Was interessiert mich als Lesbe die Papstwahl? Eine Menge, denn ich bin katholisch wie meine Familie. Meine Mutter beichtet regelmäßig, mein Vater versäumt keine Sonntagsmesse. Der Pfarrer ist einer der wenigen Menschen, mit denen sich mein ältester Bruder über etwas anderes als seine Arbeit oder den Fußball unterhält. Ich habe mich vor acht Jahren als lesbisch geoutet.

Mit der Kirche bin ich aufgewachsen und fühlte mich in unserer Gemeinde immer geborgen. Gottesdienst, Kirchenfahrten, Sankt-Martins-Umzüge: Stets habe ich den Respekt und etwas von der Liebe, die es zwischen den Menschen geben soll, bei diesen Gelegenheiten gespürt. Noch heute verstehe ich mich als gläubig. Doch schon lange habe ich den Eindruck, nicht richtig dazuzugehören, nicht gewollt zu sein.

Als Papst Benedikt XVI. die Liebe zu meiner Lebensgefährtin 2008 als falsch beschrieb, warnte er, dass wir "den Menschen" zerstören wollten. Zerstörung durch Liebe? Mich hat das damals tief gekränkt. Vier Monate später habe ich begonnen, offen zu unserer Liebe zu stehen. Obwohl es schwerfiel, habe ich es nie bereut, ehrlich zu meinen Gefühlen und Gedanken zu stehen. Noch heute denke ich an die Furcht und die Zweifel. Nichts gab mir damals so viel Kraft wie mein Glaube. In meinen Gebeten bat ich um die Kraft, zu meiner Liebe zu stehen.

Weiterhin zur Messe zu gehen, war vielleicht das Mutigste, was ich je getan habe. Meine Angst war unbegründet. Der Großteil der Gemeinde akzeptiert heute mein Leben. Aber nicht, weil ich mich dafür entschieden habe, sondern bloß, weil es nun einmal so ist, wird dieser Umstand geduldet. Deshalb eine andere Religion zu wählen, kommt für mich nicht in Betracht. Lieber engagiere ich mich innerhalb der Kirche für meine Ansichten.

Kürzlich las ich von dem lächerlichen Gerücht, ein Netzwerk von Homosexuellen könnte den Papst gestürzt haben. Falls damit noch mehr Misstrauen gegenüber Schwulen und Lesben geschürt wird, sehe ich mein Ziel in weite Ferne gerückt, von der katholischen Kirche anerkannt zu werden.

Ich wünsche mir eine Kirche, die mich so akzeptiert, wie ich bin. Ich hoffe, der neue Papst hat den Mut und die Kraft, schwierige Entscheidungen zu fällen und zu ihnen zu stehen.