GroßbritannienGeheimdienst soll Londoner Terrorverdächtige gekannt haben

Der MI5 hat laut Medienberichten die Männer beobachtet, die einen Soldaten in London getötet haben sollen. Einer der beiden sei Konvertit nigerianischer Abstammung.

Polizisten am Tatort im Londoner Stadtteil Woolwich

Polizisten am Tatort im Londoner Stadtteil Woolwich  |  © Neil Hall/Reuters

Dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5 sollen die beiden Männer bekannt gewesen sein, die verdächtigt werden, einen Soldaten in London getötet zu haben. Dies berichtet der Sender BBC unter Berufung auf Regierungsquellen

Einer der beiden Verdächtigen ist nach Polizeiangaben ein 28 Jahre alter Konvertit, der in Großbritannien geboren, aber nigerianischer Abstammung ist. Beide Männer wurden festgenommen. Der Haftbefehl stehe in Zusammenhang mit dem Mord im Londoner Stadtteil Woolwich, teilten die Ermittler mit.

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Großbritanniens Premierminister David Cameron nannte die Tötung des Soldaten einen Angriff auf das Land. "Nichts im Islam" rechtfertige eine solche Tat, sagte Cameron wegen der mutmaßlich islamistisch motivierten Tat. Großbritannien werde "gewalttätigem Extremismus und Terror" immer entgegen treten.

Der Soldat war am Mittwochnachmittag auf offener Straße brutal getötet worden. Augenzeugen zufolge wurde er enthauptet. Laut Berichten trug das Opfer ein T-Shirt mit dem Emblem der militärischen Wohltätigkeitsorganisation Help for Heroes.

Alarmierte Polizisten schossen die beiden Verdächtigen an und nahmen sie fest. In der Nacht wurden sie in Londoner Krankenhäusern behandelt. Einer der beiden soll dabei lebensgefährlich verletzt worden sein. Sie sollen am Donnerstag verhört werden.


Der tödliche Angriff auf den Soldaten erfolgte in dem südöstlichen Stadtteil Woolwich, nur wenige Häuserblocks von den Royal Artillery Barracks entfernt. Britische Medien zeigten ein Handyvideo, in dem ein Mann ein Fleischerbeil und ein Schlachtermesser in den Händen hielt und antibritische und radikalislamische Parolen von sich gab. 

Das vom britischen Sender ITV veröffentlichte Video soll den mutmaßlichen Angreifer zeigen. Der Gefilmte gibt sich als Angreifer aus. "Wir schwören beim allmächtigen Gott, dass wir niemals aufhören werden, euch zu bekämpfen", sagte der Mann mit britischem Akzent. Die mutmaßlichen Täter sollen auch "Allahu Akbar" ("Gott ist groß") gerufen haben, berichtete die BBC unter Berufung auf Regierungskreise.  

Weiter fordert der Mann, die britische Regierung solle die "Soldaten zurückholen". Britische Truppen sind in Afghanistan stationiert, in Mali hat Großbritannien kürzlich die französische Intervention unterstützt. 

Islamfeindliche Aktionen

Wenige Stunden nach dem Attentat kam es in London zu islamfeindlichen Aktionen. Ein 43-Jähriger wurde festgenommen, als er mit einem Messer in eine Moschee eindrang, berichtete die Polizei in Essex. Ein zweiter Mann wurde wegen Verdachts auf rassistisch motivierte Sachbeschädigung im Südosten des Landes festgenommen. Der Guardian berichtete, dass sich die rechtsradikale English Defense League Straßenkämpfe mit der Polizei geliefert habe.

Am Abend demonstrierten rund 50 Männer in Woolwich. Einige trugen die Fahne der rechtsextremen English Defense League, sangen nationalistische Lieder und riefen Obszönitäten über den Koran.

Muslimrat verurteilt das Verbrechen

Der Britische Muslimrat verurteilte das Verbrechen. "Nichts rechtfertigt diesen Mord. Barbarische Akte können in keiner Weise mit dem Islam entschuldigt werden", hieß es in einem Statement. Auch Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen verurteilte die Tat. "Solche Anschläge sind niemals zu rechtfertigen", sagte er. Die britische Innenministerin Theresa May sagte nach der ersten Sitzung des Sicherheitskabinetts, es sei ein Anschlag "auf alle in Großbritannien" gewesen.

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Leserkommentare
  1. ...oder angeschossen und befinden sich in unterschiedlichen Krankenhäusern?
    Schön das der britische Muslimrat auch was zu dem Thema gesagt hat.
    Und das auch darüber berichtet wird das er was gesagt hat.

    10 Leserempfehlungen
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    • tnbt
    • 23. Mai 2013 7:53 Uhr

    Das habe ich mich gerade auch gefragt..

    • tnbt
    • 23. Mai 2013 7:56 Uhr

    Also laut CNN sind die beiden Täter angeschossen worden und werden aktuell im Krankenhaus behandelt.

    • boxo
    • 23. Mai 2013 7:41 Uhr
    2. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich beim konkreten Artikelthema. Danke. Die Redaktion/kvk

    32 Leserempfehlungen
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    warum ein solcher Kommentar.können sie nicht einfach mal abwarten bis es wirkliche Infos gibt. Im übrigen,erklären sie mir mal wie sie solche Taten verhindern wollen. Fanatiker,ob islamitisch,katholich oder sonstwas, finden immer einen weg.

    Entfernt. Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/kvk

    Wie lauten denn Ihrer Meinung nach die konkreten Maßnahmen, die man tun müsste um solche Gewalttaten zu verhindern? Alle Muslime einsperren? Ausländer raus - Deutschland den Deutschen? Ist es das, wo drauf Sie anspielen? Willkommen zurück, "lieber" Nationalismus und Fremdenhass.

    Hier wird ein sinnloser und brutaler Gewaltakt zu etwas hochstilisiert, was er nicht ist. Es ist kein Anschlag des Islams auf das Christentum oder die westliche Welt, der zum Handeln auffordert. Wer so denkt ist entweder dumm oder naiv. Wenn Psychopathen Amokläufe in Schulen machen, dann handelt es sich auch nicht um eine gezielte Aktion der Psychisch Kranken gegen die "Gesunden", sondern um die verwirrten Taten von Einzelnen.
    Der britische Muslimrat hat bereits jetzt, obwohl noch wenig Hintergrundinformationen bekannt sind, die Tat aufs schärfste verurteilt. Dies sollte eigentlich zeigen, wie die große Mehrheit der Muslime solche Taten aufnimmt.

    Und noch eine kleine Anmerkung zum Schluss: Auch wenn Sie das jetzt wahrscheinlich gar nicht verstehen können oder wollen, aber ich halte Aussagen wie die Ihre fast genauso bedenklich wie solche Gewaltakte. Denn durch dieses tiefe Misstrauen, ja fast schon Hass, einem bestimmten Kulturkreis und Religion gegenüber legt man nur den Grundstein für weitere Konflikte und Vorurteile. Worin das endet kann man bereits in London sehen: jetzt schlägt der weiße, christliche Mann zurück und attackiert die Moscheen. Tolle Welt!

    daß auch hier ein bedauerlicher Einzelfall vorliegt. Wie in Stockholm.

    Der Kommentar auf den Sie sich kritisch beziehen wurde inzwischen entfernt. Die Redaktion/kvk

    Zwei Umstände sind in den Kommentarsektionen auf ZEIT Onkline immer wieder zu beobachten, wenn es um Themen wie Islam etc. geht:

    1. Wirklich üble Hetze befindet sich oft unter den allerersten Kommentaren. Haben solche Hetzer eigentlich besonders viel Zeit, daß sie offenbar den ganzen Tag auf Artikel warten bei denen sie dann ihrem Haß freien Lauf lassen können?

    2. Die große Zahl an zustimmenden Votes für solche Kommentare. Entweder diese Hetzer sind hier mit massenhaften Mehrfachnicks angemeldet mit denen sie ihre eigenen Kommentare pushen, oder es gibt unter der Leserschaft ein solch fremdenfeindliches und islamophobes Potential, daß man sich wundern muß warum die NPD immer nur höchstens ein paar Prozent bei Wahlen bekommt.

    ...und befinden sich in einem Dilemma. Was ist zu tun? Keiner weiss es wirklich. Die Linken nicht, alle anderen auch nicht. Das, was sich heute als Folge der Verwerfungen in der muslmischen Welt vor allem in Europa abspielt, ist derart komplex, dass man einfach nur aus purer Klugheit, oder, wenn man so will, politischem Opportunismus, nicht allzu viel sagt. Fakten, Angst, Unsicherheit, Ideologien, Besserwisserei, wirbeln durcheinander und vermischen sich zu einem Brei, der sich auf der "Windschutzscheibe des gesellschaftlichen Vehikels" niederschlägt und dem Fahrer, Synonym für "Politik" die Sicht raubt. Alle, die Hardliner und die "Guten" haben ein bisschen recht. Genau das ist das gefährliche Momentum im politisch/gesellschaftlichen Prozess.

    • zfat99
    • 23. Mai 2013 7:47 Uhr

    ... Bundespräsidenten klingen noch in den Ohren, "diese Lebensfreude..."

    via ZEIT ONLINE plus App

    15 Leserempfehlungen
  2. "In die britische Hauptstadt ist die Terrorangst zurückgekehrt."

    Wer ist ängstlich ? Sollten die Morde nicht erst einmal aufgeklärt
    werden, bevor mit Mutmaßungen eine Terrorpanik herbeigeredet wird ?

    10 Leserempfehlungen
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    • Moika
    • 23. Mai 2013 10:31 Uhr

    Ich bin Ihrer Meinung: Das war ein sinnloser Mord, begangen von vermutlich fehlgeleiteten Jugendlichen, denn unter einem Attentat stelle ich mir etwas anderes vor.

    Cameron wird diese momentane "Ablenkung" von seiner katastorphalen Politik sehr gelegen kommen. Aber solange Politiker wie auch er sich scheuen, die mitlerweile dutzende zählenden Haßprediger in seinem Land zu endlich zu stoppen, können seine Regierung und er die "Hände nicht in Unschuld waschen".

    In der (von mir abgelehnten) Logik der Legitimität der Tötung von Feinden überall auf der Welt, der auch die Drohnenangriffe des Westens zugrundeliegen, handelte es sich um eine Kriegshandlung und nicht um Terrorismus.

    Terrorismus wäre ein Angriff auf die Zivilbevölkerung mit dem Ziel, diese in Angst und Schrecken zu versetzen, um ihren Alltag oder ihre politischen Anschauungen zu beeinflussen.

    Angesichts der Kollateralschäden der Drohnenangriffe erfüllen diese eher die Definition von Terrorismus als ein handwerklich ausgeführter Mord an einem einzelnen feindlichen Kämpfer es tut.

    Es sei denn, man folgt der inoffiziellen Definition von Terrorismus: Angriffe auf die unsrigen sind Terror, Angriffe auf die Feinde ehrbares Kriegshandwerk.

    • tnbt
    • 23. Mai 2013 7:53 Uhr

    Das habe ich mich gerade auch gefragt..

    Eine Leserempfehlung
    • tnbt
    • 23. Mai 2013 7:56 Uhr

    Also laut CNN sind die beiden Täter angeschossen worden und werden aktuell im Krankenhaus behandelt.

    • Nyuto
    • 23. Mai 2013 8:00 Uhr

    12. März 2012
    "Erst die Koran-Verbrennung und jetzt das: Ein US-Soldat tötet in Afghanistan 16 Menschen. Sein mutmaßlicher Amoklauf steht in einer langen Reihe von Verfehlungen der US-Armee. Was ist über den Täter bekannt? Und was bedeutet der Vorfall für den Abzug der Bundeswehr?"
    Sind Islamisten Messerstecher ? Sind Christen Amokläufer ? Sicher ist, dass Gewalt zu Gewalt führt, überall auf der Welt.

    28 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk

  3. ...das CL Finale mit dem Anschlag zu tun? Da musste mal wieder mit der Brechstange der Deutschlandbezug reingehebelt werden, in die Überschrift...

    17 Leserempfehlungen
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    Ob Ribery und Guendugan jetzt Angst haben muessen als Muslime, oder etwa die Christen im Team

    Wer Ironie findet...usw

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AP, AFP, mpi
  • Schlagworte Großbritannien | David Cameron | Geheimdienst | BBC | Anders Fogh Rasmussen | Anschlag
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