Homosexualität: Muslimischer Mustersohn mit Doppelleben
Nuri ist bisexuell. Aber seine traditionsbewusste türkische Familie hält das für eine Sünde. Sie soll es niemals erfahren.
Nuri* beherrscht zwei Rollen, die des schüchternen Musterschülers aus einer traditionellen Familie und des aufgeklärten bisexuellen Erwachsenen. In einem Moment sagt der 23-Jährige: "Die Neigung liegt in den Genen." Oder: "Die Akzeptanz von Schwulen wird in der Gesellschaft steigen." Dann wieder blickt er mit seinen braunen Augen auf den Boden und erzählt, wie unsicher er im Alltag ist und davon, wie er seiner muslimischen Familie seine sexuelle Orientierung verheimlicht.
Nuri spricht leise. Er trägt rote Chucks und enge Röhrenjeans, dazu einen dicken Schlauchschal. Alles an seinem Outfit ist aufeinander abgestimmt. Auf die Wangen hat er einen Tick Rouge aufgetragen und seine dunklen Augen umrahmt ein kaum sichtbarer Lidstrich.
Mit dreizehn stößt Nuri im Internet auf Filme, in denen Männer miteinander Sex haben. Es gefällt ihm, zuzusehen. Zwei Jahre später verabredet er sich das erste Mal mit einem Mann. "Beim ersten Mal hatte ich noch das Gefühl, dass es falsch ist, was ich tue. Aber irgendwann lebt man seine Gefühle einfach aus."
Auf Dating-Portalen unter Gleichgesinnten
Etwa einen Monat hat die Beziehung zu seinem Freund damals gehalten. Danach hatte er schnell neue Dates. Auch mit Mädchen. Aber Nuri tendiert eher zum gleichen Geschlecht. Er ist auf Dating-Portalen wie "gayromeo" oder "dbna" (Akronym für "du bist nicht allein") angemeldet. Hier sei er sicher, dass er unter Gleichgesinnten sei, erklärt Nuri. Vom Kennenlernen bis zur Verabredung dauert es meistens nur eine Chatsitzung.
Früher hat Nuri den Koran gelesen, ist regelmäßig in die Moschee gegangen. Auch heute ist er noch gläubig. Die Liebe zu Männern ändert daran nichts. "Gott liebt jeden Menschen – schwul oder nicht", sagt er. Seine Eltern teilen diese Meinung nicht. Die Mutter ist Hausfrau, der Vater arbeitet als Maschinenführer bei einem Folienhersteller. Beide sind streng religiös, beten täglich und halten Homosexualität für eine Sünde.





... aus dem realen Leben. Auch hier stelle ich als Atheist mal wieder fest, Religion ist doch immer wieder was tolles :)! Egal ob jetzt das alte Testament, die Thora oder der Koran.
haben mit ihren Texten deutlich mehr exegetische Hürden zu überspringen als Muslime, um Homosexuelle zu akzeptieren. Im Tanach/AT/NT ist Homosexualität explizit verboten, im Koran nicht. In der Sunna schon, die aber ist kein Offenbarungstext, damit diskussionsfähig.
Religiöse Texte kann man wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst.
Wie man es mit der Akzeptanz von Homosexuellen hält, ist weniger eine religiöse als eine persönliche Frage und die stellt sich auch unter Atheisten gar nicht so selten.
Umgekehrt gilt diese Frage auch für Homosexuelle mit einer Homosexualität verteufelnden Familie. Beim beschriebenen Nuri ist es eine reine Frage der Zeit, bis ihm die Familie in Sachen Heirat und Enkel auf den Zehen steht. Doppelleben führen zu Falten um den Mund, sie machen niemanden glücklich und platzen oft sowieso irgendwann.
Die Familie wird ihm dann noch zusätzlich und mit einiger Berechtigung vorwerfen, daß er sie jahrelang belogen hat. Besser wäre, sich in der Familie mögliche Verbündete zu suchen, die ihn unterstützen werden, sollte er sich entscheiden, seine Homosexualität offen zu leben. Das wird für keinen der Beteiligten einfach.
Und auch hier gilt der gute alte Rosa von Praunheim *Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt*
Der ursprüngliche Kontext war übrigens keine Kritik an der Hetero-Gesellschaft, sondern der Appell an Homosexuelle, die Kellerbars zu verlassen und die Gesellschaft zu bevölkern, noch gar nicht SO lange her.
Solange Muslime wie Nuri in ihrem sozialen Umfeld offiziell nicht existieren dürfen, ändert sich die Einstellung der ihren ihnen gegenüber nur langsam. Es hat auch bei uns Europäern lange gedauert, bis ein Mann oder eine Frau offen zugeben konnte, dass er oder sie homosexuell ist, ohne dafür gesellschaftlich ausgrenzt zu werden. Selbst heute ist das keine leichte Sache, ich erinnere mich, keine zehn Jahre her, da habe ich selbst mit Klassenkameraden Witze über die Jungs gemacht, die unserer Vermutung nach schwul sein mussten. Stolz bin ich darauf nicht, aber es zeigt, dass auch wir nur langsam vorankommen. Auch heute gilt "schwul" noch als Schimpfwort, und ich die Schulkinder von heute haben noch ähnliche Probleme. Was die Religion angeht, die Homophobie lässt sich zwar wunderbar mit dieser begründen, ob man nun Muslim oder Christ ist, und hat dort wohl auch den Großteil ihrer Wurzeln, doch eine mindestens genauso große Rolle spielt die jeweilige Kultur. Artikel: "Papa wird sich sonst gegenüber den Verwandten und Bekannten schämen müssen." Ich denke, dass die hier in Europa lebenden Muslime sich dem Einfluss der praktizierten Toleranz und Akzeptanz der Homosexualität auf Dauer nicht entziehen werden können. Ein wesentlicher Teil des Kampfes gegen die Homophobie im Islam hierzulande ist meiner Meinung nach daher Vorbild zu sein. Die ältere Generation wird man wohl nicht mehr überzeugen können, die junge dagegen schon.
wie du als "aufgeklärter Atheist" reagierst, wenn deine Kinder behaupten, dass sie homosexuell sind.
Ich kenne strenggläubige Christen, die das Outing ihrer Kinder verkraftet haben. Mit viel Anstrengung, aber ein Ausschluss des Kindes oder gar ein Ehrenmord war keine Option.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls
Wenn die Welt mal so einfach wäre wie in der Sicht des aufgeklärten Atheisten.
Wenn Religion in dieser Frage das alleinige Übel wäre, dann müsste Ostdeutschland ja ein Hort der Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben sein. Ist es das?
... bzw. belehren wollten. Ja, Religion ist das Problem bzw. die Schriften. Gott hat verkündet, in welcher Form auch immer, das der Mann nicht beim Manne liegen soll. Ich bin nicht so Firm in den drei Wüstenreligionen um zu Wissen ob das gleiche auch fürs Weib gilt, noch interessiert es mich wirklich. Falls ich persönlich homophob wäre, was ich GOTT SEI DANK nicht bin, müsste ich diese Abneigung/Feindseligkeit anders begründen, auf Fakten basierend und das kann man in diesem Fall einfach nicht. So simpel stellt sich die Sache für mich als Atheisten dar!
Ich kann ein homophobes Verhalten nicht rational begründen. Wenn ich allerdings einer dieser monotheistischen Religionsformen folgen würde, könnte ich einfach verkünden, nicht ich bin es der Homosexualität für eine verdammungswürdige Sünde hält, sondern Gott! Ich kann nichts für meine Ansicht, noch muss ich diese einer kritischen Analyse unterziehen, ich bin nur ein Instrument des Herrn und folge seinem Willen.
Viel Spaß noch beim gläubig sein.
haben mit ihren Texten deutlich mehr exegetische Hürden zu überspringen als Muslime, um Homosexuelle zu akzeptieren. Im Tanach/AT/NT ist Homosexualität explizit verboten, im Koran nicht. In der Sunna schon, die aber ist kein Offenbarungstext, damit diskussionsfähig.
Religiöse Texte kann man wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst.
Wie man es mit der Akzeptanz von Homosexuellen hält, ist weniger eine religiöse als eine persönliche Frage und die stellt sich auch unter Atheisten gar nicht so selten.
Umgekehrt gilt diese Frage auch für Homosexuelle mit einer Homosexualität verteufelnden Familie. Beim beschriebenen Nuri ist es eine reine Frage der Zeit, bis ihm die Familie in Sachen Heirat und Enkel auf den Zehen steht. Doppelleben führen zu Falten um den Mund, sie machen niemanden glücklich und platzen oft sowieso irgendwann.
Die Familie wird ihm dann noch zusätzlich und mit einiger Berechtigung vorwerfen, daß er sie jahrelang belogen hat. Besser wäre, sich in der Familie mögliche Verbündete zu suchen, die ihn unterstützen werden, sollte er sich entscheiden, seine Homosexualität offen zu leben. Das wird für keinen der Beteiligten einfach.
Und auch hier gilt der gute alte Rosa von Praunheim *Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt*
Der ursprüngliche Kontext war übrigens keine Kritik an der Hetero-Gesellschaft, sondern der Appell an Homosexuelle, die Kellerbars zu verlassen und die Gesellschaft zu bevölkern, noch gar nicht SO lange her.
Solange Muslime wie Nuri in ihrem sozialen Umfeld offiziell nicht existieren dürfen, ändert sich die Einstellung der ihren ihnen gegenüber nur langsam. Es hat auch bei uns Europäern lange gedauert, bis ein Mann oder eine Frau offen zugeben konnte, dass er oder sie homosexuell ist, ohne dafür gesellschaftlich ausgrenzt zu werden. Selbst heute ist das keine leichte Sache, ich erinnere mich, keine zehn Jahre her, da habe ich selbst mit Klassenkameraden Witze über die Jungs gemacht, die unserer Vermutung nach schwul sein mussten. Stolz bin ich darauf nicht, aber es zeigt, dass auch wir nur langsam vorankommen. Auch heute gilt "schwul" noch als Schimpfwort, und ich die Schulkinder von heute haben noch ähnliche Probleme. Was die Religion angeht, die Homophobie lässt sich zwar wunderbar mit dieser begründen, ob man nun Muslim oder Christ ist, und hat dort wohl auch den Großteil ihrer Wurzeln, doch eine mindestens genauso große Rolle spielt die jeweilige Kultur. Artikel: "Papa wird sich sonst gegenüber den Verwandten und Bekannten schämen müssen." Ich denke, dass die hier in Europa lebenden Muslime sich dem Einfluss der praktizierten Toleranz und Akzeptanz der Homosexualität auf Dauer nicht entziehen werden können. Ein wesentlicher Teil des Kampfes gegen die Homophobie im Islam hierzulande ist meiner Meinung nach daher Vorbild zu sein. Die ältere Generation wird man wohl nicht mehr überzeugen können, die junge dagegen schon.
wie du als "aufgeklärter Atheist" reagierst, wenn deine Kinder behaupten, dass sie homosexuell sind.
Ich kenne strenggläubige Christen, die das Outing ihrer Kinder verkraftet haben. Mit viel Anstrengung, aber ein Ausschluss des Kindes oder gar ein Ehrenmord war keine Option.
[...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/ls
Wenn die Welt mal so einfach wäre wie in der Sicht des aufgeklärten Atheisten.
Wenn Religion in dieser Frage das alleinige Übel wäre, dann müsste Ostdeutschland ja ein Hort der Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben sein. Ist es das?
... bzw. belehren wollten. Ja, Religion ist das Problem bzw. die Schriften. Gott hat verkündet, in welcher Form auch immer, das der Mann nicht beim Manne liegen soll. Ich bin nicht so Firm in den drei Wüstenreligionen um zu Wissen ob das gleiche auch fürs Weib gilt, noch interessiert es mich wirklich. Falls ich persönlich homophob wäre, was ich GOTT SEI DANK nicht bin, müsste ich diese Abneigung/Feindseligkeit anders begründen, auf Fakten basierend und das kann man in diesem Fall einfach nicht. So simpel stellt sich die Sache für mich als Atheisten dar!
Ich kann ein homophobes Verhalten nicht rational begründen. Wenn ich allerdings einer dieser monotheistischen Religionsformen folgen würde, könnte ich einfach verkünden, nicht ich bin es der Homosexualität für eine verdammungswürdige Sünde hält, sondern Gott! Ich kann nichts für meine Ansicht, noch muss ich diese einer kritischen Analyse unterziehen, ich bin nur ein Instrument des Herrn und folge seinem Willen.
Viel Spaß noch beim gläubig sein.
... da hätte diese Geschichte auch von einem Nichtmuslim stammen können. Ein Aspekt taucht nicht so recht auf im Artikel: nämlich dass homosexuelle Muslime (oder Kinder von Arabern und Türken) häufig unter einer skurrilen Doppeldiskriminierung zu leiden haben. Von den Eingeborenen werden sie angefeindet, weil sie Muslime sind oder Migrationshintergrund haben. Und von diesen wiederum werden sie angefeindet, weil sie schwul oder lesbisch sind. Das ist für einen jungen Menschen kein leichtes Los. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, dass auch bei den Muslimen ein Umdenken und mehr Toleranz in der Richtung stattfindet.
Manchmal würde auch Humor und Selbstironie helfen. Die Beschreibung des Outfits des Protagonisten - Chucks, enge Hosen, Schal - ist eigentlich nicht nur "schwulentypisch". Also wenn ich täglich durch die Stadt fahre, laufen Horden an Jungen und jungen Männern so rum, und auch gerade die mit türkischem oder arabischen Hintergrund. Aber dann eine große Klappe haben und auf Macho machen. Also mein schwuler Freundeskreis läuft nicht so metrosexuell herum wie die ganzen jungen Möchtegernmachos ;-)
Wenn seine Familie tatsächlich so traditionsbewusst ist, wie es im Artikel dargestellt wird, dann wird früher oder später sicherlich die Frage aufkommen, ob der Junge denn nicht mal heiraten und Kinder haben wolle - spätestens, wenn seine Geschwister und Cousins alle "unter der Haube" sind. Er sagt, dass er nicht heiraten möchte, aber es hätte mich schon interessiert, welchen Grund er seinen Eltern dafür wohl auftischen wird. Oder wird er ihnen dann doch die Wahrheit erzählen?
Ich bedauere seine Situation sehr, möchte nicht in seiner Haut stecken, aber ich bezweifle, dass Nuri sein Doppelleben ewig aufrecht erhalten können wird. Irgendwann wird es herauskommen. Ich wünsche ihm alles Gute.
Homosexualität für eine Sünde zu halten ist eine Sünde! Denkt endlich einfach mal nach, ihr rückwärtsgewandten "Gläubigen" - lernt erstmal, das euch von "Allah" gestiftete Hirn zu benutzen, bevor ihr eure eigenen Kinder verstoßt.
Um fair zu bleiben ist es kein 100% muslimisches Problem.
Sei es Erzkonservative Christen oder Ultraorthodoxe Juden, alle traditionalistische Strömungen haben ein Weltbild was eher in die Ära "Erfindung des Rades" oder "Die Erde ist eine Scheibe" passt.
Leider neigen Traditionalisten dazu das Messer zu benutzen statt einem klärenden Gespräch.
Allerdings kann ich sagen das Homosexuelle nicht alleine sind mit diesem "Ekel des Anderen", in die selbe Gruppe gehören Atheisten, selbstbewusste Frauen, Freidenker etc... leider sind die Homosexuellen die mit Abstand am meisten diskriminierte Gruppe der Aufgezählten.
Sie werden mit dem Mord bedroht weil es ein Buch aus der Eisenzeit es so will, jene Leute folgen lieber den Worten antiker Sagen, statt die Werte von realen Personen zu leben, wie Dr. King, Voltaire oder Kant.
...war doch aber ein Mann des Glaubens?
...war doch aber ein Mann des Glaubens?
Egal ob muslimisch, christliche, jüdische Eltern, egal ob deutsch oder nicht-deutsch; die meisten Eltern können/wollen es nicht akzeptieren, wenn ihre Kinder Homosexuell sind. Aber ja, die bösen strengen 5 mal am Tag betende muslimische Eltern ...
es ist für viele Eltern sehr schmerzlich, wenn vor allem ihre Söhne höchstwahrscheinlich keine Ehe eingehen und keine Enkel zeugen werden. Töchter werden diesbezüglich nicht ganz so ernst genommen, schließlich tragen sie i.d.R. nicht den Familiennamen weiter und außerdem haben es lesbische Frauen einfacher, Kinder zu bekommen.
Das Urteil über homosexuelle Söhne fällt oft viel härter aus als das über homosexuelle Töchter. Schließlich stellen männliche Homosexuelle ein patriarchales Weltbild in Frage und das ist nun wirklich kein Alleinstellungsmerkmal unter Muslimen.
Was alles kein Grund dafür sein kann, die eigenen Kinder zu verstoßen, es sind ja nun die ganz gleichen, geliebten Kinder, ob sie nun homo-, bi-, hetero- oder sonstwie-sexuell sind.
sind andere, als die in der westlichen- christlichen Gesellschaft. Können Sie sich vorstellen, dass (fiktiv) der türkische Aussenminister und der Bürgermeister von Ankara sich als schwul outen? Mit etwas Objektivität und Realitätssinn erkennen auch Sie, dass da sicherlich Unterschiede zu unserer Gesellschaft festzustellen wären.
... ob es Eltern schwer fällt, Homosexualität zu akzeptieren, oder ob jemand aus der Familie verstoßen wird.
Welche Religion, oder keine ist egal. Hier bestimmt etwas anderes das Geschehen. Wie schon von Dame.von.Welt angesprochen, sind es diverse Ängste, meistens aber sehr konservative Haltungen und Traditionen. Egal, welche Religion, oder keine, Gründe von Vätern, oder Eltern ihre Kinder deswegen kritisch zu beäugen oder schlimmer, zieht sich wie ein Band durch jede Kultur und Tradition. Mit Religion hat das tendenziell erstmal nichts zu tun. Aber es fühlen sich bei so einem Thema natürlich gleich wieder viele berufen (in aufklärerischer Manier), aber von denen sind wahrscheinlich nur wenige auserwählt. DIe heuchlerische Art und Weise in der Religion zur Diffamierung genutzt wird beschreibt nur die eigene Unfähigkeit sich mit Dingen offen und ehrlich auseinanderzusetzen und nicht oft zuletzt sind es die oben beschriebenen Dinge, die zu so einer Haltung führen. Denn wer Religion hierfür verantwortlich macht, handelt im wesentlichen nicht anders, als diejenigen, die hier die muslimische Religion, oder welche auch immer dafür verantwortlich machen, dass hier keine Toleranz herrsche. Diejenigen sollten sich selbst mal überprüfen, wenn ihre Zöglinge entsprechende Neigungen zeigten. Wahrscheinlich wäre in einigen, oder vielleciht sogar vielen Fällen das Verständnis erstmal Null und würde in Enttäuschung oder Wut ausarten.
es ist für viele Eltern sehr schmerzlich, wenn vor allem ihre Söhne höchstwahrscheinlich keine Ehe eingehen und keine Enkel zeugen werden. Töchter werden diesbezüglich nicht ganz so ernst genommen, schließlich tragen sie i.d.R. nicht den Familiennamen weiter und außerdem haben es lesbische Frauen einfacher, Kinder zu bekommen.
Das Urteil über homosexuelle Söhne fällt oft viel härter aus als das über homosexuelle Töchter. Schließlich stellen männliche Homosexuelle ein patriarchales Weltbild in Frage und das ist nun wirklich kein Alleinstellungsmerkmal unter Muslimen.
Was alles kein Grund dafür sein kann, die eigenen Kinder zu verstoßen, es sind ja nun die ganz gleichen, geliebten Kinder, ob sie nun homo-, bi-, hetero- oder sonstwie-sexuell sind.
sind andere, als die in der westlichen- christlichen Gesellschaft. Können Sie sich vorstellen, dass (fiktiv) der türkische Aussenminister und der Bürgermeister von Ankara sich als schwul outen? Mit etwas Objektivität und Realitätssinn erkennen auch Sie, dass da sicherlich Unterschiede zu unserer Gesellschaft festzustellen wären.
... ob es Eltern schwer fällt, Homosexualität zu akzeptieren, oder ob jemand aus der Familie verstoßen wird.
Welche Religion, oder keine ist egal. Hier bestimmt etwas anderes das Geschehen. Wie schon von Dame.von.Welt angesprochen, sind es diverse Ängste, meistens aber sehr konservative Haltungen und Traditionen. Egal, welche Religion, oder keine, Gründe von Vätern, oder Eltern ihre Kinder deswegen kritisch zu beäugen oder schlimmer, zieht sich wie ein Band durch jede Kultur und Tradition. Mit Religion hat das tendenziell erstmal nichts zu tun. Aber es fühlen sich bei so einem Thema natürlich gleich wieder viele berufen (in aufklärerischer Manier), aber von denen sind wahrscheinlich nur wenige auserwählt. DIe heuchlerische Art und Weise in der Religion zur Diffamierung genutzt wird beschreibt nur die eigene Unfähigkeit sich mit Dingen offen und ehrlich auseinanderzusetzen und nicht oft zuletzt sind es die oben beschriebenen Dinge, die zu so einer Haltung führen. Denn wer Religion hierfür verantwortlich macht, handelt im wesentlichen nicht anders, als diejenigen, die hier die muslimische Religion, oder welche auch immer dafür verantwortlich machen, dass hier keine Toleranz herrsche. Diejenigen sollten sich selbst mal überprüfen, wenn ihre Zöglinge entsprechende Neigungen zeigten. Wahrscheinlich wäre in einigen, oder vielleciht sogar vielen Fällen das Verständnis erstmal Null und würde in Enttäuschung oder Wut ausarten.
haben mit ihren Texten deutlich mehr exegetische Hürden zu überspringen als Muslime, um Homosexuelle zu akzeptieren. Im Tanach/AT/NT ist Homosexualität explizit verboten, im Koran nicht. In der Sunna schon, die aber ist kein Offenbarungstext, damit diskussionsfähig.
Religiöse Texte kann man wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst.
Wie man es mit der Akzeptanz von Homosexuellen hält, ist weniger eine religiöse als eine persönliche Frage und die stellt sich auch unter Atheisten gar nicht so selten.
Umgekehrt gilt diese Frage auch für Homosexuelle mit einer Homosexualität verteufelnden Familie. Beim beschriebenen Nuri ist es eine reine Frage der Zeit, bis ihm die Familie in Sachen Heirat und Enkel auf den Zehen steht. Doppelleben führen zu Falten um den Mund, sie machen niemanden glücklich und platzen oft sowieso irgendwann.
Die Familie wird ihm dann noch zusätzlich und mit einiger Berechtigung vorwerfen, daß er sie jahrelang belogen hat. Besser wäre, sich in der Familie mögliche Verbündete zu suchen, die ihn unterstützen werden, sollte er sich entscheiden, seine Homosexualität offen zu leben. Das wird für keinen der Beteiligten einfach.
Und auch hier gilt der gute alte Rosa von Praunheim *Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt*
Der ursprüngliche Kontext war übrigens keine Kritik an der Hetero-Gesellschaft, sondern der Appell an Homosexuelle, die Kellerbars zu verlassen und die Gesellschaft zu bevölkern, noch gar nicht SO lange her.
"Juden und Christen haben mit ihren Texten deutlich mehr exegetische Hürden zu überspringen als Muslime, um Homosexuelle zu akzeptieren. Im Tanach/AT/NT ist Homosexualität explizit verboten, im Koran nicht. In der Sunna schon, die aber ist kein Offenbarungstext, damit diskussionsfähig."
Na dann müsste sich das Problem ja schnell lösen, oder nicht?
Offenbar ist das Problem aber gerade die Rechtfertigung gegenüber der ganzen Verwandtschaft.
"Ein Deutscher braucht es nur seinen Eltern zu erzählen. Ich muss mich vor meiner gesamten Verwandtschaft rechtfertigen"
Christen die erfolgreich Jesus folgen, werden auch homosexuellen Menschen Liebe und Hilfsbereitschaft entgegenbringen.
Sie schreiben es ganz lustig ("Religiöse Texte kann man wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst.") aber es ist trotzdem nicht wahr. Sondern im Gegenteil: gerade Christen, die die Gute Nachricht von Jesus Christus ernst nehmen, werden zur Liebe fähig sein - auch zu Menschen die aus ihrer Sicht Fehler begehen. Eine solch starke Einstellung gegenüber Andersdenkenden wünsche ich auch Ihnen.
kam mir beim lesen des Artikels auch in den Sinn. Danke, dame.von.welt, für Ihren Kommentar!
Hier geht es um 'Famielienehre', weniger um den Islam. Und wie wir alle wissen, ist ein nicht unerheblicher Anteil von Opfern 'gekränkter Familienehre' männlich.
Das ist wiederum ein Konzept, dass sich in allen muslimisch geprägten Kulturen findet, ich glaube, es ist etwas konstruiert, das vom Islam trennen zu wollen. In christlich geprägten Gesellschaften dominiert das Konzept persönlicher Schuld. Beides führt zu spezifischen Problemen, besonders dann, wenn diese Konzepte aufeinandertreffen - man denkt dann oft, dass man vom Gleichen redet, tut es aber keineswegs.
Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten - generell hilft gegen religiöse oder traditionalistische Verblendung immer noch am besten Bildung.
"Die Familie wird ihm dann noch zusätzlich und mit einiger Berechtigung vorwerfen, daß er sie jahrelang belogen hat. Besser wäre, sich in der Familie mögliche Verbündete zu suchen, die ihn unterstützen werden, sollte er sich entscheiden, seine Homosexualität offen zu leben. Das wird für keinen der Beteiligten einfach."
Das ist sehr unwahrscheinlich.
Seine Familie wird es ihm eher übelnehmen, dass er aufgehört hat zu lügen!
Aufrichtigkeit und Intimität spielen meiner Erfahrung nach eine zumeist untergeordnete Rolle in den familiären Beziehungen traditionalistischer muslimischer (religiöser) Familien, ganz wertfrei ausgedrückt.
Es geht darum, eine bestimmte, von der Gemeinschaft definierte Rolle auszufüllen, egal wie, nicht um Selbstverwirklichung.
Persönliche Freiheiten werden gegebenenfalls eher im Verborgenen gelebt.
Eine Perspektive für Nuri könnte sein, eine Scheinehe mit einer lesbischen jungen Frau einzugehen, eine in muslimischen Gesellschaften gar nicht so selten praktizierte Lösung für seine Situation.
"Juden und Christen haben mit ihren Texten deutlich mehr exegetische Hürden zu überspringen als Muslime, um Homosexuelle zu akzeptieren. Im Tanach/AT/NT ist Homosexualität explizit verboten, im Koran nicht. In der Sunna schon, die aber ist kein Offenbarungstext, damit diskussionsfähig."
Na dann müsste sich das Problem ja schnell lösen, oder nicht?
Offenbar ist das Problem aber gerade die Rechtfertigung gegenüber der ganzen Verwandtschaft.
"Ein Deutscher braucht es nur seinen Eltern zu erzählen. Ich muss mich vor meiner gesamten Verwandtschaft rechtfertigen"
Christen die erfolgreich Jesus folgen, werden auch homosexuellen Menschen Liebe und Hilfsbereitschaft entgegenbringen.
Sie schreiben es ganz lustig ("Religiöse Texte kann man wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst.") aber es ist trotzdem nicht wahr. Sondern im Gegenteil: gerade Christen, die die Gute Nachricht von Jesus Christus ernst nehmen, werden zur Liebe fähig sein - auch zu Menschen die aus ihrer Sicht Fehler begehen. Eine solch starke Einstellung gegenüber Andersdenkenden wünsche ich auch Ihnen.
kam mir beim lesen des Artikels auch in den Sinn. Danke, dame.von.welt, für Ihren Kommentar!
Hier geht es um 'Famielienehre', weniger um den Islam. Und wie wir alle wissen, ist ein nicht unerheblicher Anteil von Opfern 'gekränkter Familienehre' männlich.
Das ist wiederum ein Konzept, dass sich in allen muslimisch geprägten Kulturen findet, ich glaube, es ist etwas konstruiert, das vom Islam trennen zu wollen. In christlich geprägten Gesellschaften dominiert das Konzept persönlicher Schuld. Beides führt zu spezifischen Problemen, besonders dann, wenn diese Konzepte aufeinandertreffen - man denkt dann oft, dass man vom Gleichen redet, tut es aber keineswegs.
Daran müssen wir alle gemeinsam arbeiten - generell hilft gegen religiöse oder traditionalistische Verblendung immer noch am besten Bildung.
"Die Familie wird ihm dann noch zusätzlich und mit einiger Berechtigung vorwerfen, daß er sie jahrelang belogen hat. Besser wäre, sich in der Familie mögliche Verbündete zu suchen, die ihn unterstützen werden, sollte er sich entscheiden, seine Homosexualität offen zu leben. Das wird für keinen der Beteiligten einfach."
Das ist sehr unwahrscheinlich.
Seine Familie wird es ihm eher übelnehmen, dass er aufgehört hat zu lügen!
Aufrichtigkeit und Intimität spielen meiner Erfahrung nach eine zumeist untergeordnete Rolle in den familiären Beziehungen traditionalistischer muslimischer (religiöser) Familien, ganz wertfrei ausgedrückt.
Es geht darum, eine bestimmte, von der Gemeinschaft definierte Rolle auszufüllen, egal wie, nicht um Selbstverwirklichung.
Persönliche Freiheiten werden gegebenenfalls eher im Verborgenen gelebt.
Eine Perspektive für Nuri könnte sein, eine Scheinehe mit einer lesbischen jungen Frau einzugehen, eine in muslimischen Gesellschaften gar nicht so selten praktizierte Lösung für seine Situation.
Solange Muslime wie Nuri in ihrem sozialen Umfeld offiziell nicht existieren dürfen, ändert sich die Einstellung der ihren ihnen gegenüber nur langsam. Es hat auch bei uns Europäern lange gedauert, bis ein Mann oder eine Frau offen zugeben konnte, dass er oder sie homosexuell ist, ohne dafür gesellschaftlich ausgrenzt zu werden. Selbst heute ist das keine leichte Sache, ich erinnere mich, keine zehn Jahre her, da habe ich selbst mit Klassenkameraden Witze über die Jungs gemacht, die unserer Vermutung nach schwul sein mussten. Stolz bin ich darauf nicht, aber es zeigt, dass auch wir nur langsam vorankommen. Auch heute gilt "schwul" noch als Schimpfwort, und ich die Schulkinder von heute haben noch ähnliche Probleme. Was die Religion angeht, die Homophobie lässt sich zwar wunderbar mit dieser begründen, ob man nun Muslim oder Christ ist, und hat dort wohl auch den Großteil ihrer Wurzeln, doch eine mindestens genauso große Rolle spielt die jeweilige Kultur. Artikel: "Papa wird sich sonst gegenüber den Verwandten und Bekannten schämen müssen." Ich denke, dass die hier in Europa lebenden Muslime sich dem Einfluss der praktizierten Toleranz und Akzeptanz der Homosexualität auf Dauer nicht entziehen werden können. Ein wesentlicher Teil des Kampfes gegen die Homophobie im Islam hierzulande ist meiner Meinung nach daher Vorbild zu sein. Die ältere Generation wird man wohl nicht mehr überzeugen können, die junge dagegen schon.
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