ReligionsfreiheitVatikan vermutet Zehntausende getötete Christen pro Jahr

Laut Vatikan werden rund 100.000 Christen jährlich wegen ihres Glaubens getötet. Die Untersuchungsgrundlage dieser Behauptung nennt der Heilige Stuhl vor den UN nicht.

Zwei Nonnen auf dem Petersplatz im Vatikan

Zwei Nonnen auf dem Petersplatz im Vatikan  |  © Jeff J Mitchell/GettyImages

Nach Einschätzung des Vatikans werden jedes Jahr weltweit mehr als 100.000 Christen wegen ihres Glaubens getötet. "Glaubwürdige Untersuchungen" seien zu diesem "schockierenden Ergebnis" gekommen, berichtete Radio Vatikan unter Berufung auf Erzbischof Silvano Maria Tomasi, den Ständigen Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen

Auf einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrats prangerte Tomasi zudem die Zerstörung von Gebetsstätten, Vertreibungen und Vergewaltigungen sowie Entführungen hoher Geistlicher wie zuletzt in Syrien an. Den genauen Wortlaut seiner Rede veröffentlichte der Vatikan auf seiner Internetseite.

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Besonders oft werde demnach im Nahen Osten, auf dem afrikanischen Kontinent und in Asien gegen das Gebot der Religionsfreiheit verstoßen. Dies sei das Ergebnis von "Sektierertum, Intoleranz, Terrorismus und diskriminierender Gesetze", kritisierte Tomasi. Dabei leiste die Kirche wichtige Sozialarbeit in Bereichen wie Bildung, Kinderbetreuung, Krankenfürsorge und Flüchtlingshilfe.  

Ähnlich wie Tomasi hatte kürzlich auch der Kurienbischof der römisch-katholischen Kirche, Mario Toso, dazu aufgerufen, die Diskriminierung von Christen "genauso zu verfolgen wie den Antisemitismus oder die Islamophobie".

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Leserkommentare
    • Ego1
    • 29. Mai 2013 7:44 Uhr

    Die Überschrift macht die problematische Haltung schon deutlich: Es wird die Zahl der vermutlich getöteten Christen genannt und gleich darunter: die Untersuchungsgrundlage wurde nicht genannt, nach dem Motto, wahrscheinlich eh nur Propaganda, wird alles nicht so schlimm sein.

    Ist es aber. Selbst wenn jemand diese Zahlen im Konkreten anzweifeln sollte, so ist die grundlegende Tendenz doch eindeutig. Das Christentum ist die meist verfolgte Religionsgemeinschaft der Welt. Besonders in kommunistischen (Nordkorea, China), muslimischen (Iran, Saudi-Arabien etc....) müssen viele Tausende Christen täglich Diskriminierungen und Bedrohungen hinnehmen-nur wegen ihres Glaubens. In manchen Regionen (z.B Irak) ist die Bedrohung so stark geworden, dass es einen Exodus aus dem Land gibt. Dies muss aufhören und klarer von der UN und den westlichen Staaten kommuniziert werden. Warum das nicht gemacht wird, liegt wohl daran, dass diese Dinge weit weg zu liegen scheinen....

    Dennoch kann die Welt nur verlieren, wenn dieses Morden nicht aufhört.

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    wie man bei dieser Vergangenheit und Gegenwart des Christentums überhaupt Christ sein will. Angefangen bei Morden und Verfolgung durch Christen bis hin zu dieser übekeiterregenden Hypokrisie.

    Dennoch kann die Welt nur verlieren,wenn das mit diesen Religionen nicht bald aufhört.

    I don't need religion I have a conscience.

  1. ... würde mein Kommentar hier vernichtender ausfallen. "Glaubwürdige Untersuchungen", was genau ist heutzutage an unserer Kirche denn "Glaubwürdig" ? Wie man an der Untersuchung des Sexskandals gesehen hat, ist die Kirche nicht daran interessiert die Wahrheit rauszufinden, sondern gut dazustehen. In diesem Fall die Opferrolle einzunehmen, obwohl Sie vielleicht lieber Ihre Täterrolle aufarbeiten sollte. Denn selbst die Zahl von 100 000 Menschen ist im Vergleich zu den Zahlen der Menschen die im Namen der katholischen Kirche getötet wurden eher gering.
    Ich will die Verfolgung und Tötung nicht verharmlosen, aber man sollte nicht mit Steinen werfen wenn man im Glashaus sitzt.

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    "Denn selbst die Zahl von 100 000 Menschen ist im Vergleich zu den Zahlen der Menschen die im Namen der katholischen Kirche getötet wurden eher gering."
    Dafür haben Sie sicher belastbare "glaubwürdige Untersuchungen".

    Übrigens: Nach dieser Logik dürfte "Deutschland" wegen der KZs jetzt und in aller Zukunft keine Menschenrechtsverletzungen mehr anprangern, oder?

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Sie meinen sexualisierte Gewalt gegen Kinder in der RKK?

    Ich möchte Sie bitten, Ihre Wortwahl zu überdenken. Ein 'Sexskandal' mag sein, daß katholische Priester massenhaft Kinder zeugen, ohne die Frauen heiraten und ihren Kindern in aller Offenheit Vater sein zu können. Ein 'Sexskandal' mag sein, daß Unternehmen Mitarbeiter mittels Bordellbesuch belohnen. 'Sexskandal' beschreibt i.d.R. einvernehmlichen Sex unter Erwachsenen, der nicht in übliche Moralvorstellungen passt.

    Sexualisierte Gewalt gegen Kinder, über Jahrzehnte nachweislich, über Jahrhunderte mutmaßlich durch eine Organisation strukturell verschleiert, ist kein 'Sexskandal', sondern sexualisierte Gewalt gegen Kinder (mit dem Schwerpunkt auf: Gewalt), begünstigt durch eine globale religiöse, wirtschaftliche, staatliche Macht, deren Messias die Kindlein zu sich kommen zu lassen wünscht.

    Sie sollten allerdings parallel dazu zur Kenntnis nehmen, daß in der RKK weit weniger Kinder vergewaltigt werden als in der Zivilgesellschaft, z.B. in Familien. Außerdem, daß sich die RKK lange vor dem 'Sexskandal' bereits Richtlinien des Umgangs mit sexualisierter Gewalt/Tätern gegeben hat, von denen so manche zivilgesellschaftliche Organisation immer noch träumt - von den Familien, dem Haupttatort sexualisierter Gewalt, ganz zu schweigen.

  2. "Denn selbst die Zahl von 100 000 Menschen ist im Vergleich zu den Zahlen der Menschen die im Namen der katholischen Kirche getötet wurden eher gering."
    Dafür haben Sie sicher belastbare "glaubwürdige Untersuchungen".

    Übrigens: Nach dieser Logik dürfte "Deutschland" wegen der KZs jetzt und in aller Zukunft keine Menschenrechtsverletzungen mehr anprangern, oder?

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    aber auch nur weil die Regierung nicht bis heute Nazis versteckt und vor internationalem Recht schützt. So wie die Kirche ihre Pädophilen seit Jahrzehnten gegen den Rechtsstaat schützt. Die Kreuzzüge spielen heute keine Rolle mehr. Ein Netzwerk von Kinderschänder das von der Dachorganisation geschützt wird. Das wäre so als wenn die deutsche Regierung ehemalige TopNazis verstecken würde es aber allen bekannt wäre. Glauben sie dann könnte sich Deutschland auch gegen Menschenrechtsverletzungen äußern und glaubwürdig bleiben?

    Also ich kann mich meinem Vorredner nur El_Diplomatico nur anschließen. Deutschland arbeitet seine Vergangenheit auf, gibt Fehler zu und leistet viel Wiedergutmachung, auch wenn das geschehen in keinster Weise wiedergutzumachen ist.
    Was genau macht denn die Kirche? Sie leugnet und vertuscht, und auch Sie scheinen die Inquisition und z.B. das Massaker in Jerusalem schon "vergessen" zu haben wenn Sie glaubwürdige Belege für Morde im Namen der katholischen Kirche fordern...

    • TDU
    • 29. Mai 2013 13:22 Uhr

    So einen Nick und so ein banales Statement. Wer dürfte wohl im Hinblick auf die Vergangenheit wen kritisieren nach Ihrer Logik?. Und wieso darf sich noch ein Christ, Spanier oder Portugiese in Südamerika auf halten und warum schliessen Türken und Griechen Freundschaften? Kalte Kriegs Logik vertreten Sie.

    Die jüngste Schikanen gegen Christen in Indoniesen, völlig anlasslos sind übrigens dokumentiert. Berichte allerdings dann, wenn wenig zu schauen.

  3. Leider wird ja "Christenverfolgung" von Christen meist als Verfolgung "von" Christen benutzt; dabei gibt und gab es deutlich mehr Verfolgung "durch" Christen. Eigentlich sollte das die Bedeutung sein.

    Und das Religionsfreiheit nicht bedeutet, seine Religion und Handlungsweisen anderen aufzuzwingen, ist auch nicht allen Christen klar, erklärt aber, dass sie sich überall verfolgt fühlen, wo sie nicht bestimmen dürfen.

    Auch wir sind mit der Aufklärung noch nicht durch. Auch wir haben keine Religionsfreiheit - gerade weil Christen hier Vorteile haben und sie Nichtchristen diskriminieren.

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    "Dabei gibt (!) und gab es deutlich mehr Verfolgung "durch" Christen"

    "dass sie sich überall verfolgt fühlen, wo sie nicht bestimmen dürfen."

    Das können Sie natürlich alles auch belegen.

    Die Christen, von denen im Artikel die Rede ist, bilden sich ihre Diskriminierung und Ermordung sicherlich nicht ein.

    Gut, dass Sie so detailliert über die Verhältnisse in Afrika, dem Nahen Osten und Asien Bescheid zu wissen scheinen.

  4. zu 2.
    Eine Quelle wären z.B. die Berichte Hilfsorganisation "open doors".

    Immer schwierig ist das Aufrechnen von Leid. Was kann eine christliche Frau, die wegen ihres Glaubens vergewaltigt wird, für das, was Sie der katholische Kirche vorwerfen? Sitzt die im Glashaus und wirft mit Steinen? Vielleicht stellen Sie sich mal aiuf die Seite solcher Menschen!

    Ausserdem ist noch nicht ausgemacht, daß das, was als "im Namen der (katholischen) Kirche" geschehen angepramgert wird, tatsächlich "im Namen" u.d.h. im Auftrag der katholischen Kirche geschehen ist. (Ich bin nicht katholisch!).

    Doch: solche Beiträge, wie unter Nr. tragen ganz und gar zur Verharmlosung solcher Verbrechen bei, sozusagen unter dem Motto: Selber schuld.

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    ist ein in der Evangelischen Allianz organisiertes Hilfs- und Missionswerk evangelikaler Christen, m.M.n. alles mögliche, aber keine seriöse Quelle.

    Als Beispiel dafür möchte ich das Länderprofil von open doors zu Myanmar http://www.opendoors.de/v... anführen: dort wird von der Verfolgung ethnischer Minderheiten, nämlich der Karen und Kachin berichtet. Die werden nicht deswegen verfolgt, weil sie (nicht selten frisch missionierte) Christen, sondern weil sie ethnische Minderheiten sind, die von der Regierung Myanmars bereits seit Jahrzehnten verfolgt wurden (ob sich unter der aktuellen Regierung eine Verbesserung abzeichnen wird, lasse ich hier mal dahingestellt). Es unterbleibt im Länderprofil von open doors JEDER Hinweis auf die laut UN am meisten verfolgte Minderheit der Welt http://derstandard.at/134... die muslimischen Rohingya. Ähnliches ließe sich für xx Länder in vergleichbarer Weise darlegen.

    Aus meiner Sicht wäre es weit zielführender, Verfolgung aus ethnischen, religiösen, politischen etc.etc. Gründen, bzw. die überall vorkommende Verfolgung von Minderheiten durch Mehrheiten anzuprangern, als daß nun der Vatikan sich der 'Seriosität' Evangelikaler anzuschließen versucht.

    Ja, auch Christen werden verfolgt. Es gibt keine einzige religiöse Gruppe auf der Welt, die nicht verfolgt wird und ihrerseits verfolgt.

  5. "Dabei gibt (!) und gab es deutlich mehr Verfolgung "durch" Christen"

    "dass sie sich überall verfolgt fühlen, wo sie nicht bestimmen dürfen."

    Das können Sie natürlich alles auch belegen.

    Die Christen, von denen im Artikel die Rede ist, bilden sich ihre Diskriminierung und Ermordung sicherlich nicht ein.

    22 Leserempfehlungen
  6. ... was man hier zum Teil an Relativierungen zu lesen bekommt. Wäre es nicht wünschenswert wenn es Weltweit keinerlei Verfolgung und zum Teil Ermordung auf Grund des Glaubens gäbe? Leider sieht die Realität anders aus!

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    "...Wäre es nicht wünschenswert wenn es Weltweit keinerlei Verfolgung und zum Teil Ermordung auf Grund des Glaubens gäbe?..."
    Da kann man Ihnen nur zustimmen. Doch wird es nur ein frommer Wunsch bleiben, so lange die Wurzel allen Übels besteht, dass der eigene Glaube der bessere und der Mensch anderen Glaubens deshalb zu verfolgen sei, das Denken beherrscht und das Wissen unterdrückt wird.

  7. 8. […]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen
  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sre
  • Schlagworte Vatikan | Religionsfreiheit | Diskriminierung | Erzbischof | Glaube | Terrorismus
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