UnfruchtbarkeitSchicksal ungewollt kinderlos

Wer kein Kind bekommen kann, leidet im Verborgenen. Zwar gilt Zeugungsunfähigkeit als medizinisch behebbar, aber sie ist gesellschaftlich ein Tabu. von 

Ein Kind ist geboren, wenn es das erste Mal gedacht wird. Wer einmal den Gedanken daran zugelassen hat, Nachkommen zu zeugen, der kommt nicht wieder dahinter zurück. In der Fantasie ist das Kind dann schon da, selbst wenn real noch gar nichts dafür getan ist.

Ungewollt kinderlos

Wer Kinder will, hat kein Problem? Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland haben keinen Nachwuchs, obwohl sie ihn sich wünschen. Doch darüber reden will fast niemand. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein so intimes Thema, das nur schwer öffentlich zu diskutieren ist.  

ZEIT ONLINE schildert in einer Themenwoche, wie Menschen mit Unfruchtbarkeit und ihren Folgen umgehen. Wie ist es zu erklären, dass das Problem größer wird? Welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Und was müsste die Gesellschaft tun, um den Betroffenen zu helfen?

Die Themenwoche

Editorial: Schicksal ungewollt kinderlos

Infografik: Wenn das Wunschkind ausbleibt

FAQ: Was tun bei ungewollter Kinderlosigkeit?

Männer ohne Kinder: Schweißer, Autonarr, unfruchtbar

Kinderwunsch: Als wäre jemand gestorben

Künstliche Befruchtung: Zu arm zum Kinderkriegen

Ungewollt kinderlos: Für die Männer Vitamine, für die Frauen Yoga

Samenbank: Spender Nummer 4.077

Samenspende: "Ich bin froh, nicht mit diesem Mann verwandt zu sein"

Medizinethiker: "Kinder kann man nicht erzwingen"

Regenbogenfamilien: Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind

Ungewollt kinderlos: Ist halt so

Leserartikel

Haben Sie persönliche Erfahrungen mit dem Thema Kinderlosigkeit gemacht? Helfen Sie zum Beispiel als Arzt Paaren, ihren Kinderwunsch zu erfüllen? Dann würden wir uns freuen, wenn Sie davon in einem Leserartikel berichten, gerne auch anonym.

Bisher erschienene Leserartikel zur Themenwoche:

Ungewollt kinderlos: Aus Angst nicht mehr schwanger

Unfruchtbare Liebe: Traumfrau ohne Eierstöcke

Ungewollt kinderlos: Marathon bis zur Schwangerschaft

Ihren fertigen Text können Sie hier einreichen. Beispiele für aktuelle Leserartikel, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie hier. In unseren FAQ können Sie nachlesen, was Sie beim Verfassen Ihres Beitrags beachten sollten. Falls Sie Fragen haben, erreichen Sie uns per Mail an leserartikel@zeit.de.

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Die Serie Ungewollt kinderlos gibt es auch als E-Book. Wenn der Wunsch nach dem eigenen Kind unerfüllt bleibt - erfahren Sie mehr in dieser für eReader hochwertig aufbereiteten Fassung.

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Wenige Dinge wirken so stark auf das Selbstbild des Menschen wie die Fähigkeit, sich fortzupflanzen. Drei Viertel aller Deutschen unter 50 Jahren wünschen sich Kinder. Obwohl die Geburtenraten hierzulande sinken, obwohl die Familien kleiner werden und Eltern bei der Geburt ihres ersten Kindes immer älter sind, bleibt die Möglichkeit, Nachwuchs zu bekommen, ein elementarer Bestandteil eines jeden. Wichtiger noch, als Kinder zu haben, ist die Sicherheit, welche haben zu können.

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Für mehr als sechs Millionen Bürger ist das ein großes Problem.

Sie haben keine Kinder, obwohl sie sich welche wünschen. Und sie leiden darunter. Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein Zustand, der nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht. Zwar gilt Zeugungsunfähigkeit heutzutage als ein medizinisch behebbares Problem; in der Gesellschaft aber ist sie ein Tabu.

Widerspruch zwischen Medizin und öffentlichem Diskurs

Ungewollt kinderlos
Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.

Sechs Millionen Deutsche sind ungewollt kinderlos. Wie gehen sie mit dieser Lebenskrise um? Alle Beiträge zum Thema finden Sie hier.  |  © Miriola Dzik/Photocase

Dieser Widerspruch ist befremdlich. Über Methoden der künstlichen Befruchtung wird viel und detailreich berichtet. Ungewollte Sterilität ist von der Weltgesundheitsorganisation als Krankheit anerkannt. Über die Modalitäten von Adoptionen wird gerade wieder lebhaft diskutiert. Doch kaum eine Frau mag über den Kreis ihrer engsten Freundinnen hinaus darüber sprechen, wenn sie Hormone nimmt, um ihre Fruchtbarkeit zu stimulieren – Männer noch viel weniger. Wer wie die Autoren dieser Themenwoche nach Menschen sucht, die öffentlich über ihre Erfahrungen mit der künstlichen Befruchtung reden und auch über das Scheitern daran, trifft auf große Zurückhaltung. Diejenigen, die sich entschließen, davon zu erzählen, tun es oft nur anonym.

Drei Gründe lassen sich dafür finden. Sie rühren an den Kern unserer Identität. Alle haben wenig mit dem Kind zu tun, sondern viel mit den potenziellen Eltern.

Eigennutz

Erstens: Fragt man Psychologen, warum Menschen sich Kinder wünschen, lautet ihre Antwort fast immer, es gehe um Selbstverwirklichung. Dahinter treten die althergebrachten Motive zurück: Arterhaltung, wirtschaftliche Absicherung, soziale Konformität.

Karsten Polke-Majewski
Karsten Polke-Majewski

Karsten Polke-Majewski ist Leiter Investigativ/Daten von ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Was den Kinderwunsch vieler Menschen heutzutage antreibt, ist beispielsweise die Vorstellung, mit dem weitergegebenen Leben ein Ebenbild von sich selbst schaffen zu können und so ein Stück Unsterblichkeit zu erlangen. Manche projizieren Glücks- und Heilserwartungen auf das Kind, die das eigene Leben nicht anzubieten hat. Andere hoffen darauf, bedingungslos geliebt werden. Oft ist es auch die Angst, im Alter einsam zu sein. "Zutiefst persönliche Ursehnsüchte kreuzen sich hier mit einem utopischen Begehren nach einer besseren Welt", schreibt die Autorin Millay Hyatt über ihre eigene Kinderlosigkeit.

Dieser Egoismus ist Paaren, die kein Problem mit dem Kinderkriegen haben, selten bewusst. Sie werden auch nicht danach gefragt. Doch jene, die sich medizinisch um Nachwuchs bemühen, hören schnell: Warum ist Euch das so wichtig? Ehrlich zu antworten hieße Eigennutz zuzugeben. Oder Naivität. Schweigen aber lässt diese Motive nicht verschwinden. Sie sind tief in uns verankert. Argumente helfen da nicht weiter.

Unwucht in der Beziehung

Der zweite Grund: Der unerfüllte Kinderwunsch untergräbt ein Bild unseres modernen Lebens, nämlich das des emanzipierten und gleichberechtigten Liebespaares. Von außen wird Kinderlosigkeit oft als Problem eines Paares betrachtet. Er und sie können eben keinen Nachwuchs bekommen. So aber ist es nur in einem kleinen Teil der Fälle. Viel öfter könnte sie schon, wenn er fruchtbar wäre; oder umgekehrt.

Leserkommentare
  1. daß sie sich dieses wichtigen Themas annehmen.
    Leider erwähnt der Artikel nicht die Ursache Nummer eins für ungewollte Kinderlosigkeit: Das Fehlen eines geeigneten Partners. Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem. In englischsprachigen Ländern wird diese Art der Unfruchtbarkeit als "social infertility" bezeichnet. Meiner Meinung nach treffend, denn das Ausmaß der ungewollten Kinderlosigkeit gerade in dieser Bevölkerungsgruppe ist sozial und gesellschaftlich bedingt. Hier gibt es für die Gesellschaft viel Spielraum, um die sogenannte "Fertilitätslücke" (Diskrepanz zwischen bestehendem und verwirklichtem) Kinderwunsch zu schließen. Ich hoffe, in der "ZEIT" einiges dazu lesen zu können.

    20 Leserempfehlungen
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    "Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem."

    Für die überdurchschnittlich ausgebildeten Männer ist das kein Problem?

    MfG
    FT

    "Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem."

    Warum ist das ein Problem? Weil Frau, gut ausgebildet, keinen Busfahrer heiraten mag? Warum eigentlich nicht? Wieso ist es bei Männern durchaus üblich, dass sie, gut ausgebildet, weniger gut ausgebildete Frauen als potentielle Partnerinnen akzeptieren, Frauen aber nur entweder Männer im gleichen sozialen Status oder höher akzeptieren?

    Das ist doch eher ein gesellschaftliches Problem, denn ein Problem gut ausgebildeter Frauen. Geht es hier nicht um Liebe?

    Haben Frauen ein Problem damit, das eine (Liebe) vom anderen (sozialer Status) zu trennen?

    Hier zeigt sich doch eher das Phänomen, dass Frau in erster Linie den Versorger sucht und Mann in erster Linie etwas zum Vorzeigen.

    Redaktion

    Sehr geehrte(r) Doublethink,

    Danke für Ihren Hinweis. Wir haben uns schon einige Male mit diesem Problem beschäftigt. Zum Beispiel hier: http://www.zeit.de/2012/33/C-Beziehung-Frauen-Maenner

    Viele Grüße
    Karsten Polke-Majewski

    " Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem. "

    Ich muss da jetzt noch mal nachhaken:
    Wieso suchen sich diese überdurchschnittlich ausgebildeten Frauen denn keine überdurchschnittlich ausgebildeten Männer? Dann wäre die Frage nach der "Hierarchie" doch eigentlich überflüssig.

    MfG
    FT

    wenn ich Sie richtig verstehe, das Fehlen eines geeigneten Partners ist sozial und gesellschaftlich bedingt.

    Ich denke individuelle Faktoren, wie zB. Einstellung und Chraktereigenschaften, kann man nicht außer Acht lassen.

    Auch wenn ich Ihnen ein Stück weit Recht geben muss, kann man nicht sagen, die Gesellschaft allein ist dafür verantwortlich, dass manche gut ausgebildete Frau keinen Partner findet.
    Wie soll die Gesellschaft das dann beheben? Zwangsehen einführen?;)

    Glück und Unglück spielen sicher auch immer mit rein!

    ist bspw. in der Soziologie weit diskutiert. Es ist bekannt, dass schlecht ausgebildete Männer geringere Chancen auf dem Partner- und Heiratsmarkt haben.

    In der ZEIT fand ich dazu folgenden Artikel:

    http://www.zeit.de/2012/33/C-Beziehung-Frauen-Maenner

    Ab Ende Seite 2 wird es da interessant.

    Glücklicherweise hat sich das heute aber relativiert, siehe

    https://www.statistik.bayern.de/presse/archiv/2011/289_2011.php

    Die meisten Paare sind halbwegs "gleichqualifiziert".

  2. paare mit kinderlosigkeit. und muss feststellen nach diversen diskussionen, wo ein wille, da wuerde meist ein weg. ob mit technischer hilfe, oder mit dem aufheben von blockierungen beim paar selber.

    wie der artikel schon sagt, die kinderlosigkeit hat oft mehr mit den einstellungen des paares zu tun

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    • hadebe
    • 08. April 2013 12:34 Uhr

    Ich habe in meinem Bekanntenkreis mehrfach mitbekommen, dass bei zunächst vorhandener Kinderlosigkeit, die nicht physisch bedingt war tatsächlich Blockaden überwunden werden mußten.
    Das war zwar nicht geplant, hat aber im Nachhinein funktioniert.
    Überall auf der Welt gibt es (magische oder heilige?) Orte, denen man eine Wirkung betreffs Fruchtbarkeit zuspricht.
    Und nachdem ein Besuch solcher Orte vielfach vom Erfolg gekrönt war (selbst, wenn es in einem Fall als Jux abgetan wurde) - sollten kinderlose Paare das in Erwägung ziehen.
    Ich denke, dass allein ein Aufsuchen solcher Orte und eine Durchführung dort üblicher Rituale ein solches Outen für die Psyche bedeutet, dass dadurch eine Lösung einer Blockade resultieren kann.
    Blockaden können auch dann fallen, wenn die Befruchtung in eine Zeit großen seelischen Stresses oder in einer ausweglosen Situation stattfindet.
    Bloß - erzwungen hat das niemand - das hat sich erst beim Suchen nach Gründen für die plötzliche Schwangerschaft herausgestellt.
    Gruß hadebe.

    Redaktion

    Sehr geehrter Herr Schweden,

    Die Erwartung "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg" ist bei ungewollter Kinderlosigkeit nicht so leicht zu erfüllen, wie wir gerne denken. Die Schwierigkeiten dabei kann man beispielsweise in unserer Infografik gut sehen: http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-03/ungewollt-kinderlos-infogra...

    Wir werden auf diese Frage in der Themenwoche noch einige Male eingehen.

    • Krin
    • 08. April 2013 13:18 Uhr

    Sehr geehrter Herr Schweden,
    ich kann - leider aus eigener Erfahrung - dem Kommentar der Zeit Redaktion nur beipflichten. Denn wo ein Wille ist, gibt es nun einmal nicht immer den Weg, welcher zu einer erfolgreichen Schwangerschaft wird.
    Daher hoffe ich, dass solche Kommentare auch durch die Aufklärung in diesen Artikeln in Zukunft mit mehr Umsicht formuliert werden.
    Vielleicht, indem man nicht über "den Weg" spricht sondern alternative Wege aufzeigt, wie eine kinderlose Partnerschaft erfüllt und glücklich sein kann.
    Krin

    ... ist nicht immer gut gemacht.

    Ich habe nicht den Eindruck, dass Ihr Kommentar "bös gemeint" ist. Ihnen dürfte nicht bewusst sein, dass Sie mit solchen Äußerungen den Druck auf solche Paare nur noch mehr erhöhen!

    Das ist genau das gleiche Dilemma, wie es Wundheiler erzeugen: Dein Krebs geht weg, du musst nur die richtige Einstellung haben. ... Er ist nicht weggegangen? Dann hattest du nicht die richtige Einstellung.

    Oder verglichen mit der Situation eines Depressiven: Der Hinweis auf die lachenden Menschen, die durch die Frühlingssonne gehen, kann einen Menschen in depressiver Stimmung dazu inspirieren, dem gleich zu tun. Einen Menschen mit echter Depression ziehen Sie damit nur noch mehr nach unten!

    Wenn Sie einem kinderlosen Paar sagen: Wo ein Wille, da ein Weg, sind Sie doch exakt beim Druck. Klappt es nicht, war dein Wille zu schwach. Dann musst du noch mehr wollen. Genau das Gegenteil von Druck raus!

    Und auch mit der Einstellungsfrage muss man sehr vorsichtig sein, weil es genügend Gründe für fehlende Kinderlosigkeit gibt, die nicht an der fehlenden Einstellung liegen!

    • Jay83
    • 09. April 2013 12:57 Uhr

    Typische Antwort von Nicht-Betroffenen... Erstmal mit tollen Lösungsvorschlägen daher kommen...
    Das aus Kinderwunschbehandlungen leider die meisten Paare ohne Erfolg raus gehen und dass es eine enorm psychische Belastung ist interessiert nicht?

    Ich arbeite im Bereich der Chinesischen Medizin und weiß aus der Praxis, dass es oft relativ einfach ist, den Wunsch nach eigenen Kindern wahr werden zu lassen...und dabei oft nicht einmal wahnsinnig teuer...! Mit Hilfe von Übungen (Qigong), Akupunktur und Kräutern geht es sehr oft in wenigen Wochen ohne Nebeneffekte. Wir als Paare müssen nur bereit sein, uns ernsthaft darum zu bemühen und nicht nur der Schulmedizin zu vertrauen. Joachim Stuhlmacher

  3. Dieser Artikel fasst kurz und angenehm unaufgeregt die wesentlichen Faktoren zusammen. Er kann vielleicht manchen Paaren helfen, wenn sie sich ihren Mitmenschen erklären möchten, ihnen jedoch die Worte fehlen. Diese zwei Seiten können eine gute Gesprächsgrundlage bieten.

    Eine Leserempfehlung
  4. "Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem."

    Für die überdurchschnittlich ausgebildeten Männer ist das kein Problem?

    MfG
    FT

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    für jeden ein Problem, unabhängig von der Ausbildung. Was ich meinte, ist daß Frauen umso häufiger davon betroffen sind, je höher ihr Bildungsstand ist. Bei den Männern ist der Zusammenhang eher umgekehrt. Wobei ich glaube, daß auch höhergebildete Männer zunehmend ein Problem bekommen.

    Hängen da auch zusammen, die meisten Frauen wollen erst Kinder, wenn zumindest die primäre Berufsausbildung abgeschlossen ist.
    Praktisch bedeutet das, dass eine Frau nach Schulabschluss und durchschnittlich 3-jähriger Ausbildung jünger und damit fertiler ist als Frau nach Schulabschluss und Studium.
    Denke, daß dies ein Aspekt ist,d er bei Frauen einfach stärker ins Gewicht fällt.

    Wobei natürlich auch bei Männern mit steigendem Alter die Fertilität sinkt, wie der Artikel ja bereits erwähnte.

    MfG,
    Shari

  5. ...erinnert mich an einen Artikel von Bahman Nehumand über die Mentalität der Deutschen:

    “Angst, Unsicherheit und Zweifel und der daraus resultierende Hang zur Perfektion und Sachlichkeit umfassen aber nicht nur den ökonomischen, technischen und wissenschaftlichen Bereich, wogegen wenig einzuwenden wäre, sie überschatten die zwischenmenschlichen Beziehungen ebenso wie die eigene Gefühlswelt. Selbst Freundschaft, Liebe und familiäre Beziehungen bleiben von dem bohrenden Zweifel, von der Versachlichung nicht verschont. Wenn zwei sich lieben, was zu den natürlichsten und schönsten. Regungen gehört, wollen oft die Betreffenden schon nach einer kurzen Zeit „der Sache auf den Grund gehen“. „Wieso lieben wir uns eigentlich?“ fragen sie. Es wird solange gebohrt und die Gefühle werden so stark seziert, bis das Spontane sich einer rationalen Logik unterwirft und damit seines eigentlichen Sinns beraubt wird. Bleibt man weiterhin zusammen, dann weiß man auch den Grund.”
    http://www.zeit.de/1992/40/der-deutsche-hasst-nicht-die-fremden-eher-has...

    Meine Güte, Kinderwunsch ist den meisten Menschen eben angeboren, ein Instinkt, ein Trieb, der befriedigt werden will. Man ist es auch denen schuldig, die einen selbst in die Welt gesetzt und geliebt haben, dies in die nächste Generation weiterzutragen. Das ewige Hinterfragen ist schon der Anfang, sich das Leben schwer zu machen.

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    Das ist doch genau das Problem. Wenn alles spontan läuft, wird man mit den Gefühlen unter der Oberfläche gar nicht erst konfrontiert. Man kann sich sogar mit seinem "Altruismus" brüsten, man habe die Kinder nur um ihrer selbst willen oder für die Gesellschaft etc in die Welt gesetzt
    Dabei ist es wie mit dem Laufen: Wenn alles ok ist, läuft man einfach. Erst wenn es irgendwo hakt, wird einem bewusst gemacht, wie kompliziert und störanfällig, ja beinahe unwahrscheinlich dieses völlig Banale ist.
    Wer sich damit auseinandersetzen muss, hat in der regel nicht darum gebeten. Und kann auf Poltereienen a la "Macht euch doch das Leben nicht schwer, dann flutscht das schon" gern verzichten.

  6. 6. Warum?

    "Besonders für überdurchschnittlich ausgebildete Frauen ein Problem."

    Warum ist das ein Problem? Weil Frau, gut ausgebildet, keinen Busfahrer heiraten mag? Warum eigentlich nicht? Wieso ist es bei Männern durchaus üblich, dass sie, gut ausgebildet, weniger gut ausgebildete Frauen als potentielle Partnerinnen akzeptieren, Frauen aber nur entweder Männer im gleichen sozialen Status oder höher akzeptieren?

    Das ist doch eher ein gesellschaftliches Problem, denn ein Problem gut ausgebildeter Frauen. Geht es hier nicht um Liebe?

    Haben Frauen ein Problem damit, das eine (Liebe) vom anderen (sozialer Status) zu trennen?

    Hier zeigt sich doch eher das Phänomen, dass Frau in erster Linie den Versorger sucht und Mann in erster Linie etwas zum Vorzeigen.

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    liegt das Problem auch bei den Männern, denen intellektuelle Frauen nicht ganz geheuer sind?

    ehe sie ihn heiraten darf, da werden sie mir doch bestimmt zustimmen. Sie kann ihn sich nciht einfach so "nehmen", oder?

    Unsere Muster der Partnerwahl (bei beiden Geschlechtern) sidn sehr stark evolutionär "hardwired" und weniger kulturell anerzogen, als viele das wahrhaben möchten. In Gruppen mit sozialer Hierarchie und zeitlich begrenzter Fortpflanzungsfähigkeit der weiblichen Individuen ist die erfolgreichste Paarbildung (im Sinne des hinterlassenen Nachwuchses) die zwischen junger Frau und Mann mit hohem Status. Nun ist der Mensch nun einmal das Produkt dieser Evolution, und was attraktiv gefunden wird, kann nicht angeordnet werden. Eine Schuldzuweisung an die Geschlechter ist kontraproduktiv und bringt eh nix.
    Ein Vergleich mit anderen Ländern oder Gesellschaften zeigt aber, daß der hohe Anteil ungewollt kinderloser Akademikerinnen in Deutschland durchaus kein biologisches Schicksal ist, sondern etwas mit den sozialen Zuständen hierzulande zu tun hat.

    Dann kommen Sie doch mal als gut ausgebildete Frau mit einem Busfahrer nach Hause und stellen diesen Ihrem Vater vor (und anschließend Ihren Freundinnen, Kollegen...). Diese Reaktionen auszuhalten ist nicht ganz einfach. Zu sehr übernehmen die anderen die Deutungshoheit über das eigene Glück (Du verschenkst Dich, Du verkaufst Dich unter Wert, Was willst Du denn mit dem, Der kann Dir doch gar nichts bieten, etc.).

    Und viele (nicht alle!!) Männer kommen mit einer besser ausgebildeten (evtl. also auch klügeren) und demzufolge häufig auch besser verdienenden Frau nicht besonders gut zurecht.

    Diese Tatsache nur den vermeintlich wählerischen Damen anzulasten ist kurzsichtig.

    Es geht in einer langen Beziehung aber eben nicht nur um Liebe.
    Es geht - wenn die Sache länger halten soll - auch um gemeinsame Interessen und das Bedürfnis den Alltag gemeinsam zu meistern.
    Ein ähnlicher Background ist dabei oft hilfreich - so überheblich das jetzt vielleicht klingen mag.
    Das kommt immer erst mal ein bisschen krass rüber, hat aber nicht zwingend mit Überheblichkeit zu tun.
    Ich bin Akademikerin und möchte - längerfristig gesehen - einen Partner haben, mit dem ich mich auch über die Dinge unterhalten kann, die mich neben dem ganz Alltäglichem beschäftigen.
    Da ist es dann eben ganz angenehm jemanden als Partner zu haben, der eine ähnliche Ausbildung hat, ähliche Interessen und ebenso einen ähnlichen Wissensstand.
    Das nur mal so am Rande.

    Ich bin Mathematikerin.
    Ich traue mich beim Kennenlernen kaum, das zu erwähnen, weil ich schon sehr häufig die Erfahrung gemacht habe, dass Männer dann Angst bekommen. Sofort gingen sie auf Abstand. Wohl aus Angst, intelektuell nicht mithalten zu können.
    Dabei ist mir nicht wichtig, welchem Beruf mein Patner nachgeht. Berufswahl und Intellekt sind sowieso zwei paar Schuhe.
    Und Männer fühlen sich oft entmannt, wenn die Frau mehr verdient.

    Also ist es eher das Problem, dass schlechter ausgebildete Männer keine besser ausgebildeten Frauen möchten.

    Da mag aber jeder andere Erfahrungen gemacht haben.

    "Warum ist das ein Problem? Weil Frau, gut ausgebildet, keinen Busfahrer heiraten mag? Haben Frauen ein Problem damit, das eine (Liebe) vom anderen (sozialer Status) zu trennen?"

    Schon einmal daran gedacht, dass es der Busfahrer sein könnte, der damit nicht zurecht kommt, wenn seine Freundin/Frau mehr verdient als er, einen höhen Bildungsstandard und ggf. mehr Macht und Einfluss als er selbst hat?

    ...die ihm gefällt, nur weil sie mehr Geld und Bildung hat, habe ich noch nicht erlebt. Das ist Männern bei der entsprechenden Optik der Frau mal sowas von egal. (Womit natürlich nicht legetimiert werden soll, nur auf Äußerlichkeiten zu achten...natürlich nicht!).
    Ich interessiere mich natürlich nur für ihren möglichst guten und moralisch einwandfreien Charakter. Am liebsten wäre mir, wenn sie sich nicht nur für materielle Dinge interessieren würde.
    Hach, ist die Liebe nicht wat schönes?...

    • blue74
    • 08. April 2013 11:24 Uhr

    Dieses Schicksal wäre dann vielleicht etwas einfacher zu tragen, wenn die Politik sich nicht so anstellen würde, als wäre es fast Bürgerpflicht Nachwuchs zu zeugen. Wir haben eigentlich ganz andere Herausforderungen zu meistern, wie z.B. die Klimawende.

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    macht gerade seit ca. 15-17 Jahren Pause, während unerfülter Kinderwunsch viele Menschen peinigt und quält, tagaus, tagein. Schön für Sie, daß Sie nicht das Problem haben.

    sollte sich vor allem mal schleunigst darum kümmern, die Möglichkeiten der modernen Medizin, die Fertitlität zu steigern und ungewollte Kinderlosigkeit zu überwinden, in Deutschland flächendeckend einzuführen und die Kosten entsprechender Behandlungen durch die Krankenkassen decken zu lassen.

    • R.J.W.
    • 08. April 2013 15:37 Uhr

    denn die ganzen Gesetze die Kinderwunschbehandlungen betreffen sind nicht immer nachvollziehbar, warum soll ein Paar wenn der Mann aus medizinischen Gründen keine eigenen Spermien produziert alles alles aus eigener Tasche bezahlen?! Samenspende erlaubt, aber bitte selber bezahlen!
    Wenn eine Frau keine brauchbaren Eizellen hat ist man hier in Deutschland auch aufgeschmissen!
    Warum werden die Versuche die bezahlt werden auf drei beschränkt? Wird "Normalo" nach drei mal Geschlechtsverkehr schwanger?

    Nach 3 Jahren inkl. mehrerer Inseminationen mit Fremdsperma, H-IVF,H-ICSI und Kryos sind wir 20.000 Eur ärmer, wir hatten eine Fehlgeburt,eine Eileiterschwangerschaft inkl. Entfernung des Eileiters.
    Wir haben uns für eine Embryonenspende entschieden, leider auch nicht möglich in Deutschland obwohl es einige Familien gibt die ihren Kinderwunsch erfüllt haben und noch Embryonen auf "Eis" haben, diese nicht verwerfen wollen, und gerne spenden würden!

    Die Behandlung war erfolgreich, wir sind endlich eine Familie!
    Und wir sind nicht Ü30, und selbst wenn, wer nimmt sich das Recht raus andere zu verurteilen, viele KiWu Paare Ü30+ sind schon seit Jahren in Behandlung! Es geht hier um ungewollt kinderlose Paare nicht um gewollt kinderlos!

    Warum viele Paare schweigen?!
    Wir wollten keine Tipps hören alla "fahrt in den Urlaub","na dann adoptiert doch" usw.
    Jetzt schweigen wir da wir unseren Kindern die Wahl lassen wollen wer wieweit über ihre Entstehung bescheid wissen soll.

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie den konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/jp

  7. für jeden ein Problem, unabhängig von der Ausbildung. Was ich meinte, ist daß Frauen umso häufiger davon betroffen sind, je höher ihr Bildungsstand ist. Bei den Männern ist der Zusammenhang eher umgekehrt. Wobei ich glaube, daß auch höhergebildete Männer zunehmend ein Problem bekommen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@Doublethink"
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    • welll
    • 08. April 2013 11:41 Uhr

    Ausbildung braucht Zeit, Karriere braucht Zeit.

    Im akademischen Bereich treffen alle Faktoren zusammen, die gegen Kinder sprechen: Grosse wirtschaftliche Unsicherheit, geforderte hohe zeitliche Flexibilität und geforderte hohe örtliche Flexibilität.

    Wenn dann noch Hypergamie dazu kommt, oder sich kein Mann finden lässt, der der Frau den Rücken frei hält, sieht es halt finster mit dem Kinderwunsch aus. Kaum zu ändern.

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