Das deutsche Türkenklischee vom konservativen anatolischen Bauern hatte Leser Ozan Solmus als Deutschtürke selbst verinnerlicht. Mittlerweile sieht er die Dinge anders.
Eigentlich bin ich Deutscher. So steht es in meinem Pass. Faktisch bin ich Deutschtürke. Dafür gibt es keine klare Definition.
Bin ich Deutschtürke, weil ich hier in korrektem Deutsch schreibe? Bin ich Deutschtürke, wenn ich in einem bestimmten Bezirk der Hauptstadt lebe und ein bayerisches Auto fahre, oder wenn ich im Türkeiurlaub durch meinen deutschen Akzent auffalle?
Viele Menschen stellen sich wohl ähnliche Fragen, egal was in ihrem Pass steht und wo sie leben. Inwiefern ist man ein typischer Deutscher oder Türke?
Als Deutschtürke habe ich oft erlebt, dass andere Menschen mich falsch einschätzten. Früher empfahlen Lehrer meinen Eltern, mich trotz guter Noten auf die Realschule zu schicken. Heute stoße ich als Medizinstudent zwar auf wohlwollendes Interesse, doch dahinter steckt unausgesprochen meist die große Überraschung, dass ich – als Kind türkischer Migranten – einen so anspruchsvollen Weg beschreite.
Natürlich bin ich integiert. Aber Deutscher bin ich scheinbar dennoch nicht.
Lange Zeit glaubte ich, ich müsse mich zwischen Tradition und Moderne entscheiden, um irgendwo dazu zu gehören. Tradition bedeutet in diesem Zusammenhang: Türkei. Doch das war falsch, denn mein eigenes Türkenbild entsprach der klischeehaften deutschen Wahrnehmung: konservativ, streng, traditionell.
Das in Deutschland verbreitete Türkenbild konzentrierte sich auf anatolische Bauern, die in den siebziger Jahren als Gastarbeiter angeworben worden waren. Andere Milieus, etwa die Istanbuler Bildungselite, wurden in Deutschland damals nicht wahrgenommen.
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Es war so, als würden bayerische CSU-Wähler massenhaft in die Türkei auswandern: Dirndl, Bier und Weißwurst, Konservatismus, Schwulenfeindlichkeit und ein sehr traditionelles Familienbild. Welcher Türke würde bei Deutschland dann an die moderne Berliner Kunstszene oder Kölner Karneval denken, an emanzipierte Frauen und einen homosexuellen Außenminister? Nur gibt es in der Türkei eben keine bayerische Minderheit.
Aber Menschen wie mich gibt es weltweit millionenfach: Mexikaner in den Vereinigten Staaten, Inder in Großbritannien und Senegalesen in Paris. Wir sind ein Produkt der Globalisierung.
An uns kann man deutlich sehen, dass Menschen nicht in Schubladen passen.






Ich hatte den Reflex selbst, aber nun muss ich doch schmunzeln: Während „die Türken“ leider irgendwie schon gesellschaftlich akzeptiert – man wird’s ja wohl mal sagen dürfen – zumindest ein wenig bildungsfeindlich gegenüber Mädchen, Macho-freundlich gegenüber Männern und islamisch konservativ gegenüber allen anderen wahrgenommen werden, springen die Schnappreflexe sofort an, wenn jemand Menschen mit Bayern überspitzt und ironisch mit Dirndl und Würsten assoziiert.
Ich wünsche dem Autor viel Glück bei seinem Kulturspagat. Die berühmte Selbstfindung ist für junge Menschen nie leicht, und gerade hier in D wird sie schwieriger, je mehr Punkte hinzukommen. Während z.B. meine Bekannten aus Amerika freimütig über ihre „black roots“ oder ihren „New York Rythm“ debattieren, stößt man hier schon schwer auf Verständnis bei Umzügen und Umgewöhnungen von der Großstadt aufs Land, bzw. vice versa. Da müssten wir wohl etwas lockerer werden…
Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen. Danke, die Redaktion/fk.
Wir wohnen seit kurzem in einer Gegend mit schönen Altbauhäusern, nicht ganz günstigen Mieten und schönen Ausblick auf ein naheliegendes Gewässer. Hier gibt es, augenscheinlich, nur deutsche.
Morgens ab 8 Uhr: Volles Rohr Musik, (2 Stockwerke unter uns) so das man nicht mehr schlafen kann. Müll: seit 2 Wochen auf der Straße, Sperrmüll ebenfalls. (kann dem Wetter geschuldet sein) aber immer wenn die Tonnen voll sind (niemand trennt Müll um zu reduzieren,) wird VOR die Tonne gestellt ohne den Versuch mal ein bischen zu quetschen. Aufgerissene Müllesäcke sind die Folge. Jemand hat meine alte Vespa umgefahren (wohl beim einparken) und hat sich nicht gemeldet.
Möglicherweise, so wie sie Ihren Türkeiaufenthalt beschreiben, wohnen Sie in einer Gegend mit deutschen, deswegen diese undeutsche Unordnung.
Als meine Frau und ich kürzlich einen Bericht über einen Slum sahen, in dem die Menschen dort ihr Geschäft vor dem Haus machen und ihren Müll in die Kloake werfen die dann verstopfte, wunderten wir uns über die mangelnde Eigeninitive mal etwas weg zu räumen. zumindest den Müll ausserhalb der Wellblechhütten zu lagern, dann viel uns ein wie es bei uns vor der Haustür läuft. Da wird Müll vor die Tür geworfen obwohl die Müllabfuhr rechtzeitig kommt und ihn mitnimmt. Da haben wir gemerkt das es nicht der Herkunft geschuldet ist wie jemand mit seinem Müll umgeht.
Wahnsinn was hier einige Teilnehmer so zum besten geben. Ist fast so spannend wie Müll vor der Haustür oder laute Türken :)
den Kommentar doch nicht so Ernst! Bleiben Sie doch, wie schon mehrfach beschrieben ein wenig locker. Dann ist alles halb so wild!!!
Wer sind Sie, hier den Pförtner zu spielen? Wer ist "wir", und was soll das großgönnerische Getue? Repräsentieren Sie etwa das dt. Grundgesetz?
Außerdem ist der Artikelschreiber Deutscher; steht im ersten Satz: "Eigentlich bin ich Deutscher. So steht es in meinem Pass", was Sie anscheinend überlesen haben.
Falsch verstandene oder gar geheuchelte Philanthropie ist fast genau so schlimm wie sein Gegenteil.
jeder hat das recht "pförtner" zu spielen und jeder mit deutschem pass ist auch repräsentant des grundgesetzes, auch wenns schmerzlich ist.
warum fühlen sie sich davon provoziert?
jeder hat das recht "pförtner" zu spielen und jeder mit deutschem pass ist auch repräsentant des grundgesetzes, auch wenns schmerzlich ist.
warum fühlen sie sich davon provoziert?
bei 80-90% "türkischen" nachbarn die verbleibenden 10% stark daran beteiligt sind, dass es keinen kontakt und kein miteinander gibt bzw. vielleicht selbst ein großer teil des problems?
wo waren sie denn in der türkei? südküste? ;)
die von ihnen beschriebene situation finden sie überall, auch in der türkei, es kommt nur darauf an, was man draus macht. ich habe ein zeit lang in istanbul in einem viertel gewohnt, wo ca 90% russische nachbarn waren. auch dort gabs momente, wo sich die türken über laute musik oder müll gewundert haben. und auch dort wird es den einen oder anderen grießgram geben, der sich innerlich ständig darüber ärgert. gefühlt jedoch findet man sich dort damit ab, zumindest soweit, dass man am abend zusammen auf der straße steht, etwas isst oder redet. würden sie das mit ihren nachbarn tun? ehrliche antwort!
das problem ist doch, dass viele hier das gefühl haben, man würde ihre alltagskultur verdrängen. die deutschen ruhezeiten, der umgang mit müll usw. dem liegt aber der irrtum zugrunde, dass es an einem ort nur eine alltagskultur geben darf/kann, der damit begründet wird, dass wir hier ja in deutschland sind und nicht woanders. denjenigen kann man das nichtmal vorwerfen, die glauben da fest dran, sind so erzogen. mit der realität hat das trotzdem nichts zutun. jeder mensch hat seine eigene alltagskultur, unabhängig der herkunft, und die mischt und reibt sich mit der des anderen. muss man akzeptieren oder sich eben einmauern. dunno :)
jeder hat das recht "pförtner" zu spielen und jeder mit deutschem pass ist auch repräsentant des grundgesetzes, auch wenns schmerzlich ist.
warum fühlen sie sich davon provoziert?
Keine natürliche Person kann das Grundgesetz tatsächlich als auch rechtlich repräsentieren. Hier ist eine begriffliche Differenzierung vonnöten.
Provokation erregt der Kommentar, weil er übersieht, dass der Artikelschreiber bereits Deutscher ist, und somit nicht extra willkommen geheißen werden muss; und weil die gönnerische, libertine Attitüde gerade darum verdächtig wirkt.
Keine natürliche Person kann das Grundgesetz tatsächlich als auch rechtlich repräsentieren. Hier ist eine begriffliche Differenzierung vonnöten.
Provokation erregt der Kommentar, weil er übersieht, dass der Artikelschreiber bereits Deutscher ist, und somit nicht extra willkommen geheißen werden muss; und weil die gönnerische, libertine Attitüde gerade darum verdächtig wirkt.
Keine natürliche Person kann das Grundgesetz tatsächlich als auch rechtlich repräsentieren. Hier ist eine begriffliche Differenzierung vonnöten.
Provokation erregt der Kommentar, weil er übersieht, dass der Artikelschreiber bereits Deutscher ist, und somit nicht extra willkommen geheißen werden muss; und weil die gönnerische, libertine Attitüde gerade darum verdächtig wirkt.
sie schrieben: "Wer sind Sie, hier den Pförtner zu spielen? Wer ist "wir", und was soll das großgönnerische Getue? Repräsentieren Sie etwa das dt. Grundgesetz?"
von begrifflicher differenzierung keine spur. "natürliche person" und "rechtlich" bringen sie erst auf nachfrage ins spiel. und darum ging es in dem beitrag, der sie provoziert, auch nicht, das wissen sie selbst.
mir ist klar, worauf sie hinaus wollen, aber ich persönlich finde es schwierig, von ein paar geschriebenen sätzen im internet auf die motive einer person rückzuschließen, verdächtiger ausdruck hin oder her. es werden soviele verdächtige wörter und aussagen getroffen, einfach weil die leute die nachäffen bzw unbewusst übernehmen, ohne zu wissen, was damit gemeint ist. beispiele, die mir in jüngster zeit aufgefallen sind: "gutmensch, säbel-rasseln, gesinnungsterror, mullah-regime oder regime generell, usw...."
egal, am besten weiter mit dem thema.
sie schrieben: "Wer sind Sie, hier den Pförtner zu spielen? Wer ist "wir", und was soll das großgönnerische Getue? Repräsentieren Sie etwa das dt. Grundgesetz?"
von begrifflicher differenzierung keine spur. "natürliche person" und "rechtlich" bringen sie erst auf nachfrage ins spiel. und darum ging es in dem beitrag, der sie provoziert, auch nicht, das wissen sie selbst.
mir ist klar, worauf sie hinaus wollen, aber ich persönlich finde es schwierig, von ein paar geschriebenen sätzen im internet auf die motive einer person rückzuschließen, verdächtiger ausdruck hin oder her. es werden soviele verdächtige wörter und aussagen getroffen, einfach weil die leute die nachäffen bzw unbewusst übernehmen, ohne zu wissen, was damit gemeint ist. beispiele, die mir in jüngster zeit aufgefallen sind: "gutmensch, säbel-rasseln, gesinnungsterror, mullah-regime oder regime generell, usw...."
egal, am besten weiter mit dem thema.
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