Kirche : Papst Benedikt XVI. tritt zurück

Papst Benedikt wird noch in diesem Monat sein Pontifikat aufgeben. Seine Kraft reiche nicht mehr für das Amt. Bis Ostern soll nun ein neuer Papst gewählt werden.

Papst Benedikt XVI. gibt sein Pontifikat am 28. Februar auf. Das teilte Benedikt überraschend während einer Versammlung der Kardinäle in Rom mit. Er kündigte seine ungewöhnliche Entscheidung in lateinischer Sprache an.

"Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben", sagte der 85-Jährige laut Radio Vatikan.

Der Deutsche Kardinal Joseph Ratzinger war im April 2005 zum 265. Papst gewählt worden. Zuvor war er Präfekt der Glaubenskongregation.

Musste "Unvermögen erkennen"

"Um das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden", sagte Benedikt, "ist sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig". Diese Kraft habe in den vergangenen Monaten derart abgenommen, dass er selbst sein "Unvermögen erkennen" musste, den anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Der Rücktritt sei nicht auf eine akute Erkrankung zurückzuführen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Allerdings hätten in den letzten Monaten Benedikts Kräfte nachgelassen. Dies habe der Papst klar erkannt.

Neuer Papst bis Ostern

Den Vatikan traf die Entscheidung von Papst Benedikt ebenfalls unerwartet. "Es hat uns überrascht", sagte der Vatikan-Sprecher. Der Papst habe den Entschluss aus freien Stücken ohne Druck von außen getroffen. Lombardi kündigte an, dass bis Ostern ein neuer Papst gewählt sein wird. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 31. März. Das Konklave zur Wahl des neuen Kirchenoberhauptes (hier eine Liste der wahlberechtigten Kardinäle) könne 15 bis 20 Tage nach dem Rücktritt beginnen, sagte Lombardi.

Ein Papst wird grundsätzlich auf Lebenszeit gewählt, das Kirchenrecht sieht aber auch die Möglichkeit des freiwilligen Rücktritts vor. Im kanonischen Recht der katholischen Kirche heißt es dazu: "Falls der Papst auf sein Amt verzichten sollte, ist zur Gültigkeit verlangt, dass der Verzicht frei geschieht und hinreichend kundgemacht, nicht jedoch, dass er von irgendwem angenommen wird."

In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es bisher nur wenige Rückzüge aus freien Stücken. Bekannt ist, dass Papst Coelestin V. am 13. Dezember 1294 nach fünf Monaten freiwillig sein Amt aufgab. Um einen neuen Papst zu bestimmen, muss in Rom nun das Konklave der Kardinäle zusammentreten.

"Er hat sehr gelitten"

Georg Ratzinger, der Bruder des Papsts, sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei bereits seit Monaten über die Rücktrittspläne informiert gewesen. Er persönlich halte die Entscheidung für richtig. Es sei "durchaus positiv, dass er seine Aufgabe in jüngere Hände gibt".

Für Max Seckler, ein langjähriger Freund des Papsts, ist der Rücktritt ein Zeichen der Größe. "Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet", sagte der Tübinger Theologe.

"Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt", fügte der 85-Jährige hinzu. "Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch."

Der Dekan der katholischen Kirche, Angelo Sodano, nannte die Ankündigung einen "Blitz aus heiterem Himmel". Benedikt hatte bereits vor einiger Zeit deutlich gemacht, dass er es sich durchaus vorstellen könne, etwa aus Gesundheitsgründen das Pontifikat abzugeben. Die Kardinäle waren eigentlich zusammengekommen, um über mehrere neue Heiligsprechungen abzustimmen.

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