Papst Franziskus hat die Osterfeierlichkeiten am Gründonnerstag mit einem Aufruf zu einer Neuorientierung der Kirche begonnen. Bei der Messe im Vatikan sagte er, die Kirche müsse "an die Peripherie" gehen. Sie dürfe nicht zu einer Glaubensverwalterin werden. Er erneuerte damit seine Mahnungen, mit denen er wenige Tage vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom im Kardinalskollegium für Aufsehen gesorgt hatte. In einem beispiellosen Schritt wurde das Redemanuskript mit Genehmigung des Papstes am Dienstag veröffentlicht.

Vor etwa 1.600 Kardinälen, Priestern und Messebesuchern forderte Franziskus in der Gründonnerstagsmesse, die "Krise der priesterlichen Identität" zu bekämpfen. Die Kirche solle den Glauben auch zu denjenigen tragen, die "überhaupt nichts" hätten. Franziskus kritisierte die "traurigen Priester", die nicht mehr hinausgingen.

Statt Mittler zwischen Gott und den Menschen zu sein, würden sie nach und nach zu Verwaltern. Diese gäben nichts "von Herzen", und ihnen werde auch nicht von Herzen gedankt. Aus einer solchen Unzufriedenheit erwachse die "Krise der priesterlichen Identität", die "uns alle bedroht", sagte der Papst.

Papst kritisiert egozentrische Kirche

Ähnlich hatte sich Kardinal Jorge Mario Bergoglio wenige Tage vor seiner Wahl zum Papst vor dem Kardinalskollegium geäußert. Der kubanische Kardinal Jaime Ortega veröffentlichte mit Franziskus' Genehmigung den Redetext in voller Länge. Darin prangerte der Papst eine "selbstbezogene Kirche" an, in der ein gewisser "theologischer Narzissmus" herrsche. "Die egozentrische Kirche beansprucht Jesus für sich drinnen und lässt ihn nicht nach draußen treten", heißt es in dem Text. Das sei "krank".

Die Kirche müsse sich zur Welt hin öffnen und sich nicht nur den "geografischen" Grenzen, sondern auch den "Peripherien der Existenz" zuwenden, wo Schmerz und Ungerechtigkeit herrschten. Sie müsse auch an die Grenzen der Ungerechtigkeit gehen, der Ignoranz, der fehlenden Praxis und an die Grenzen des Denkens.