KinderwunschAls wäre jemand gestorben

Sie haben sich für künstliche Befruchtung entschieden, aber schwanger werden sie nicht. Ein Schock für Frauen, die ihr Leben sonst erfolgreich planen. von 

Gabi Müller ist 34, als sie glaubt, sie und ihr Freund könnten ein ganzes Dorf zeugen. Sie hat keine Zweifel, dass sie sofort schwanger wird, sobald sie aufhört zu verhüten. Doch das reicht nicht, um ein Kind zu bekommen, geschweige denn ein ganzes Dorf.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihren fertigen Text können Sie hier einreichen. Beispiele für aktuelle Leserartikel, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie hier. In unseren FAQ können Sie nachlesen, was Sie beim Verfassen Ihres Beitrags beachten sollten. Falls Sie Fragen haben, erreichen Sie uns per Mail an leserartikel@zeit.de.

ALS E-BOOK

Die Serie Ungewollt kinderlos gibt es auch als E-Book. Wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind unerfüllt bleibt - erfahren Sie mehr in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung.

Unser E-Book steht Ihnen dabei als EPUB-Version für Ihren eReader, sowie als MOBI-Version für Ihr Kindle Lesegerät von Amazon zur Verfügung.

Entdecken Sie auch weitere E-Books von ZEIT ONLINE unter www.zeit.de/ebooks.

Jeden Monat setzt pünktlich die Blutung ein. Nach drei Monaten wird Müller unruhig. Nach einem Jahr empfiehlt ein Freund, einen Termin in einer Kinderwunschpraxis zu vereinbaren.

Anzeige

Müller sagt, es sei "wie ein Tod" gewesen, als der Arzt feststellte, dass ihre beiden Eileiter verklebt sind. Dass sie auf natürlichem Weg kein Kind bekommen wird. Monat für Monat fühlt es sich an, als wäre jemand gestorben. Aber es kommt niemand zur Trauerfeier.

Die eigene Not zum Beruf gemacht

Müller lebt in dieser Zeit wie auf einer Insel. Es fällt ihr manchmal schwer, die Brücke zu schlagen zu anderen Menschen, vor allem, wenn sie Kinder bekommen. "Plötzlich lebt die beste Freundin auf einem anderen Planeten", erzählt sie. Die Kinderlose mag das süße Baby nicht sehen und das Jammern über schlaflose Nächte nicht hören.

Ungewollt kinderlos
Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.

Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.  |  © Miriola Dzik/Photocase

Müller fühlt sich gierig. Weil sie auch haben will, was alle anderen scheinbar so einfach kriegen. Andere kinderlose Frauen haben das Gefühl, versagt zu haben. Aber das schlimmste ist der Neid.

Müller hat diese Not später zum Beruf gemacht. Als Psychotherapeutin behandelt sie viele Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Sie sagt, sie beobachte an ihnen oft, was sie selbst erlebt hat: "Hat sich eine Frau für ein Kind entschieden, trifft es sie in ihrer Identität, wenn es nicht klappt."

Fast alles im Griff

Sabine Wiemer* hat es so erlebt. Sie vermutet: "Vielleicht ist es für die besonders hart, die ehrgeizig sind, die die Zähne zusammenbeißen, ihr Leben genau planen und ihre Ziele erreichen. Für Kopfmenschen wie mich." Mit 31 hat Wiemer die entscheidenden Weichen gestellt: das Studium abgeschlossen, die Steuerberatungsprüfung bestanden, geheiratet. Jetzt sollte es losgehen: sowohl mit der Karriere als auch mit der Familie. Vier Kinder will sie haben. Zur Arbeit fährt sie jeden Tag von Hamburg nach Celle in die Kanzlei. Von morgens sieben bis abends halb acht ist sie unterwegs. Beruflich hat sie alles im Griff, aber schwanger wird sie nicht.

© ZEIT ONLINE

Manche Frauen sind so beschämt, dass sie mit niemandem darüber sprechen wollen. Müller rät ihnen, es trotzdem zu tun, auch zu den bösen Gefühlen zu stehen und dazu, dass sie manche alten Freunde vielleicht eine Weile nicht sehen können. Wiemer sagt, für sie sei es eine gute Entscheidung gewesen, offen darüber zu reden: "Ich trage sowieso immer mein Herz auf der Zunge. Und ich habe sehr viel ehrliches Mitgefühl erlebt." Anders als viele andere Frauen in der Situation tut es ihr gut, mit den vielen Kindern ihrer Freunde zu spielen und fünfmal Patentante zu werden.

Aber auch ihr bleiben blöde Sprüche, Indiskretionen und Übergriffe nicht erspart: "Kauf dir mal hübsche Wäsche, dann wird's schon klappen." Müllers Freunde plauderten über ihre Eierstöcke. Eine Mutter drückte ihr ungefragt ein Baby in den Arm: "Du wünschst dir doch eins, darfst mal meins halten." Viele ahnen gar nicht, wie Sätze à la "Lass mal locker", und "Adoptier' doch eins" verletzen können.

Künstliche Befruchtung ja oder nein?

Müller sind Hormonbehandlungen, schmerzhafte und entwürdigende Untersuchungen egal. Sie ist bereit, alles mitzumachen. Sie hat großes Vertrauen in die Medizin. Vielen Frauen fällt die Entscheidung jedoch schwer, in ihren Körper und in die natürlichen Abläufe derart einzugreifen.

Wiemer versucht deshalb, das Problem herunterzuspielen. Ihre Diagnose war schließlich nicht ganz hoffnungslos, immerhin waren ihre Eileiter noch ein wenig durchlässig. Sie versucht es mit Homöopathie und liest Bücher, die Alternativen zur medizinischen Kinderwunschbehandlung versprechen. Sie sagt aber auch: "Ich hatte gar nicht die Zeit, mich wirklich darum zu kümmern."

So vergehen manchmal Jahre, in denen die Hoffnung bleibt und die Verzweiflung immer stärker wird. Als Wiemer sich schließlich doch schulmedizinisch behandeln lässt, bricht sie jedes Mal weinend zusammen, wenn sie ihre Tage bekommt. Die Wahrscheinlichkeit, mit der gewählten Methode, der Insemination, schwanger zu werden, liegt für sie nur bei fünf bis zehn Prozent. Obwohl Wiemer das weiß, kann sie nicht ertragen, dass sie nun endlich handelt – aber nichts bewirkt.

Leserkommentare
    • FrauM
    • 09. April 2013 15:42 Uhr

    Wie schön, dass diese Artikel doch immer damit enden, dass die jahrelang unglücklichen, vom Schicksal gebeutelten Frauen spät doch noch das Kindeglück erfahren. Es ist nicht wirklich erstaunlich, dass dann alle diese unglücklichen Frauen sich die jahrelange Bahnhofs-Vohallen Atmosphäre in ihrem Leben antun und sich auf die IVF einlassen.

    An alle da draußen: Lest ein Buch, z B von Martin Spiewak, und macht euch klug, wieviele von euch tatsächlich ein Baby nach Hause tragen können! Es sind etwa 20% aller derer, die sich für die IVF Behandlung entscheiden, d.h. 80% (!) von euch werden nie ihr Baby in den Händen halten, egal was die Damen und Herren Professoren euch erzählen. Ihr seid Konsumware der Medizin - das sollte man wissen bevor man sich auf eine jahrelange Reise begibt...

    Und das "echte" Ende der Geschichte wäre demnach: Sie macht sich verrückt, zahlt Unmengen an Erspartem und muss sich letztendlich damit abfinden, keine Kinder zu haben.

    Übrigens: Man wird dann auch ohne Kind wieder ein Mensch und kann glücklich leben :-)

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nur: Kinderwunsch ist ein irrationaler Wunsch und unterliegt nicht statistischen Überlegungen.
    An den geschilderten Fällen - auch wenn beide letztendlich glücklich ausgingen, was ein Leser zu Recht als Schönfärberei kritisieren darf - wird ersichtlich, wie sehr beide Paare jahrelang in einer Zwischenwelt lebten. Einerseits sollten die persönlichen Voraussetzungen für Kinder erhalten bleiben (kein Loft in der HH-Hafencity) und andererseits die Tür für den Plan B Karriere auch nicht zuschlagen werden.
    Kinder haben zu wollen ist weder egoistisch noch rational oder sonst irgendwie erklärbar. Es scheint ein Urwunsch zu sein.

    " Lest ein Buch, z B von Martin Spiewak, und macht euch klug, wieviele von euch tatsächlich ein Baby nach Hause tragen können! Es sind etwa 20% aller derer, die sich für die IVF Behandlung entscheiden, d.h. 80% (!) von euch werden nie ihr Baby in den Händen halten, egal was die Damen und Herren Professoren euch erzählen. Ihr seid Konsumware der Medizin - das sollte man wissen bevor man sich auf eine jahrelange Reise begibt..."

    Das stimmt so nicht ganz oder besser gesagt ist falsche Interpretation der Statistik.

    Laut deutschem IVF-Register ist die "Baby-Take-Home-Rate" pro Versuch bei etwa 20%. Die kumulative Schwangerschaftsrate nach 3 Zyklen liegt aber schon bei bei über 50%.
    Das ist zwar immernoch keine Garantie, aber schon was anderes als "80% werden nie ein Baby halten"

    Die statistische Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft bleibt bis zum 4.-5. Behandlungszyklus etwa gleich. Die kumulative Schwangerschaftsrate nach bis 4-5 Behandlungen liegt bei 70%

    Bevor Sie solche Kommentare abgeben, so denken Sie doch bitte nochmal alles durch. Solche lapidaren Aussagen könnten Lesern, die sich gerade in einer Behandlung befinden, ganz schön zusetzen. Natürlich gibt es auch viele, die immer und immer wieder Behandlungen in Kauf nehmen und bei denen es am Ende einfach nicht klappt. Das ist sehr traurig. Trotz allem ist die IVF und seine verwandten Behandlungsmethoden eine vielversprechende Möglichkeit. Und die Nummer beziehen sich auch auf ganz Deutschland im Schnitt. Es gibt auch einige Praxen, die weit besser abschneiden als die berühmte 20%-Marke pro Zyklus. (http://www.fertilitaet.de...)

    ... würden viele Kinder nicht geboren werden, egal ob die Erfolgsquote nun bei 20 oder 50% liegt. Und die anderen haben wenigstens die Gewissheit alles versucht zu haben. Denn, was im Leben bereut, sind doch meistens die verpasste Chancen.

    Das heißt, umso mehr Versuche, desto höher die Chance!
    Nach 4 Versuchen liegt die gesamte Wahrscheinlichkeit bei 80%, wenn die Frau unter 35 ist! Das können Sie im deutschen IVF- Register gerne nachlesen.
    http://www.deutsches-ivf-...
    Warum schmeißen Sie mit Zahlen um sich um, wenn Sie keine Ahnung haben?
    Und woher wollen Sie wissen, dass man auch ohne Kinder glücklich wird? Ich wäre es nicht geworden!
    Ich bin auf jeden Fall glücklich, mich zur "Konsumware der Medizin" gemacht zu haben. Ohne die IVF hätte ich nämlich meinen wunderschönen Sohn nicht.

  1. Für eine moderne Familienpolitik sollte Familie nicht erst mit der Geburt eines Kindes beginnen. Familie ist auch dort, wo sie geplant wird, wo Kinder zum Lebensentwurf gehören und sehnlichst herbeigewünscht werden.

    Gerade in Zeiten sinkender Geburtenraten müssen auch in Deutschland Kinderwunschbehandlungen besser gefördert und Kinderwunschpaare auf ihrem Weg zur Familiengründung bestmöglich unterstützt werden.

    Seit 2004 müssen Paare, die aus medizinischen Gründen eine Kinderwunschbehandlung in Anspruch nehmen wollen, mit einem Eigenanteil von durchschnittlich 1600 Euro pro Behandlungszyklus rechnen. Bei den oft notwendigen drei Behandlungszyklen liegen die Kosten bei 4.800 Euro - eine Belastung, die gerade junge Paare oft vor dem Gang zum Arzt zurückschrecken lässt.

    Die Geburtenzahlen und die Entwicklung der Behandlungszahlen bei Kinderwunschpaaren seit 2004 zeigen deutlich: Wer bei Kinderwunschbehandlungen spart, hindert Paare massiv daran, ihren Wunsch nach Nachwuchs und Familie zu verwirklichen.

    Meine 2 Nichten haben es 3x mal hinter sich und sind nicht reicher durch ein Kind aber ärmer im Geldbeutel....

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In einem gebe ich Ihnen Recht: Diese Situation ist ein Fall für die Familienpolitik.
    Aber es wäre der falsche Ansatz, künstliche Befruchtung zu subventionieren. Es muss in unserer Gesellschaft wieder möglich sein, auch als beruflich ambitionierte Frau zeitig - idealerweise vor dem 30. Lebensjahr - mit der Fortpflanzung zu beginnen. Aber darauf ist unsere berufliche Landschaft nicht ausgelegt.

    Und ich weiß, wovon ich rede - habe mit mit Kleinkind durchs (Medizin-)Studium gequält. ich bereue das überhaupt nicht - aber es war streckenweise unnötig hart.

    Es muss in unserer Gesellschaft wieder möglich sein, auch als beruflich ambitionierte Frau zeitig - idealerweise vor dem 30. Lebensjahr - mit der Fortpflanzung zu beginnen. Aber darauf ist unsere berufliche Landschaft nicht ausgelegt.

    Was nutzt es wenn ich unfruchtbar bin mit der Fortpflanzung vor dem 30. Lenbensjahr zu beginnen? Die Unfruchtbarkeit setzt ja nicht nach dem 30. Lebensjahr ein.

    MfG
    P

  2. Auch mir stößt das doppelte Happy End sauer auf. Ich hoffe, es kommt noch ein Artikel, der wirklich den Satz stehen lassen kann: Es ist etwas gestorben. Zumal ja auch dann eine neue harte Phase erst beginnt: Die Trauer.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dem kann ich mich nur anschließen. Anhand der Überschrift dachte ich zunächst, meine Situation wiederzufinden. Wenn die Behandlungen letztlich zum Erfolg führen, kann man m.E. nicht davon sprechen "als wäre jemand gestorben" - es ist ja ein Kind geboren worden. Wenn alle Behandlungen erfolglos bleiben, und man den Kinderwunsch begraben muss, dann fühlt es sich an wie der Verlust eines nahen Angehörigen und die harte Trauerarbeit beginnt.

    • Krin
    • 09. April 2013 18:10 Uhr

    "Rolchen" kann ich nur beipflichten.
    Bis zum vorletzten Absatz habe ich gedacht, der Artikel spricht mir aus der Seele.
    Beim ersten Versuch machen solch positive Beispiele noch Hoffnung, nach dem vierten eher Angst, dass auch der fünfte eine Enttäuschung wird und man selbst zu den x% derer gehört, bei denen die künstliche Befruchtung leider nicht hilft.
    Ich bin gespannt auf einen Artikel zu dem Thema, was dann kommt, wenn der Kinderwunsch endgültig begraben wurde. Vielleicht wird dies ja zum Schluss der Themenwoche unter "Ungewollt kinderlos: ist halt so" behandelt.
    Trotzdem freue ich mich für Wiemer und Müller. Ehrlich und ohne Neid. Über die Phase bin ich Gott sei Dank hinaus...

  3. Ich selber war überrascht, als ich mit Mitte 30 nach nur 2 Monaten schwanger wurde. Ich habe nun seit fast einem Jahr eine kleine Tochter. In meinem Freundeskreis gibt es jedoch viele, die gerne Kinder hätten und oft (beruflich bedingt) noch nicht mal in Partnerschaften sind. Sie sind beruflich so sehr eingespannt, dass selbst die Partnersuche eine riesige Hürde darstellt. Meine Freundinnen sind mittlerweile Ende 30/Anfang 40. Ich weiß schon seit unserer Studienzeit, dass es bei ihnen immer einen Kinderwunsch gab. Sie sind auch keine "Karrieretussis", die bewußt auf Partner und Kinder verzichtet hätten. Der nackte Kampf um die eigene Existenz ließen einfach kaum Freiraum. Und jetzt, nach der beruflichen Etablierung, wird Ihnen bewußt, dass die Verwirklichung des Kinderwunsches schwer wird. Mich belastet das auch und ich fühle mich oft hilflos. Oft traue ich mich kaum, mit den betroffenen Freunden darüber zu reden, zu fragen, ob es einen Partner gibt etc. Ich will nicht zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Wenn ich Neues von mir berichte, stehen aber zwangsläufig meine Elternzeit und die einzelnen Entwicklungsschritte meines Babys im Mittelpunkt. Wie wäre hier die "beste" Vorgehensweise? Das Thema kann man schlecht ignorieren. Vielleicht können Betroffene berichten, wie man ohne zu verletzen kinderlosen Menschen gegenüber treten oder sie (ohne Druck zu machen) unterstützen kann. Ich wünsche jedenfalls allen, die sich sehnlichst ein Kind wünschen viel Erfolg und Kraft.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Als kinderlose Frau in dieser Situation, finde ich es schoen, dass Sie sich (anders als die meisten Eltern) diese Gedanken machen.

    An ihrer Stelle wuerde ich einfach abwarten, ob Ihre Freundinnen das Kinderthema von alleine ansprechen. Wenn sie es nicht tun, wird es seine Gruende haben. Es ist auch absolut ok, wenn Sie von Ihrem Kind und seinen Entwicklungsfortschritten erzaehlen, aber es ist natuerlich acuh schoen, wenn das nicht das einzige Thema ist, dass Sie bewegt. Vielleicht koennen Sie die Treffen mit Ihren Freundinnen ja auch nutzen um mal eine Pause vom Mutter-Sein einzulegen und auch einmal wieder ueber anderes sprechen zu koennen.

    Für mich die "beste" Vorgehensweise: das Thema Kinder ignorieren. Wenn Sie ihre Freundinnen seit der Studienzeit kennen, haben sie sicherlich gemeinsame Hobbies, vielleicht den gleichen Beruf - genug Dinge, über die man sich austauschen kann. Ich bin am liebsten mit den Freundinnen zusammen, die nur am Rande von ihren Kindern berichten oder nur auf ausdrückliche Nachfragen überhaupt was von Beschwerden der Schwangerschaft berichten. Ansonsten würde ich noch als "Bedienunsanleitung für den Umgang" nennen: Fragen, was diejenige gerade gerne hätte oder braucht. Und aushalten/ akzeptieren dass die Antwort heute was völlig anderes sein kann als gestern.
    Unterstützen: in dem man die Freundschaft weiter pflegt. Ich habe so ein bisschen den Eindruck, als würde mein bekinderter Freundeskreis die Beziehungspflege, das regelmäßige mailen oder anrufen und Termine vorschlagen und organisieren, jetzt mir überlassen, weil ich hab ja Zeit, ich hab ja keine Kinder. Mich freut immer sehr, wenn ich mal nicht diejenige bin, die um ein Treffen "bettelt".
    Ob das jetzt für ihre Freundinnen auch so gilt, weiß ich natürlich nicht - ein intensiverer Austausch mit anderen ungewollt Kinderlosen in meinem Bekanntenkreis scheitert jedenfalls daran, dass wir alle sehr unterschiedlich damit umgehen und andere Bedürfnisse haben.

    Ich kenne natürlich Ihre Freunde nicht, aber ich kann Ihnen zur Verfügung stellen, wie es mir geht. Vielleicht hilft Ihnen das: Ich freue mich über die Kinder meiner Freunde und Verwandten. Ehrlich und von Herzen. Ich habe ein ehrliches Interesse an ihnen. Wären mir Kinder gleichgültig, würde ich mir keine wünschen.
    Für mich ist es immer am kränkensten, wenn mich Freunde mit Kindern plötzlich - und sei es in der guten Absicht mich zu schonen - meiden, mir nichts mehr erzählen oder gar anfangen mein Leben als nichtig zu belächeln. Auch das kann ich zwar nachvollziehen, Eltern haben ganz andere Sorgen als ich, das ist einfach so. Aber es bleibt ein Moment der Kränkung, den ich hinnehmen muss. Manchmal nicht ganz so still und rücksichtsvoll, wie ich wünschte. Dann kommen Momente der Ungerechtigkeit und des Neids.
    Ich bin gerne Patentante, bringe mich mit Zeit und meinem Wesen in die Familie ein. So wie ich es kenne. Meine Patentante, die selbst keine Kinder hat, hat mein Leben insgesamt bereichert. Durch ihre Perspektive,ihre Art, auch mal mit Geld.Das möchte ich auch.
    atürlich gibt es da Momente der Trauer und Bitterkeit. Wenn man mich dann einfach weinen lässt, reicht das völlig. Zumindest vor engen Freunden möchte ich mich nicht permanent zusammenreißen müssen.
    Das Glück meiner Freunde schmerzt mich nicht, es freut mich. Auch das sollten Sie vielleicht nicht zurückweisen, wenn sie kommt: Die ehrliche Mitfreude. Das kann sehr kränkend sein.

    • kascho
    • 07. Mai 2013 12:15 Uhr

    Ihre Freundinnen können sich glücklich schätzen, Sie zu haben.

    Wenn Sie "Entspannt Euch, dann wird's etwas", "Das ist einfach Schicksal", "Eine Freundin ist noch mit 46 schwanger geworden", "Ich kenne da einen tollen Astrologen/Homöopathen/Arzt" usw. NICHT sagen, liegen Sie schon ganz weit vorn. Geben Sie keine Ratschläge. Hören Sie einfach zu, wenn ihre Freundinnen mit Ihnen sprechen wollen und versuchen Sie zu verstehen, wie sie sich fühlen.

    Sollten Sie sich mit dem Thema Unfruchtbarkeit beschäftigen wollen und gut English verstehen, empfehle ich Dawn Davenports Radiosendung und Blog Creatingafamily.org. Davenport interviewt hochkarätige Experten zu Unfruchtbarkeit, IVF und Adoption. Für mich war Creating a Family eine unerschöpfliche Quelle der Information.

    Für mich war unsere Unfruchtbarkeit kein Problem, denn ich stamme aus einer Patchworkfamilie und weiß daher, dass Familie und Genetik nichts miteinander zu tun haben müssen. Ich habe allen meinen Freundinnen ihre Babies gegönnt und mich auch gern mit ihnen darüber unterhalten. Meine Fehlgeburt habe ich als Erfahrung abgehakt.

    Für mich stand immer fest, dass ich Mutter werden würde und das hat mir geholfen. Mittlerweile bin ich die Mutter der zwei wunderbarsten Mädchen der Welt. Sie kamen zu uns als sie 5 und 6 Jahre alt waren und wir vier sind unbeschreiblich glücklich!

  4. dem kann ich mich nur anschließen. Anhand der Überschrift dachte ich zunächst, meine Situation wiederzufinden. Wenn die Behandlungen letztlich zum Erfolg führen, kann man m.E. nicht davon sprechen "als wäre jemand gestorben" - es ist ja ein Kind geboren worden. Wenn alle Behandlungen erfolglos bleiben, und man den Kinderwunsch begraben muss, dann fühlt es sich an wie der Verlust eines nahen Angehörigen und die harte Trauerarbeit beginnt.

    5 Leserempfehlungen
  5. 6. Hm...

    Als kinderlose Frau in dieser Situation, finde ich es schoen, dass Sie sich (anders als die meisten Eltern) diese Gedanken machen.

    An ihrer Stelle wuerde ich einfach abwarten, ob Ihre Freundinnen das Kinderthema von alleine ansprechen. Wenn sie es nicht tun, wird es seine Gruende haben. Es ist auch absolut ok, wenn Sie von Ihrem Kind und seinen Entwicklungsfortschritten erzaehlen, aber es ist natuerlich acuh schoen, wenn das nicht das einzige Thema ist, dass Sie bewegt. Vielleicht koennen Sie die Treffen mit Ihren Freundinnen ja auch nutzen um mal eine Pause vom Mutter-Sein einzulegen und auch einmal wieder ueber anderes sprechen zu koennen.

    5 Leserempfehlungen
  6. Nur: Kinderwunsch ist ein irrationaler Wunsch und unterliegt nicht statistischen Überlegungen.
    An den geschilderten Fällen - auch wenn beide letztendlich glücklich ausgingen, was ein Leser zu Recht als Schönfärberei kritisieren darf - wird ersichtlich, wie sehr beide Paare jahrelang in einer Zwischenwelt lebten. Einerseits sollten die persönlichen Voraussetzungen für Kinder erhalten bleiben (kein Loft in der HH-Hafencity) und andererseits die Tür für den Plan B Karriere auch nicht zuschlagen werden.
    Kinder haben zu wollen ist weder egoistisch noch rational oder sonst irgendwie erklärbar. Es scheint ein Urwunsch zu sein.

    8 Leserempfehlungen
  7. Für mich die "beste" Vorgehensweise: das Thema Kinder ignorieren. Wenn Sie ihre Freundinnen seit der Studienzeit kennen, haben sie sicherlich gemeinsame Hobbies, vielleicht den gleichen Beruf - genug Dinge, über die man sich austauschen kann. Ich bin am liebsten mit den Freundinnen zusammen, die nur am Rande von ihren Kindern berichten oder nur auf ausdrückliche Nachfragen überhaupt was von Beschwerden der Schwangerschaft berichten. Ansonsten würde ich noch als "Bedienunsanleitung für den Umgang" nennen: Fragen, was diejenige gerade gerne hätte oder braucht. Und aushalten/ akzeptieren dass die Antwort heute was völlig anderes sein kann als gestern.
    Unterstützen: in dem man die Freundschaft weiter pflegt. Ich habe so ein bisschen den Eindruck, als würde mein bekinderter Freundeskreis die Beziehungspflege, das regelmäßige mailen oder anrufen und Termine vorschlagen und organisieren, jetzt mir überlassen, weil ich hab ja Zeit, ich hab ja keine Kinder. Mich freut immer sehr, wenn ich mal nicht diejenige bin, die um ein Treffen "bettelt".
    Ob das jetzt für ihre Freundinnen auch so gilt, weiß ich natürlich nicht - ein intensiverer Austausch mit anderen ungewollt Kinderlosen in meinem Bekanntenkreis scheitert jedenfalls daran, dass wir alle sehr unterschiedlich damit umgehen und andere Bedürfnisse haben.

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Ungewollt kinderlos
  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Baby | Heide | Körper
Service