in anderen Worten das Gleiche. Entmutigend war es auch beim Arbeitsamt: "Wir haben viele Arbeitslose, alles Leistungsempfänger", sagte der Berater. "Sie hingegen haben hier keine Ansprüche. Wir vermitteln zuerst diejenigen, die uns Geld kosten."
2002 kam ich aus der Ukraine in die Eifel. Zuvor hatte ich zwanzig Jahre in einem Rechenzentrum mit 103 Mitarbeitern gearbeitet, zuletzt als Leiterin. Meine Ausbildung: Diplom-Ingenieurin für Analytik, eine Kombination aus Informatik, Statistik, Kybernetik und Ökonomie. Meine Spezialität: Industriebetriebe auf EDV umstellen.
Ich sprach 2002 noch kein Deutsch und kaum Englisch. Ich wollte schnell Deutsch lernen. Doch geförderte Vollzeitkurse gab es damals nur für Aussiedler aus Russland. Wöchentlich zweimal in der Volkshochschule Deutsch für Ausländer zu besuchen, reichte mir nicht. Ich habe die Sprachkurse der Deutschen Welle aus dem Internet heruntergeladen und gepaukt.
Lange habe ich vergeblich Arbeit gesucht. Dann bekam ich eine Putzstelle in einer Schule. So herablassend mir viele Deutsche bis dahin begegnet waren, so freundlich und hilfsbereit waren die neuen Kolleginnen. Ich habe gern geputzt für 400 Euro im Monat.
Nebenher blieb Zeit für Deutschprüfungen, mein Ingenieurdiplom anerkennen zu lassen, mich weiter zu bewerben und das Arbeitsamt immer wieder um Termine zu bitten. Schließlich kam meine Chance. Ich erhielt einen Vermittlungsgutschein. Binnen einer Woche bot man mir einen Arbeitsplatz an.
- Leserartikel auf ZEIT ONLINE
ZEIT ONLINE präsentiert regelmäßig ausgewählte Leserartikel, die unsere eigenen Inhalte um zusätzliche Meinungen, Erfahrungsberichte und Sichtweisen bereichern. Vor der Veröffentlichung nehmen wir mit den Autoren Kontakt auf und sprechen über den Text, anschließend wird der Leserartikel von uns redigiert und bebildert. Auch bei Leserartikeln, die unter Pseudonym veröffentlicht wurden, kennt die Redaktion Namen und Anschrift des Autors. Alle weiteren Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
- Leserartikel schreiben
-
Welches Thema brennt Ihnen schon seit Längerem auf der Seele? Was freut, ärgert oder verwundert Sie? Welches Buch, welche Musik oder welchen Film würden Sie gerne einmal auf ZEIT ONLINE rezensieren? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihren Leserartikel. In unseren Leserartikel-FAQ finden Sie alle wichtigen Hinweise, wie Sie beim Verfassen Ihres eigenen Artikels für ZEIT ONLINE vorgehen sollten.
- Der ZEIT-ONLINE-Wald
-
© BeneA / photocase.comAls symbolisches Dankeschön pflanzen wir für jeden Leserartikel, den wir veröffentlichen, einen Baum. Dabei arbeiten wir mit iplantatree.org zusammen. Zum Start des neuen Leserartikel-Projekts haben wir schon 1000 Bäume in Berlin Friedrichshagen gepflanzt und hoffen, dass daraus im Lauf der Jahre ein ganzer ZEIT-ONLINE-Wald wird. Mehr Informationen finden Sie in unseren Leserartikel-FAQ.
Ich sollte drei Tage in einem Fensterbaubetrieb am Band arbeiten. Parallel mit mir arbeitete ein 24-jähriger Schreiner. Wer von uns besser war, sollte zur Probe angestellt werden. Der Schreiner war eindeutig überlegen. Trotzdem hat man mich auch genommen. Es habe ihn beeindruckt, sagte der Schichtleiter, dass ich unablässig gearbeitet habe, ohne Verschnaufen, ohne Gang zur Toilette. Fünf Jahre bin ich in der Produktion geblieben.
Dann ist mir der Sprung ins Büro gelungen. Ein wichtiger Schritt, denn ich bin fast sechzig und die körperliche Arbeit fiel mir von Jahr zu Jahr schwerer. Jetzt sitze ich wieder vor einem Bildschirm und mache Konstruktionszeichnungen. Beruflich habe ich meinen Platz gefunden. Mein Fazit: Mit Fleiß ist es möglich, auch als ältere Ausländerin in Deutschland beruflich Fuß zu fassen. Aber ein bisschen Glück braucht man auch noch.
Ich bin dankbar, in einem Team mitarbeiten zu dürfen. Denn ich habe viele, teilweise hochqualifizierte Ausländer kennengelernt, die weniger Glück hatten: Einen Architekten am Fließband, eine Physiklehrerin im Weinbau, einen Arzt als Krankenpfleger. Hinzu kommen viele, die resigniert haben, nur noch ehrenamtlich arbeiten und sich materiell ganz auf den Ehepartner verlassen. Das ist für jeden einzelnen enttäuschend. Aber ist es nicht auch für Deutschland ein Verlust, wenn so viel Kompetenz und Talent systematisch ignoriert werden?







Und jede Woche brabbeln die Industrievertreter wieder vom angeblichen Fachkraeftemangel. Den gibt es nur, wenn man als Fachkraefte nur kinderlose Maenner mit 25 Jahren, Universitaetsabschluss und 10 Jahren Berufserfahrung ansieht.
Kaum ein Unternehmen ist bereit, Bewerber einzustellen, die nicht 100% passen, vielleicht noch Deutsch (oder eine andere Faehigkeit) verbessern muessen, aelter als 30 oder weiblich und gebaerfaehig sind.
Deutsche die über 50 sind. Gratulation an Frau Penning, dass sie nie aufgegeben hat.
"Aber ist es nicht auch für Deutschland ein Verlust, wenn so viel Kompetenz und Talent systematisch ignoriert werden?"
Definitiv ja.
Es gibt Möglichkeiten gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern die Fähigkeiten der Eingewanderten leicht zu überprüfen. Allerdings macht man sich nicht die Mühe und lässt viele qualifizierte Menschen links liegen
Man sollte (nicht nur) den Neuankömmlingen als wichtiges Wissen vermitteln dass es bei der Arbeitsagentur alles, aber eher keine passablen Arbeitsplätze gibt.
Was da von den Bedingungen her auch nur etwas über dem Durchschnitt liegt wird auf anderen Wegen besetzt, persönliche Kontakte, Empfehlungen von Mitarbeitern usw.
von Akademikern---ob deutsch oder Ausländer---die in sogenannten Billigjobs dahinvegetieren ist gleicht null.
Es wird hoffentlich noch viel mehr Akademiker geben,die wie in Kanada Taxi fahren oder für 7 euro bei der Zeitarbeit malochen.
Denn: nur selten treffe ich auf die eigentlich notwendige Empörung das es solche Billigjobs überhaupt gibt.Im Gegenteil: man findet es oft ok,das die Putzfrau so wenig verdient und man doch endlich richtig Asche als Diplomkaufmann machen möchte.
Wir müssen endlich (skandinavisch) einsehen: Billiglöhne gehören verboten,hohe Einkommen hoch besteuert,damit wir wie in Skandinavien eine soziale Absicherung für alle erreichen.
Das die prekären Akademiker politisch noch nicht soweit sind,werte ich als Zeichen,daß es Ihnen noch viel zu gut geht.(auch wenn Ausländer nicht wählen können,könnten sie doch ihren Einfluß entpsrechend geltend machen)
Die bundesdeutschen Probleme liegen eher in den zahlreichen fiskalischen Ausnahemefällen und grassierender Abzugsfähigkeit der Ausgaben, sowie der sog. Steuerflucht ins Ausland. Dieses Land hat mehr Geld als es je gebrauchen könnte, es wird nur nicht ordentlich verbucht, besteuert, ... und letztendlich sparsam vom Staat ausgegeben.
Die bundesdeutschen Probleme liegen eher in den zahlreichen fiskalischen Ausnahemefällen und grassierender Abzugsfähigkeit der Ausgaben, sowie der sog. Steuerflucht ins Ausland. Dieses Land hat mehr Geld als es je gebrauchen könnte, es wird nur nicht ordentlich verbucht, besteuert, ... und letztendlich sparsam vom Staat ausgegeben.
In D scheint nur noch nach Schema F gefördert zu werden.
Die Frage was später einmal in der Rentenkasse landet, und ob der Wille da ist etwas zu leisten, und sich mitsamt seinem/ihrem kulturellen Hintergrund integrieren zu wollen, hat eine niedrigere Wertung als die Herkunft.
Da wird ohne Sinn und Verstand gefördert, und lieber einmal zuviel abgeschoben, weil in beiden Fällen die Quote des Sachbearbeiters stimmen muss.
Ich jedenfalls möchte Menschen in mein Heimatland reinlassen, die hier leben und arbeiten wollen, die meine Sprache lernen wollen, die sich dafür auf ihren Hosenboden setzen um zu lernen, und sich und ihre Kultur hier einbringen, um uns damit zu bereichern.
Wer allerdings unter kultureller Bereicherung, die Einführung von Ehrenmord und Zwangsheirat versteht, uns mit dem Islam bekehren und der Scharia beglücken will, darf gerne zu Hause bleiben, oder statt dessen abgeschoben werden. Da sehe ich keinerlei Verlust für Deutschland.
Und in Beantwortung Ihrer Frage: "Ja. Es ist sogar ein großer Verlust, den sich die BRD da leistet."
"Glück bei der Jobsuche benötigen auch ... Andere" (siehe Vorredner)- das trifft es nicht.
Glück kommt nicht, zum Glück mauss man gehen.
Vor langer Zeit las ich hier den Bericht einer türkischen Tochter zu der Ankunft ihrer Eltern in Deutschland. Die Mutter war, wie Sie, liebe Frau Natalya, gut oder hoch qualifiziert.
Die Aussage der Tochter war, ihre Mutter ging nicht auf Arbeitssuche "es wären doch nur Putzjobs gekommen", zumal ohne deutsche Sprachkenntnisse.
Ich glaube, Sie sind glücklicher geworden - auf eigenen Füßen, mit eigenen Händen!
Deshalb gratuliere ich Ihnen wirklich aufrichtig!
Nur eines bringen die Gutausgebildeten aus dem Ausland nicht mit: Erfahrungen mit deutschen Produkten oder Dienstleistungen.
Diese gute Ausbildung ist leider fast immer nur theorethisch. So kann ich zum Beispiel einem gut ausgebildeten Ausländer kaum glauben, dass er sich mit deutscher Kraftwerkstechnik oder dem Automobilbau auskennt.
Ganz einfach, weil es dieses in den meisten Ländern der Welt gar nicht gibt. Diese Leute können nur an ein paar universitätseigenen Maschinen ausgebildet werden. Von der Wirklichkeit des Maschinen.- oder Autobaus des 21. Jahrhunderts haben sie aber keine Ahnung. Woher auch.
Ein Personalberater
Nur eines bringen die Gutausgebildeten aus dem Ausland nicht mit: Erfahrungen mit deutschen Produkten oder Dienstleistungen.
Diese gute Ausbildung ist leider fast immer nur theorethisch. So kann ich zum Beispiel einem gut ausgebildeten Ausländer kaum glauben, dass er sich mit deutscher Kraftwerkstechnik oder dem Automobilbau auskennt.
Ganz einfach, weil es dieses in den meisten Ländern der Welt gar nicht gibt. Diese Leute können nur an ein paar universitätseigenen Maschinen ausgebildet werden. Von der Wirklichkeit des Maschinen.- oder Autobaus des 21. Jahrhunderts haben sie aber keine Ahnung. Woher auch.
Ein Personalberater
Ich werden mit meinem Maschinenbauabschluss jedenfalls niemals putzen gehen. Mein Ego wäre so tief im Keller, dass ich mich vermutlich umbringen müsste.
Ich habe zwanzig Jahre im gehobenen Mangament gearbeitet und geriet durch eine Übernahme unverschuldet in die Arbeitlosigkeit. Nun sortiere ich stundenweise Post und bin froh in meinem Alter überhaupt noch diese befristete schlecht bezahlte Arbeitsstelle bekommen zu haben.
Charakterlich war es einen Moment schwer, aber inzwischen habe ich jede Eitelkeit oder falsche Scham abgelegt.An ein "Umbringen" denkt wohl nur jemand, der keine Ahnung von wirklich existenziellen Nöten hat. Man trägt nicht nur Vernatwortung für sich selbst, sondern auch für seine Familie.
wie Sie mit Ihrer Situation umgehen.
Ich sollte mit 54 arbeitslos werden, habe der neuen Firma etwas gewünscht, habe diesem Marktführer Kundschaft weggenommen und mich selbständig gemacht.
Nichts mit Arbeitslosigkeit -
und wie Sie aus demselben Grunde: Verantwortungsgefühl - und weil ich mir zu schade war, aufzustecken.
Mit diesen Vorgaben sind wir allerdings heute die loser: wir wollen etwas leisten für unser Einkommen, wir zeigen Verantwortung.
Steinzeit! Neandertal gleich um die Ecke.
wie Sie mit Ihrer Situation umgehen.
Ich sollte mit 54 arbeitslos werden, habe der neuen Firma etwas gewünscht, habe diesem Marktführer Kundschaft weggenommen und mich selbständig gemacht.
Nichts mit Arbeitslosigkeit -
und wie Sie aus demselben Grunde: Verantwortungsgefühl - und weil ich mir zu schade war, aufzustecken.
Mit diesen Vorgaben sind wir allerdings heute die loser: wir wollen etwas leisten für unser Einkommen, wir zeigen Verantwortung.
Steinzeit! Neandertal gleich um die Ecke.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren