"Ich bin schwul, und das ist auch gut so." Dieser Satz von Klaus Wowereit gehört inzwischen zur deutschen Geschichte. Auch der amtierende Außenminister Guido Westerwelle und viele weitere Prominente bekennen sich offen zu ihrer Homosexualität. Seit 2001 können sich homosexuelle Männer und Frauen als Lebenspartner eintragen lassen, auch steuerlich sollen sie nun mit Ehepartnern gleichgestellt werden. Das alles lässt vermuten, Homo- und Bisexualität wären inzwischen gesellschaftlich akzeptiert.

Eine Studie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) offenbart nun aber eine andere Realität: Noch immer, so heißt es dort, fühlen sich 46 Prozent der Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuellen in Deutschland wegen ihrer sexuellen Identität und Orientierung diskriminiert. Die Deutschen rangieren damit im Durchschnittsfeld aller EU-Länder: Europaweit beklagen sich durchschnittlich 47 Prozent aus dieser Gruppe über Diskriminierung. Am stärksten sind Transgender, also Menschen, die von der ihnen zugewiesenen sozialen Geschlechterrolle abweichen, Diskriminierungen ausgesetzt.


Ob in der Schule, beim Arzt oder am Arbeitsplatz: In allen Lebensbereichen gehören Benachteiligung und verbale oder körperliche Gewalt zum Alltag vieler Befragter: So beklagen 32 Prozent, in Lebensbereichen außerhalb des Jobs diskriminiert zu werden. Lesbische Frauen sind demnach mit 55 Prozent besonders häufig von Anfeindungen und Benachteiligungen betroffen.

Die Studie der FRA ist zwar nicht repräsentativ, doch die Ergebnisse decken sich mit den Beobachtungen von Fachleuten. Volker Beck etwa, der bei den Grünen für Menschenrechte zuständig ist, überraschen die Ergebnisse der Studie nicht. Über soziale Netzwerke bekommt Beck Schwulenhass regelmäßig auch selbst zu spüren. Auf einer Schwulendemo in Moskau wurde der Grünen-Abgeordnete 2010 sogar zusammengeschlagen.

Dass es auch in Westeuropa immer wieder Gewalt gegen Homosexuelle gibt, zeigte sich zuletzt in Frankreich. Als dort kürzlich die Einführung der Homo-Ehe vom Parlament beschlossen wurde, nahmen die Angriffe auf Schwule und Lesben zu.

Beck fordert, der Staat müsse mehr für die Akzeptanz von Homosexuellen tun: "Solange der Gesetzgeber sagt, Schwule und Lesben sollen nicht gleiche Rechte haben wie Heterosexuelle, muss man sich über Diskriminierung nicht wundern."