Als Jorge Mario Bergoglio am 26. Februar seine Heimatstadt Buenos Aires verließ, sagte er einem engsten Mitarbeiter Joaquín Morales Solá noch in den Büros der Hauptstadtkathedrale: "Ich habe keine Chance, Papst zu werden. Das Alter spricht diesmal gegen mich." Sein Rückflugticket hatte Bergoglio für den 23. März gebucht.

Er fuhr mit nur einem kleinen Koffer mit dem Taxi zum Flughafen. Der 76-jährige Geistliche, der wegen einer Atemwegserkrankung nur noch einen Lungenflügel hat, flog in der Touristenklasse rund 14 Stunden nach Rom. Wann Papst Franziskus, der erste Argentinier und Lateinamerikaner, der das höchste Amt der katholischen Kirche bekleidet, wieder in seine Heimat zurückkehrt, ist offen. Eine Einladung überbrachte Präsidentin Cristina Kirchner jedenfalls bei ihrem Antrittsbesuch am Montag in Rom.

Wer Papst Franziskus verstehen will, besucht in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires am besten das Viertel Flores. Hier ist Jorge Mario Bergoglio geboren, hier wohnen seine Verwandten und die Menschen, die ihn am besten kennen. Flores ist ein typischer Mittelklasse-Stadtteil. Die Menschen fahren mit Bus oder U-Bahn, arbeiten in mehr oder weniger gut bezahlten Jobs. Es sind argentinische Durchschnittsbürger wie Franziskus selbst.

Im "Franziskus-Viertel", wie Flores jetzt genannt wird, sitzt Francisco Hugo und rührt in seinem Cappuccino. Der 75-Jährige ist mit dem jungen Jorge zur Schule gegangen. "Er hat einen anständigen Charakter, ist aber nicht auffällig gewesen", sagt er. Ein netter Kerl von nebenan eben, der nicht aneckte, sondern sich für den Unterricht interessierte und gelegentlich das Pausenbrot teilte. Francisco Hugo hat sich später wieder für seinen Mitschüler interessiert, als der plötzlich im Fernsehen auftauchte, weil er in der Kirche Karriere gemacht hatte. "Er hat sich eigentlich nicht verändert", sagt er.

"Aus der Peripherie sieht man die Stadt besser"

Der Missionar José Luis Rey ist mit Bergoglio während der Missionsarbeit durch die Armenviertel von Buenos Aires gezogen, als der schon Erzbischof von Buenos Aires war. "Er hat immer gesagt, wir sollen uns nicht in der Sakristei einschließen, sondern raus auf die Straße gehen", erinnert sich Rey. Er habe auch die gefährlichsten Viertel der Stadt ohne Begleitschutz und oft zu Fuß aufgesucht. "Dieses Gottvertrauen haben nicht viele." Begründet habe er die Ausflüge an den Stadtrand immer gleich: "Aus der Peripherie kann man die Stadt besser sehen." Er habe viel von der Kirche von der Straße gesprochen, erinnert sich Rey.

Auch Pfarrer Francesco, der zu derselben Gruppe von Geistlichen gehört wie Rey, die in der Basilika San José de Flores Dienst tun, spricht respektvoll über den nun berühmtesten Sohn des Viertels. "Er hat sich auch als Kardinal nie in den Vordergrund gedrängt, sondern uns unseren Freiraum gelassen. Er ist einer, der sich zurücknehmen, aber manchmal auch sehr energisch werden kann, wenn ihm etwas nicht passt." Wenn er von etwas überzeugt sei, könne man ihn davon nicht mehr abbringen, sagt Francesco.