Vor Papst-WahlKardinal Bergoglio kritisiert "egozentrische und kranke" Kirche

Kardinal Bergoglio hat die katholische Kirche als egozentrisch angeprangert. Ihre Selbstbezogenheit sei Wurzel allen Übels, sagte er vor seiner Wahl zum Papst.

Kardinal Jorge Mario Bergoglio reist im März 2013 zum Konklave in den Vatikan

Kardinal Jorge Mario Bergoglio reist im März 2013 zum Konklave in den Vatikan  |  © Tony Gentile/Reuters

Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio hat vor seiner Wahl zum Papst die katholische Kirche als egozentrisch angeprangert und ihr das Bild einer verkündenden Kirche entgegengestellt. Seine kurze Rede war nach dem Konklave von Kardinälen als sehr beeindruckend hervorgehoben worden. Als Papst Franziskus hat er seine Sicht bereits wiederholt.

Die Rede hatte er hinter verschlossenen Türen in Rom gehalten. Doch am Dienstag wurde der Text mit Genehmigung des Papstes veröffentlicht. Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, publizierte sie in der kubanischen Diözesanzeitschrift Palabra Nueva.

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Die zentralen Punkte der Rede:

- Die katholische Kirche kreist um sich selbst: "Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach draußen treten." Das sei "krank", hält Bergoglio fest.

- Die Selbstbezogenheit der Kirche sei die Wurzel der Übel in den kirchlichen Institutionen. Von ihr wegzukommen sei der wesentliche Impuls für Reformen. Die Kirche müsse verkündend statt mondän sein.

- Um den Glauben zu verbreiten und damit das der Kirche Ureigenste zu tun, müsse diese aus sich heraustreten. Für ihn heiße das, an die Grenzen zu gehen – auch an die Grenzen der Ungerechtigkeit, der Ignoranz, der fehlenden Praxis, des Denkens und jeglichen Elends. Ähnlich äußerte sich der Papst auch am Gründonnerstag in einer Messe.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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    • Lauzek
    • 28. März 2013 18:06 Uhr

    Die Hardcore-Kirchengegner würden nur applaudieren, wenn er alle kirchlichen Traditionen über Bord werfen würden. Franziskus ist nicht gerade lange im Amt und man sollte erstmal sehen, ob dies nur Populismus ist oder nicht.
    Ich bin generell ein Gegner des Papsttums, aber ich finde Franziskus azeptabler als viele vor ihn. Ist nicht der Sinn der Kirche den Leuten Trost zu spenden und ihnen Halt zu geben? Ihnen den Glauben nahe zu bringen?
    Ich glaube, dass könnte einem bodenständigen Papst besser gelingen als einem der viel Wert auf Zeremonien legt. Ich kann nicht jemanden abnehmen sich für die Armen einzusetzen, der mit Gold behanden und Luxuswagen durch die Welt gefahren wird. Diesem Papst schon eher.
    Ich kenne viele Leute vor allem im Ausland, die als sie als gläubige und viel spendende Katholiken Hilfe brauchten von den Priestern abgeblitzt wurden mit der Begründung: "Spende und du wirst Hilfe bekommen". Ich sehe auch oft im Ausland den Reichtum und die Verlogenheit vieler Priester der katholischen Kirche, die genau das Gegenteil tun, was sie verkünden.
    Ich hoffe, dass dieser Papst gegen solche, Entschuldigung, Parasiten vorgeht und endlich wieder aus der Kirche eine religiöse Organisation macht und nicht einen Staat im Staat.

    3 Leserempfehlungen
  2. das wäre nicht nur sehr sehr gut, sondern auch äusserst angebracht und im Grunde genommen genau das, was der Kirche fehlt, um eventuell wieder zu ihrer Essenz, die Sie ja im Ur- bzw. Frühchristentum bereits hatte, wieder vorzudringen.

    Alles Gute für Franziskus ! Er wird es sicher ganz und gar nicht leicht haben in dieser absolut bigotten und verknöchterten Männerhierarchie etwas loszutreten und zu bewegen.

    Papst Benedikt war ja nicht zuletzt deshalb überfordert, weil italienisch einfach nicht seine Muttersprache ist und er sich zu wenig mit den Netzwerken, Adressen und Gepflogenheiten der Mafia auskennt, die ja leider übelst mit der italienischen Kirche verquickt ist.

    Da dürfte Franziskus insofern besseren Zugang haben, da er ja italienisch wie ein Italiener spricht und sicher durch seinen bisherigen Wohnort bereits bestens mit Problemen von Kriminalität vertraut ist.

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  3. Dass der Msg.Bergolgio diese Gedanken v o r dem Kardinalskollegium äußerte und danach zum Papst gewählt wurde, lässt doch hoffen.

    8 Leserempfehlungen
    • bonner
    • 28. März 2013 21:30 Uhr

    Wenn man im text das Wort Kirche durch das Wort deutsche Politik ersetzt, stimmts auch.

    Eine Leserempfehlung
  4. wenn man sich den Originaltext anschaut, so sieht man, daß die Kritik sehr verhalten und im Konjunktiv (sinngemäß: "wenn sich die Kirche nur auf sich selbst bezieht, dann wird sie krank und egozentrisch") stattfand.

    Überhaupt reden wir hier von einem winzigen Text von nicht einmal einer handgeschriebenen A4-Seite. Das sollte man nicht unbedingt allzu sehr auf die Goldwaage legen.

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    Wo ist denn im Text ein Konjunktiv vorhanden?

    " Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus."
    http://blog.radiovatikan....

    Ich habe eher den Eindruck, dass die gewählten Aussagen dem derzeitigen Erscheinungsbild der RKK absolut nicht entsprechen und von dorther neben kognitiver auch spirituelle Dissonanz erzeugen.

  5. Wo ist denn im Text ein Konjunktiv vorhanden?

    " Wenn die Kirche nicht aus sich selbst herausgeht, um das Evangelium zu verkünden, kreist sie um sich selbst. Dann wird sie krank (vgl. die gekrümmte Frau im Evangelium). Die Übel, die sich im Laufe der Zeit in den kirchlichen Institutionen entwickeln, haben ihre Wurzel in dieser Selbstbezogenheit. Es ist ein Geist des theologischen Narzissmus."
    http://blog.radiovatikan....

    Ich habe eher den Eindruck, dass die gewählten Aussagen dem derzeitigen Erscheinungsbild der RKK absolut nicht entsprechen und von dorther neben kognitiver auch spirituelle Dissonanz erzeugen.

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    Antwort auf "Konjunktiv"
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    unverbindlich.

    Es ist doch eine Tatsache, dass die Übel nicht erst zu erwarten, sondern im alten Trott uralte Übel sind. Das Anerkennen der Wahrheit könnte überzeugend sein oder doch eher die Spiritualität ins Wanken bringen.

    Sich den Armen nahe zu fühlen ist ein wichtiger Schritt. Aber über den notwendigen Schritt gegen die Ursachen der (gottgewollten?) Armut und der damit verbunden Entwürdigung anzugehen, steht im Widerspruch zur Spiritualität, "um so mehr du leidest, um so näher bist du bei Gott". Und der Lüge der Kurie, die den sündhaften Luxus lebt und vorführt und sich mit Almosen freikauft.

    Wer oder was ist die Kirche? Der Dom, die Kurie, das Instrument, die Macht, die Menschen?

    Es scheint noch keine Literatur von Franziskus zu geben, in der man seine Gedanken ausführlicher lesen u. verstehen könnte.

  6. unverbindlich.

    Es ist doch eine Tatsache, dass die Übel nicht erst zu erwarten, sondern im alten Trott uralte Übel sind. Das Anerkennen der Wahrheit könnte überzeugend sein oder doch eher die Spiritualität ins Wanken bringen.

    Sich den Armen nahe zu fühlen ist ein wichtiger Schritt. Aber über den notwendigen Schritt gegen die Ursachen der (gottgewollten?) Armut und der damit verbunden Entwürdigung anzugehen, steht im Widerspruch zur Spiritualität, "um so mehr du leidest, um so näher bist du bei Gott". Und der Lüge der Kurie, die den sündhaften Luxus lebt und vorführt und sich mit Almosen freikauft.

    Wer oder was ist die Kirche? Der Dom, die Kurie, das Instrument, die Macht, die Menschen?

    Es scheint noch keine Literatur von Franziskus zu geben, in der man seine Gedanken ausführlicher lesen u. verstehen könnte.

    Antwort auf "KOnjunktiv????"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Kirche | Katholische Kirche | Jesus | Erzbischof | Glaube | Jaime Ortega
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