Armut in Indien: Warum ich indischen Straßenkindern kein Geld gebe
Täglich begegnet Leser Benjamin Scholz in Delhi Straßenkindern. Obwohl er Mitgefühl mit ihnen hat, gibt er ihnen kein Geld. Spenden würden gegen ihre Armut nicht helfen.
Seit Mitte September 2012 lebe ich in Delhi. Ich musste mich daran gewöhnen, dass überall in der Stadt Straßenkinder betteln. An roten Ampeln kratzen sie an die Scheiben der Autos. Sie ziehen an den Hemden der Passanten.
Anfangs habe ich mich oft gefragt, ob ich ihnen ein wenig Geld geben soll. 30 indische Rupien, also umgerechnet 50 Cent, wären für die Straßenkinder sehr viel Geld. Trotzdem habe ich mich dagegen entschieden, Almosen zu geben.
Ich frage mich: Wo soll ich anfangen, wo aufhören? Welchem Straßenkind gebe ich Geld, welchem nicht? Allen kann ich nicht spenden, dafür sind es zu viele. Aber kann ich die Not eines einzelnen Straßenkindes lindern? Auch daran zweifle ich.
Mir wurden viele Geschichten von Straßenkindern erzählt, die von Kriminellen ausgenutzt werden, die einen Teil des erbettelten Betrags abgeben müssen. Bei Gelegenheit gebe ich deshalb einem Straßenkind etwas zu essen. So schließe ich aus, dass meine Spende Kriminellen zugute kommt, statt dem Kind.
Essen zu geben statt Geld, erscheint mir besser. Doch beides ist kein selbstloser Akt. Mit einer Spende tue ich vor allem mir selbst etwas Gutes. Ich fühle mich in diesem Moment besser. Der Glaube, etwas gegen die Armut getan zu haben, erleichtert. Die Gewissensfrage, warum das Kind auf der Straße leben muss, rückt in den Hintergrund. Dem Jungen oder Mädchen habe ich kaum geholfen.
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In den meisten Fällen gelingt es mir, mich an meinen Grundsatz zu halten und die bettelnden Kinder zu ignorieren. Doch einmal ist mir das nicht gelungen. Ich saß nach einem reichlichen Abendessen mit Freunden in einer Auto-Rikscha. Da kam ein Straßenjunge auf mich zu. Aus seinem Gesicht sprach die pure Verzweiflung, er gierte nach einem Bissen Essen. Wir ignorierten ihn, doch er ging nicht weg. Er klammerte sich an unsere Rikscha.
In diesem Moment wankte meine rationale Sichtweise. Trotz akuter Zweifel blieb ich dabei, nichts zu geben. Aber die Sekunden, in denen der Junge uns anflehte, bis er loslassen musste und zurückblieb, wurden zur Ewigkeit. Sie brannten sich in mein Gedächtnis. Eine Mischung aus Zweifeln und Hilflosigkeit ist mir bis heute geblieben.







spenden, die sich für indische Straßenkinder engagieren, gegebenenfalls auch ein eigenes starten. Da Sie in Delhi leben, könnte sich sicherlich was machen lassen. Der Erfolg wäre langfristiger. Essen zu geben ist meiner Meinung nach auch eine gute Idee. Ich erinnerte mich bei Ihrem Artikel an den Film Slumdog Millionaire. Ich selbst war leider noch nicht Indien. Werde das aber irgendwann mal nachholen.
aber das einzige, was man bewirkt, wenn man diesen etwas gibt, ist, dass man ein schweinisches System aufrecht erhält. Es wäre unverantwortlich gegenüber denen, die morgen zur Bettelei angehalten würden. Tatsächlich hat man als vernünftiger Passant nur die Wahl, seine Emotionen in dem Moment abzuschalten und nichts zu geben - und dem System damit mittelfristig die Kohle zu entziehen. Wenn man finanziell etwas gutes tun will, sollte man stattdessen etwas an solche Organisationen spenden, die solche armen Teufel gezielt von der Straße wegholen und ausbilden oder deren Mütter stärken.
etwas zu "künstlich". Tut mir Leid, aber so wirkt er auf mich.
Trotzdem kann er und ist er wahrscheinlich auch kein Einzelfall. Selbst in der Türkei ereben Sie ähnliches.Da verkaufen kleine Kinder abends Taschentücher, weil Betteln verboten ist. Auch da soll es sich um organisierte Kriminalität handeln.
Organisierte Kriminalität hat viele Gesichter .....
Weil 10 Prozent der Menschheit meinen, sie wären etwas besseres und hätten etwas besseres verdient, müssen 10 Prozent der Menschheit in Armut leben oder sogar verhungern. In Afrika sind die Kinder oft zu schwach, um zu betteln. Die verhungern einfach.
Und bei uns in Deutschland nimmt man diese armen Kinder als Maßstab, um einigen Bedürftigen zu zeigen, daß sie doch garnicht arm sind. (Hartz4-Satz)
Also, sind die doch für etwas gut, die hungernden Kinder überlall auf der Welt....
ich gehe mit meinem 4jährigen Sohn durch die Innenstadt.
"was macht der mann da?" fragt er und deutet auf die abgerissene gestalt, die am Wegesrand sitzt und ein Schild hält mit der Aufschrift ICH HABE HUNGER
"er hat Hunger und kein Geld sich etwas zu essen zu kaufen" antworte ich
"ich möchte ihm etwas geben" sagt mein Sohn
Ich spiele in Sekundenbruchteilen einen sehr langen Monolog durch, in dem es um Selbstverantwortung, Sozialsysteme, arglistige Täuschung und vieles mehr geht, mit dem ich meinen Sohn aber verschone.
Natürlich haben alle Foristen recht, die Bedenken anmelden und spätestens wenn das Kind durchrechnet, so mehr zu verdienen als mit "ehrlicher Arbeit" zu verdienen wäre, schürt man ein grosses Gesellschaftliches Problem. Und Indien hat wahrlich schon genug Probleme mit Hinduismus, Kapitalismus, vielleicht sogar mit Fatalismus ?
Auch wenn ich den Artikel von Herrn Scholz etwas dünn finde, für jemanden, der seit 6 Monaten dort lebt, pflichte ich ihm bei, dass es auch um Empathie geht. Nicht weitergehen zu können, wenn man echtes Leid sieht.
Ich habe, durchaus gegen meine Prinzipien, meinem Sohn 50 Cent gegeben. Der Bettler hat sich sehr freundlich bedankt.
ich gehe mit meinem 4jährigen Sohn durch die Innenstadt.
"was macht der mann da?" fragt er und deutet auf die abgerissene gestalt, die am Wegesrand sitzt und ein Schild hält mit der Aufschrift ICH HABE HUNGER
"er hat Hunger und kein Geld sich etwas zu essen zu kaufen" antworte ich
"ich möchte ihm etwas geben" sagt mein Sohn
Ich spiele in Sekundenbruchteilen einen sehr langen Monolog durch, in dem es um Selbstverantwortung, Sozialsysteme, arglistige Täuschung und vieles mehr geht, mit dem ich meinen Sohn aber verschone.
Natürlich haben alle Foristen recht, die Bedenken anmelden und spätestens wenn das Kind durchrechnet, so mehr zu verdienen als mit "ehrlicher Arbeit" zu verdienen wäre, schürt man ein grosses Gesellschaftliches Problem. Und Indien hat wahrlich schon genug Probleme mit Hinduismus, Kapitalismus, vielleicht sogar mit Fatalismus ?
Auch wenn ich den Artikel von Herrn Scholz etwas dünn finde, für jemanden, der seit 6 Monaten dort lebt, pflichte ich ihm bei, dass es auch um Empathie geht. Nicht weitergehen zu können, wenn man echtes Leid sieht.
Ich habe, durchaus gegen meine Prinzipien, meinem Sohn 50 Cent gegeben. Der Bettler hat sich sehr freundlich bedankt.
ich gehe mit meinem 4jährigen Sohn durch die Innenstadt.
"was macht der mann da?" fragt er und deutet auf die abgerissene gestalt, die am Wegesrand sitzt und ein Schild hält mit der Aufschrift ICH HABE HUNGER
"er hat Hunger und kein Geld sich etwas zu essen zu kaufen" antworte ich
"ich möchte ihm etwas geben" sagt mein Sohn
Ich spiele in Sekundenbruchteilen einen sehr langen Monolog durch, in dem es um Selbstverantwortung, Sozialsysteme, arglistige Täuschung und vieles mehr geht, mit dem ich meinen Sohn aber verschone.
Natürlich haben alle Foristen recht, die Bedenken anmelden und spätestens wenn das Kind durchrechnet, so mehr zu verdienen als mit "ehrlicher Arbeit" zu verdienen wäre, schürt man ein grosses Gesellschaftliches Problem. Und Indien hat wahrlich schon genug Probleme mit Hinduismus, Kapitalismus, vielleicht sogar mit Fatalismus ?
Auch wenn ich den Artikel von Herrn Scholz etwas dünn finde, für jemanden, der seit 6 Monaten dort lebt, pflichte ich ihm bei, dass es auch um Empathie geht. Nicht weitergehen zu können, wenn man echtes Leid sieht.
Ich habe, durchaus gegen meine Prinzipien, meinem Sohn 50 Cent gegeben. Der Bettler hat sich sehr freundlich bedankt.
Eine Rupie hat den Wert von ca. 0,01 Euro. Eine Banane kostet ca.1 Rupie.
Eine Rupie als Gabe steht jenseits aller Moral, aller Prinzipien und aller intelligent ausgefeilten Argumente - es sei denn, man ist ein satter Neurotiker.
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(30 Rupien ist übrigens der Lohn für 2 Stunden Arbeit eines indischen Maurers.)
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause.
Aber egal, es geht um Straßenkinder: Jeder Ausländer in Indien setzt sich mit dem Thema Betteln und Straßenkinder auseinander - meist unfreiwillig. Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen. Bettelei ist in Indien alltäglich, und die vermeintlichen Straßenkinder (gerade die penetranten) sind häufig genug gar nicht arme verlassene oder entlaufene Kinder, sondern Angehörige von Bettlersippen, d.h. sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig".
Dieses reduzierte Spenden-Verhalten auf der Straße schließt ja aber nicht aus, dass man hin und wieder doch mal Essen ausgibt oder spontan doch mal einen Schein rausrückt, und vor allem, dass man sich auf andere Art und Weise engagiert, um das Schicksal von Hilfsbedürftigen zu verbessern. Die strukturbedingten Zustände in Indien kann man als Einzelne/r zwar nicht ändern, aber Einzelfälle kann man durchaus sehr verbessern. Man kann selbst direkt unterstützen, und vor allem langfristig betreuen - z.B. Kindern Schuldgeld bezahlen, neue Schuhe kaufen etc., bis zum Schulabschluß. Man kann auch als Privatmensch Arbeitsplätze schaffen (z.B. Hausangestellte anstellen). Und es gibt viele NGOs, Hilfsprojekte von Ashrams und Tempeln, SOS Kinderdörfer etc. - alles geht.
"63. Also ein Maurer in Bangalore bekommt derzeit im Durchschnitt
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause."
Nun, dann nehmen Sie 10Rs in die Hand und fahren sie 1 Stunde mit einem Government-Bus (Sie wissen schon, die roten Klapperkisten) raus aus Bangalore, dann erfragen Sie den "durchschnittlichen" eines Maurers noch einmal.
Bangalore ist nicht repräsentativ für Indien ...
oder
Schauen Sie mal in die local newspapers, da werden Chefsekretärinnen oder Bankangestellte für "durchschnittlich" 20,000Rs monatlich angestellt.
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"Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen."
"Allenfalls ein paar Münzen" - das ist das, was ich meinte ... und diese kleinen Gesten sollten außerhalb von elaboriertem Geschwätz stehen.
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Und wenn Sie mal Zeit haben und sich off the beaten tracks bewegen, dann werden Sie schnell feststellen, dass die Klischees von Slumdog Millionaire Klischees sind, die nur einen kleinen Ausschnitt der Realitäten darstellen.
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"...sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig."
Ich vermute, dass Sie eine andere Meinung von den buddhistischen Bettelmönchen haben, nicht wahr?
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Die allermeisten Inder ahnen nicht, auf was für ein neurotisch komplexes Moralsystem sie treffen, wenn sie die Hand für ein paar Paisa aufhalten ... hahahahaha
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause.
Aber egal, es geht um Straßenkinder: Jeder Ausländer in Indien setzt sich mit dem Thema Betteln und Straßenkinder auseinander - meist unfreiwillig. Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen. Bettelei ist in Indien alltäglich, und die vermeintlichen Straßenkinder (gerade die penetranten) sind häufig genug gar nicht arme verlassene oder entlaufene Kinder, sondern Angehörige von Bettlersippen, d.h. sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig".
Dieses reduzierte Spenden-Verhalten auf der Straße schließt ja aber nicht aus, dass man hin und wieder doch mal Essen ausgibt oder spontan doch mal einen Schein rausrückt, und vor allem, dass man sich auf andere Art und Weise engagiert, um das Schicksal von Hilfsbedürftigen zu verbessern. Die strukturbedingten Zustände in Indien kann man als Einzelne/r zwar nicht ändern, aber Einzelfälle kann man durchaus sehr verbessern. Man kann selbst direkt unterstützen, und vor allem langfristig betreuen - z.B. Kindern Schuldgeld bezahlen, neue Schuhe kaufen etc., bis zum Schulabschluß. Man kann auch als Privatmensch Arbeitsplätze schaffen (z.B. Hausangestellte anstellen). Und es gibt viele NGOs, Hilfsprojekte von Ashrams und Tempeln, SOS Kinderdörfer etc. - alles geht.
"63. Also ein Maurer in Bangalore bekommt derzeit im Durchschnitt
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause."
Nun, dann nehmen Sie 10Rs in die Hand und fahren sie 1 Stunde mit einem Government-Bus (Sie wissen schon, die roten Klapperkisten) raus aus Bangalore, dann erfragen Sie den "durchschnittlichen" eines Maurers noch einmal.
Bangalore ist nicht repräsentativ für Indien ...
oder
Schauen Sie mal in die local newspapers, da werden Chefsekretärinnen oder Bankangestellte für "durchschnittlich" 20,000Rs monatlich angestellt.
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"Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen."
"Allenfalls ein paar Münzen" - das ist das, was ich meinte ... und diese kleinen Gesten sollten außerhalb von elaboriertem Geschwätz stehen.
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Und wenn Sie mal Zeit haben und sich off the beaten tracks bewegen, dann werden Sie schnell feststellen, dass die Klischees von Slumdog Millionaire Klischees sind, die nur einen kleinen Ausschnitt der Realitäten darstellen.
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"...sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig."
Ich vermute, dass Sie eine andere Meinung von den buddhistischen Bettelmönchen haben, nicht wahr?
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Die allermeisten Inder ahnen nicht, auf was für ein neurotisch komplexes Moralsystem sie treffen, wenn sie die Hand für ein paar Paisa aufhalten ... hahahahaha
Vergessen Sie mal, daß Sie sich unter Druck gesetzt fühlen und im Widerspruch zwischen Reichtum und Elend aufgerieben werden: Es ist bei jedem Bettler Ihre ganz persönliche Entscheidung, ob Sie etwas geben oder nicht, und wie diese Entscheidung ausfällt, geht andere nichts an. Was mir persönlich schwerfällt, ist hinter der Entscheidung auch zu stehen. Als Hilfe mag dieses dienen: "Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut. Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten." Matthäus 6,3 (in der Bibel, ungefähr da wo das letzte Viertel des Buches beginnt)
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause.
Aber egal, es geht um Straßenkinder: Jeder Ausländer in Indien setzt sich mit dem Thema Betteln und Straßenkinder auseinander - meist unfreiwillig. Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen. Bettelei ist in Indien alltäglich, und die vermeintlichen Straßenkinder (gerade die penetranten) sind häufig genug gar nicht arme verlassene oder entlaufene Kinder, sondern Angehörige von Bettlersippen, d.h. sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig".
Dieses reduzierte Spenden-Verhalten auf der Straße schließt ja aber nicht aus, dass man hin und wieder doch mal Essen ausgibt oder spontan doch mal einen Schein rausrückt, und vor allem, dass man sich auf andere Art und Weise engagiert, um das Schicksal von Hilfsbedürftigen zu verbessern. Die strukturbedingten Zustände in Indien kann man als Einzelne/r zwar nicht ändern, aber Einzelfälle kann man durchaus sehr verbessern. Man kann selbst direkt unterstützen, und vor allem langfristig betreuen - z.B. Kindern Schuldgeld bezahlen, neue Schuhe kaufen etc., bis zum Schulabschluß. Man kann auch als Privatmensch Arbeitsplätze schaffen (z.B. Hausangestellte anstellen). Und es gibt viele NGOs, Hilfsprojekte von Ashrams und Tempeln, SOS Kinderdörfer etc. - alles geht.
"63. Also ein Maurer in Bangalore bekommt derzeit im Durchschnitt
500 Rupees pro Tag - wobei er von 10-18 Uhr da ist, mit mindestens einer Stunde Pause."
Nun, dann nehmen Sie 10Rs in die Hand und fahren sie 1 Stunde mit einem Government-Bus (Sie wissen schon, die roten Klapperkisten) raus aus Bangalore, dann erfragen Sie den "durchschnittlichen" eines Maurers noch einmal.
Bangalore ist nicht repräsentativ für Indien ...
oder
Schauen Sie mal in die local newspapers, da werden Chefsekretärinnen oder Bankangestellte für "durchschnittlich" 20,000Rs monatlich angestellt.
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"Und die meisten Residents machen es nach einer Weile wohl wie die Inder selbst: auf der Straße üblicherweise nichts oder allenfalls ein paar Münzen geben, aber zumindest keine Geldscheine verteilen."
"Allenfalls ein paar Münzen" - das ist das, was ich meinte ... und diese kleinen Gesten sollten außerhalb von elaboriertem Geschwätz stehen.
---
Und wenn Sie mal Zeit haben und sich off the beaten tracks bewegen, dann werden Sie schnell feststellen, dass die Klischees von Slumdog Millionaire Klischees sind, die nur einen kleinen Ausschnitt der Realitäten darstellen.
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"...sie haben Familienanschluß und Betteln ist ihr ganz "normaler Erwerbszweig."
Ich vermute, dass Sie eine andere Meinung von den buddhistischen Bettelmönchen haben, nicht wahr?
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Die allermeisten Inder ahnen nicht, auf was für ein neurotisch komplexes Moralsystem sie treffen, wenn sie die Hand für ein paar Paisa aufhalten ... hahahahaha
hier in Indien. Die roten Klapperkisten sind hier allerdings meistens blau, und ich fahr dann doch lieber selbst mit dem Motorrad, da komm ich wenigstens überall durch.
Ich kenne auch das Lohngefälle - aber für Ihre 15Rs bekommen Sie auf dem Land auch keinen Maurer mehr, das sind völlig veraltete Nummern. Zumal Sie auf dem Land eh kaum noch einen Maurer antreffen - denn die haben das Thema Lohngefälle längst auch kapiert.
Zu Ihren buddhistischen Bettelmönchen: ja, da habe ich durchaus eine andere Meinung - für Buddhisten ist es Pflicht, den Bettelmönchen zu geben, sie machen das auch gern, denn ihrer Auffassung nach schafft das gutes Karma. Allerdings gilt das nur für Buddhisten. Und Buddhisten oder buddhistische Bettelmönche werden Sie in Indien wohl nur noch sehr vereinzelt antreffen - aber das wissen Sie ja sicher selbst ...
Zum komplex neurotischen Moralsystem kann ich nix sagen, ich kenn Sie ja nicht.
Meine "Nummern" stammen aus dem Jahr 2010. Die hab`ich mir auf einer monatelangen Motorradtour (Hero Honda CC100) zusammengesammelt und mit meinen Indien-Erfahrungen der letzten 20 Jahre abgeglichen.
--
Warum sollte man den "normalen Erwerbszweig" des Bettelns bei Buddhisten anders einschätzen als bei anderen Bettlern? Betteln ist betteln, egal wie man zu dieser Arbeit kommt.
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Wenn Sie das komplex neurotische Moralsystem betrachten möchten, dann müssen Sie nur lesen, was hier zu dem Thema des Gebens von 30Rs an abgerissene Straßenkinder geschrieben wurde. (Es gab sogar den Anklang an vermeintlichen Reichtum, so wie man es manchmal auch in D hören kann, also ob jeder Bettler seinen geheimen Reichtum irgendwo versteckte.)
Wie Sie selbst wissen, geben die Inder schnell ein bisschen Klimpergeld und der "Deal" ist sofort erledigt; das läuft nebenbei. Der Europäer kann so etwas nicht, er muss zwanghaft Pro und Contra abwägen und zu endgültigen Schlüssen gelangen, die er als Rechtfertigung seines zukünftigen Handlungsprinzips vor sich her trägt, stets bereit, diesen moralischen Imperativ jedem darzulegen, der sich nicht der Konsequenzen bewusst ist, wenn er ein paar Rupees in Bettlerhände fallen lässt.
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hier in Indien. Die roten Klapperkisten sind hier allerdings meistens blau, und ich fahr dann doch lieber selbst mit dem Motorrad, da komm ich wenigstens überall durch.
Ich kenne auch das Lohngefälle - aber für Ihre 15Rs bekommen Sie auf dem Land auch keinen Maurer mehr, das sind völlig veraltete Nummern. Zumal Sie auf dem Land eh kaum noch einen Maurer antreffen - denn die haben das Thema Lohngefälle längst auch kapiert.
Zu Ihren buddhistischen Bettelmönchen: ja, da habe ich durchaus eine andere Meinung - für Buddhisten ist es Pflicht, den Bettelmönchen zu geben, sie machen das auch gern, denn ihrer Auffassung nach schafft das gutes Karma. Allerdings gilt das nur für Buddhisten. Und Buddhisten oder buddhistische Bettelmönche werden Sie in Indien wohl nur noch sehr vereinzelt antreffen - aber das wissen Sie ja sicher selbst ...
Zum komplex neurotischen Moralsystem kann ich nix sagen, ich kenn Sie ja nicht.
Meine "Nummern" stammen aus dem Jahr 2010. Die hab`ich mir auf einer monatelangen Motorradtour (Hero Honda CC100) zusammengesammelt und mit meinen Indien-Erfahrungen der letzten 20 Jahre abgeglichen.
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Warum sollte man den "normalen Erwerbszweig" des Bettelns bei Buddhisten anders einschätzen als bei anderen Bettlern? Betteln ist betteln, egal wie man zu dieser Arbeit kommt.
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Wenn Sie das komplex neurotische Moralsystem betrachten möchten, dann müssen Sie nur lesen, was hier zu dem Thema des Gebens von 30Rs an abgerissene Straßenkinder geschrieben wurde. (Es gab sogar den Anklang an vermeintlichen Reichtum, so wie man es manchmal auch in D hören kann, also ob jeder Bettler seinen geheimen Reichtum irgendwo versteckte.)
Wie Sie selbst wissen, geben die Inder schnell ein bisschen Klimpergeld und der "Deal" ist sofort erledigt; das läuft nebenbei. Der Europäer kann so etwas nicht, er muss zwanghaft Pro und Contra abwägen und zu endgültigen Schlüssen gelangen, die er als Rechtfertigung seines zukünftigen Handlungsprinzips vor sich her trägt, stets bereit, diesen moralischen Imperativ jedem darzulegen, der sich nicht der Konsequenzen bewusst ist, wenn er ein paar Rupees in Bettlerhände fallen lässt.
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