GeheimnisverratWie kann Snowden nach Ecuador geschleust werden?

Edward Snowden harrt am Moskauer Flughafen aus. Angeblich will der flüchtige Whistleblower nach Ecuador. Das Land verhandelt nun mit Russland darüber, wie das gehen soll.

Edward Snowden in den Moskauer Nachrichten

Edward Snowden in den Moskauer Nachrichten  |  © Tatyana Makeyeva/Reuters

Die Behörden von Ecuador verhandeln mit Russland über das Schicksal von Edward Snowden. Das berichtete der russische Staatssender Rossija 24. Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño habe sich persönlich in die Gespräche eingeschaltet.

In Ecuador hieß es, der 30-Jährige müsse sich auf ecuadorianischem Staatsgebiet befinden, um als Flüchtling anerkannt zu werden. Das südamerikanische Land hatte angegeben, dass der Amerikaner einen Asylantrag gestellt habe. Snowden soll jedoch noch immer im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo ausharren. In Moskau war die Information gestreut worden, Snowden wolle über Kuba nach Ecuador reisen. Allerdings sei er auch am Freitag nicht an Bord der Maschine nach Havanna gewesen, sagte ein Flughafenmitarbeiter.

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Russland will ihn nach Informationen der Nachrichtenagentur Interfax nicht festnehmen. Er sei weder offiziell nach Russland eingereist, noch habe er gegen russische Gesetze verstoßen, meldete die Agentur unter Berufung auf einen Informanten, der mit der Lage vertraut sei. Russland warte weiter auf einen offiziellen Auslieferungsantrag der USA, hieß es.

Nach Meinung von Experten könnte Snowden auch in der Botschaft Ecuadors in Moskau als Flüchtling des südamerikanischen Landes anerkannt werden. Dafür müsste der US-Bürger, der sich seit vergangenem Sonntag auf dem Moskauer Flughafens Scheremetjewo aufhält, aber die russische Grenze übertreten. Die US-Behörden haben jedoch Snowdens Reisepass annulliert. Die USA fordern von Russland die Auslieferung des "Verräters", der aus Hongkong anreiste.

Der russische Außenpolitiker Alexej Puschkow nannte den Fall tragisch. Snowden habe als Idealist offenbar davon geträumt, dass die Demokratie nach seinen Enthüllungen triumphieren werde, schrieb der Chef des Auswärtigen Ausschusses in der Staatsduma bei Twitter.

Der Vater des Flüchtigen, Lonnie Snowden, äußerte in einem Interview des TV-Senders NBC die Hoffnung, dass sein Sohn in die USA zurückkehren werde. Dafür müsste die Justiz aber gewährleisten, dass er bis zu einem möglichen Prozess nicht ins Gefängnis komme. Lonnie Snowden gestand aber auch ein, dass beide keinen Kontakt hätten.

Derweil bestätigte ein Pentagon-Sprecher, dass das US-Verteidigungsministerium den dienstlichen Zugang zu den von Snowden enthüllten Geheimdokumenten für Militärangehörige gesperrt hat. Es sei ein automatischer Filter auf den rund sieben Millionen Militär-Computern installiert worden, der beispielsweise entsprechende Artikel der britischen Zeitung The Guardian oder der Washington Post blockiere.

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Leserkommentare
    • simlei
    • 29. Juni 2013 11:33 Uhr
    1. […]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Danke, die Redaktion/jp

    Eine Leserempfehlung
  1. wenn die Zeit mal Herrn Binney ausführlich interviewen würde. Wäre sicher sinnvoller als sich dauernd mit der Berichterstattung um Snowden aufzuhalten und damit natürlich am eigentlichen Thema vorbeizureden. Nur so mal als Anregung.

    http://www.golem.de/news/nsa-whistleblower-sie-errichten-einen-totalitae...

    10 Leserempfehlungen
  2. Der Botschafter Ecuadors nimmt Snowden an der Hand. Dann ist Snowden dem Zugriff anderer Staaten entzogen, weil der Botschafter unantastbar ist. Dann setzt der Botschafter Snowden in ein Flugzeug, das ihn nach Ecuador bringt.

    Kurzum: Hier werden andere Sachverhalte verhandelt als die unkompliziert ins Werk zu setzende Verbringung Snowdens nach Ecuador.

    8 Leserempfehlungen
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    • fx66
    • 29. Juni 2013 15:56 Uhr

    Snowden müsste schon versteckt sein, im Kofferraum eines Autos z.B. Und durch die Sicherheitskontrolle käme er auch nicht mit dem Diplomaten.

    Also; mit dem Diplomatenauto in den Transitbereich gefahren, Snowden eingesackt, zur ecuadorianischen Botschaft gefahren und die Papiere ausgestellt. Dann kann er selbstständig reisen und Russland ist fein raus.

    denn einen Direktflug nach Ecuador von Russland aus gibt es offensichtlich nicht.
    So einfach nach Cuba reisen, ohne gültigen Pass geht scheinbar auch nicht.

    Die USA sollte den Mann einfach seines Weges gehen lassen (auch mit amerikanischem Pass), denn was hat die USA davon den Mann jetzt noch vor Gericht zu stellen? Wofür soll er denn jetzt ins Gefängnis, wo alle Welt inzwischen über die Spitzelei der NSA informiert ist.

  3. Ich würde es mit dem Flugzeug versuchen. Mit Auto und Schiff würde es wohl ein bisschen zu lange dauern und zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist wohl auch ein bisschen schwierig. Aber gut, vielleicht kommen die Experten da zu anderen Ergebnissen.

    14 Leserempfehlungen
  4. "Es sei ein automatischer Filter auf den rund sieben Millionen Militär-Computern installiert worden, der beispielsweise entsprechende Artikel der britischen Zeitung The Guardian oder der Washington Post blockiere."

    Totalitäre Methoden. "Wehe" Snowdon, wenn er amerikanischen Boden betritt oder Staaten, die mit den USA Auslieferungsabkommen haben.

    Der Fall Bradley Manning sollte für ihn ein warnendes Beispiel im Umgang mit vermeintlichen Staatsfeinden sein, ebenso die Aufrechterhaltung des Guantanmogefangenenlagers. Da ist es mit der Rechtsstaatlichkeit nicht weit her.

    Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Enthüllungen Snowdens tritt hinter dem Spektakel um Snowden selbst zurück, sehr bedauerlich.

    30 Leserempfehlungen
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    Genau das ist eigentlich der wichtige Part des Artikels, der leider nur am Rande erwähnt wird. Das Pentagon betreibt da Zensur indem sie Zeitungsartikel, die ihnen nicht in den Kram passen, sperren.

    • Ciko
    • 29. Juni 2013 11:56 Uhr

    Setzt den Mann in ein russisches Atom U-Boot und bringt ihn an die ecuadorianische Küste.

    8 Leserempfehlungen
    • WG
    • 29. Juni 2013 11:57 Uhr

    Snowdon & Friends werden es schon richten. Derweil geht Prism, Tempora & Co. - nebst Wut und Zorn der Bevölkerung darüber - in den Medien immer mehr unter. Immer hübsch politisch korrekt berichten, gell?

    9 Leserempfehlungen
    • lob05
    • 29. Juni 2013 12:04 Uhr

    diesen Mann

    http://bit.ly/1aWn4oW

    verstecken? ;-)

    Welch Ironie. Der Enthüller von derartigen Geheimnissen wird in den USA natürlich zum Staatsfeind Nummer 1 und findet ausgerechnet in Russland Unterschlupf, wo er bei einer ähnlichen Aufdeckung sicher schon tot in irgendeinem Straßengraben liegen würde. Ohne mir anmaßen zu wollen seine aktuelle Situation objektiv beurteilen zu können, sollte er vielleicht einfach in Russland einreisen, da er dort ja nun schon als "freier" Mann eingestuft wurde. Die Regierung Russlands würde sich wohl einen Dreck darum scheren, was die USA fordern. Die Möglichkeit diese vor der ganzen Welt bloßzustellen wird Putin doch gerade auf einem silbernen Tablett serviert - ich möchte fast darauf wetten, dass er seine Gelegenheit mit Freude nutzen würde.

    5 Leserempfehlungen
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    Wahrscheinlich geht es gerade darum, wie man Herrn Snowden SICHER nach Ecuador bringen kann. Und wie er dort auch einigermassen unbehelligt sein weiteres Leben fristen kann. Hinter den Kulissen wird offenbar gerade gedroht, korrumpiert etc.
    Unbegreiflich, dass sich die US-Behörden auf ein Niveau herab lassen, vor dem die Methoden der Stasi wie reiner Kindekram erscheinen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, lab
  • Schlagworte Edward Snowden | NBC | Russland | Flüchtling | TV-Sender | Twitter
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