Jugendgewalt : Angeklagte bestreiten Schuld an Tod von Jonny K.

Der 20-jährige Jonny K. war auf dem Berliner Alexanderplatz zu Tode geprügelt worden. Zu Prozessbeginn haben sich die Angeklagten gegenseitig belastet.
Die Angeklagten im Jonny K.-Prozess: Osman A., Melih Y., und Hüseyin I. (von links) © Fabrizio Bensch/Reuters

Zum Prozessauftakt um die tödliche Prügelattacke am Berliner Alexanderplatz haben die Verdächtigen die Schuld am Tod von Jonny K. bestritten. Zudem belasteten sich die sechs Angeklagten zum Teil gegenseitig. "Ich habe ihn weder geschlagen noch getreten", hieß es in der persönlichen Erklärung des 19-jährigen Onur U., die sein Anwalt Axel Weimann vor dem Landgericht Berlin verlas. Er habe mit dem Tod des 20-Jährigen nichts zu tun, die anderen würden alles auf ihn schieben.  

Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Angeklagten im Alter von 19 bis 24 Jahren unter anderem Körperverletzung mit Todesfolge und gefährliche Körperverletzung vor. Die Tat hatte vor sieben Monaten bundesweit für Entsetzen gesorgt. Jonny K. war laut Anklage in der Nacht zum 14. Oktober 2012 mit wuchtigen Schlägen sowie Tritten so heftig attackiert worden, dass er stürzte und auf das Straßenpflaster prallte. Einen Tag später starb er an Gehirnblutungen. Laut Staatsanwaltschaft soll Onur U., der monatelang in der Türkei untergetaucht war, den Angriff provoziert haben. Dabei wurde auch ein Freund von Jonny K. am Kopf schwer verletzt. Onur U. hatte sich erst nach langem juristischen Tauziehen gestellt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte sich unter anderem persönlich bei den türkischen Behörden in den Fall eingeschaltet.

Der frühere Boxer und Deutschtürke Onur U. räumte in seiner Erklärung ein, in jener Nacht den Begleiter von Jonny K. mit beiden Fäusten zehn- bis zwölfmal ins Gesicht geschlagen zu haben, als er nach einer Party auf dem Weg nach Hause gewesen sei. Die anderen Mitangeklagten habe er nur flüchtig oder gar nicht gekannt. Darunter sind drei in Berlin geborene Cousins mit griechischer Staatsangehörigkeit.

Entschuldigung bei der Familie des Opfers

Die Angeklagten bedauerten in ihren Erklärungen oder in persönlich vorgetragenen Stellungnahmen die Tat und entschuldigten sich bei der Familie des Opfers. Dessen Schwester Tina K. tritt als Nebenklägerin auf. Die 28-Jährige engagiert sich seit dem Tod ihres Bruders öffentlich gegen Gewalt und tritt für Zivilcourage ein. Sie sagte am Rande, die Tat sei nicht zu entschuldigen. "Ich will einfach, dass die Wahrheit rauskommt."

Onur U. sagte, er habe Jonny K. zunächst nicht wahrgenommen. Später habe er ihn gesehen: "Der Junge lag da einfach nur – als ob er schlief." Aus Angst vor einer Vorverurteilung sei er so lange in der Türkei gewesen.

Der 24-jährige Bilai K., der ebenfalls monatelang flüchtig war, gab in einer schriftlichen Erklärung an, in der Tatnacht stark alkoholisiert gewesen zu sein. Weiter sagte er, Jonny K. "einen Tritt an den Oberschenkel" versetzt zu haben. Dieser habe K. jedoch nicht zu Fall gebracht. "Mein Tritt war es nicht", sagte er. In Erklärungen von zwei weiteren Angeklagten wurde Bilai K. jedoch beschuldigt, mehrfach auf Jonny K. eingetreten zu haben.

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Kommentare

33 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Ach so

"""Aggressionsbereitschaft auffallend vieler türkisch-, kurdisch- und arabischstämmiger männlicher Jugendlicher in Europa anzustoßen zu können"""
Jetzt weiss ich woher der Wind weht.
Wer von den Beteiligten war Kurde;Türke oder Araber?
Kann es sein das es Deutsche waren?
Oder doch Griechen?
Und mit Ihrer Aussage sind Sie so zu frieden?

Waren das auch Türken,Kurden,araber??

http://www.berliner-kurie...

http://de.wikipedia.org/w...