Die in Berlin geborene Debra Milke könnte nach 22 Jahren in der Todeszelle im US-Staat Arizona freigelassen werden. Das Bundesberufungsgericht in San Francisco, das für den Bezirk Arizona zuständig ist, hob die verhängte Todesstrafe gegen die Frau auf. Der Richter Alex Kozinski sprach von einem "besorgniserregenden Fall". Milke habe damals keinen fairen Prozess erhalten. 

Milke, Tochter eines Amerikaners und einer Deutschen, war 1990 wegen Anstiftung zum Mord verurteilt worden. Im Jahr 1989 soll sie zwei Männer beauftragt haben, ihren vier Jahre alten Sohn zu töten. Der kleine Junge war mit einem damaligen Mitbewohner seiner Mutter zu einem Ausflug mitgegangen. Zusammen mit einem Freund fuhr der Mann an einen abgelegenen Ort, wo der Junge durch mehrere Schüsse getötet wurde. Beide Männer erhielten die Todesstrafe.

Richter Kozinski zufolge gab es keine direkten Beweise oder Augenzeugen, die Milke mit der Tat in Verbindung gebracht hätten. Als Hauptzeuge trat damals ein Ermittler der Polizei in dem Verfahren auf. Er sagte aus, dass Milke ihm ihre Mitschuld an der Tat gestanden habe. In dem Prozess sei es um ihre Aussage gegen die Aussage des Ermittlers gegangen, befand Kozinski. Die Jury habe dem Detektiv geglaubt, ohne zu wissen, dass der Beamte eine "lange Vorgeschichte" als Lügner unter Eid und für anderes Fehlverhalten hatte. Milke selbst hatte stets auf ihre Unschuld gepocht.

Staatsanwalt will in Berufung gehen

Der Generalstaatsanwalt von Arizona, Tom Horne, kündigte an, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Milke habe ein "schreckliches Verbrechen" begangen, zitierte der US-Sender CNN aus einer Mitteilung von Tom Horne. Sie sei damals schuldig befunden worden, die Tötung ihres eigenen Kindes, das ihr zur Last geworden sei, geplant zu haben, sagte der Justizbeamte.

Die Staatsanwaltschaft in Arizona muss nun innerhalb eines Monats entscheiden, ob der Fall neu vor Gericht gehen soll. Ansonsten soll Milke, die heute 47 Jahre alt ist, nach Anordnung eines Bezirksgerichts freigelassen werden.