Studie : Mehrheit der Deutschen sieht Islam als Bedrohung

Die Vielfalt der Religionen halten die meisten Deutschen für eine Bereicherung. Dennoch findet die Mehrheit, dass der Islam nicht zu Deutschland passt.

Jeder zweite Deutsche empfindet den Islam laut einer Umfrage als Bedrohung. 50 Prozent seien zudem überzeugt, dass der Islam nicht nach Deutschland passt, heißt es im neuen Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung, über den die Welt am Sonntag vorab berichtete.

Zugleich sagen aber 85 Prozent, dass man allen Religionen gegenüber offen sein sollte. 60 Prozent der Befragten empfinden die wachsende religiöse Vielfalt als eine Bereicherung. Allerdings erkennen fast zwei Drittel (64 Prozent) in der Vielfalt auch eine Ursache für Konflikte.

Für die repräsentative Studie zur gesellschaftlichen Bedeutung von Religion und Werten wurden 14.000 Menschen in Deutschland sowie in zwölf anderen Ländern befragt.

Die Studie zeigt auch, dass eine negative Einstellung zu Islam oder Christentum stark von der Region abhängt. So fühlen sich 60 Prozent der Menschen in Spanien vom Islam bedroht, in den USA  sind es 42 Prozent, in der Schweiz 50 Prozent und in Israel 76 Prozent. Deutlich weniger stark dagegen die Menschen in Südkorea (16 Prozent) oder Indien (30 Prozent).

Christentum als Bedrohung

Auf der anderen Seite nehmen 32 Prozent der Befragten in der Türkei und 27 Prozent der Israelis das Christentum als Bedrohung wahr.

Die Studie zeigt zudem wie unterschiedlich die befragten Menschen ihre Religiösität in den erfassten Ländern einschätzen. In der Türkei gaben 82 Prozent an mittel, ziemlich oder sehr religiös zu sein, in Brasilien waren es 74 Prozent, in Indien 70 Prozent und in den USA 67 Prozent. Deutschland liegt mit 57 Prozent im Mittelfeld, wobei die Menschen in Westdeutschland sich mit 64 Prozent wesentlich religiöser einschätzen als die Menschen in Ostdeutschland (26 Prozent). Schweden und Israel haben mit 28 und 31 Prozent die niedrigsten Werte.   

Positive Alltagserfahrung mit muslimischer Bevölkerung

Über die Konfessionen hinweg belegt die Befragung eine große Zustimmung zur Demokratie und zur Trennung von Religion und Politik. In Deutschland halten 88 Prozent der Christen, 79 Prozent der Muslime und 80 Prozent der Konfessionslosen die demokratische Regierungsform für gut. Dass Homosexuelle die Möglichkeit haben sollten, zu heiraten, finden 70 Prozent der Katholiken. Unter den Muslimen ist die Zustimmung mit 48 Prozent deutlich geringer.

Die Wahrnehmung des Islams in Deutschland scheint allerdings im Gegensatz zu der Alltagserfahrung der Menschen zu stehen: Das Integrationsbarometer des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) zeigt, dass zwischen 2009 und 2012 der Anteil der Befragten, die das Zusammenleben zwischen muslimischer Zuwanderungsbevölkerung und Mehrheitsbevölkerung als ungestört empfinden, steigt.

Eine SVR-Untersuchung, die gemeinsam mit der Stiftung Mercator durchgeführt wurde, zeigt außerdem eine Kluft zwischen negativem Medienbild von Zuwanderern und weitgehend positiver Alltagserfahrung in der Einwanderungsgesellschaft. 70,8 Prozent der Befragten ohne Migrationshintergrund und 73,9 Prozent der Zuwanderer finden, dass die Darstellung von Muslimen in den Medien eher negativ oder viel zu negativ ist.  

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Kommentare

481 Kommentare Seite 1 von 40 Kommentieren

@TheaCSternheim

> auffallend viele Befragte, nämlich 35 Prozent derer, die sagten,
> man könne sich nicht frei äußern, mit dem Verweis auf die Themen
> Einwanderung oder Ausländer und Minderheiten. "

Also gibts wieder das Thema "Ausländer" und "Migranten" (v.a. aus dem arabischen Raum), aber kein Button zum Thema "Israel" und "Meinungsfreiheit"? Dann ist es ja mehr als eindeutig, welcher Ideologie auch das Meinungsforschungsinstitut Allensbach unterworfen ist..

Nicht verstanden!

Sie haben anscheinend nicht ganz verstanden was ich meinte.

Ich rede nicht von einer Pressezensur.
Ich gebe mal ein Beispiel:

Wir haben ein Bild vor uns, voller negativer und positiver Dinge.

Ein Medium, welches nur die negativen betont, ist genauso propagandistisch, wie die Zeitung, die nur das positive berichtet. Beide Medien können behaupten, sie sprechen ,,die Wahrheit", obwohl sie doch beide die Realität verzerren.

Jetzt zur These:

Überall auf der Erde passieren schreckliche Dinge. Auf die Religion der Mörder bezieht man sich nur begrenzt, sofern man überhaupt etwas darüber berichtet. Nun haben vermutlich zwei Jugendliche in Boston einen Anschlag verübt. Die Weltpresse hat 1 Woche ununterbrochen darüber berichtet. Damit hat man es hinbekommen, anhand von zwei Jugendlichen auf 1,4 Mrd (!) Menschen zu schließen und sie der Gewaltbereitschaft zu bezichtigen. Ein US-Minister wollte gar die Einwanderung von Muslimen verschärft einschränken. Ist das kein verzerrtes Bild der Realität?

Laut einem Bericht von Europol im Jahre 2010 waren von knapp 500 Terrorangriffen ledliglich 1 (!) einziger auf das Konto der Muslime zurückzuführen (Kofferbomber, Sie wissen schon).
Aber fragen Sie mal in Europa rum, wer für Terror verantwortlich ist, die allermeisten werden auf die Muslime zeigen.

Kleine Korrektur meinerseits, nicht den Bericht von 2010, sondern von 2006 meinte ich. Da war das Verhältnis von 1/500.

Sie schreiben:

,, Etwa 20, kaum nennenswerte linkgsgerichtete Anschlagversuche in Greece."

Naja, der eine aus 2006, hatte gar keine Todesopfer. Ist aber trotzdem mit aufgelistet. Anschlag bleibt Anschlag.

Dennoch scheinen Sie mich nicht verstanden zu haben.

Das einzige, was ich kritisiert habe ist, dass anhand von einigen wenigen auf 1,4 Mrd (!) Menschen geschlossen wird.

Wenn die absolute Mehrheit der Muslime den Islam und den Koran so interpretieren würden, wie einige Experten ihnen unterstellen, dann glaube ich, wäre ein friedliches Leben auf dieser Erde an keinem Ort mehr möglich.

Einspruch und Ergänzungen

Ich lese jedes Jahr den Europol TE-SAT Bericht und sammle sie.

Die Schwäche des Reports besteht nicht im Vergleich der Gruppen. Der hier gemeinte Linksterrorismus bezieht sich nicht auf ein paar harmlose Antifas, sondern auf Untergrundorganisationen wie die FAI oder die Synomosia Pyrinon tis Fotias (Brandbomben, Briefbomben, Anschläge auf Regierungsgebäude oder Infrastruktur).

Kritik kann also nur am "Single-Issue-Terrorism" anbringen, denn hier geht es nicht mehr um Terroranschläge, sondern um Zwischenfälle mit Umweltgruppen ("eco-anarchists") und Tierrechtlern ("animal right extremism"). Dies als Terrorismus zu bezeichnen ist hochgradig unseriös.

Die eigentliche Schwäche der Berichte ist, daß sie die Daten nicht in konkreten Bezug zu einander setzen und so ein verzerrtes bzw. unvollständiges Bild liefern.

Die Inhaftierungen werden z.B. nicht über die Jahre in konkreten Bezug zu den Verurteilungen und Freisprüchen oder den Anschlägen gesetzt. So kann man weder nachverfolgen, wie viele der Inhaftierten tatsächlich schuldig gesprochen werden, noch in welcher Gruppe.

Die Gründe für die Festnahmen werden nicht näher spezifiziert. "Terrorism-related-offences" ist ein weit gefasster Begriff und die Berichte holen teilweise bis in den "Cyberterrorismus" aus, Stichwort "extremist use of the Internet".

In Punkto Anschläge liefern die Berichte allerdings ein konstantes Bild über die Jahre: ~80% des Terrorismus in der EU geht auf das Konto von Separatisten, ~1% auf Islamisten.