Wirtschaftskrise : Rotes Kreuz muss Millionen Europäern mit Lebensmitteln helfen

Das Rote Kreuz verteilt so viele Lebensmittelhilfen wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Die Wirtschaftskrise in der EU hat zu massenhafter Armut geführt.
Spanier bringen in Barcelona Lebensmittel zu einer Verteilungsstelle für Bedürftige. © David Ramos/Getty Images

Das Rote Kreuz muss in Europa so viele Lebensmittelhilfen verteilen wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Das sagte der Generaldirektor des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Yves Daccord, bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi.

Inzwischen würden wegen zunehmender Armut zwei Drittel der nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften in der EU Lebensmittelhilfen in ihren Ländern verteilen. In Spanien beispielsweise habe das dortige Rote Kreuz im vergangenen Jahr nicht um Spenden zur Linderung von Not im Ausland, sondern im Inland gebeten. Drei Millionen verarmte Spanier würden unter anderem mit Lebensmitteln vom Roten Kreuz unterstützt. Deutschland sei nicht betroffen von den Hilfen.

Die sozialen Folgen der Wirtschaftskrise beunruhigen auch die EU-Kommission. Ihr Chef José Manuel Barroso will vor dem EU-Frühjahrsgipfel an diesem Donnerstag die Auswirkungen der Krise auf die Menschen in Europa in den Fokus rücken.

Mehr Zeit für Krisenländer?

So verbuche eine Initiative der Kommission mit acht Mitgliedstaaten zur Minderung der hohen Jugendarbeitslosigkeit erste Erfolge, schrieb Barroso in einem Brief an die 27 EU-Staats- und Regierungschefs. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr besondere Teams gebildet, um Ländern mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit zu helfen. Dies sind Griechenland, Italien, Irland, Lettland, Litauen, Portugal, Spanien und die Slowakei.

Bei dem EU-Gipfel geht es vor allem um die Haushalts- und Wirtschaftskoordinierung in der EU. Im Juni wird es dann konkrete Reform- und Sparempfehlungen an die Mitgliedstaaten geben. Nach Angaben von Diplomaten wolle die EU zwar nicht generell vom Kurs der Haushaltssanierung abweichen. Ländern werde jedoch bei Einhaltung bestimmter Bedingungen mehr Zeit gegeben.

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Kommentare

83 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Armut der Kolonien.

Da haben sie tatsächlich was verpasst.
Ich weiß es noch wie gestern, als Deutschland 1918 seine letzte Kolonie abgegeben hat.
Und gucken wir mal in andere ehem. europäische Kolonien.
Kanada - vorzeigemodell in Sachen Einwanderung.
Australien - Global Player in Sachen Rohstoffe
Israel - läuft...
USA - Haben die Kolonialzeit auch recht gut verkraftet.

Also glauben sie mir, Armut hat nichts mit der Kolonialgeschichte zu tun, denn Pakistan hatte den selben Kolonialherren wie die USA

So etwas dauert seine Zeit!

"Nun ja, da müsste es doch jetzt, da die Kolonialgeschichte längst Geschichte ist, so richtig aufwärts gehen!?"

Nun gut, das ist bei den meisten Staaten so ungefähr 50 oder 60 Jahre her und diese Staaten haben Probleme zu bewältigen für die Europa hunderte von Jahren benötige und erst seine Kolonien ausbeuten musste, aber viele Staaten sind auf einem guten Weg. Und das trotz der abartigen Welthandelspolitik (v.a. im Agrarsektor) der USA und Europas!

Davon liest man natürlich nichts in der BILD, aber gucken Sie sich einfach mal ein paar Länder an. Z.B. Brasilien (portugiesische Kolonie), Indien (englische Kolonie) und Länder wie Südafrika (englisch/holländische Kolonie). Burkina Faso modernisiert gerade sein Telekommunikationsnetz, in vielen Ländern wird viel gemacht, es entwickeln sich Mittelschichten und auf dem Afrikanischen Kontinent haben wir die teilweise am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften.

"Waaaas", werden Sie jetzt rufen, "die verhungern doch alle in ihren Ghettos". Natürlich gibt es diese Aspekte auch. Wie gesagt, in 50-60 Jahren ist nicht zu schaffen, wofür Europa hunderte Jahre brauchte und erst noch Kolonien ausbeuten musste. Aber abseits des Afrika-Bildes, welches von der Hilfsindustrie verbreitet wird, um an möglichst viele Spendengelder zu kommen, gibt es ein Afrika, von dem die meisten Europäer gar nicht wissen.

Ja, sicher...

...wir helfen uns selbst zuerst, damit wir dann in der Lage sind, anderen zu helfen. Glauben Sie eigentlich selbst, was Sie da schreiben?

Von dieser reichlich naiven Ansicht abgesehen, trifft es auch schlicht nicht zu: Selbst ein ,,armes" Europa ist alles andere als unfähig den Menschen, die irgendwo wirklich zu tausenden wegsterben, weil sie nichts haben, zu helfen. Es redet hier niemand davon, in Afrika ein Eldorado aus dem Boden zu stampfen, aber wir Europäer sitzen daheim auf unseren Ärschen, jammern darüber, dass es uns schlecht geht und anderswo - sterben Menschen tatsächlich und zwar nicht einzeln, sondern zu hunderttausenden.

Ich sage an keiner Stelle: macht euch keine Sorgen. Ich will auch gar nicht bestreiten, dass Löhne sinken oder es den Menschen hier vergleichsweise schlechter geht als vor ein paar Jahren.

Darum geht es hier gar nicht. Hier geht es darum, dass wir uns unser eigener Hintern wichtiger ist als die der Menschen, für die wir hier wie Könige leben und die im Vergleich zu uns ein richtig beschissenes Leben haben. Wenn Sie das damit wegargumentieren können, dass Sie sich sagen, wir helfen ja nur uns zuerst, damit wir dann in der Lage sind, den anderen noch tatkräftiger helfen zu können!...dann Respekt für diese Denkleistung.

Danek für Ihren Kommentar,

ich finde ihn in allen Punkten ausgewogen und die Realität treffend beschreibend, wobei ich allerdings die *Selbstfindungsprozesse* in einigen afr. Staaten kritisch sehe, sicher kritischer als Sie.

Denn eines ist z. B. auch Fakt: In Afrika ist man mit hinterlassener Infrastruktur nicht besonders pfleglich umgegangen, mehr noch, man hat sie tws. regelrecht verfallen lassen. In manchen Ländern sind von 5000 km Eisenbahnstrecke noch gerade mehr schlecht als recht 1000 in Betrieb. Man hätte da mehr draus machen können.
Afrika hat aber Potential, in allen Beziehungen.

Mein etwas sarkastischer Post bezog sich auf den Duktus des Vorkommentars, der jegliche Verantwortung auf andere projezierte.

Übrigens: USA war auch mal Kolonie.

USA ist etwas anderes

"Übrigens: USA war auch mal Kolonie."

Richtig. Und im Gegensatz zu entsprechenden afrikanischen Kolonien sind die Kolonialherren auch heute noch dort und haben es fast geschafft, die dort ursprünglich ansässige Bevölkerung auszurotten. Genauso wie in Südamerika, wo die "indigene" Bevölkerung in Ländern wie z.B. Brasilien fast vollkommen verschwunden ist.