Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio hat vor seiner Wahl zum Papst die katholische Kirche als egozentrisch angeprangert und ihr das Bild einer verkündenden Kirche entgegengestellt. Seine kurze Rede war nach dem Konklave von Kardinälen als sehr beeindruckend hervorgehoben worden. Als Papst Franziskus hat er seine Sicht bereits wiederholt.

Die Rede hatte er hinter verschlossenen Türen in Rom gehalten. Doch am Dienstag wurde der Text mit Genehmigung des Papstes veröffentlicht. Der Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, publizierte sie in der kubanischen Diözesanzeitschrift Palabra Nueva.

Die zentralen Punkte der Rede:

- Die katholische Kirche kreist um sich selbst: "Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach draußen treten." Das sei "krank", hält Bergoglio fest.

- Die Selbstbezogenheit der Kirche sei die Wurzel der Übel in den kirchlichen Institutionen. Von ihr wegzukommen sei der wesentliche Impuls für Reformen. Die Kirche müsse verkündend statt mondän sein.

- Um den Glauben zu verbreiten und damit das der Kirche Ureigenste zu tun, müsse diese aus sich heraustreten. Für ihn heiße das, an die Grenzen zu gehen – auch an die Grenzen der Ungerechtigkeit, der Ignoranz, der fehlenden Praxis, des Denkens und jeglichen Elends. Ähnlich äußerte sich der Papst auch am Gründonnerstag in einer Messe.