Marathon-BombenAttacke auf das Lebensgefühl der USA

Der Lauf in Boston wurde angegriffen, weil er verkörpert, was Amerika ausmacht, meint Kolumnist Eric T. Hansen. Und das gehört dazu: Durchhalten bis zum Ziel. von 

Ein Teilnehmer des Marathons in Boston und seine Frau nach dem Anschlag

Ein Teilnehmer des Marathons in Boston und seine Frau nach dem Anschlag  |  © Spencer Platt/Getty Images

Wer immer es auch war, er hat verstanden, Amerika zu treffen.

Der Bostoner Marathon hat einen besonderen Platz im Herzen des amerikanischen Volkes. Es ist ein zutiefst amerikanisches Symbol. Andere derartige Symbole haben eine Menge mit Macht zu tun: Das World Trade Center symbolisierte die weltweite Wirtschaft, an der Amerika einen so großen Anteil hat; selbst beim Volk beliebte Symbole wie die Freiheitsstatue haben mit staatlicher Souveränität zu tun: Die Freiheitsstatue war ein Geschenk eines Staates an einen anderen.

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Der Bostoner Marathon hat aber ausschließlich mit dem Volk zu tun, und das auf eine Art und Weise, die einmalig ist.

Dieser Marathon ist der älteste der modernen Welt: Er begann 1897, sozusagen als Bostoner Antwort auf die erste moderne Olympiade im Jahr davor. Das war mitten in der sozial ungerechtesten Epoche unserer Geschichte, dem Gilded Age, und nur elf Jahre nach den blutigen Bombenanschlägen auf dem Haymarket in Chicago. Kein Wunder, dass er schnell eine besondere Bedeutung annahm. Im ersten Jahr nahmen nur 18 Läufer teil, dieses Jahr waren es 23.000.

Es geht nur darum, zu Ende zu laufen

Ein Marathon hat nichts mit Sport zu tun; man absolviert ihn nicht der Gesundheit wegen. Er geht um persönliche Leistung. Das, was einen Marathon so attraktiv macht, ist die Tatsache, dass jeder daran teilnehmen kann. Es ist völlig egal, ob man "gewinnt" oder nicht (schnell, ohne nachzuschauen! Können sie einen Namen eines Marathongewinners nennen?). Es geht nur darum, ihn zu Ende zu laufen.

Während die großen Olympioniken alle vier Jahre mit Goldmedaillen heimkehren und von ihrer Heimat als Stars und Patrioten gefeiert werden, gibt es für einen Marathonläufer nur einen Lohn: Er weiß im Herzen, dass er etwas Großartiges geschafft hat – durchzuhalten.

Das ist das Herz Amerikas. Amerika ist dazu da, damit jeder hergelaufene Joe Blow die Chance hat, einmal etwas Großes zu vollbringen. Er kann Hollywood-Star werden, er kann als erster seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzen, er kann als erster Schwarzer ins Weiße Haus einziehen – oder er kann all das lassen, nichts davon erreichen, ein Durchschnittstyp bleiben, aber wenigstens einmal im Leben einen Marathon laufen. Mit Tausenden anderer, die sich anstrengen für ein Ziel, das eigentlich sinnlos ist, das eigentlich nichts bringt außer kaputten Knien, das aber beweist, dass auch ich, eine Chemielehrerin, eine Friseurin, ein Autoverkäufer, ein Computerprogrammierer auch irgendwas Besonderes bin.

All das steckt im Bostoner Marathon. Das ist es, was ihn so typisch amerikanisch macht: Wir Amis sind alle nach Amerika gekommen, um am großen amerikanischen Marathon teilzunehmen, wenn auch nur im Geiste.

Leserkommentare
  1. 1. […]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Spekulationen. Danke, die Redaktion/jp

  2. Man kann meinen Bush redet.
    Das ist alles was ich zu so einem Gerede zu sagen haben.

    15 Leserempfehlungen
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    Mitgefühl für alle Betroffenen und deren Angehörige und Beileid für jeden, der sich durch diesen "Artikel" gequält hat.

  3. 3. […]

    Ironischerweise ist der ganze Artikel - da man die Täter nicht kennt - reine Spekulation...

    Gekürzt. Kommentare, die die Moderation betreffen, richten Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

    7 Leserempfehlungen
    • Mirkor
    • 16. April 2013 20:20 Uhr

    Ist Gewinner und Weltrekordhalter im Marathon. Ganz ohne nach zu schauen (-;

    8 Leserempfehlungen
  4. 5. […]

    [...]
    Dass wir alle diese Tat verurteilen und den Hinterbliebenen unser Beileid bekunden, ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit!

    Gekürzt. Kommentare, die die Moderation betreffen, richten Sie bitte direkt an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/jp

  5. 6. Pathos

    Also geht dieser Pathos gleich am nächsten Tag los. Jetzt wird sich auf die Brust gehauen was das Zeug hält. Wir sind Amerikaner, wir sind die Freiheitsliebendsten der Welt! Mal ganz davon ab, dass man noch nichts genaues weiss, aber ich habe gestern schon auf Gewaltspiralen hingewiesen, was merkwürdigerweise zensiert wurde. Zumindest nach dem 11. September hat die amerikanische Reaktion zwar den Patriotismus in den USA verstärkt, aber genauso auch in anderen Ländern das Unverständnis für das folgende waffenstrotzende Umsichschlagen. Und dieses ist eben nur durch die völlige Unfähigkeit zur Einfühlung aufgrund des Gedankens Number One zu sein möglich. Ansonsten müsste man sich nämlich irgendwann fragen, ob man anderen Menschen ebenfalls zugesteht, nach eigenem Gutdünken glücklich zu werden, oder ob man dieses Recht nur für sich in Anspruch nimmt.

    27 Leserempfehlungen
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    Sie haben recht!
    Zum einen strotzt der Artikel von Pathos.
    Zum anderen wird mal wieder mit zweierlei Maß gemessen. Der Angriff auf einen friedlichen Marathonlauf in den USA ist ohne jeden Zweifel ein terroristischer Akt. So weit so richtig. Aber der Luftangriff (nur als Beispiel) auf eine friedliche Hochzeitsgesellschaft in einer anderen Weltgegend ist lediglich ein Kollateralschaden!

    in Irak durch verschiedene politische und religieöse Strömungen gebommt, auch heute. Besitzt das irakische Volk angesichts dieser Terroranschläge kein Pathos, Durchhaltevermögen und Helden? Davon jedenfalls kann man in keiner Presse etwas lesen.

    bis man Sie mit dem Phatos belästigte. Die Sätze wie "Selber Schuld" oder "Alles inzeniert" und "Was ist mit den Hochzeiten in Afghanistan?" kamen bereits wenige Minuten nach der ersten Meldung.

    Die erste Aktion der USA nach 911 war das einfrieren eines Kontos. Ein Wildumsichschlagen habe ich nicht wahrgenommen. Sonst hätte man Saudi Arabien angreifen müssen, das Geburtsland UBL; man hätte auch Hamburg bonbardieren müssen, wo die Zelle ihren Anfang nahm. Der Irakkrieg ist eine völlig andere Kiste. Sollten Sie aber recht haben, so muss ich mich fragen, was mit den Verhandlungen mit der Taliban war und warum diverse Länder dort einmarschierten, unter UN Mandat und eben NICHT die USA im alleingang.

    Sie malen die Welt, wie es ihnen passt. Das ist legitim, kann ich aber nicht ernst nehmen. Und wer nach Anschlägen wie 911 erwartet, dass ein Land in demut in die Kniee geht, führt eh was ganza anderes im Schilde. An anderer Stelle wurde es bereits geschrieben: Wir können einfach nur froh sein, dass dies nicht in Berlin passiert ist. Egal, ob wir nun von 911 reden oder von Bosten.

  6. Terrorismus dieser Art ist verabscheuenswert. Irak, Syrien usw. ist das jeden Tag der Fall.

    6 Leserempfehlungen
  7. Was auch immer das ist, mit Journalismus hat es nichts zu tun. Es fängt bereits hier an:

    "Wir Amis sind alle nach Amerika gekommen, um am großen amerikanischen Marathon teilzunehmen, wenn auch nur im Geiste."

    Wo auch immer dieses Bild hergenommen wurde, es hat nichts mit der Realität zu tun - sei es rein deskriptiv oder als Beschreibung der us-amerikanischen Selbstwahrnehmung. Es dient dem Artikel als dankbarer Aufhänger, Sinngehalt ist leider nicht vorhanden.

    Aber dann geht es richtig los:

    "In Betracht kommen vor allem radikale Islamisten und rechtsradikale weiße Patrioten. Nur: Solche Terroristen lieben Ziele, die Staatsmacht ausstrahlen. Jemand, der einen Marathon angreift, tut es, so scheint mir, aus persönlichen Gründen. Also tippe ich auf einen einsamen Durchgedrehten."

    Wirklich, liebe ZEIT, wie kann so etwas veröffentlicht werden? Ok, meinen Klick und sogar Kommentar habt ihr und den einiger Anderer bekommt ihr auch - aber langfristig ist das wieder mal ein Artikel, der an der Glaubwürdigkeit der Zeitung nagt. Der Artikel bietet nicht nur Spekulationen, er bietet auch noch denkbar billige. Die Argumentation erinnert mich an IB-Proseminare: man hat eigentlich keine Ahnung, aber mit wilden Stereotyp-Vermutungen um sich werfen geht trotzdem. Und wenn dann irgendwas davon stimmt sagt man "Hab ich immer gesagt!" Wenn nichts stimmt versucht man es halt beim nächsten Event. Ne, liebe ZEIT, das ist billig und dumm.

    25 Leserempfehlungen
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    brauch sich hier nur der Kommentator gedanken zu machen.

    "Das waren die Amis selbst"

    "Damit soll wieder ein Krieg angezettelt werden".

    Zu kaum einem Thema in Deutchland muss hier so viel gelöscht werden, wie bei Themen um Israel oder die USA. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

    Grundsätzlich sollten Sie sich an die Buchbesprechungen in der Schule erinnnern und den Hintergrund des Verfassers beleuchten.

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  • Serie Wir Amis
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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte USA | RAF | Anschlag | Herz | Marathon | Mond
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