Wer es als Mensch unter 30 wagt, sich Gedanken über die Zukunft zu machen, dem schallt oft genug entgegen: Jammert doch nicht, euch geht es gut! Und es stimmt ja auch: Meine Generation ist in materiellem Wohlstand aufgewachsen. Ich musste nie hungern, hatte immer ein warmes Dach über dem Kopf, und Internet, seit ich 15 bin. Sogar der Arbeitsmarkt scheint es inzwischen ganz gut mit uns zu meinen, denn trotz Krise und prekärer Beschäftigung ist die Jugendarbeitslosigkeit hierzulande bei Weitem nicht so gravierend wie in unseren europäischen Nachbarländern. Geht es uns also einfach nur zu gut?

Nein, wir jammern nicht, wie JU-Chefin Katrin Albsteiger fälschlicherweise über ihre Generation denkt. Dennoch erben wir keine schöne heile Welt. Wir spüren die Probleme nur noch nicht, die sich dafür umso massiver zusammenballen: Die Finanz- und Euro-Krise hat den staatlichen Schuldenberg auf neue Rekordhöhen getrieben. Allein die Bankenrettung kostete den deutschen Staat bisher rund 300 Milliarden. Irgendjemand muss das bezahlen: Allein die Zinsen kosten uns derzeit über 60 Milliarden Euro, Jahr für Jahr.

Dieses Geld fehlt an anderer Stelle, um in die Zukunft zu investieren: bei der Kinderbetreuung, Bildung oder der Energiewende. Die öffentlichen Bildungsausgaben sind gerade wieder auf das Niveau der 1990er Jahre zurückgeklettert. Dabei müsste der Staat doch umso mehr in die junge Generation investieren, denn sie muss die wachsenden Kosten für Pflege, Gesundheit und Renten in einer größer werdenden Rentengeneration tragen, zugleich mehr für sich selbst vorsorgen und nebenher die Zinslasten der staatlichen Schuldenberge bewältigen.

Trotzdem lässt sich unser Sozialstaat die Alten viermal mehr kosten als die Jungen, wie eine Studie des niederländischen Politikwissenschaftlers Pieter Vanhuysse vor Kurzem ausrechnete. Auch das Vertrauen auf eine solidarische Rente hat meine Generation längst verloren. "Ich fühle mich manchmal, als ob unsere Eltern eine Party gefeiert hätten und wir nun aufräumen müssten", wie neulich Katharina Nocun, die neue politische Geschäftsführerin der Piraten, auf ZEIT ONLINE schrieb.

Oft und gern sprechen wir darüber, was die Jungen den Alten schulden. In einer älter werdenden Gesellschaft müssen wir aber darüber reden, welche Verantwortung eigentlich die ältere Generation hat. Denn die Alten sind viele, sie haben Zeit, Geld und Wählerstimmen. Im Schnitt geht es den Senioren materiell wesentlich besser als den Jüngeren. Es gibt unter den Älteren viele Reiche. Richtig Reiche. Und die sollen einen Obolus an uns abgeben – für Kinderbetreuung und Bildung. Denn wir sind jung und brauchen das Geld.

Klar: Der Reichtum der Älteren soll irgendwann einmal zu uns wandern. Laut Deutschem Institut für Altersvorsorge werden im laufenden Jahrzehnt voraussichtlich 2,6 Billionen Euro hinterlassen – mehr als ein Viertel des gesamten privaten Vermögens. Aber von diesem Kuchen bekommt die angeblich so bevorzugte "Erbengeneration" nur ein ziemlich kleines Stück ab.

Denn erstens leben die Menschen heute länger als früher, was auch gut so ist. Das bedeutet aber auch, dass die nachfolgende Generation ihr Erbe später antritt als in früheren Zeiten. Der typische Erbe ist heute zwischen 40 und 65 Jahre alt, wie das Deutsche Institut für Altersvorsorge feststellt – vom Erbe profitiert also nicht die "junge" Generation, sondern die Babyboomer, ausgerechnet also die Generation, die ohnehin schon relativ reich und vor allem: zahlreich ist. Obendrein wird nur etwa ein Drittel des Erbes überhaupt an die nächste Generation weitergegeben. Zwei Drittel bleiben zunächst in der gleichen Generation, und werden beispielsweise auf Geschwister oder Lebenspartner übertragen.

Zweitens ist das Erbe extrem ungleich verteilt. Die meisten erben wenig bis gar nichts, nur wenige bekommen viel. Bei den "intergenerationellen" Erbschaften (also die Erbschaften, die der nächsten Generation hinterlassen werden) machen allein die obersten zwei Prozent bereits rund ein Drittel des gesamten Erbschaftsvolumens aus. Und auch der Rest ist äußerst ungleich verteilt. Diejenigen jungen Menschen, die am meisten Unterstützung bräuchten, haben am wenigsten von der Erbschaftswelle.

Ein Generationen-Soli in Form einer höheren Steuer auf große Erbschaften hätte mehrere Vorteile: Sie würde nur diejenigen betreffen, die es sich leisten können, weil man durch großzügige Freibeträge das Eigenheim oder die mühsam zusammengehaltenen Ersparnisse recht gut schützen kann. Zugleich würde sie mehr Chancengerechtigkeit schaffen. Denn schließlich haben die Erben dafür nicht gearbeitet und verdanken den Reichtum nur der Gnade ihrer Geburt. Die Gesellschaft kann das Geld gut gebrauchen: für erstklassige Schulen und Kinderbetreuung. Diese Investition in die junge Generation lohnt sich – für alle.