Fährt das Rennauto rechts oder linksrum? Steht der Puppe das rote Kleid besser oder der blaue Pullover? Wenn Clara Riewald unter Kindern ist, gibt es nichts Wichtigeres.

Die Freunde sagen: Ihr wärt so tolle Eltern. Unter Kindern sind Clara Riewald* und ihr Mann Peter wahnsinnig beliebt. Die Freunde sagen auch: Eure Kinder wären ganz entzückend. Schwarz und weiß – die gemischten sind die schönsten.

Clara und Peter sind aber leider keine Eltern. Einfach so hat es nicht geklappt, zwei Kinderwunschbehandlungen endeten enttäuschend. Dann haben sie es gelassen. Wir sind auch so glücklich, lässt Peter ausrichten. Mei, sagt Clara. Ist halt so.

Wie haben sie ihren Frieden mit etwas gemacht, woran andere zerbrechen?

Da ist das Wissen, dass Leben selten planbar ist. Ein Job brachte Clara vor drei Jahren von London nach Deutschland. Sie und ihr Mann arbeiten in der Musikbranche. Sie leitet zwei Abteilungen in einem internationalen Unternehmen. Geplant war das nie. Sie hat sich da einfach reingefuchst.

Es wäre gerade okay gewesen

Als die beiden vor sieben Jahren heirateten, war es nicht so, dass jetzt dringend ein Kind hergemusst hätte. Es war einfach ein Zeitpunkt, zu dem es okay gewesen wäre. Die Hochzeit wurde überraschend groß, auf das Getrappel kleiner Füße freuten sich die jamaikanischen Verwandten. Clara setzte die Pille ab und wartete ab. Ein Jahr lang.

Dann fing das Brimborium an. In Großbritannien wird die erste Kinderwunschbehandlung bezahlt. Also wochenlang jeden Tag zur gleichen Zeit Hormone in den Oberschenkel spritzen, täglich zum Bluttest, Ultraschallkontrollen. Vollnarkose, Befruchtung im Reagenzglas, ein paar Tage warten. Welche von den Heinzis müssen weggeschmissen werden? Übrig blieben zwei. Clara konnte die beiden Eizellen im Ultraschall sehen, befruchtet, schicke winzige Punkte. Aus denen kann was werden. Sie redete den beiden gut zu: Das wird was!

Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.

Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 15 Prozent. Plötzlich geht es nur noch um Prozente und Relationen, sagt Clara. Wozu mache ich den Scheiß? Aber vielleicht klappt es bei mir ja, dachte sie. Nach zwei Wochen kam die Regelblutung. Sie war am Boden zerstört.

Hoffen, freuen, bangen, trauern. Miteinander haben Clara und Peter das ausgehalten. Völlig irrational sei sie gewesen, sagt Clara, anmaßend und ungerecht gegenüber anderen. Plötzlich überall Schwangere. Oder das betrunkene Paar, das seine Kinder keifend hinter sich herzieht. So wären wir nie! Und der Neid. So einen Bauch zum Händedrauflegen will ich auch! Zum Glück war Peter rationaler. Wer weiß, wozu das gut ist, sagte er. Sie würden nicht versuchen, auf Teufel komm raus Kinder zu bekommen.