In der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch besteht kaum noch Hoffnung, weitere Opfer lebend zu bergen. Abdus Salam von der Feuerwehr am Unglücksort nahe der Hauptstadt Dhaka sagte, zuletzt sei am Sonntag eine Textilarbeiterin lebendig gefunden worden. Armeesprecher Shahinul Islam sagte, Helfer würden die Trümmer jedoch weiterhin vorsichtig mit Kränen wegräumen, um eventuelle Überlebende nicht zu gefährden.  

Textilarbeiter im Großraum Dhaka legten am Montag die Arbeit nieder. Sie forderten die Todesstrafe für den Besitzer des Gebäudes. Er war bei dem Versuch gefasst worden, sich ins benachbarte Indien abzusetzen. Er soll beim Bau minderwertiges Material verwendet haben.  

Derweil will die britische Billigkette Primark einige Opfer entschädigen. Menschen, die in dem Gebäude in Dhaka für Primark gearbeitet hätten, oder ihre Angehörigen sollten Kompensationszahlungen erhalten, teilte das Unternehmen mit. Angaben zur Höhe der Zahlungen machte Primark nicht. Das Unternehmen gehört dem britischen Lebensmittelkonzern ABF und hat sein Hauptquartier in Irland.

Die Textilindustrie ist in Bangladesch ein bedeutender Wirtschaftszweig, er erzeugt rund 80 Prozent der nationalen Exporte. Da viele Arbeiter, insbesondere Frauen, für weniger als 40 Dollar (31 Euro) im Monat arbeiten, können ausländische Konzerne hier billig produzieren.

Illegale Errichtung und Pfusch am Bau

Bei der am vergangenen Mittwoch eingestürzten Fabrik handelte es sich um ein illegal errichtetes Gebäude, das fünf Werkstätten beherbergte. Die spanische Kleidermarke Mango gab auf ihrer Webseite bekannt, sie habe in einer der Werkstätten lediglich Muster fertigen lassen. Der italienische Konzern Benetton bestätigte eine "einmalige Bestellung" in der Fabrik.

Bislang wurden 382 Todesfälle bei dem Unglück bestätigt. Es wurde aber erwartet, dass noch mehr Todesopfer gefunden werden. Zum Unglückszeitpunkt sollen sich etwa 3.000 Menschen in der Fabrik aufgehalten haben, etwa 2.500 überlebten den Einsturz. Es war der schlimmste Industrieunfall in Bangladeschs Geschichte.