Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich von FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach dessen Selbstanzeige wegen Steuerhinterziehung distanziert. "Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Diese Enttäuschung sei natürlich umso größer bei jemandem, der für so viel Positives stehe. Es gebe weiterhin Verdienste des Bayern-Präsidenten.

"Aber es ist jetzt durch die Tatsache der Selbstanzeige wegen Steuerbetrugs eine andere, traurige Facette hinzu gekommen", sagte Seibert. Steuerhinterziehung sei ohne jeden Zweifel ein schweres Delikt.

Merkel pflegte bisher eine gute Beziehung zu dem Bayern-Präsidenten. Zusammen ermutigten sie etwa im vergangenen Jahr homosexuelle Fußballer, sich öffentlich zu ihrer sexuelle Orientierung zu bekennen. Auch für das Thema Integration warben die Kanzlerin und Hoeneß gemeinsam. Merkel habe viel Respekt für die Leistungen von Hoeneß auch abseits des Fußballplatzes, sagte Seibert.

Trotz der Affäre um den Bayern-Präsidenten bleibt die Kanzlerin nach Angaben ihres Sprechers davon überzeugt, dass ein Steuerabkommen mit der Schweiz weiter nötig sei. "Eines Tages wird ein solches Abkommen auch kommen", sagte Seibert.

Das Finanzministerium hält die Kritik am gescheiterten Steuerabkommen mit der Schweiz im Zuge der Affäre Hoeneß für unberechtigt. Es sei nicht zu erkennen, warum ein Einzelfall die Sinnhaftigkeit des Abkommens zur Besteuerung von Altkapital und künftiger Kapitalerträge infrage stelle, sagte Sprecher Martin Kotthaus. "Es wäre gelungen, nicht nur die Einzelfische zu fangen, sondern den ganzen Schwarm im Netz zu haben."

SPD will Seehofers Rolle beleuchten

Die SPD will mögliche Verbindungen zwischen Uli Hoeneß und der bayerischen Landesregierung im Bundestag zur Sprache bringen. Das kündigte der Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier an.

"Warum hat sich der bayerische Ministerpräsident so sehr für das Steuerabkommen mit der Schweiz engagiert?", fragte Steinmeier. Sei Hoeneß aus der bayerischen Landesregierung über den Stand der Verhandlungen über das Abkommen informiert worden? Diesen Dingen werde die SPD nachgehen.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) war am Samstag mit der Äußerung zitiert worden, er wisse schon seit Längerem von den Steuerermittlungen gegen Hoeneß. Über seine Pressestelle ließ Seehofer klarstellen, dass er nicht über Details der Steuerermittlungen gegen den Bayern-Präsidenten informiert war.