Sexismus-Debatte : Unterstützerinnen von #aufschrei kritisieren Gauck

Die Initiatoren der #aufschrei-Bewegung werfen dem Bundespräsidenten vor, die Wut von Frauen über Sexismus lächerlich zu machen. Gauck hatte von "Tugendfuror" gesprochen.
Bundespräsident Joachim Gauck © John MacDougall/AFP/Getty Images

Die Initiatorinnen der #aufschrei-Bewegung gegen Sexismus haben Bundespräsident Joachim Gauck wegen Äußerungen in einem Spiegel-Interview kritisiert. Darin hatte Gauck die öffentliche Diskussion darüber als "Tugendfuror" bezeichnet. In einem offenen Brief werfen die Autorinnen dem Präsidenten nun vor: "Dieser Begriff wird ähnlich wie 'Hysterie' abwertend verwendet, um die Wut von Frauen lächerlich zu machen und als Überemotionalität zu deklassieren." Unterzeichnet haben unter anderem die jungen Aktivistinnen Anne Wizorek und Nicole von Horst.

Gauck hatte sich in dem Interview über die Sexismusvorwürfe gegen den FDP-Politiker Rainer Brüderle geäußert. Das volle Zitat lautet: "Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde." Sicherlich müsse in der Frauenfrage einiges getan werden. "Aber eine besonders gravierende, flächendeckende Fehlhaltung von Männern gegenüber Frauen kann ich hierzulande nicht erkennen", sagte Gauck.

Die Verfasserinnen des offenen Briefs werfen dem Präsidenten außerdem vor, ihr Anliegen nicht ernst zu nehmen. Gauck hatte gesagt, dass die Medien das Thema "hochgejazzt" hätten. Die Debatte so zu bezeichnen, "wird ihr nicht nur nicht gerecht, es tritt sie mit Füßen", schreiben die Unterzeichner. Gaucks Urteil widerspreche seinem Wunsch nach mehr politischem Engagement von Bürgern.

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