Notfall-Verhütung : US-Konservative empört über Urteil zu Pille danach

Junge Mädchen in den USA brauchen kein Rezept mehr, wenn sie die Pille danach kaufen wollen. Das verärgert das rechte Lager, Liberale dagegen zeigen sich erfreut.
Die Pille danach wird in dem USA unter dem Namen "PlanB" verkauft. © Shannon Stapleton/Reuters

Die einen betrachten es als Sieg für die Frauen, die anderen sehen die Gesundheit von jungen Mädchen aufs Spiel gesetzt: Ein Gerichtsurteil hat in den USA die Diskussion über die Pille danach neu entfacht. Der Bundesrichter Edward Korman hatte am Freitag entschieden, dass auch Mädchen unter 17 Jahren das Verhütungsmedikament ohne Rezept kaufen dürfen.

Das Center for Reproductive Rights hatte das Urteil erstritten. Entsprechend erfreut zeigten sich die liberalen Aktivisten: "Die Wissenschaft hat sich endlich gegen die Politik durchgesetzt, davon werden Millionen Frauen in den USA profitieren", sagte Nancy Northup, die Chefin der Organisation, der Washington Post. "Jetzt müssen Frauen nicht mehr alle möglichen Hürden überwinden, wenn sie eine Notfallverhütung brauchen."

Abtreibungsgegner sind hingegen empört über das Urteil. Sie befürchten, dass Teenager nun häufiger ungeschützten Geschlechtsverkehr haben werden. "Es liegt auf der Hand, dass sexuell aktive Jugendliche besser mit Eltern und mit ihren Ärzten darüber reden sollten", sagte Jeanne Monahan der Post. Sie ist Chefin von March for Life, der größten US-Organisation von Abtreibungsgegnern.

Die Rezeptfreiheit der Pille danach auch für Jugendliche ist nach Einschätzung von Monahan schlecht für die öffentliche Gesundheit. Ähnlich äußerte sich Anna Higgins von der religiös-konservativen Lobby-Organisation Family Research Council gegenüber der New York Times: "Das Urteil gefährdet die Gesundheit von jungen Mädchen."

Ministerin ignorierte FDA-Empfehlung

Das Bundesgericht in New York musste über einen Beschluss von US-Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius entscheiden. Diese hatte im Dezember 2011 verfügt, dass Jugendliche unter 17 Jahren weiterhin ein Rezept brauchen, wenn sie die Pille danach kaufen wollen.

Damit hatte sich die Politikerin über eine Empfehlung der US-Medikamenten-Aufsichtsbehörde FDA hinweggesetzt. Die Organisation war zu dem Ergebnis gekommen, dass Mädchen im gebärfähigen Alter das Medikament auch ohne Beratung risikolos einnehmen könnten. Zudem verwiesen US-Ärzte darauf, dass Beschränkungen viele Jugendliche davon abhalten würden, rechtzeitig dieses Medikament einzunehmen.

Dennoch entschied Sebelius Ende 2011, dass die Rezeptpflicht für Jugendliche beibehalten werden sollte. In der New York Times lieferte jetzt ein Regierungsinsider eine Erklärung für diesen Schritt: Die Gesundheitsministerin sei damals, ein Jahr vor der US-Präsidentenwahl, davor zurückgeschreckt, sich mit Abtreibungsgegnern anzulegen.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

128 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

@ 31 :

Aufgezwungene Bedenkzeiten bei Abtreibungswunsch, als ob eine Frau ein unmündiges Kind wäre, das nicht selber weiß, wie lange es überlegen möchte.

Der Staat hat die Pflicht alles menschliche Leben zu schützen, auch das Ungeborene. Das ergibt sich wie im Urteil des Bundesverfassungsgericht Schwangerschaftsabbruch II von 1993 nachlesen kann, schon aus dem Artikel 1 unseres Grundgesetzes, also der Unantastbarkeit der Menschenwürde. Nicht mal mittels Verfassungsänderung können Sie das also ändern, denn der Artikel lässt sich nicht ändern.
Der Staat ist dazu gezwungen das ungeborene Leben zu schützen, auch dadurch in dem er Abtreibung strafbar macht bzw. nur nach einer gründlichen Beratung und Abwägung von einer Strafverfolgung absieht. Er ist auch dazu gezwungen, den Schutz des Ungeborene Lebens im öffentlichen Bewusstsein zu halten.

@ 62:

Das Bundesverfassungsgericht hat sicher nirgends gesagt, dass das Einnehmen einer Pille danach, die eine bereits befruchtete Eizelle zerstören würde, strafbar wäre.

Deshalb habe ich auch darauf hingewiesen, das das Bundesverfassungsgericht die Frage nicht geklärt hat, wann genau die Schwangerschaft beginnt und falls sie nicht mit der Befruchtung beginnt, in wie weit auch befruchtete menschliche Eizellen schon den Schutz der Menschenwürde besitzt. Klar ist aber das Bundesverfassungsgericht den Schutz eben gerade nicht von Eigenschaften wie Vorhandensein von Nervenzellen, Bewusstsein oder optischer Unterscheidbarkeit von Embryonen anderer Spezies abhängig macht. Mir ging es auch weniger um die Pille danach, die zumindest in der Variante mit Levonorgestrel vermutlich ja auch gar keine Einnistung verhindert, sondern um den Kommentar 31 in dem die Beratungspflicht + Wartezeit als unberechtigte Zumutung dargestellt wurde.

Im Übrigen geht es bei dieser Entscheidung, über die natürlich auch diskutiert werden darf, lediglich um eine juristische Einordnung.

Ja, es ist eine juristische Einordnung und Sie können selbstverständlich anderer Meinung sein. Aber ebenso wie man selbstverständlich auch über die "Diktatur des Proletariats" oder die Einführung der Todesstrafe diskutieren darf, darf entsprechendes in Deutschland dennoch niemals umgesetzt werden, auch wenn sich dafür überwältigende Mehrheiten in der Bevölkerung finden sollten.

@ 63:

Ihre Überlegungen zu befruchteten aber noch eingenisteten Eizellen mögen interessant klingen, sind aber hinsichtlich einer Therapie mit Levonorgestrel völlig irrelevant. Levonorgestrel verhindert in der zur Diskussion stehenden Dosierung als Pille danach die Befruchtung.

Dazu zweierlei: Einerseits ging es mir primär um den Kommentar 31, der die Beratungspflicht und Wartezeit bei ganz normalen Abtreibungen kritisierte. Hier stimme ich völlig mit dem Bundesverfassungsgericht überein, dass es sich um eine aus der Menschenwürde folgende Verpflichtung des Staates handelt und um keine unberechtigte Zumutung gegenüber den Frauen.

Anderseits haben Sie natürlich recht, das diese Überlegungen dann keine Rolle spielen, wenn nur die Befruchtung verhindert wird. Das ist vermutlich bei Levonorgestrel-basierten Pillen der Fall, sicher ist es aber nicht. Deutlich größere Zweifel sind bei Ulipristal basierten Mitteln angesagt, hier wird ja ausdrücklich ein Ausschluss einer Schwangerschaft gefordert, der aber natürlich am Tag der Einnistung aber noch nicht möglich ist. Hier kann man durchaus mit guten Grund vermuten, dass die längere Wirksamkeit dieser Mittel eben durch eine Verhinderung der Einnistung passiert oder sogar durch ein Abstoßen des schon eingenisteten Embryo.

Denn ein Mittel was nur die Befruchtung verhindert, aber keine Wirkung auf Einnistung oder schon befruchtete Eizelle hat, dass kann logischerweise keine Wirkung mehr nach schon erfolgter Befruchtung haben.

@ 84:

Ob Levonorgestrel vielleicht doch bei unsachgemäßer Anwendung in hoher Dosierung unter ungünstigen Bedingungen eine Einnistung verhindern kann, ist doch von rein hypothetischen Interesse.

Die Frage ist nicht nach unter ungünstigen Bedingungen bei höherer Dosierung, sondern die Frage, ob das auch unter normalen Bedingungen ein Teil der Wirkung ist. Relativ klar ist das meistens eine Schwangerschaft verhindert wird, indem der Eisprung verhindert wird. Das kann aber logischerweise nur dann klappen, wenn der Eisprung vor der Einnahme des Mittels noch nicht erfolgt ist. Dann gibt es wohl auch eine Wirkung auf die Beweglichkeit der Spermien. Ob es auch eine einnistungshemmende Wirkung gibt ist noch nicht geklärt und zwar auch bei ganz normalen Dosen. Klar ist nur das es keine Wirkung mehr auf bereits eingenistete Eizellen gibt und das eine mögliche einnistungshemmende Wirkung natürlich erst dann relevant wird, wenn es trotz der Eisprung verhindernden Wirkung und der Reduktion der Spermienbeweglichkeit zu einer Befruchtung gekommen ist (bspw. weil die Eizelle schon befruchtet war, als die Pille danach eingenommen wurde)

@ 91:

Stand der Dinge ist, dass für Levonorgestrel als Pille danach keine einnistungshemmende Wirkung nachweisbar ist.

Das Problem ist nur das selbst wenn eine einnistungshemmende Wirkung vorhanden ist, man davon ausgehen muss, das der Nachweis sehr schwierig ist. Man kann nun man nur feststellen, ob man eine Ende eine Schwangerschaft vorliegt oder nicht, nicht woran genau sie gescheitert ist. Wikipedia und viele Untersuchungen zu dem Thema listet diese Frage daher zurecht als umstritten, auch weil ein Studiendesign welches die Frage wirklich klären würde, ethisch kaum machbar ist. Da es sich um Notfallverhütung handelt, hat man logischerweise auch keine Messergebnisse zur Verfügung um festzustellen, ob ein Eisprung bereits vorher vorlag.
Aber eigentlich ist das auch ziemlich egal, klar ist immerhin das die Wirkung nach der Befruchtung falls vorhanden eine deutlich kleinere Rolle spielt als die Wirkung vor der Befruchtung. Auch zur Verhinderung von Abtreibungen ist das Ganze daher durchaus sinnvoll, es reicht ja schon wenn die Anzahl der regulären Abtreibungen, die durch die Gabe der Pille danach verhindert werden größer ist als die evt. durch die Pille danach ausgelösten Abtreibungen.

@111 Teil 1

Mir ist völlig unklar, wie Sie auf die absurde Idee kommen ich würde allen Frauen unterstellen, Sie würden sich nicht ausreichend Gedanken machen. Selbstverständlich machen sich die meisten Frauen die Entscheidung nicht leicht. Diese Frauen werden aber auch ohnehin zwischen dem Beratungsgespräch und der Abtreibung mindestens die vorgeschriebenen drei Tage brauchen. Eine Einschränkung der Freiheit kann hier also eigentlich gerade nur der diejenige sehen, die eben gerade nicht plant mehrere Tage intensiv über diese Entscheidung über Leben und Tod nachzudenken.
Mit einem Ultraschall sieht es so ähnlich aus. Bei einer wirklich gründlichen Entscheidung, die alle Für- und Wiederargumente berücksichtigt, ist es selbstverständlich eine sehr nützliche Information den Entwicklungsstand des Embryo über dessen Leben die Frau entscheidet, genau zu kennen und nicht ihn nur anhand es nicht ganz genau bekannten Schwangerschaftsbeginns und allgemeiner Durchschnittsbilder abzuschätzen.

@111 Teil 2

Warum also sollten entsprechende Pflichten die Würde der Frauen verletzen? Das ist ähnlich albern, wie zu behaupten, die Gurtpflicht verletzte die Würde der Autofahrer. Hier wird nur etwas erzwungen, was vernünftigerweise ohnehin gemacht wird.

Und last but not least: Männer, wie auch Frauen können in Fortpflanzungensachen leider nicht genau die gleichen Lebensentscheidungen treffen. Die Biologie macht hier einen Strich durch die Rechnung. Frauen haben hier aber zumindest seit dem Vorhandensein moderner Verhütungsmöglichkeiten eher die bessere Karte gezogen und haben wesentlich mehr Kontrolle unabhängig von anderen darüber zu bestimmen, ob Sie Kinder wünschen oder nicht.
Natürlich kann medizinische Technik hier die Grenzen erweitern, aber eben nicht grenzenlos auf Kosten von ungeborenem Leben.

verhuellte Abtreibung

Die hohe Wirkungsquote von Levnorgestrol (95% in den ersten 24 Stunden) kann nach Adma Riese nur erreicht werden, wenn Levonorgestrol auch die Einnistung schon befruchteter Eizellen verhindert.

Der Hersteller gibt diese Wirkungsart zwar nicht an, ist aber auch nicht dazu verpflichtet, alle Wirkmechanismen zu erforschen und anzugeben.

Nach Adam Riese koennte die Wirkungsquote aber nicht ueber ca. 75% bis 80% liegen, wenn es keine anti-nidative Wirkung von Levonorgestrol gaebe.

Es sind von Frauenaerzten auch schon einige Theorien entwickelt worden, WIE Levonorgestrol die Einnistung verhindern kann.

Fuer umfangreiche Studien genau dieses Punktes reicht aber das gesellschaftliche Interesse nicht aus - und auch Abtreibungsgegner koennten solche Studien wsl. nur dann fordern, da voraussichtlich dabei nur zur Erfuellung des Studienzwecks Einnistungen verhindert werden muessten.

Die meisten als "Abtreibungsgegner" bzw. als "Lebensrechtsbewegung" auftretenden Stroemungen betrachten es als Abtreibung, die Einnistung einer befruchteten Eizelle zu verhindern.

Aufgrund der laut Hersteller so hohen Wirkungsquote, die mit dem vom Hersteller angegebenen Wirkmechanismus aber nicht erklaerbar ist, ist ihre Argumentation mit sich selbst konsistent.

ad 121 Ockhams Rasiermesser

Nein, die Wahrscheinlichkeit, daß Frau das Präparat nach dem Eisprung einnimmt, ist eher klein. Zumindest viel kleiner als eine Einnahme vor dem Eisprung. In der Zeitspanne um den Eisprung (gespürt oder errechnet) werden Frauen, die eine Schwangerschaft vermeiden wollen, eher auf Geschlechtsverkehr verzichten. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft vor der Eisprung am größten und auch das Zeitfenster (mehrere Tage gegenüber Stunden).
Wenn schon Ockhams Rasiermesser dann in der Form:
Gäbe es eine nennenswerte abortive Wirkung von Levonorgestrel, dann sollte ohne weitere unbelegte Hypothesen das Medikament keinen ausgeprägten Wirkungsabfall nach 24 Stunden zeigen. Dieser Wirkungsabfall ist aber belegt.

ad 126 Schon richtig,

vielleicht kommt ja diesbezüglich doch noch etwas.
Allerdings muss eingeräumt werden, dass die Angaben der Hersteller "bis zu 95% Wirksamkeit" bei einer Einnahme "bis zu 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr" auch zu Mißverständnissen führen müssen, die wahrscheinlich sogar beabsichtigt sind.
Betroffene sollten sich bei ungeschützen Geschlechtsverkehr dicht am vermuteten Eisprung mit ihrem Gynäkologen in Verbindung setzten und prüfen ob nicht Ulipristal oder die "Spirale danach" bessere Alternativen sind.

Fehlerteufelchen :-(

Ähnlich sehe ich es bei der Gesetzgebung in Sachen Altersbeschränkungen beim Sex, sofern sie nur Jugendliche betreffen.
1. Kümmern sich Pupertierende reichlich wenig um evtl. Verbote.
2. Wird da mit willkürlichen Jahreszahlen joungliert, die absolut keinen Aufschluß über die "Sexfähig-/Willigkeit" geben
3. Sollte man Menschen, nur weil sie noch nicht ein best. Alter erreicht haben, nichtper se als (potentielle) Straftäter definieren.

Nicht zwingend

Es ist schon in der Kinderrechtskonvention festgelegt, dass Kinder auch ein Anrecht auf ein Geheimnis haben. Z.B. Briefgeheimnis. Wenn ein Jugendlicher bzw. ein junger erwachsener Mensch nicht möchte, dass seine/ihre Eltern über bestimmte Geschehnisse informiert werden... so kann dies im Sinne des Jugendlichen/jungen Erwachsenen geschehen.

"Ich habe ein Geheimnis." ist also nicht erst ab dem 18. Lebensjahr eines Menschen gültig.

Best E.