Benedikt XVI. wird auch nach seinem Rücktritt auf wichtige Entscheidungen im Vatikan Einfluss nehmen – darin ist sich der kritische katholische Theologe Hans Küng sicher. Benedikt habe alle Weichen gestellt, um seine Machtposition zu sichern, sagte der Tübinger Professor. Für den neuen Papst sei dies eine große Bürde. Er werde "in jedem Fall gehindert sein durch diesen Schattenpapst".

Benedikt XVI. hatte sich am 28. Februar im Vatikan von den Kardinälen verabschiedet und sich zu seinem Nachfolger geäußert: "Unter Euch ist auch der künftige Papst, dem ich meinen bedingungslosen Gehorsam und Ehrfurcht verspreche", sagte er, bevor er in seine Sommerresidenz Castel Gandolfo flog. In einigen Monaten will er in ein ehemaliges Kloster in den Vatikanischen Gärten ziehen.    

Es sei alarmierend, dass Benedikt XVI. seine Altersresidenz im Vatikan – mitten im Zentrum der Macht – gewählt hat. Hinzu komme, dass Benedikt nach Angaben seines Pressesprechers weiterhin Kontakt zu den Kardinälen halten wolle. Und schließlich bleibe Benedikts Privatsekretär Georg Gänswein – laut Küng "ein großer Strippenzieher" –  in einflussreicher Position an der Spitze der Präfektur des päpstlichen Hauses. Benedikt habe folglich viele Möglichkeiten, umfassend Einfluss zu nehmen. 

Reformen unverzichtbar

Wenn der neue Papst zu Reformen bereit sein sollte, könnten sich konservative Kardinäle immer an den alten Papst wenden und so eine mächtige Opposition aufbauen. Reformen hält Küng selbst für unverzichtbar. Ohne Reformen würde die Kirche "in eine neue Eiszeit geraten und Gefahr laufen, zu einer immer weniger relevanten Großsekte zu schrumpfen".

Das Konklave – die Wahl des neuen Papstes – beginnt am Dienstag.