RücktrittPapst zieht ins Kloster

Nach seinem Rücktritt als Papst will Benedikt XVI. im Vatikan bleiben. In einem Kloster des Kirchenstaates wolle er sich einem Leben in Gebet und Meditation widmen.

Papst Benedikt XVI. blickt auf den verschneiten Petersplatz vor dem Vatikan in Rom.

Papst Benedikt XVI. blickt auf den verschneiten Petersplatz vor dem Vatikan in Rom.  |  © Osservatore Romano/Reuters

Papst Benedikt XVI. wird nach dem Ende seiner Amtszeit in ein Kloster im Vatikan umziehen. Er wolle dort ein Leben in Gebet und Meditation führen, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi.

Vor seinem Einzug müssten in dem Kloster noch einige Umbauarbeiten abgeschlossen werden. Für die Übergangszeit werde er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen. "Wenn die Sedisvakanz beginnt, wird der Papst zuerst nach Castel Gandalfo umziehen", sagte Lombardi. Benedikt XVI. habe "oft gesagt, er wolle seine Zeit dem Gebet, dem Nachdenken und eventuell dem Schreiben" widmen.

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Papst Benedikt XVI. hatte seinen Rücktritt aus Altersgründen angekündigt. Er wird sein Pontifikat am 28. Februar abgeben. In Zukunft wolle er der Heiligen Kirche Gottes durch ein Leben im Gebet dienen, teilte der Papst in einer Erklärung mit. Weltweit wurde die Entscheidung mit großer Überraschung, aber auch mit höchstem Respekt aufgenommen. Der deutsche Papst ist seit fast acht Jahren Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken.

Vatikan "ein bisschen überrascht"

Lombardi sagte, der Papst haben den Vatikan mit seiner Entscheidung "ein bisschen überrascht". Es ist das erste Mal seit Jahrhunderten, dass ein Papst von seinem Amt zurücktritt. Der Papst habe sich ohne Druck von außen aus freien Stücken zu dem Schritt entschlossen. Es gebe auch keine besondere Krankheit als Anlass dafür, lediglich Altersgründe. Noch vor Ostern soll nach Angaben des Vatikans ein Nachfolger gewählt sein.

Geboren wurde der Papst als Joseph Alois Ratzinger am 16. April 1927 im oberbayrischen Marktl am Inn. Vor seiner Wahl zum Papst war Ratzinger Chef der Glaubenskongregation und galt als rechte Hand von Papst Johannes Paul II. 2005 wurde er nach dessen Tode in einem kurzen Konklave nach nur 26 Stunden im vierten Wahlgang zum 265. Papst gewählt. Er war damit der erste deutsche Papst nach 482 Jahren.

Benedikt hatte sich in einem 2010 veröffentlichten Interviewbuch zum Papst-Rücktritt geäußert und erklärt, es könne für ein katholisches Kirchenoberhaupt "eine Pflicht" sein, zurückzutreten, wenn es seine Ämter nicht mehr bewältigen könne: "Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch die Pflicht zurückzutreten."

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Leserkommentare
  1. wer erinnert sich nicht an den mysteriösen Tod des 33- Tage- Papstes Johannes Paul I. ... bis heute rätselhaft..

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    Benedikt XVI. tritt aus freiem, eigenem Entschluss zurück.
    Eine Entscheidung,die ich höchst respektabel finde.

    • Tiroler
    • 11. Februar 2013 17:16 Uhr

    Papst Damasus II., vormals Bischof Poppo von Brixen, hat es sogar nur auf 24 Tage als Papst gebracht, bevor er eines seligen Todes starb. Da ist es sicher gesünder, man tritt rechtzeitig selbst ab.

    Fast seiner ganzen Familie war mit Herzinfarkt gestorben.
    Das THema sollte her sein ob die K.Kirche mit einer zweite Papstfigur im Raum zu Recht kommen wird ?Bis Gestern undenkbar .

  2. Benedikt XVI. tritt aus freiem, eigenem Entschluss zurück.
    Eine Entscheidung,die ich höchst respektabel finde.

    13 Leserempfehlungen
  3. Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    9 Leserempfehlungen
  4. Schön, dass Benedikt anscheinend endlich einen konstruktiven Zugang zur Religion gefunden hat: im Beisein von Glaubensgenossen die eigene persönliche Spiritualität und das Zwiegespräch mit Gott suchen, anstatt an der Spitze einer Organisation mit eindeutiger politischer Agenda "Ungläubigen" mit der Hölle drohen.

    10 Leserempfehlungen
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    • coo.per
    • 11. Februar 2013 19:49 Uhr

    ... mit der Hölle gedroht? Habe ich was verpasst?

    @ cǎo_ní_mǎ

    dem kann ich nur voll zustimmen. soviel entschlußkraft hätte ich herrn ratzinger -nach all dem handeln aus dem jenseits- niemals zugetraut.

    was mich aber am meisten erstaunt: wer hat ihm eingeflüstert seinen rücktritt ausgerechnet an einem rosenmontag bekannnt zu geben?!

    war es zufall oder haben da etwa marketingexperten im hintergrund mitgewirkt => we love to entertain you ,-)))

    • Tiroler
    • 11. Februar 2013 17:16 Uhr

    Papst Damasus II., vormals Bischof Poppo von Brixen, hat es sogar nur auf 24 Tage als Papst gebracht, bevor er eines seligen Todes starb. Da ist es sicher gesünder, man tritt rechtzeitig selbst ab.

    Eine Leserempfehlung
  5. Bewundernswert und edel dieser Schritt. Über eine Milliarde Katholiken auf der ganzen Welt werden Papst Benedikt XVI danken. Ein Rücktritt aus freier Entscheidung ohne Not aber umso mehr mit viel Verantwortungsbewusstsein zeigt die wahre Größe in einem wichtigen Amt.

    via ZEIT ONLINE plus App

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  6. Ja, der Rücktritt des Papstes kam überraschend. Sicher darf über die Gründe nachgedacht werden, aber am Ende geht es niemanden etwas an, wie er in Zukunft sein Leben gestaltet. Zwar bleibt er als ehemaliger Papst – zumal als zurückgetretener – wohl noch eine Weile eine Person des öffentlichen Interesses, doch sein Privatleben soll er gestalten, wie er es will.
    Wir täten alle mal gut daran, Menschen Menschen sein zu lassen!

    6 Leserempfehlungen
  7. Rücktritt - wenn die Kraft für ein öffentlich Amt nicht mehr da ist.
    Rückzug - an einen Ort, an dem er seinem Gott am nächsten sein kann.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, tis
  • Schlagworte Federico Lombardi | Papst | Johannes Paul II. | Kirche | Krankheit | Ostern
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