Schon immer hatte ich davon geträumt, in einer Science-Fiction-Welt zu leben. Nun ist es endlich soweit! Mal sehen, ob Sie als Connaisseur dieses Szenario erkennen:

Irgendwann im vergangenen Jahr schöpfte die Ehefrau eines New Yorker Polizisten den Verdacht, er könne sie betrügen. Wie es wohl viele Ehefrauen tun würden, suchte sie in seinen E-Mails nach Hinweisen. Was sie da las, war mehr als überraschend: Der durch und durch treue Mann hatte nicht einmal vor, sie zu betrügen. Nein, er wollte sie umbringen, ihren Leichnam zerstückeln, die schmackhaftesten Teile im häuslichen Ofen schmoren und diese dann genüsslich verspeisen.

Die Frau alarmierte die Kollegen ihres Mannes, und es kam heraus, dass sich der 28-jährige Beamte seit Jahren in einschlägigen Internetforen für Kannibalismus mit Gleichgesinnten ausgetauschte. Dort hatte er mit Vorliebe diskutiert, wie er Frauen – und zwar nicht nur seine eigene – am besten spurlos umbringen und zubereiten könnte. Seine Pläne waren weit fortgeschritten: Er maß den Backofen aus und rechnete mit anderen nach, wie viel von seiner Frau auf einmal hinein passen würde. Er hatte bereits anderen appetitlichen Frauen in der Nachbarschaft nachgestellt und sich deren Gewohnheiten notiert.

Die kulinarischen Fantasien des Mannes mögen spektakulär sein, werfen aber vor allem eine interessante Frage auf: Kann ein Mensch für ein Verbrechen verurteilt werden, das er noch gar nicht verübt hat, nur weil er es verüben wollte. Die Antwort lautet: Ja. In der vergangenen Woche befand ein New Yorker Gericht den Mann der "Verabredung zur Entführung" für schuldig. Auch in Deutschland gab es schon solche Fälle: 2012 wurde ein Mann in Heidenheim aus ganz ähnlichen Gründen wegen "Verabredung zu Entführung und Mord" verurteilt.

Lassen sich Verbrechen vorhersagen?

Schuldsprüche wegen "Verabredung zu einem Verbrechen" sind nichts Neues, im Normalfall beruhen sie auf echten Beweisen: etwa im Fall einer Ehefrau, die bereits Geld auf das Konto eines gedungenen Mörders überwiesen hat, oder wenn Terroristen die Bombe im Keller schon halb fertig gebaut haben. Hier aber gab es keine solchen Beweise – nur Absichtserklärungen. Faktisch hatten weder der Polizist noch der Heidenheimer ein Verbrechen begangen, außer vielleicht, die Ehefrau zu Tode zu erschrecken.

Wenn Sie nun wie ich ein Science-Fiction-Fan sind, erkennen Sie, welcher Autor das Schicksal dieser Möchtegern-Mörder und -Kannibalen vorausgesagt hat: der kalifornische Schriftsteller Philip K. Dick in seiner 1956 erschienen Story Minority Report.

Darin gelingt es der Gesellschaft der Zukunft, Schwerverbrechen so gut wie auszumerzen, weil es möglich geworden ist, sie vorherzusagen. Da verhaften die Cops bereits den potenziellen Mörder und vermeiden dadurch die Tat; trotzdem wird er verurteilt. Obwohl also keine Verbrechen mehr geschehen, sind in dieser Gesellschaft die Gefängnisse überfüllt.

Die Verbrechensbekämpfung tendiert immer stärker zur Prävention im Dick'schen Sinne – ich nenne diesen Trend "Präventionsjustiz". Und ausgerechnet in Europa wird eifrig daran gearbeitet, die dafür nötige Technik zu entwickeln.