InfertilitätIst halt so

Was, wenn künstliche Befruchtung nichts bringt? Clara und Peter Riewald haben nach zwei Versuchen aufgegeben und ihren Frieden damit gemacht. von 

Fährt das Rennauto rechts oder linksrum? Steht der Puppe das rote Kleid besser oder der blaue Pullover? Wenn Clara Riewald unter Kindern ist, gibt es nichts Wichtigeres.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihren fertigen Text können Sie hier einreichen. Beispiele für aktuelle Leserartikel, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie hier. In unseren FAQ können Sie nachlesen, was Sie beim Verfassen Ihres Beitrags beachten sollten. Falls Sie Fragen haben, erreichen Sie uns per Mail an leserartikel@zeit.de.

ALS E-BOOK

Die Serie Ungewollt kinderlos gibt es auch als E-Book. Wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind unerfüllt bleibt - erfahren Sie mehr in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung.

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Die Freunde sagen: Ihr wärt so tolle Eltern. Unter Kindern sind Clara Riewald* und ihr Mann Peter wahnsinnig beliebt. Die Freunde sagen auch: Eure Kinder wären ganz entzückend. Schwarz und weiß – die gemischten sind die schönsten.

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Clara und Peter sind aber leider keine Eltern. Einfach so hat es nicht geklappt, zwei Kinderwunschbehandlungen endeten enttäuschend. Dann haben sie es gelassen. Wir sind auch so glücklich, lässt Peter ausrichten. Mei, sagt Clara. Ist halt so.

Wie haben sie ihren Frieden mit etwas gemacht, woran andere zerbrechen?

Da ist das Wissen, dass Leben selten planbar ist. Ein Job brachte Clara vor drei Jahren von London nach Deutschland. Sie und ihr Mann arbeiten in der Musikbranche. Sie leitet zwei Abteilungen in einem internationalen Unternehmen. Geplant war das nie. Sie hat sich da einfach reingefuchst.

Es wäre gerade okay gewesen

Als die beiden vor sieben Jahren heirateten, war es nicht so, dass jetzt dringend ein Kind hergemusst hätte. Es war einfach ein Zeitpunkt, zu dem es okay gewesen wäre. Die Hochzeit wurde überraschend groß, auf das Getrappel kleiner Füße freuten sich die jamaikanischen Verwandten. Clara setzte die Pille ab und wartete ab. Ein Jahr lang.

Dann fing das Brimborium an. In Großbritannien wird die erste Kinderwunschbehandlung bezahlt. Also wochenlang jeden Tag zur gleichen Zeit Hormone in den Oberschenkel spritzen, täglich zum Bluttest, Ultraschallkontrollen. Vollnarkose, Befruchtung im Reagenzglas, ein paar Tage warten. Welche von den Heinzis müssen weggeschmissen werden? Übrig blieben zwei. Clara konnte die beiden Eizellen im Ultraschall sehen, befruchtet, schicke winzige Punkte. Aus denen kann was werden. Sie redete den beiden gut zu: Das wird was!

Ungewollt kinderlos
Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.

Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.  |  © Miriola Dzik/Photocase

Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 15 Prozent. Plötzlich geht es nur noch um Prozente und Relationen, sagt Clara. Wozu mache ich den Scheiß? Aber vielleicht klappt es bei mir ja, dachte sie. Nach zwei Wochen kam die Regelblutung. Sie war am Boden zerstört.

Hoffen, freuen, bangen, trauern. Miteinander haben Clara und Peter das ausgehalten. Völlig irrational sei sie gewesen, sagt Clara, anmaßend und ungerecht gegenüber anderen. Plötzlich überall Schwangere. Oder das betrunkene Paar, das seine Kinder keifend hinter sich herzieht. So wären wir nie! Und der Neid. So einen Bauch zum Händedrauflegen will ich auch! Zum Glück war Peter rationaler. Wer weiß, wozu das gut ist, sagte er. Sie würden nicht versuchen, auf Teufel komm raus Kinder zu bekommen.

Leserkommentare
  1. wie wärs damit ?

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    Adoption, Pflegschaft, ehrenamtliche Vormundschaft, durch fremde, Angehörige, Ausland, Inland, SOS-Kinderdörfer, usw - Sprich der ganze Themenbereich: "Umsorgt an Eltern statt" verdient in all seinen Aspekten, seinen spezifischen Anforderungen, juristischen Unklarheiten, ethischen Erwägungen, Folgen, Notwendigkeiten und Schwierigkeiten einen eigenen Schwerpunkt.
    Es ist nicht einfach eine Ableitung des Vermehrungstriebs sondern ein besonderer Bereich des Sozialverhaltens (nicht nur beim Menschen) und sollte auch nicht als solcher hier so nebenbei abgehakt werden.

  2. wenn man das so liest, könnte man auch auf den Gedanken kommen das es am Stress liegt. Bedauerlicherweise merkt man das meistens erst wenn es zu spät ist.

    Und ganz offen gesagt, das Risiko einer Schwangerschaft mit über 40 Jahren, wenn es sowieso schon Schwierigkeiten gegeben hat, wäre mir zu hoch.

    Adoption wird, zumindest in Deutschland auch nicht in Frage kommen, denn mit über 40 Jahren müssten sie schon ein Promi sein, um überhaupt eine Chance zu bekommen.

    Also wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als sich mit der Situation zu arrangieren. Ich wünsche ihnen dabei viel Glück.

    2 Leserempfehlungen
    • maggy
    • 14. April 2013 11:14 Uhr

    Ich war über 40 Jahre alt und wollte eigentlich kein Kind haben.
    Das Leben verlief auch dementsprechend, dass ich meine Meinung nicht geändert habe. Mein langjähriger Partner war nicht abgeneigt, ich wusste jedoch, dass alles an mir hängen bleiben würde. Dann kam mit über 40 Jahren doch noch ein Kind, zwei Umzüge, Jobwechsel, Wechseljahre, keine Bekannten und Verwandten in der Stadt und eine zerrüttete Ehe.
    Das ist nicht schön! Dann lieber ohne Kind und in einem Job, in dem man sich auskennt, mit Freunden und Bekannten um sich, dass man sich wohl fühlen kann.
    Sicherlich sagt man sich, wenn alles gemacht ist, und man sich ein Kind auch zutraut, dass wohl noch eins kommen könnte, oder zwei. Aber an Kindern scheitern auch Ehen. Die Erziehungsmethoden der neuen Elterngeneration, die ja schon seit ca. 20 Jahren ein Problem darstellen können, machen es vielen Eltern schwer. Es ist schon haarstreubend, wenn ein 1,5-jähriges Kind entscheidet, was es anziehen will.

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    "Aber an Kindern scheitern auch Ehen"

    Nein. Ehen scheitern immer nur an unfähigen Erwachsenen. So viel Verantwortung für das eigene Leben als Volljähriger sollte man dann doch schon aufbringen. Ich würde niemals auf die Idee kommen, Kindern irgendwelche Schuld an den gescheiterten Lebensentwürfen ihrer Erzeuger in die Schuhe zu schieben. Ein Kind hat nicht darum gebeten, geboren zu werden. Insofern darf man es auch niemals zur Last erklären.

  3. Ich wünsche dem Paar auch alles Gute bei der Entscheidung, es noch einmal zu versuchen oder sich aber mit der Kinderlosigkeit zu arrangieren. Ich glaube nicht, dass man das "Schicksal", wahrscheinlich kinderlos zu sein, akzeptieren muss, ohne die medizinischen Mölichkeiten nicht auch mal probiert zu haben. Aber es tut dem Paar sicher gut, immer im Blick zu haben, wo die persönliche Grenze liegt und dass ein Leben auch ohne eigene Kinder sinnvoll sein kann. Es ist so schlimm zu sehen, wenn Freude in dieser Spirale aus Wollen, Versuchen, Hoffen, schrecklicher Enttäuschung, totalem Rückzug und Depression, schließlich neuem Versuch usw. usf. drinstecken und nicht mehr aus diesem Teufelskreis herauskommen, keine Menschen und nichts Anderes an sich heranlassen als die Frage, wann sie den nächsten Versuch starten können. Natürlich ist es bitter, wenn man Kinder liebt und mangels eigener nach "Alternativen" gucken muss. Ich verstehe es auch, wenn manche Menschen dann keine fremden Kinder um sich haben mögen. Es gibt aber auch Fälle wie meine beste Freundin, die von Herzen gerne und mit Hingabe mehrfache Patentante ist.

    4 Leserempfehlungen
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    Die IVF-ICSI ist kein Wundermittel.
    Die Chancen liegen bei 30 bis 40 Prozent pro Versuch.
    Nach 4 Versuchen ist liegt die Erfolgsquote bei 70 bis 80 Prozent.
    Doch manche haben auch erst bei 9. oder beim 10. Versuch Erfolg.
    Eine gute Freundin hat erst beim 7. Versuch ihr Kind bekommen. Die Kosten (über 30.000 Euro) und die Strapazen waren sofort vergessen, als sie das kleine Wesen das erste Mal in den Armen hielt. Schade ist, dass, dank der diskriminierenden Politik der Krankenkassen, viele Paare sich nicht leisten können, so viele Versuche durchzuführen.

  4. 5. [...]

    [...]Vielleicht sollte man, wenn man den eigenen Kinderwunsch auf die Jahre 40+ vorverleget hat, das eigene Ego mal ein bisschen zurückschrauben und den Menschen mit Nachwuchs unter die Hände greifen. Es kann nicht angehen, dass die Kindergeldbezüge in den letzten 20 Jahren quasi stagniert sind und von der Einführung des Elterngelds haben hat viele Menschen, vor allem diejenigen die keine akademische Bildung genossen haben, nicht recht viel.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie bei der Diskussion des konkreten Artikelinhalts. Danke, die Redaktion/jp

  5. Respekt vor der Erkenntnis, dass die Natur sich was vielleicht dabei gedacht, diese beiden Menschen unfruchtbar sein zu lassen. Es ist das eine, zu wissen, dass die Natur die menschliche Fortpflanzung im Großen regelt, es kann nicht jeder seiner Gene weitergeben, Unfruchtbarkeit kann auch ein Schutzmechanismus der Natur sein, die sagt: eure Gene nicht. Aber was theoretisch sich so daher sagen lässt, abstrahiert von Individuen, ist unmöglich in einer Realität eines Paares. Niemand kann einem Paar sagen: es gibt einen Grund, warum ihr keine Kinder kriegt, also erzwingt es nicht. Sowas darf auch nicht sein. Aber ein Paar, das dies für sich positiv nutz, finde ich sehr sehr reif und mutig. Alles Gute!

  6. Das ist soooo unglaublich schwierig, Pflegekinder: nur schwierig. Und wir haben es versucht.

    Zum Thema:

    Wir hätten uns auch arrangiert, den Gedanken wird man aber nie los. Und ich glaube nicht, dass die Frau es erst kurz vor 40 versucht hat. Das wäre jetzt ihre letzte Chance, da hat sie Recht. Ich bin jetzt 35 und nach der 3. ICSI schwanger. Endometriose und ein Mann mit Querschnittlähmung (Tetraplegie, vollständig ab C6) und dadurch nicht fähig zu ejakulieren. Ich glaube nicht, dass sich die Natur dabei viel gedacht hat. Es ist völlig OK, wenn das betroffenen Paar das so für sich interpretiert: Außenstehende sollten von solchen Sätzen die Finger lassen....

    Herzlichste Grüße!

    3 Leserempfehlungen
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    Unser heissgeliebter Sohn kam erst nach dem 3. Versuch.
    Haetten wir so frueh aufgegeben, haetten wir ihn nicht.
    Unfruchtbarkeit ist eine Krankeit, dir wie jede andere bekaempft werden muss.
    Die Natur hat sich nichts dabei gedacht. Es ist nur Pech. Doch wer Ausdauer haz, besiegt die Krankheit oft. Schade, dass man immer als Egoist dargestellt wird, nur weil man auf das natuerlichste der Welt nicht verzichten moechte. Und ein Adoptivkind kann nie ein Ersatz fuer ein leibliches Kind sein.

  7. oder was sonst soll mit diesen Beiträgen erreicht werden? Dass das bibl. "gehet hin und mehret euch" zur Überbevölkerung, Hunger, Armut und der Zerstörrung der Welt geführt hat ist wohl noch nicht angekommen.

    Warum soll/muss der Mensch Kinder bekommen? Vor allem in Zeiten, in denen jeder Elternteil eigentlich besorgt in die Zukunft blicken sollte. Es gibt keinen natürlichen Zwang zum Kinder in die Welt setzen. Weder sind Kinder ein Makel noch sind keine Kinder ein Makel.

    Oder vlt. möchten die Autoren nur dafür sorgen, dass ihre Pension gesichert ist? Dass dies funktioniert möchte ich bezweifeln.

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