Leserartikel

RassismusSchwarz geboren, zum Neger gemacht

Wer andere Neger nennt, grenzt sie aus, sagt Leser Jonas Hampl. Er ist schwarz und möchte auch so bezeichnet werden. von Jonas Hampl

Ein Israeli äthiopischer Abstammung demonstriert in Jerusalem gegen Rassismus.

Ein Israeli äthiopischer Abstammung demonstriert in Jerusalem gegen Rassismus.  |  © Abir Sultan/epa/dpa

Ich hasse den Neger. Denn ich bin das, was Weiße meistens schwarz nennen. Im Winter ist es zwar eher das holzige Braun vom Stamm eines Nadelbaums, doch mit schwarz fühle ich mich wohl. Schwarz ist ehrlich, schwarz ist gut.

Auch für Begriffe wie Farbiger oder Maximalpigmentierter hatte ich nie viel übrig. Das passt nicht. Schwarz dagegen trifft den Nagel auf den Kopf. Schwarz sein bedeutet beim Familienfoto ins Licht gewunken und gelegentlich auf Englisch angesprochen zu werden. Leute merken sich meinen Namen eher. Es bedeutet Gutes wie Schlechtes, aber nichts, womit ich nicht klar komme.

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Beim Wort Neger ist das anders. Sein Ursprung, niger, wird zwar lediglich mit schwarz übersetzt, aber seine Bedeutung hat sich weit davon entfernt. Meilenweit. Neger sein heißt: Personenkontrollen am Bahnhof, Angst haben. Neger sein bedeutet, abgelehnt zu werden als Freund der Tochter, Besucher der Disco, Mitarbeiter der Firma.

Wer Neger sagt, meint: Du bist kein richtiger Deutscher, du bist kein echter Franke. Du bist hier, aber du gehörst woanders hin. Solche Leute sagen sehr viel und kennen dich sehr wenig. Neger sein tut weh. Es ist unangenehm. Schon einige haben mir anvertraut, dass sie gern so schwarz wären wie ich. Aber ich bin sicher, dass es keinen gibt, der gern ein Neger wäre. Ich auch nicht.

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Schon das Wort Neger zu hören oder zu lesen, ist unangenehm, egal in welchem Kontext. Selbst während ich diese Zeilen schreibe, spüre ich die Hemmung, es zu tippen. Das Wort hat Macht über mich. Es weckt bittere Erinnerungen an Momente, in denen jemand mich zwang, mich als Neger zu fühlen.

Man wird schwarz geboren, aber zum Neger gemacht. Durch Ausgrenzung, Abweisung, Beschimpfung. Durch bittere Erfahrungen und Enttäuschung durch Leute, von denen man eigentlich dachte, sie wüssten es besser.

Man kann niemanden für immer davor schützen, aber ich bedanke mich bei allen Autoren, die den Augenblick etwas nach hinten schieben, an dem ein schwarzes Kind sich mit seiner Hautfarbe auseinandersetzen muss. Ich bin froh, dass ich meinen Kindern nicht vorlesen muss, dass Pippis Vater ein Negerkönig ist. Früher hatte das vielleicht etwas Spannendes, Exotisches. Aber wir leben im 21. Jahrhundert. Heute tut es weh. Der kleinen Ishema, mir und wahrscheinlich jedem Vater und jeder Mutter eines schwarzen Kindes.

Das Wort Neger zu vermeiden, wird den Rassismus nicht ausrotten. Aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Einen Schritt weg von einer Vergangenheit, die nicht unsere Zukunft bestimmen soll.

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Leserkommentare
  1. ob man Sie "schwarz" nennen darf. (Unabhängig davon, dass Sie vermutlich braun sind.)
    Ich bin mir auch nicht sicher, ob einer, der Sie "Schwarzer" nennt, damit meint, Sie wären ein echter Franke und würden dazugehören.
    Ich würde Sie wohl "Herr Hampl" nennen oder bei näherer Bekanntschaft dann "Jonas".

    Ich im Gegenzug würde ich es nicht mögen, wenn Sie mich "Weißer" nennen würden, auch wenn ich hauttonmäßig einer bin. Ob sich Asiaten über "Gelber" freuen?
    Über diese Art von Anreden sollten wir doch langsam mal weg sein, oder?

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    • Derdriu
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Ich würde auch einfach den Namen benutzen- wenn ich ihn denn kenne. Aber wie beschreiben Sie eine unbekannte Person? Ganz ohne Hintergedanken: eine dunkle Hautfarbe ist ein Erkennungsmerkmal, genau wie rote oder braune Haare und die Größe.

    Würden Sie dann das Wort ebenfalls umgehen? Wenn ja, wie?

    Die unseligen Diskussionen über den Begriff "Neger" haben gezeigt, dass wir noch lange nicht so weit sind.

    So zu tun als gäbe es die sozialen Konstrukte "Schwarz" und "Weiß" nicht, bedeutet, die Lebensrealität hunderttausender Menschen zu leugnen, abzustreiten, dass sie aufgrund ihres Aussehens anders behandelt werden, dass man sie nicht in Clubs lässt, dass man ihnen teilweise Wohnungen verweigert oder dass man immer wieder von ihnen verlangt, sich zu ihrer "Herkunft" zu erklären.

    Es tut mir leid, wenn Ihnen die Bezeichnung "Weiß" nicht gefällt. Finden Sie einen besseren Namen. Aber zur Zeit dominiert die Einteilung in "Weiß" (oder wie Sie sich auch immer bezeichnen wollen), Schwarz und PoC das Denken so gut wie jedes Menschen in Deutschland.

    So zu tun als existierte diese Einteilung nimmt den Betroffenen jede Möglichkeit, sich zu artikulieren.

    • Bashu
    • 07. Februar 2013 14:28 Uhr

    im persönlichen Umgang sollte dieser Begriff nicht notwendig sein. Unser Gegenüber ist ein Individuum, nicht nur ein Schwarzer oder ein Weißer.

    In manchen gesellschaftspolitischen Diskursen will man aber beispielweise spezielle Gruppe aus der Gesellschaft herausgreifen. Heutzutage kursiert manchmal der Begriff Bio-Deutsche für Germanisch-stämmige.

    Im Prinzip ist natürlich diese ganze Diskussion Käse, denn durch die ganzen Völkerwanderungen der letzten 2 Jahrtausenden gibt es sowas wie das "Deutsche Volk" als genetisch homogene Einheit überhaupt nicht mal. Wir sind stark mit den Slawen und anderen nicht-germanischen Volksgruppen vermischt.

    Für mich ist ein Deutscher, wer in Deutschland aufgewachsen ist, Deutsch spricht, und sich als Deutscher fühlt. Ich denke rassenbasierte Definitionen sind (aufgrund der o.g. Geschichte) wissenschaftlich nicht zu untermauern.

    Man sollte darüber vielleicht hinweg sein, ist es de facto aber nicht. Und wenn man schon, aus welchen Gründen auch immer, jemanden nach der Hautfarbe einordnen zu müssen glaubt, leuchtet mir "Schwarz" als Gegenstück zum traditionellen "Weiß" ein. Und wenn Schwarze so genannt werden wollen (Der Braune Mob hat das auf seiner Webseite ausführlich erklärt), ist das erstens ok und zweitens nicht Sache von Weißen, das zu kritisieren. Auch muss man Asiaten nicht "Gelbe" nennen, nur weil man Schwarze Schwarze nennt. Man könnte die einfach fragen, ob sie ihre Hautfarbe irgendwie bezeichnet haben möchten.

    • dacapo
    • 08. Februar 2013 11:40 Uhr

    Selbstverständlich sollte jeder mit dem Namen angesprochen werden. Herr Hampl hat aber was anderes gemeint. Er möchte leiber als Schwarzer als als Neger bezeichnet werden. Er hat ja nicht gesagt, dass er als "Herr Schwarzer" angesprochen wird. Es ist in Nordafrika üblich, wo es seit langem gemischte "Hautfarben" gibt, jemanden mit Schwarzer zu beschreiben, so wie man einen Weißen als den beschreibt, wie er ist. Es gibt dann dementsprechende "Mischfarben". So wie man in Ländern, wo es überwiegend nur Weiße gab, die Haarfarbe beschrieb. Der Blonde, Der Rote usw.

  2. Ich denke, "schwarz" und "weiß" zu sagen, ist vollkommen okay. Ich habe zwei gute schwarze Freunde und wir amüsieren prächtig bei den Begriffen "dunkelhäutig" oder "hellhäutig".

    Zwar sind diese politisch korrekt, aber zeugen doch von einer Verklemmtheit bei der Thematik.

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    • war-hog
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Nun, nicht jede dunkelhäutige Mitbürger ist ihr Kumpel oder Freund.
    Von daher kann also etwas was Sie "Verklemmtheit" nennen, auch schlicht Respekt bedeuten.

    http://www.youtube.com/wa...

    • Bashu
    • 07. Februar 2013 14:20 Uhr

    für die Einschätzung aus Sicht eines "Betroffenen".
    Es wurde viel aus "weißer" Perspektive über diesen Begriff debattiert, es sei Geschichtsverfälschung u.ä. wenn man den Negerkönig durch Südseekönig o.ä. ersetze.

    Wenn Fakt ist, dass deutsche Mitbürger diesen Begriff als dermaßen abwertend finden - und dass etwas Herablassendes in diesem Begriff steckt werden wohl die Wenigsten verneinen - dann tut es gut ihn abzuschaffen.

    Das Problem aber an dieser doch sehr amerikanischen political correctness: ein Begriff wird abgeschafft, aber Rassismus wird dadurch nicht abgeschafft. Amerika ist nach wie vor rassistisch.

    Eine etwas harsche Alternativen wäre gewesen, den Begriff als Selbstbezeichnung unter Schwarzen zu verwenden, denn das hätte ihm die emotionale Ladung genommen. Denn nun - nach Verbot - werden Ihnen Leute mit diesem Begriff erst Recht weh tun können. Darin sehe ich die Kehrseite.

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    Ein Verbot des Wortes steht eigentlich nicht zur Debatte und wäre wohl auch gar nicht durchsetzbar. Dass es schmerzhaft ist, "Neger" genannt zu werden, hat auch nichts mit einem möglichen Verbot des Wortes zu tun, sondern mit der Bedeutung und Konnotation, die das Wort im Deutschen derzeit hat.

    Durch Vermeidung des Wortes z.B. in Kinderbüchern wird nicht die Verletzlichkeit Schwarzer reduziert, aber die Zahl der Gelegenheiten, wo sie (wie in Kinderbüchern wohl ohne böse Absicht von Seiten des Autors) mit diesem Wort konfrontiert werden, wird abnehmen, und schon das ist ein Gewinn.

    • Capo321
    • 07. Februar 2013 16:19 Uhr

    Als Selbstbezeichnung verwenden.... da glaube ich nicht dran. Wie im Artikel schon beschrieben, breitet sich ja selbst leichtes Unbehagen aus, wenn man das Wort zu oft schreibt.

    Ich würde aber zwischen den USA und Deutschland trennen. In Deutschland haben Schwarz&Weiss eine völlig andere Geschichte miteinander und daher ganz andere Chancen.

  3. und ich finde es auch positiv hier von mehr emotionalen Inhalten zu reden. Am Wort Neger stimmt etwas nicht, falls ueberhaupt irgendwann etwas hier ok war. Nochmal zum emotionalen Inhalt, ss genuegt, glaube ich nicht nur formal, sozusagen politisch korrekt zu sein (vielleicht ein Start) das ist keine solide Grundlage, Herz und Verstand sollten dabei sein.

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    • Derdriu
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Ich würde auch einfach den Namen benutzen- wenn ich ihn denn kenne. Aber wie beschreiben Sie eine unbekannte Person? Ganz ohne Hintergedanken: eine dunkle Hautfarbe ist ein Erkennungsmerkmal, genau wie rote oder braune Haare und die Größe.

    Würden Sie dann das Wort ebenfalls umgehen? Wenn ja, wie?

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    Warum muß man überhaupt Personen, denen man hier oder da begegnet, in Anekdoten mit ihrer Hautfarbe zuerst porträtieren?

    Ich habe mir sowas vor einiger Zeit abgewöhnt.

    Faszinierend finde ich die Reaktionen, wenn Freunde/Bekannte aufeinander treffen, die sich nur aus meinen Erzählungen kennen. Heimlich wird mir bei der nächstbesten Gelegenheit ins Ohr geraunt: "Du hast ja gar nicht erzählt, daß er/sie schwarz ist!"

    Ich pflege dann stets mit theatralisch erstauntem Gesichtsausdruck zu erwidern: "Wieso? Ist das denn wichtig?"

    Eben, isses nich.

  4. Die unseligen Diskussionen über den Begriff "Neger" haben gezeigt, dass wir noch lange nicht so weit sind.

    So zu tun als gäbe es die sozialen Konstrukte "Schwarz" und "Weiß" nicht, bedeutet, die Lebensrealität hunderttausender Menschen zu leugnen, abzustreiten, dass sie aufgrund ihres Aussehens anders behandelt werden, dass man sie nicht in Clubs lässt, dass man ihnen teilweise Wohnungen verweigert oder dass man immer wieder von ihnen verlangt, sich zu ihrer "Herkunft" zu erklären.

    Es tut mir leid, wenn Ihnen die Bezeichnung "Weiß" nicht gefällt. Finden Sie einen besseren Namen. Aber zur Zeit dominiert die Einteilung in "Weiß" (oder wie Sie sich auch immer bezeichnen wollen), Schwarz und PoC das Denken so gut wie jedes Menschen in Deutschland.

    So zu tun als existierte diese Einteilung nimmt den Betroffenen jede Möglichkeit, sich zu artikulieren.

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    Sie haben Recht, es gibt die sozialen Konstrukte weiß und schwarz, genauso wie es Mann und Frau, Ober- und Unterschicht, arbeitend und arbeitslos etc. gibt.
    Diese sozialen Konstrukte existieren parallel zu den tatsächlichen Eigenschaften (denn es gibt ja tatsächlich biologisch Männer und Frauen und was weiß ich wieviele weitere biologische Ausprägungen, genauso wie es verschiedene Hauttöne gibt) und sie sind häufig mit Wertungen verbunden.
    Das abzustreiten ist realitätsfern.
    Diese Wertungen gilt es zu bekämpfen, damit wir mit den unterschiedlichen Eigenschaften vorurteilsfrei umgehen können.
    Das scheint mir nämlich das schlimmste: das eigene schwarz-, Frau-, arbeitslos-Sein zu hassen, weil es als minderwertig gilt. Und womöglich andere zu verachten, deren Eigenschaft als noch minderwertiger gilt.
    Die Bezeichnung Neger, das kann ich dem Autor nachempfinden, geht daher gar nicht, es steckt einfach zuviel Wertung darin.

    Die Unterscheidung zwischen Menschen mit heller und dunkler hautfarbe ist mit Sicherheit kein Sozialkonstrukt, das ist sogar messbar.

    Die Ableitung von Eigenschaften des Menschen aus seinem Aussehen hingegen ist eine Fehlschluss der Gesellschaft.

    Halten sie mich für einen Haarspalter - ich stimme ihnen zu, mochte nur ihre Formulierung nicht.

    doch, es ist ein soziales konstrukt.

    schon etwas für so wichtig zu halten, dass ein begriff dafür gefunden wird, ist ein sozialer effekt, und erst recht die bedeutungen, die dann daran gehängt werden oder durch den gebrauch entstehen/sich entwickeln.

    oder kennen sie ein wort für diese haut, die sich zwischen den fingern aufspannt, wenn man sie spreizt? und hat es irgendwelche folgen, wenn diese haut - vielleicht, geachtet hab ich darauf nicht - bei menschen unterschiedlich ausgeprägt ist?

    was für unterschiede bemerkt werden, welche begriffe für sie gefunden werden, und welche bedeutung sie bekommen, hängt am jeweiligen blick darauf und welcher blick entscheidend wird.

    • war-hog
    • 07. Februar 2013 14:24 Uhr

    Nun, nicht jede dunkelhäutige Mitbürger ist ihr Kumpel oder Freund.
    Von daher kann also etwas was Sie "Verklemmtheit" nennen, auch schlicht Respekt bedeuten.

    http://www.youtube.com/wa...

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    Es wird immer Leute geben, die eine bestimmte Bezeichnung nicht mögen. Die einen Rothaarigen kommen mit der Bezeichnung "Ginger" zurecht, die anderen hassen sie. Die einen möchten nicht Schwarz genannt werden, die anderen schon. Wieder andere möchten nicht Weiß genannt werden, andere finden das okay. Es soll sogar vorkommen, man mag es kaum glauben, dass sich Schwarze untereinander kumpelhaft als Nigger bezeichnen.
    Egal welche Worte man benutzt, irgendwen ärgert man damit immer. Kein Grund, darauf Rücksicht zu nehmen, sonst ist es nämlich wirklich nervig.

  5. Ich möchte ihnen Ihr Recht maßgeblich mitzubestimmen, wie man Sie nennt Ihnen nicht absprechen.

    Aber denn noch muss ich darauf hinweisen: Wo das N-Wort herkommt. Es kommt aus dem Spanischen. Das Spanische Wort für die Farbe Schwarz ist [negro]. Ein schwarzer Mensch (männlich) wird im Spanischen folgerichtig [el negro] (der Schwarze), genannt, weiblich [la negra] (die Schwarze, mit der femininen Endung a). Eingedeutscht wird daraus das N-Wort (in der weiblichen Form mit der Endung -in), mit einem Wortende das zur deutschen Sprache passt. Das Wort wurde in der Vergangenheit sowohl im rassistischen, als auch im nicht-rassistischen Kontext verwendet. Natürlich in der regel im rassistischen, aber das lag daran das in der Gesellschaft der Rassismus mehr verbreitet war.

    Das N-Wort nun durch Schwarzer zu ersetzen ist eine schlichte Übersetzung. An sich bleibt es das selbe Wort mit dem selben Ursprung, der selben Ableitung.

    PS: Genau aus diesem Grund kommt in spanisch sprechenden Ländern keiner auf die Idee das N-Wort zu ersetzen. Weil der schlicht beschreibende Ursprung offensichtlich ist.

    PPS: Das Wort Afrikaner bzw. Afrika auf der anderen Seite, wurde als Selbstbezeichnung von Publius Cornelius Scipio Africanus eingeführt. Mit diesem von ihm selbst ausgedachten Titel (Africanus) rühmte sich der römische Senator und Feldherr das heutige Tunesien militärisch besiegt zu haben. Wenn man also wirklich kolonialistische Wörter tilgen wollte, würde man ein neues Wort für Afrika suchen.

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    dass es nicht darauf an kommt, ob es für "weiße" Menschen Sinn macht, wie sich Schwarze bezeichnen möchten. Es kommt allein darauf an, ob es für schwarze Menschen Sinn macht, sich so zu bezeichnen.

    Ihre Ausführungen a la "Ich halte für so dämlich was ihr macht, aber wenn ihr es so wollt" tun mir fast schon körperlich weh.

    • Bashu
    • 07. Februar 2013 14:34 Uhr

    Eine indogermanische Volksgruppe aus dem iranischen Hochland, die als Ursprung der indogermansichen Völker angesehen wird (also auch der Deutschen). Durch die Verbindung mit den Rassentheorien des 19./20. Jahrhunderts ist der Begriff heutzutage inakzeptabel geworden.

    Ebenso ist das Hakenkreuz an sich ein positives mystisches Zeichen.

    Also egal wo ein Begriff herkommt, wenn er sich in einem bestimmten Kontext entwickelt kann der Zeitpunkt kommen, da der Begriff negative Ladung bekommt und sein Gebrauch verwerflich wird. Das ist bei Neger der Fall.

    Und die Spanier haben den Begriff, nun, aus dem Lateinischen. Ob der Begriff direkt aus dem Lateinischen ins Deutsche gelangt ist, oder über das Spanische und von da weiter über das Französische, tut nichts zur Sache. Es geht letztlich auf ein lateinisches Wort zurück.

    Und was das Argument angeht, es sei eine "schlichte Übersetzung. An sich bleibt es das selbe Wort mit dem selben Ursprung, der selben Ableitung": Das Wort Neger hat im Deutschen Konnotationen, die das Wort Schwarzer nicht hat. Der Unterschied lässt sich auch am Englischen sehen, wo es zwei N-Wörter gibt, von denen eines "sometimes offensive" und das andere "usually offensive" ist. Beide haben denselben Ursprung, nämlich das lateinische "niger". Deswegen kann man die Wörter trotzdem nicht gleichsetzen, genau wie Neger und Schwarzer.

    • war-hog
    • 07. Februar 2013 14:50 Uhr

    ...spiegelt sich meiner Meinung nach die durch bspw. Kinderbücher der vergangenen Jahrhunderte implizierte Überheblichkeit.
    Als wenn der Autor, ob seiner Lebenswirklichkeit nicht längst intensiv mit den Begrifflichkeiten auseinandergesetzt hätte.

    • Suryo
    • 07. Februar 2013 15:35 Uhr

    Nun unterliegen Wörter und Symbole aber nun einmal auch einem Bedeutungswandel, die Etymologie und ursprüngliche Bedeutung sind zweitrangig.

    Ein Beispiel: Das Hakenkreuz ist ein uraltes indisches Sonnensymbol - eigentlich. Aber in Europa steht es nunmal seit nunmehr 80 Jahren für etwas ganz anderes, und diese Bedeutung kann man nicht einfach mit dem Hinweis auf die "eigentliche" Bedeutung beiseitewischen. Die Aussage des Symbols hat sich unwiderruflich gewandelt. Genauso ist es mit dem Wort "Neger". Im Spanischen mag "negro" völlig okay sein. Im Deutschen ist "Neger" aber nun mal seit einigen Jahrzehnten kein Begriff mehr, "der eigentlich ja nur "Schwarzer" bedeutet". Er klingt häßlich, abwertend, im besten Falle gestrig.

    • lxththf
    • 07. Februar 2013 15:38 Uhr

    eines Wortes erklären möchte, dann reicht es nicht aus, nur die Übersetzung heranzuziehen, sondern vor allem auch die historische Bedeutung und für einen Schwarzen in den USA, oder in Südamerika hat "Negro" auch eine andere Bedeutung. Warum machen Sie sich nicht die Mühe, genau zu recherchieren? Wer wurde Negro genannt? Wer war Kolonialherr und wo gab es Sklavenhandel. Das kann man nicht einfach bei der Erklärung der Worte auslassen, sondern das ist ein elementarer Bestandteil der Wortgeschichte des Wortes "Neger". Auch die Aufklärung wertete diesen Begriff negativ, verband man zu der Zeit vor allem auch charackterliche und geistige Eigenschaften mit dem Wort. Ich drück es mal anders aus. Seit min. 500 Jahren ist das Wort deutlich negativ konnotiert, sei es durch Sklaverei, Aufklärung, Rassenlehre und die Unruhen in den USA. In der dt. Sprache fehlte es lange vor allem nach den Weltkriegen an Worten, (es wird sie nicht überraschen, dass auch zur Nazizeit der Begriff beleidigend gebraucht wurde) die unideologisch, unpolitisch und frei von Beleidigungen waren. Aus diesem Grund muss man akzeptieren, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe endlich selbst bestimmen wollen, wie sie benannt werden wollen. Ich bevorzuge dunkelhäutig, aber auch schwarz ist ok.

    • hairy
    • 07. Februar 2013 16:16 Uhr

    Ich selbst sehe bei dem Wort "Neger" auch eher das "negro" und keine politisch-historischen Hintergründe oder eine generelle Abwertung. Und ich bin dagegen, Wörter auf einen Index zu setzen. Das Wort selbst ist nicht das Problem, sondern mögliche dahinterstehende Gedanken. Die lassen sich aber an dem einzelnen Wort nicht ablesen, sondern nur an deutlicheren Ausdrucksformen resp. Taten. Und man kann auch die Argumentation umkehren: Keinesfalls ist jemand, der das Wort Neger verwendet, schon ein Rassist.

    • cruyff
    • 07. Februar 2013 22:24 Uhr

    Das Wort Neger ist ein Schimpfwort, natürlich.
    Würden Sie einen Schwarzen als Neger ansprechen oder bezeichnen?
    Neger ist für Schwarze eine Beleidigung und in der Umgangssprache auch so gemeint!

    • Dppldv
    • 07. Februar 2013 23:57 Uhr

    Zunächst vielen Dank an Herrn Hampl,auch ich bin schwarz und in Deutschland geboren.Zu hoffen ist,dass diese Debatte nicht einfach verebbt, sondern zur Verbesserung (Change, hallo?) beiträgt. Zum vorangegangenen Kommentar:Ihre ethymologischen und geschichtlichen Kenntnisse in allen Ehren. Das eigentliche Thema ist und bleibt dennoch, dass wir uns einen respektvollen Umgang in unserer Gesellschaft wünschen und dann bitte für alle. Ein jahrhundertelang mit Entrechtung und Entmenschlichung gekoppeltes Wort kann von keinem denkenden und fühlenden Menschen als neutral oder verhandelbar empfunden werden. Es ist somit also unverhandelbar *respektlos* und *entwürdigend*.Sehr enervierend und frustrierend ist,dass immer wieder die gleichen, längst wiederlegten Argumente kommen. Als Mehrheitsmitglied befasst man sich nicht so eingehend mit Minderheitenpositionen wie die Minderheitenmitglieder. Das ist menschlich und verständlich. Man sollte dann aber den Respekt aufbringen den "Betroffenen" ihren situationsbedingten Kompetenzvorsprung zu zu gestehen .Restlos alles von Relevanz, was es zum N- Wort zu sagen gibt ist im Artikel von Herrn Hampl ohnehin bereits gesagt. Wer das nicht verstehen kann, kann`s googeln, wer´s nicht verstehen will, dem wünsch ich frohes baldiges Erwachen, wir schreiben das Jahr 2013. (vgl. auch # Sexismus, #Herkunft)Solidarische Grüße an Black Power und andere "Betroffene", die wie ich auch streckenweise *tief durchatmen* müssen.

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Rassismus | Bahnhof | Hautfarbe | Winter | Autor | Niger
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