FuttermittelherstellerAnklage nach Dioxin-Skandal erhoben

Zwei Exmanager eines Futtermittelherstellers müssen vor Gericht. Angeklagt sind sie aber nicht wegen verseuchten Tierfutters, die Ermittler fanden eine ganz neue Spur.

Als Folge des Dioxin-Skandals vor zwei Jahren hat die Staatsanwaltschaft zwei Exmanager eines Futtermittelherstellers angeklagt. Die Beschuldigten werden allerdings nicht als Giftmischer vor Gericht kommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem früheren Geschäftsführer und dem früheren Prokuristen der Firma Harles und Jentzsch aus Schleswig-Holstein gewerbsmäßigen Betrug in 102 Fällen vor. Darauf stehen bis zu zehn Jahren Haft.

Die beiden müssten sich außerdem wegen Vergehen gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verantworten, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Zepter. "Grund für die Anklage ist nicht der eigentliche, sogenannte Dioxin-Skandal." Das Ermittlungsverfahren wegen des Vertriebs dioxinverseuchter Futtermittel stellte die Justiz ein. Die Ermittler konnten den Männern nicht nachweisen, dass sie die belasteten Chargen absichtlich ins Futtermittel gemischt hatten.

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Bei der Auswertung sichergestellter Unterlagen fielen den Ermittlern aber Ungereimtheiten aus der Zeit davor auf. Etwa sollen die beiden 60 und 61 Jahre alten Manager insgesamt etwa 350 Tonnen Fett aus Imbissbuden ihren Futterfetten untergemischt haben. Das Fett kam von einer Firma aus Dielheim in Baden-Württemberg, der laut Staatsanwaltschaft aber nichts vorzuwerfen ist. Das Fett war nicht mit Dioxin belastet, durfte aber nicht in die Futtermittelproduktion.

Das Futter ging an 19 Abnehmer, vorwiegend Mastbetriebe. Es war zum Zeitpunkt der Ermittlungen längst verfüttert. Harles und Jentzsch verdiente daran laut Staatsanwaltschaft 1,2 Millionen Euro. 

Längst pleite

Nachdem Prüfer Ende Dezember 2010 in Fleisch und Eiern Dioxin nachwiesen, sperrten die Behörden bundesweit knapp 5.000 Bauernhöfe: Zehntausende Legehennen und Schweine wurden später getötet und entsorgt; zahlreiche Betriebe bekamen ein Schlachtverbot.

Harles und Jentzsch selbst war da längst pleite. Gläubiger fordern insgesamt 19 Millionen Euro, davon 15 Millionen Euro Schadensersatz. Ein Jahr nach der Insolvenz übernahm die Firma OleoServ Gmbh die Betriebsstätte am logistisch günstig gelegenen Standort und auch die zehn Mitarbeiter.

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    • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tst
    • Schlagworte Betrug | Dioxin | Ermittlung | Euro | Fleisch | Insolvenz
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