Kardinal Jorge Mario Bergoglio nach seiner Wahl zum Papst (mit dem spanischen Kardinal Santos Abril (l.) und Kardinal Agostino Vallini) © Alessandro Bianchi/Reuters

Die Kardinäle sind alt und ängstlich geworden. Sie haben einen der ihren zum Papst gemacht, einen, der alt ist und ihre Angst versteht. Es muss etwas geschehen, aber es darf nichts passieren. So haben sie den zweiten Übergangskandidaten in Folge gewählt. Immerhin, der Vorgänger hat Franziskus einen neuen Trumpf in die Hand gegeben: Er kann zurücktreten.

Der Jesuit Jorge Mario Bergoglio, ein volksnaher, betagter Wissenschaftler, leitet nun die Katholische Kirche, einer, der schon im vergangenen Jahr, mit 75, dem Papst seinen Abschied als Erzbischof anbieten musste. So verlangte es das Kirchengesetz. Als Vorsitzender der argentinischen Bischofskonferenz bekam er schon vor zwei Jahren einen Nachfolger.

Ein Ruheständler soll nun die verkrustete Kurie reformieren, einen Nachfolger für den kaum älteren Erzbischof von Köln finden, Licht in den Missbrauchsskandal bringen, mehr Frauen an der Verantwortung beteiligen und den Zölibat verteidigen oder durchlöchern. Er soll die Rolle der Weltkirche abseits der Macht, aber im Wettbewerb der Religionen neu konzipieren. Und die Wärme im katholischen Glaubenshaus halten, die durch die bröckelnden Wände und die undichte Haustür entschwindet. Das ist viel.

Wahrscheinlich muss er sich vor allem gegen die wachsende Spaltung der katholischen Weltkirche stemmen. Denn ihr größtes Pfund liegt bisher darin, ihre Einheit bewahrt zu haben. Noch verfügt sie über die stärkste gesellschaftliche Bindekraft aller Gruppen, über Länder- und Kulturgrenzen hinweg. Aber diese Kraft schwindet. 

Das Haus der anderen Weltkirche, der anglikanischen, liegt bereits in Trümmern. Die schambesetzten Gesellschaften des Südens haben sich aufgelehnt gegen die liberale, tolerante Haltung der alten Kontinente, etwa zur Homosexualität. Der nigerianische Erzbischof Peter Akinola, ein anglikanischer Gegenpatriarch, schleudert seinen Glaubensbrüdern oberhalb des Äquators angesichts ihrer Offenheit entgegen, unter ihnen grassiere die "Krankheit des weißen Mannes". Er hat die Gemeinschaft mit dem sündigen Norden aufgekündigt. Den Lutheranern geht es ähnlich.

Noch steht das katholische Einheitsgebäude. Doch überall auf der Welt werden Menschen selbstständiger, als das katholische Glaubensfachwerk es vorsieht. Die kirchliche Hoheit über die Sexualität ist global verloren. Missbrauch wie auch der Filz in der römischen Zentrale schwächen die Überzeugungskraft des Katholizismus. Menschen hören "Macht", wenn ein Bischof "Gott" sagt.