Religionsfreiheit : Vatikan vermutet Zehntausende getötete Christen pro Jahr

Laut Vatikan werden rund 100.000 Christen jährlich wegen ihres Glaubens getötet. Die Untersuchungsgrundlage dieser Behauptung nennt der Heilige Stuhl vor den UN nicht.
Zwei Nonnen auf dem Petersplatz im Vatikan © Jeff J Mitchell/GettyImages

Nach Einschätzung des Vatikans werden jedes Jahr weltweit mehr als 100.000 Christen wegen ihres Glaubens getötet. "Glaubwürdige Untersuchungen" seien zu diesem "schockierenden Ergebnis" gekommen, berichtete Radio Vatikan unter Berufung auf Erzbischof Silvano Maria Tomasi, den Ständigen Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen

Auf einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats prangerte Tomasi zudem die Zerstörung von Gebetsstätten, Vertreibungen und Vergewaltigungen sowie Entführungen hoher Geistlicher wie zuletzt in Syrien an. Den genauen Wortlaut seiner Rede veröffentlichte der Vatikan auf seiner Internetseite.

Besonders oft werde demnach im Nahen Osten, auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien gegen das Gebot der Religionsfreiheit verstoßen. Dies sei das Ergebnis von "Sektierertum, Intoleranz, Terrorismus und diskriminierender Gesetze", kritisierte Tomasi. Dabei leiste die Kirche wichtige Sozialarbeit in Bereichen wie Bildung, Kinderbetreuung, Krankenfürsorge und Flüchtlingshilfe.  

Ähnlich wie Tomasi hatte kürzlich auch der Kurienbischof der römisch-katholischen Kirche, Mario Toso, dazu aufgerufen, die Diskriminierung von Christen "genauso zu verfolgen wie den Antisemitismus oder die Islamophobie".

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Kommentare

130 Kommentare Seite 1 von 8
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so so

@TDU:
Du willst mir allen Ernstes erzählen in "Afrika" hätte es vorher keine Schulen gegeben? So brauchen wir garnicht diskutieren. Das ist blanker Eurozentrismus und Bilanz rassistischer Geschichtsschreibung.
Auch eine vermeintlich "positive Rolle" des Christentums in der Besetzung der Amerikas und Ausrottung der native Americans hier hervorkehren zu wollen, ist reine Hypokrisie. Ich würde Dir raten, mal ein richtiges Buch zu lesen.

P.S. Man kann sich übrigens auch ohne Religion hervorragend ehrenamtlich engagieren. Ohne dass dabei Minderheiten ausgeschlossen werden
http://evidentist.wordpre...

@pjcomment:
Liebe und Vergebung?
Klar.
Das ist reine Verschleierungstaktik. Das blendet lediglich aus, für welche Verbrechen das Christentum verantwortlich ist. In der Vergangenheit und heute.
Und das NT habe ich gelesen, danke für den Vorschlag. Isn bisschen langweilig. Und die Liebe und Vergebung wohl auch eher oberflächlich mMn.

Gerne nochmal:
Lk 19,27 Jesus sagt: Doch jene meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrsche, bringt her und erwürgt sie vor mir!

Inhalte des Neuen Testaments

Muss man sich wirklich ernstlich mit dem Folgenden auseinandersetzen?
Evangelium nach Matthäus, Kapitel 10, Verse 34 -36 (Mt 10, 34 - 36): Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen (statt "den Mann"; Frauen sind demnach keine Menschen) zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.
Oder Paulus, 1.Brief an die Korinther, 11, 3: Ich lasse Euch aber wissen, dass Christus ist eines jeglichen Mannes Haupt, der Mann aber ist des Weibes Haupt; Gott aber ist Christi Haupt. 1.Kor. 11, 9: Und der Mann ist nicht geschaffen um des Weibes willen, sondern das Weib um des Mannes willen. 1.Kor. 14, 34 - 36: Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset die Frauen schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugestanden werden, dass sie reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt. Wollen sie aber etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau übel an, in der Gemeinde zu reden. Oder ist von Euch das Wort Gottes ausgegangen? Oder ist's allein zu Euch gekommen? 1. Brief des Petrus, 3, 1: Desgleichen sollt ihr Frauen den Männern untertan sein, auf dass auch die, die nicht glauben an das Wort, durch der Frauen Wandel ohne Wort gewonnen werden.

Absurde Etymologie?

Im ersten Buch Mose, genauer im zweiten Schöpfungsbericht, der deutlich vom ersten abweicht, liest man über "den Menschen und sein Weib": 1. Mose, 2, 18 Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei. 1.Mose 2, 20 Und der Mensch gab jedem Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen, aber für den Menschen ward keine Gehilfin gefunden, die um ihn wäre. Vers 22 Und der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er vom Menschen nahm, und brachte sie zu ihm. Vers 25 Und sie waren beide nackt, "der Mensch und sein Weib", und schämten sich nicht.

Die Feststellung, dass Frauen in der Bibel nicht als Menschen bezeichnet werden, ist mitnichten demagogisch. Damit Frauen sprachlogisch Menschen sind, hätte "Mann" statt "Mensch" geschrieben werden müssen.

Mit der Sprachlogik ist es so eine Sache. Eine Partnerbörse wirbt mit dem Slogan "Für Akademiker und Singles mit Niveau". Genau genommen heißt das, dass Akademiker weder Singles sind noch Niveau haben, zumindest aber, dass es sowohl Akademiker als auch Leute mit Niveau gibt.

Demagogie ist nicht, die Dinge beim Namen zu nennen. Frauenverachtung ist für alle abrahimitischen und sonstigen Weltreligionen typisch. Für Judentum, Christentum und Islam gilt: 1. Mose 3, 16: Und zum Weibe sprach er: Ich will Dir viel Mühsal schaffen, wenn Du schwanger wirst; unter Mühen sollst Du Kinder gebären. Und Dein Verlangen soll nach Deinem Manne sein, aber er soll Dein Herr sein.

Glaubwürdige Quellen

Also ich kann mich meinem Vorredner nur El_Diplomatico nur anschließen. Deutschland arbeitet seine Vergangenheit auf, gibt Fehler zu und leistet viel Wiedergutmachung, auch wenn das geschehen in keinster Weise wiedergutzumachen ist.
Was genau macht denn die Kirche? Sie leugnet und vertuscht, und auch Sie scheinen die Inquisition und z.B. das Massaker in Jerusalem schon "vergessen" zu haben wenn Sie glaubwürdige Belege für Morde im Namen der katholischen Kirche fordern...

'so nebulös und pauschal'

bleibt es ein unsachlicher persönlicher Angriff, @hertonan - Sie suchen vermutlich einmal mehr Streit um des Streits Willen.

Open doors listet in Myanmar Karen und Kachin, in Laos Hmong als verfolgte Christen. Keine der drei Ethnien ist traditionell oder mehrheitlich christlich, alle drei werden seit Jahrzehnten verfolgt. Es steht Ihnen übrigens frei, sich darüber und auch über evangelikale Mission noch selbst zu informieren (mir ist evangelikale Mission aus 5 Ländern auf zwei Kontinenten aus eigener Anschauung bekannt), es ist nicht meine Aufgabe, Ihre persönlichen Angriffe zu be- oder entkräften.

zu Ihrem #36: Thomas Schirrmacher ist theologischer Vorsitzender der Weltweiten Evangelischen Allianz aka evangelikal. Sie hatten das Interview von 2006 als Quelle dafür angeführt, open doors sei nicht von Evangelikalen beeinflusst. Das ist unrichtig.

Richtig ist, daß Evangelikale (in D) auch unter der Schirmherrschaft der EKD, Ursula von der Leyen etc.pp. ihrer u.a.a. Mission nachgehen. Richtig ist, daß (weltweit) Christen, darunter auch Evangelikale, verfolgt werden und selbst verfolgen. Ebenso wie Muslime, Buddhisten, Hindus, Animisten etc.etc. verfolgt werden und ihrerseits Minderheiten verfolgen.

Weswegen ich mich für die Ächtung der Verfolgung von Minderheiten aus egal welchem Grund ausspreche: Hauptaussage.

Die Nebenaussage: open doors ist eine wenig seriöse Quelle und ich bedauere, wenn die RKK es vorzieht, sich eben so wenig seriös zu äußern, s. Artikel.

Es gerät zunehmend off topic

Die Hmong werden keineswegs nur in Laos, sondern auch in Südchina, Thailand, Vietnam (open doors listet sie dort unter Montagnards) verfolgt und zwar nicht nur, weil sie von den Franzosen/USA in den jeweiligen 'Indochina'-Kriegen mißbraucht wurden oder weil einige von ihnen zum Christentum missioniert wurden. Sondern primär, weil sie eine Ethnie sind, die nicht leicht regierbar ist, da sie traditionell weitab in den Bergen, oft nicht dauerhaft seßhaft lebt, Mohn anbaut, Rote-Liste-Tiere für chinesische Medizin jagt wie auch andere staatliche Gesetze nicht unbedingt beachtet.

Was davon nun Tradition ist und was Reaktion auf xx Jahre staatlicher Verfolgungen, ist kaum auszumachen. Um Mißverständnissen vorzubeugen: gerade die Hmong haben meine Sympathien, ich hatte beruflich in Nordvietnam in verschiedenen Hmong-Dörfern zu tun.

Zu Myanmar, Karen, Kachin empfehle ich Ihnen Lektüre zu bewaffneten Autonomie-Bestrebung mittels u.a. der Karen Independence Army und zu Missionierung durch amerikanische Evangelikale ab ca. Mitte des 19. Jhdts http://bit.ly/1azA8xu Zur aktuellen Lage der Menschenrechte http://www.khrg.org/

Sie haben mich ganz offenbar nicht nur bzgl. angeblicher 'Billigung der Verfolgung von Apostaten' mißverstanden, was trotzdem keinen Ihrer persönlichen Angriffe rechtfertigt.

Mir ist wohl bekannt, daß weltweit Christen verfolgt werden, ich zweifele allerdings generell an Mission + hier an der Methodik (damit an den Zahlen) von open doors und des Vatikan.

Achdujemine 2

Welches meiner Argumente haben Sie denn wo und womit widerlegt?
Das nähme ich sicher nicht als 'persönlichen Angriff', sondern als erfreuliche Hebung des Diskussions-Niveaus. Ein persönlicher Angriff war Ihre Unterstellung von 'notorischer Doppelmoral', den Sie btw in keiner Weise belegten, einen weiteren haben Sie ja bereits zurück genommen. Ich werde allerdings nicht in meine Kissen weinen, wenn Sie von der Kommentierung meiner Beiträge in Zukunft ganz absehen möchten.

Es täte mir ehrlich leid, sollte ich Sie in religiösen Gefühlen gekränkt haben, aber die Methodik der Erhebung von open doors halte ich trotzdem nicht für seriös - ich habe an drei Beispielen in zwei Ländern belegt und aus persönlicher Erfahrung berichtet, warum nicht. Karen, Kachin, Hmong werden primär aus anderen Gründen verfolgt als ihrer Konfession - anders, als open doors behauptet.

Was ihre Verfolgungen nicht weniger schlimm macht, weswegen ich mich für die Ächtung JEDER Verfolgung von Minderheiten durch Mehrheiten (und gegen JEDE Missionierung) ausspreche, eine solche Position auch von Christen im Vatikan und in evangelikalen Organisationen für denkbar halte und auch weiß, daß viele Christen unterschiedlicher Konfession das ähnlich sehen wie ich.

...;-)...

'Wieso also sind Sie gegen Argumentation und Dialog?'
Unterstellungen, wie Ihre hier bereits zweite http://www.zeit.de/gesell... einer 'Verharmlosung der Christenverfolgungen' ist weder 'Argument' noch 'Dialog', sondern: eine unbelegte + unzutreffende Unterstellung.

Sie könnten allerdings allmählich mal Ihre 'jederzeit statistisch nachprüfbaren' Fakten zur Christenverfolgung aus, ich hoffe, etwas seriöserer Quelle als Vatikan/open doors nachreichen.

Zu Ihrer feinsinnigen Analyse in #81: wie Sie den verlinkten Quellen hätten entnehmen können: Ende des 19. Jhdts wurde der erste (1.) burmesische Karen getauft. Ihre Annahme, man sei seit eineinhalb Jahrhunderten christlich, entbehrt jeder Grundlage. Bei 'frisch missioniert' dachte ich allerdings an mir persönlich bekannte vietnamesische Hmong (was ich unmißverständlich hätte schreiben können, geschenkt). Die Kombination von Hilfs- UND Missionswerk bei open doors wird für mich nicht dadurch seriöser, indem sie gleichzeitig missionieren UND verfolgte Christen zählen.

Sie werden mir schon erlauben müssen, daß ich die 'Freiheit des Individuums' auch auf südostasiatische Animisten erstreckt sehen möchte. Weswegen ich mich gegen JEDE Missionierung ausspreche, durch egal welche Konfession.

Was ich aber gern noch von Ihnen wüßte: an welchem Ort dieser Welt werden 'in einer indigenen Kultur unliebsame Neugeborene in routinierter Weise getötet'?

Hallo Goethe in Halberstadt,

danke für den Link.

"Hier, fand ich ganz gut:
http://www.dradio.de/dkul..." (#112)

"Es gibt mehr. Ich werde wieder versuchen es zu verstehen. Nächsten Sonntag zum Beispiel!"

http://www.dradio.de/dkul...

Herr Wullers passt als Sohn einer Deutschen und eines Kapverdianers wohl nicht in das staubtrockene katholische Klischee. Weder im Glauben noch im Sein.
Ein gutes Beispiel.
Guter Mann!

Kapverdischer Funana:
http://www.youtube.com/wa...
(Gängsda Räb auf katholisch) ;)

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