Political CorrectnessKeine Lizenz zum Abkotzen

Warum glaubt jeder dritte Deutsche, es gäbe keine Meinungsfreiheit? Weil alles als Zensur gilt, was den eigenen Meinungsnarzissmus beschneidet, kommentiert M. Dusini. von Matthias Dusini und Thomas Edlinger

In einem der nach objektiven Maßstäben freiesten Länder der Welt, Deutschland, glaubt ein Drittel der Bürger, es gäbe keine Meinungsfreiheit. Diesen erstaunlichen Befund brachte eine von ZEIT ONLINE in Auftrag gegebene Umfrage. Jeder dritte Deutsche also empfindet den eigenen, subjektiven Kosmos als geknebelt. Mit der "Alternative für Deutschland" bietet sich nun eine Partei an, zum Sammelbecken dieser Wut auf die vermeintliche Meinungsdiktatur zu werden.

Auch ohne Statistik: In vielen Debatten der vergangenen Monate ist das Unbehagen über Eingriffe in den persönlichen Artikulationsradius unüberhörbar. Der Beschwerdechor der angeblich Drangsalierten ist vielstimmig und reicht von der Rechtsrockband, die sich von öffentlichen Ehrungen ausgeschlossen sieht, bis zum liberalen Publizisten, der das "totalitäre Gebaren der Weltverbesserer" anprangert.

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EU- und islamfeindliche Internetblogs wie Politically Incorrect und Unzensuriert gehören ebenso dazu wie die bürgerlichen Leser von Thilo Sarrazin, dessen Erkenntnisse über die Migration am Mainstream der "Moralapostel" abprallt. Feuilletonisten heulen wegen der Streichung des Wortes "Neger" aus Kinderbuch-Klassikern ebenso auf wie die Anhänger deftiger Hausmannskost, die um ihr "Zigeunerschnitzel" fürchten.

Matthias Dusini

wurde 1967 in Meran geboren und ist Kunstkritiker bei der Zeitschrift Falter in Wien. Zusammen mit Thomas Edlinger hat er im Jahr 2012 das Buch In Anführungszeichen: Glanz und Elend der Political Correctness in der edition suhrkamp veröffentlicht,
 

"Zensur" meint dann nicht mehr das Schwärzen unliebsamer Stellen durch den Staat (das es ja gar nicht gibt), sondern die kleine Beschneidung in Wort und Bild. Was früher einmal als legitimer Faustschlag in einem ideologischen Boxkampf weggesteckt worden wäre, gilt heute als Verletzung, die mit Empörung geahndet wird. Statt "Kommunist" heißt es heute "politisch Korrekter", der "Sexist" und "Rassist" hat den "faschistoiden Kleinbürger" als Feindbild abgelöst.       

Auch in der digitalen Sphäre, in der die Lizenz zum Abkotzen in die ungeschriebene Verfassung hineinreklamiert wird, tauchen schwarze Balken auf. "Entfernt. Bitte verzichten Sie auf persönliche Angriffe", heißt es nicht selten unter den Kommentaren der ZEIT-ONLINE-Leser. Diese erregen sich dann wiederum über die vermeintliche Zensur. Gleichzeitig durchkämmt das Unternehmen Facebook die Seiten seiner Nutzer ganz ungeniert nach nackten Brüsten und rauchenden Joints – und stößt dabei auf erstaunlich wenig Widerstand der Betroffenen.

Im kommerzialisierten Raum der sozialen Netzwerke ist die Bereitschaft groß, auf das Recht auf Privatsphäre und Datenidentität zu verzichten. Umso ungehemmter nutzen Internetbewohner den Schutz der Anonymität, um einen anderen Frust zu artikulieren – auf Tugendwächter, grüne Regulatoren und den Großen Bruder in Brüssel. So ist der Aufschrei "Zensur!" längst Symptom einer grenzenlosen Meinungsfreiheit, deren eigentlicher Gegner doch keine linke Meinungsdiktatur wäre, sondern die Verwertungslust der Cyberoligarchen.

"Das wird man doch wohl noch sagen dürfen!" titelte die Bild-Zeitung im Zuge der Sarrazin-Debatte und brachte damit eine diffuse Stimmung auf den Punkt, die Kritik mit Ressentiment verwechselt. "Darf man Israel etwa nicht kritisieren?", fragen manche und blicken ängstlich um sich, als stünde ein Mossad-Agent drohend hinter ihnen und als gehörte Israelkritik nicht ohnehin zur Lieblingsbeschäftigung von Stammtischen und Medien.

Leserkommentare
  1. Äh, etwas unfertiger Artikel, nicht? Da sieht man noch ein paar Abschnitte die offenbar weg sollten.

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    zum ARtikel: bezeichnend, dass die Kanzlerin mal wieder als Opfer herhalten muss.
    Eine Tugenddiktatur bzw. Meinungsdiktatur ist shcon zu identifizieren. Für mich ist das eher theoretisch interessant, weil es wirklich die Demokratie unterhöhlt und dies in Dland shcon passiert ist.
    Bettina Röhl hat das so dargestellet: http://www.wiwo.de/politi...
    Obwohl ich mich mit den meisten offiziellen "Minderheits- (oder eher Mehrheits? )meinungen" (Kinderbücher, Einwanderung) gar nicht identifizieren kann, bin ich großer Anhänger durchaus auch politisch inkorrekte Meinungen verlautbaren zu lassen.

    Redaktion

    Lieber/r morgenskaffee,
    Sie haben völlig Recht, da haben wir technisch etwas falsch gemacht, was das Layout ein wenig "zerschossen" hat. Entschuldigen Sie bitte. Jetzt ist es repariert. Vielen Dank für den Hinweis!

    als die Debatte um den AfD-Artikel heißlief und allzu viele kritische Stimmen laut wurden...

  2. ... daß sich der Autor jemals ins tatsächliche deutsche Alltags-und Arbeitsleben vorgewagt und dort längere Zeit verbracht hat. Es ist sehr dankenswert, daß er den ersten Satz dorthin gestellt hat, wo er steht. Das erspart das Verschwenden von Zeit.

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    • edgar
    • 17. April 2013 16:16 Uhr

    Ich habe in vielen Unternehmen jeglicher Coleur gearbeitet, in verschiedensten Branchen und auf unterscheidlichstem Level.
    Vergebe und nehme Aufträge an.

    Etwas wie Sie es zwischen den Zielen aussagen wollen, ist mir nicht bekannt.
    Selbstverständlich, es kann passieren, dass man für das Äußern seiner Meinung Konsequenzen tragen muss: Ich habe erlebt, wie jemand gefeuert wurde, weil er die Produkte des Unternehmens schlecht machte. Das ist jedoch keine Frage der freien Meinungsäußerung ...

    Und selbstverständlich wird die Äußerung einer Meinung unter Strafe gestellt, wenn Sie einen Anderen verletzt - aber das ist ja wohl selbstverständlich !
    Oder etwa nicht ???

    "2. Schon der erste Satz im Fließtext weckt Zweifel daran, ...
    ... daß sich der Autor jemals ins tatsächliche deutsche Alltags-und Arbeitsleben vorgewagt und dort längere Zeit verbracht hat."

    Werden Sie doch mal konkret, statt mit nebulösen Unterstellungen zu hantieren.

    Ich kann mich in meiner Firma frei äußern. Es kann allerdings durchaus sein, dass ich irgendwann entlassen werde, wenn offensichtlich ist, dass ich mich mit den Werten des Unternehmens nicht identifizieren kann. Eigentlich nimmt man mir dann nur die Arbeit ab, denn dann hätte ich selbst die Konsequenzen ziehen müssen.

    Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir in einem Land leben, wo jeder seine Meinung frei äußern darf. Nur wenn jemand in meiner Gegenwart dummes Zeug faselt, muss er damit rechnen, dass ich Abstand nehme.

    War immer schon so und wird hoffentlich auch immer so bleiben. Dummbeutel sollten ruhig wissen, was man von ihnen hält.

    Das Geschwurbel, "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen" dient doch letztlich nur denen als Freibrief, die rumschwurbeln.

    Ich nicht.
    Jeder in D. hat das Recht, seine Meinung frei zu äußern.

    Es hat nur niemand ein Recht darauf, daß ihm zugehört oder gar zugestimmt wird.
    Genauso wie niemand ein Recht darauf hat, nicht widerlegt zu werden oder überhaupt Widerspruch - wie unberechtigt auch immer - zu ernten.
    Es hat auch niemand ein Recht darauf, daß ihm ein Podium frei Haus für seine Meinung zur Verfügung gestellt wird oder in online-Foren seine Beiträge unmoderiert bleiben.
    Vielleicht stört Sie Meinungspluralismus?
    Nur, der ist die direkte Folge von Meinungsfreiheit.

    • Kelhim
    • 17. April 2013 18:20 Uhr

    Fällt das dann auch noch unter "Zeitverschwendung"?

    Da Sie offenkundig nur Artikel und Ansichten zur Kenntnis nehmen wollen, in denen Sie Ihre eigene Sicht der Dinge wiederfinden, können Sie wirklich von Glück sagen, dass Ihnen der Autor mit seinem Bekenntnis, Deutschland für eines der freiesten Länder auf diesem Globus zu halten die Mühe des Weiterlesens erspart hat.

    Die eigene Sicht in Frage zu stellen oder in Frage stellen zu lassen ist irgendwie unangenehm,
    Bleiben Sie ruhig. Wie Sie sind.

    Die Interpunktion ist pure Absicht ;-)

    • tobi_k
    • 17. April 2013 16:08 Uhr

    wurde 1967 in Meran geboren. Oder in In Anführungszeichen

    2 Leserempfehlungen
  3. zum ARtikel: bezeichnend, dass die Kanzlerin mal wieder als Opfer herhalten muss.
    Eine Tugenddiktatur bzw. Meinungsdiktatur ist shcon zu identifizieren. Für mich ist das eher theoretisch interessant, weil es wirklich die Demokratie unterhöhlt und dies in Dland shcon passiert ist.
    Bettina Röhl hat das so dargestellet: http://www.wiwo.de/politi...
    Obwohl ich mich mit den meisten offiziellen "Minderheits- (oder eher Mehrheits? )meinungen" (Kinderbücher, Einwanderung) gar nicht identifizieren kann, bin ich großer Anhänger durchaus auch politisch inkorrekte Meinungen verlautbaren zu lassen.

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    Antwort auf "Unfertig?"
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    "Bettina Röhl hat das so dargestellet: http://www.wiwo.de/politi..."
    ------------------------
    ...für den Link. Sehr treffender Artikel über die Zwangsbeglückungspartei

    • edgar
    • 17. April 2013 16:16 Uhr

    Ich habe in vielen Unternehmen jeglicher Coleur gearbeitet, in verschiedensten Branchen und auf unterscheidlichstem Level.
    Vergebe und nehme Aufträge an.

    Etwas wie Sie es zwischen den Zielen aussagen wollen, ist mir nicht bekannt.
    Selbstverständlich, es kann passieren, dass man für das Äußern seiner Meinung Konsequenzen tragen muss: Ich habe erlebt, wie jemand gefeuert wurde, weil er die Produkte des Unternehmens schlecht machte. Das ist jedoch keine Frage der freien Meinungsäußerung ...

    Und selbstverständlich wird die Äußerung einer Meinung unter Strafe gestellt, wenn Sie einen Anderen verletzt - aber das ist ja wohl selbstverständlich !
    Oder etwa nicht ???

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    Naja, eignetlich sollte es selbstverständlich sein, dass eine Meinung eben nicht unter Strafe gestellt wird, selbst wenn sie andere Menschen verletzt.

    Eigentlich sollten auch direkte Beleidigungen nicht unter Strafe gestellt werden und man sollte sowas rein von der Gesellschaft ahnden lassen.

    Die Abgrenzung, wo wer wie beleidigt sein könnte ist halt nicht so ein tolles Argument. Auch die Schranke, dass in Deutschland der "öffentliche Friede" gefährted sein muss ist eigentlich ein Instrument für Zensoren. Ich störe doch wohl den öffentlichen Frieden, wenn ich Argumente hervor bringe, die so gewaltig sind, dass ein Mob von Menschen aus Frankfurt gen Berlin zieht und unsere Regierung lynchen will. Beispielsweise

    • GDH
    • 17. April 2013 18:20 Uhr

    Sie schreiben:
    "Und selbstverständlich wird die Äußerung einer Meinung unter Strafe gestellt, wenn Sie einen Anderen verletzt - aber das ist ja wohl selbstverständlich !"

    Das darf kein Kriterium sein. Das hieße nämlich, dass eine Ansicht um so weniger kritisiert werden darf, je intoleranzer ihre Anhänger sind.

    Dann darf man sich zum Beispiel über meinen Musikgeschmack lustig machen oder über meine politische Meinung, während man religiöse Mythologie nicht ins lächerliche ziehen dürfte. Diese Tendenz beobachte ich leider durchaus auch bei der Zeit-Moderation (wobei es freilich sein kann, dass nicht die Moderation selbst anders arbeitet, sondern Leute bei letzteren Themen leicher auch "als bedenklich melden" klicken).

    Wenn man Aussagen verbietet, sollte man es (unsere Rechtsordnung tut dies auch im Wesentlichen) nicht davon abhängig machen, wie sehr Andere subjektiv gekränkt sind sondern eher von objektiven Kriterien (z.B. ob es sich um Falschbehauptungen oder schlichte Schmähungen handelt).

    Ansonsten stimme ich Ihnen überwiegend zu. Bloß sind dann natürlich Arbeitgeber ein Problem, die ihre Mitarbeiter mit öffentlichem Geld bezahlen und dann Loyalität für irgendeine Ideologie verlangen (z.B. katholische Kindergärten).

    "Und selbstverständlich wird die Äußerung einer Meinung unter Strafe gestellt, wenn Sie einen Anderen verletzt - aber das ist ja wohl selbstverständlich ! Oder etwa nicht ???"

    Da unterliegen Sie einem schweren Irrtum. Selbstverständlich ist grundsätzlich eine Meinung - nicht - unter Strafe gestellt, auch - wenn - diese einen Anderen verletzt. Ansonsten wäre dies das Ende der Meinungsfreiheit, da diese selbst nicht mehr für Toleranz sorgen könnte, sondern allein von der Toleranz und Intoleranz des anderen abhängen würde.

    Wäre das, was Sie wähnen, Wirklichkeit, wäre die Meinungsfreiheit tot.

    • ngw16
    • 18. April 2013 14:13 Uhr

    >>Und selbstverständlich wird die Äußerung einer Meinung unter Strafe gestellt, wenn Sie einen Anderen verletzt - aber das ist ja wohl selbstverständlich !
    Oder etwa nicht ???

    Selbst wenn sich ein StraftäterIn verletzt fühlt, weil man sie StraftäterIn nennt, obwohl sie eine StraftäterIn ist, so ist diese Äußerung nicht unter Strafe gestellt.
    Wenn man allerdings z.B. einen Falschbeschuldigten Straftäter nennt, obwohl dieses nicht zutreffend ist, weil z.B. von einem Gericht frei gesprochen wurde, so ist diese Äußerung mit Strafe bedroht.
    Dazu muß sich der Falschbeschuldigte dann nicht einmal verletzt fühlen.

  4. Das zweite Problem ist die mangelnde allgemeine Bildung.
    Meinungsfreiheit ist ein Schutzrecht des Individuums gegenüber dem Staat. Meinungsfreiheit und das Verbot der Zensur schützen den Bürger vor dem Staat.
    Der Staat hat (zu Recht!) jedoch keine Macht, private Zensur zu verhindern.
    Wenn meine Gäste bei mir in der Wohnung für mich unmögliche Dinge sagen, darf ich sie deshalb rausschmeißen.
    Wenn ich einen privaten Blog betreibe, entscheide ich, ob überhaupt Kommentare geschrieben werden dürfen und wenn ja, welche veröffentlicht werden.
    Und genauso ist der Kommentarbereich einer Zeitung deren privates Vergnügen. Zeit online, SPON und die anderen betreiben die Kommentarfunktion auf eigene Kosten mit eigener REgistrierung etc.
    Wieso sollte es ein staatliches Recht geben, das die Meinungsabgabe auf einer privaten Plattform garantiert?
    Freiheit findet ihre Grenzen immer in der Freiheit des anderen. Der Staat hat in diesem privaten Bereich nichts zu suchen.
    Dieser Grundsatz scheint vielen nicht geläufig.

    Wer sich von den Redakteuren gegängelt fühlt, soll halt einen privaten Blog eröffnen. Und seine Meinung dort veröffentlichen. Er/sie wird feststellen: Wir haben Meinungsfreiheit. (Fast) keiner wird sich jedoch dafür interessieren, erst recht nicht die Staatsorgane, solange gegen keine Gesetze verstoßen wird (Beleidigung etc.).

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    durchaus ein Unterschied, ob ich ein kaum gelesenes Blog betreibe und dort Kommentare nicht zulasse oder ob eine der führenden Zeitungen Deutschlands per Zensur den Eindruck vermitteln möchte, es gäbe nur ein Meinungsrichtung.

    Der Unterschied ist so groß, dass ich nicht glauben kann, dass man ihn nicht sieht.

    • gooder
    • 17. April 2013 16:17 Uhr

    Wenn man sich im Rahmen der gültigen Gesetzgebung bewegt, kann man sich schon frei äussern. Aber selbst wenn man gegen keinerlei gesetztliche Regelung verstösst, kann eine freie Meinungsäusserung Konsequenzen nach sich ziehen.

    Die Beispiele des Autors, von Frei.Wild bis Sarrazin sind rechte gute Beisspiele dafür, dass eine Meinungsäusserung durchaus negative Konsequenzen mit sich bringen,die unter Umständen ins berufliche Abseits führen können.
    Es gibt schon Themen, bei denen wohl überlegt sein sollte,ob man sich äussert oder es lieber bleiben lässt.

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    "Es gibt schon Themen, bei denen wohl überlegt sein sollte,ob man sich äussert oder es lieber bleiben lässt. (gooder)

    Wenn man sich z.B. als Mitglied der Aachener ACU gegen die Umtriebe der rechten "Karlsbande" ausspricht, kann das leicht in erlittene Körperverletzung ausarten. Private Hausbesuche zwecks Einschüchterung gehören auch zum Repertoire.

    P.S. So viel zum Thema "Meinungsfreiheitsliebe" der ach so unterdrückten "Demokraten" vom rechten Rand.

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/jk

    • whale
    • 17. April 2013 20:33 Uhr

    Natürlich kann eine freie Meinungsäußerung Konsequenzen haben. Alles, was einmal in die Welt gesetzt wurde, kann - und wird auch meistens - Konsequenzen haben, gravierendere oder unbedeutende. Wenn ich bewusst eine Debatte anfache - wie beispielsweise Sarrazin - weiß ich doch ganz genau, dass es Konsequenzen geben wird, anderenfalls wäre mein Einwurf ja ignoriert worden.
    In Dikaturen, in denen schon die Äußerung an sich verboten ist, werden die Konsequenzen gegen die Menschenrechte verstoßen, wie schon das Verbot. In Demokratien wie Deutschland muss man mit heftigen Reaktionen der Meinungsgegner rechnen (warum sollten denn ausgerechnet die einen Maulkorb bekommen - wo ich selbst auf mein Recht poche?). In der anschließenden Debatte gibt es Regeln, ungeschriebene und gesetzlich festgelegte. Ich darf niemand wegen seiner Meinung auf herabwürdigende Weise beschimpfen oder körperlich angreifen. Ich darf auch niemand wegen seiner Meinung entlassen oder Verträge mit ihm brechen, es sei denn, er stellt sich den Interessen meines Unternehmens oder meiner Organisation bewusst in den Weg. Z.B. "Der Papst ist ein Depp" in einer katholischen Institution. Aber ich trenne mich als Chef auch von meinem Verkäufer, wenn er den Kunden ständig erzählt, meine Waren seien Mist, oder?
    Also - Konsequenzen kann eine Meinungsäußerung nach sich ziehen - das ist noch nicht Zensur! "Man wird doch wohl mal sagen dürfen" - ja, darf man.

  5. Oberflächlich gesehen hat der Autor recht. Man kann in Deutschland sagen was man will.
    Wenn man aber beispielsweise die Gründung einer Partei betrachtet, wird schnell deutlich, dass Meinungen manipuliert werden. Diese Partei ist zu links, jene ist zu rechts; der vorsitzende ist ein Populist, usw. Man beeinflußt potentielle Wähler, um in jedem Fall zu verhindern, dass Stimmen abgegeben werden müssen. Im schlimmsten Fall, siehe Linke, ist die Partei radikal und wird von Verfassungsschutz überwacht. Wer sich inhaltlich auf deren Seite schlägt, dem wird misstraut, wer sich für derartige Parteien aufstellen lässt, wird schnell mal denunziert. Wir können alles sagen, zum Beispiel über FC Bayern, die TV-Serien, Auch über Steuerhinterzieher. Sollte es aber zu harsch werden, wird durch Journalisten beruhigt, man sähe es falsch, Statistiken bewiesen es.
    Talkshows zerreden auch das beste Argument. Es ist also nicht so, dass man nichts sagen könne, die Strategie liegt auf einem anderen Level, dem Zerstören des Arguments. Viele Menschen spüren das, können sich aber die Gründe nicht erklären. Gedankenpolizei arbeitet heute viel filigraner als 1984 bei Orwell.

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    man wünscht das die Presse oder die Damen und Herren Journalisten für einen denken.

    Es gibt sehr wohl hunderte verschiedene Möglichkeiten Informationen zu hinterfragen. Wenn man das nicht macht, wird man nicht manipuliert sondern man betrügt sich selbst.

    Ich stimme Ihnen zu, die Betrachtung des Autors ist zu oberflächlich.

    Hier darf zwar jeder fast alles sagen, das ist richtig. Bereits auf persönlicher Ebene kann das Veröffentlichen einer Meinung aber weitreichende, negative Folgen haben. Dabei kann heute zwischen dem Veröffentlichen der Meinung und den Folgen sogar beliebig viel Zeit vergehen.

    Interessant sind nun aber vor allem die Meinungen, die auch von vielen gehört oder gelesen werden.

    Und die veröffentlichte Meinung in Deutschland scheint tatsächlich wenig vielfältig. Hier sind zwei relativ aktuelle Artikel für die, die dieser Behauptung eventuell nachgehen wollen:

    - "Deutschland bei Pressefreiheit nur im europäischen Mittelfeld":
    http://www.sueddeutsche.d...

    - "Journalismusforschung: Ganz auf Linie mit den Eliten":
    http://www.heise.de/tp/ar...

    Mit der Berichterstattung über die Parteien haben Sie schon ein sehr gutes Beispiel gebracht, das verdeutlicht in welchem eng begrenzten Rahmen sich die Meinung der Journalisten bewegt.

    Nun sind die Journalisten in Deutschland aber frei zu schreiben, was sie wollen. Warum ähnelt sich der Grundtenor auf vielen Seiten dann so sehr? Wer bei FAZ, SZ , ZO, SO etc. hält bspw. die Bankenrettung nicht für "alternativlos"?

    Hier ein Versuch einer Antwort:

    "What makes main stream media main stream",
    http://www.chomsky.info/a...

    • Grisby
    • 18. April 2013 10:02 Uhr

    Meinungsbildung kann auf viele Arten entstehen z.B. Steichen von Passagen (wie im "Armut- und Reichtumsbericht), zurückhalten von Informationen (wie z.B. aktuell bei Steuerhinterziehung), Druck von anderen Personen (Was haben Politiker im Aufsichtsrat von öffentlichen Medien zu suchen?)

    Sind wir mit unserer Meinung wirklich frei oder wird sie uns vorgegeben/beeinflußt?

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