Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Papst Benedikt XVI. für seine Arbeit als katholisches Kirchenoberhaupt gedankt. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zum Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung des Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte die CDU-Vorsitzende.

"In unserem Zeitalter immer längeren Lebens werden viele Menschen nachvollziehen können, wie sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen muss", sagte Merkel.

Der Papst hatte völlig überraschend seinen Rücktritt zum 28. Februar aus Altersgründen angekündigt. "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben", hatte der 85-Jährige gesagt.

"Bedeutendster religiöser Denker"

Merkel sagte, Benedikt XVI. habe den Dialog der Kirchen gefördert sowie Juden und Muslimen die Hand gereicht. Der Papst "ist und bleibt einer der bedeutendsten religiösen Denker unserer Zeit".

Zudem lobte sie die Bescheidenheit des deutschen Theologen, dessen Bildung, aber auch seine Fähigkeit, die "Herzen der Gläubigen" zu erreichen. Er sei nur ein "einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn", hatte der Papst nach seiner Wahl gesagt. Doch er sei mehr gewesen, so Merkel, nämlich der Hirte für rund 1,2 Milliarden Menschen.

Merkels Kritik am Papst 2009

Die Kanzlerin erinnerte daran, wie stolz die Deutschen auf ihren "Landsmann" Kardinal Ratzinger nach dessen Wahl zum Papst gewesen seien. Auf seinen Reisen nach Deutschland habe Benedikt XVI. die Herzen der Gläubigen erreicht. Unvergessen bleibe seine Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahr 2011: "Er beschrieb darin unsere grundlegende Aufgabe als Politiker: dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren", sagte Merkel. Der Auftritt sei eine "Sternstunde des Parlaments" gewesen. "Als Bundeskanzlerin sage ich Danke für seine Arbeit und wünsche ihm von Herzen alles Gute für die nächsten Jahre."

Das Verhältnis zwischen der Kanzlerin und dem Papst galt zwischenzeitlich als angespannt. 2009 hatte Merkel Benedikt XVI. ungewöhnlich deutlich kritisiert, nachdem der Papst die Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius bekannt gegeben hatte, darunter den des Holocaust-Leugners Richard Williamson. Dieser Schritt hatte vor allem bei Juden weltweit Empörung ausgelöst. Merkel forderte damals eine Klarstellung. Diese offene Kritik der Kanzlerin war allerdings umstritten, auch in ihrer eigenen Partei.

Gauck von Bescheidenheit beeindruckt

Bundespräsident Joachim Gauck sagte, die Bürger in Deutschland hätten mit "großer Überraschung und tiefer Bewegung" vom Rücktritt des Papstes erfahren. Für einen solchen "historisch höchst seltenen Entschluss" seien großer Mut und Selbstreflektion nötig. "Beides findet meinen außerordentlichen Respekt", sagte Gauck.

Der Bundespräsident hatte den Papst erst vor Kurzem persönlich getroffen. "Seine Bescheidenheit hat mich tief beeindruckt", sagte Gauck. Im Wirken von Benedikt XVI. verbinde sich "hohe theologische und philosophische Bildung mit einfacher Sprache und Menschenfreundlichkeit". Als Papst habe er unermüdlich zum kritischen und konstruktiven Dialog zwischen Vernunft und Glauben beigetragen.