Das Rote Kreuz muss in Europa so viele Lebensmittelhilfen verteilen wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr. Das sagte der Generaldirektor des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK), Yves Daccord, bei einem Besuch in der indischen Hauptstadt Neu Delhi.

Inzwischen würden wegen zunehmender Armut zwei Drittel der nationalen Rot-Kreuz-Gesellschaften in der EU Lebensmittelhilfen in ihren Ländern verteilen. In Spanien beispielsweise habe das dortige Rote Kreuz im vergangenen Jahr nicht um Spenden zur Linderung von Not im Ausland, sondern im Inland gebeten. Drei Millionen verarmte Spanier würden unter anderem mit Lebensmitteln vom Roten Kreuz unterstützt. Deutschland sei nicht betroffen von den Hilfen.

Die sozialen Folgen der Wirtschaftskrise beunruhigen auch die EU-Kommission. Ihr Chef José Manuel Barroso will vor dem EU-Frühjahrsgipfel an diesem Donnerstag die Auswirkungen der Krise auf die Menschen in Europa in den Fokus rücken.

Mehr Zeit für Krisenländer?

So verbuche eine Initiative der Kommission mit acht Mitgliedstaaten zur Minderung der hohen Jugendarbeitslosigkeit erste Erfolge, schrieb Barroso in einem Brief an die 27 EU-Staats- und Regierungschefs. Die EU-Kommission hatte im vergangenen Jahr besondere Teams gebildet, um Ländern mit besonders hoher Jugendarbeitslosigkeit zu helfen. Dies sind Griechenland, Italien, Irland, Lettland, Litauen, Portugal, Spanien und die Slowakei.

Bei dem EU-Gipfel geht es vor allem um die Haushalts- und Wirtschaftskoordinierung in der EU. Im Juni wird es dann konkrete Reform- und Sparempfehlungen an die Mitgliedstaaten geben. Nach Angaben von Diplomaten wolle die EU zwar nicht generell vom Kurs der Haushaltssanierung abweichen. Ländern werde jedoch bei Einhaltung bestimmter Bedingungen mehr Zeit gegeben.